Faule Kredite aus Griechenland mit 70 Prozent Discount

3. Juli 2014 / Aktualisiert: 20. November 2014 / Aufrufe: 875

Die Banken in Griechenland scheinen inzwischen ernsthaft die Veräußerung notleidender Kredite an Hedge-Fonds in Erwägung zu ziehen.

Auf dem Markt in Griechenland scheinen neue Gegebenheiten geschaffen zu werden, da Informationen zufolge die Banken bezüglich der „roten“ (sprich „notleidenden“) Kredite mittlerweile auch über einen bis zu 70% erreichenden Schnitt diskutieren sollen. Einige der Gläubiger sprechen sogar darüber, einen Satz von gerade einmal gut 10% des anfänglichen Kreditbetrags zu akzeptieren.

Diese Züge zeigen, dass die griechischen Banken Wasser in ihren Wein zu schütten und die schmerzhafte Realität zu akzeptieren beginnen, die keine andere als die ist, die besagt, es sei besser, 20% als letztendlich gar nichts zu bekommen. Gleichzeitig müssen sie im Gegensatz zu der von ihnen bisher zum Überdruss angewendeten Praxis der Rückstellungen und Verbriefungen jedoch auch die mit der Streichung der Kredite einhergehenden Auswirkungen auf den Cash Flow akzeptieren.

Zögern der Banken bewirkte ernsthafte Marktverzerrungen

Die Akzeptanz der Realität lässt auch die sogenannten Distressed (Debt) Funds zum Zug kommen, die bisher in dem Versuch auf eine Wand trafen, griechische Firmen aufzukaufen, die zwar in Schulden versanken, deren Gegenstand jedoch ein solcher ist, der sie „auferstehen“ lassen und Gewinne versprechen kann. Die Schwierigkeiten der Distressed Fonds hatten zum Resultat, dass in der Vergangenheit für die Gläubiger (nicht nur die Banken) die Gelegenheit verloren ging, einen erheblichen Teil ihrer Forderungen zurückzubekommen. Die Spielräume für die Beitreibung einer signifikanten Quote der Kredite sind inzwischen deutlich gesunken, welcher Umstand neue Tatsachen auf dem Markt schafft.

Es ist anzumerken wert, dass die beharrliche Weigerung der griechischen Banken, in der Vergangenheit den Verkauf der problematischen Kredite an Distressed Funds zu akzeptieren, die Schaffung von Verzerrungen auf dem Markt zum Ergebnis hatte, weil die Firmen ihren Betrieb unter außerhalb des Markts liegenden Bedingungen und Praktiken fortsetzten und damit auch gesunden Firmen Probleme bereiteten. Um die Streichung der Schulden zu vermeiden, wendeten die Banken bei den problematischen Firmen die Taktik der Securitisation ihrer Forderungen an, verbrieften also ihre Kreditforderungen zu Aktien, die sie Zweckgesellschaften (SPV) anboten, um Zeit zu gewinnen und die Verluste in der Hoffnung in die Zukunft zu verbuchen, dann „Speck“ zu haben.

Heute ist die Situation natürlich völlig anders und die Praxis der Umwandlung der Verbindlichkeiten in Aktien oder der indirekten „Konvertierung“ mittels Wandelanleihen hat keinen substanziellen Sinn mehr, weil das Volumen der problematischen Kredite ein solches und die Gesamtlage auf dem Markt dermaßen schlecht ist, dass derartige Züge schnell zu einem Bumerang werden.

Die Krähen sind für die Sanierung des Markts notwendig

Es sei betont, dass in letzter Zeit zahlreiche Funktionäre – entweder ausländischer oder unter einem ausländischen Deckmantel agierender griechischer – Distressed (Debt) Fonds auf dem Markt in Erscheinung treten. Einige schließen sogar auch nicht die Möglichkeit aus, dass wir – wann und wenn sich die Situation verbessern wird – sogar auch die Banken selbst indirekt als Distressed Debt Funds agieren sehen werden, um ihre Verluste wettzumachen – sie sich also an Gesellschaften beteiligen, die von ihnen selbst die Kredite in der Aussicht aufkaufen, die Firmen aufzukaufen und sie in Zukunft „sauber“ zu verkaufen.

Jedenfalls berichten gut informierte Quellen, dass von Seite diverser Distressed Fonds ein essentielles Interesse an dem Aufkauf griechischer Firmen existiert. Und so sehr auch die Portefeuilles dieser Art häufig wie Krähen agieren, wird ihre Präsenz für die Sanierung des Markts als notwendig betrachtet. Außerdem ist es vorzuziehen, dass eine Firma segmentiert und verkauft oder – noch besser – saniert wird und unter „normalen“ Bedingungen betrieben wird, anstatt geschlossen zu werden. Und auf einem Markt, wo die Finanzierung durch die Banken inexistent ist, stellt letztendlich für Unternehmen mit Finanzierungsproblemen die Schließung ein unvermeidbares Ende dar.

Es ist zu erwarten, dass der Finanzierungsengpass sich mit dem kontinuierlichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität, aber auch dem an der Front der Finanzierung der Aktiva der Kreditinstitute ausgeübten Druck, welche die Finanzierungshähne wenigstens bis zu den im Herbst 2014 erfolgenden europäischen „Stress Tests“ geschlossen halten werden, als gegeben auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird. In dem bis zum September 2014 verbleibenden Zeitraum gilt als gegeben, dass sich die Liquiditätsprobleme für in einer schwierigen Lage befindliche Firmen verstärken werden.

In diesem Zeitraum werden sich die Investitionsvoraussetzungen für die Distressed Fonds noch günstiger gestalten. Ihre Geschäftigkeit fokussiert sich auf Industrieunternehmen mit bedeutenden Produkten, den Immobiliensektor, die Hotels und den Einzelhandel, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht unabhängig von der Sparte auch jede andere sich ergebende Gelegenheit in Erwägung ziehen.

Ergänzend sei angemerkt, dass laut den am 25 Juni 2014 von dem ehemaligen Finanzminister und nun neuen Präsidenten der Bank of Greece, Giannis Stournaras, bekannt gegebenen Daten das Volumen der leistungsgestörten Kredite die Höhe von insgesamt 77 Mrd. Euro erreichte. Davon entfallen 42 Mrd. Euro auf Kredite an Unternehmen, 25 Mrd. Euro auf Bau- / Wohnungskredite und 10 Mrd. Euro auf Verbraucherkredite.

(Quellen: Sofokleous10.gr, Medienberichte)

Relevante Beiträge:

Kommentare sind geschlossen