Das griechische Problem und die Japanisierung Europas

7. Juli 2014 / Aktualisiert: 13. März 2016 / Aufrufe: 962
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Griechenlands Unfähigkeit, auf die Krise zu reagieren, und die Zaghaftigkeit der europäischen Führer haben die europäische Wirtschaft in einen Teufelskreis geführt.

Die europäische Schuldenkrise schließt das vierte Jahr und alles zeigt, dass die Kassandren bestätigt werden, die eine „Japanisierung“ Europas voraussahen.

Viele verschiedene Stimmen, viele verschiedene Meinungen, das Fehlen einer Vision – die europäischen Führer haben innerhalb von nur 4 Jahren fertiggebracht, die gesamte Architektur der Europäischen Union in Frage zu stellen. Deutsche, Holländer, Spanier, Italiener und alle übrigen ziehen jeder in seine Richtung, während die europäische Wirtschaft sich weiterhin auf einem gespannten Seil befindet und – wie auch die japanische Wirtschaft zu Beginn der 90er Jahre – eine Krise ohne Ende vor sich zu haben scheint.

Die europäische Wirtschaftskrise war vorprogrammiert

Als gegen Ende der 90er Jahre die Währungsunion und die Einführung des Euro vorbereitet wurde, war den europäischen Führern sehr wohl bekannt, dass sie etwas Unvollständiges vorbereiteten. Die Währungsunion mag gut für die Stützung des Handels und der gemeinsame Zinssatz gut für die Stützung der Wirtschaft sein. Es wurde jedoch von Anfang an ausschließlich eine Währungsunion gewählt, ohne eine volkswirtschaftliche und politische Union, die zu einem Modell einer föderalistischen Regierungsführung führen würde. Parallel gab es die lockere ineffiziente Aufsicht des Vertrags von Maastricht, der nicht mehr als die fiktive Konvergenz des Südens mit dem Norden erreichte.

Die Schöpfer des Euro wussten, dass selbiger Euro innerhalb eines logischen Zeitraums die Umstände für eine tiefe Wirtschaftskrise geschaffen haben würde und hofften einfach nur, die europäischen Führer würden dann hinreichend unter Druck stehen, damit sie dazu schreiten, für das sie vor der Schaffung der gemeinsamen Währung nicht bereit waren.

Die Krise begann von Griechenland, das seit geraumer Zeit die Rolle des üblichen Verdächtigen der Eurozone inne hatte. Seine Unfähigkeit, auf die Krise zu reagieren, parallel zu der Zaghaftigkeit der europäischen Führer, schnell einen effizienten Plan umzusetzen, der einerseits Griechenland retten und andererseits die Überlebensfähigkeit der Eurozone sicherstellen würde, hat inzwischen die europäische Wirtschaft in den Teufelskreis geführt, in den 1990 aus ähnlichen Gründen auch Japan geriet. In einen Teufelskreis, aus dem es immer noch nicht herauszukommen geschafft hat.

Das Problem kann nicht endlos verschleppt werden

Theoretisch existieren die Werkzeuge für den Ausgang aus der Krise bereits. Sei es die im Juni vereinbarte Bankenunion, sei es das Programm zum Anleihenaufkauf von Seite der EZB, alle für die Bewältigung der Krise erforderlichen Werkzeuge sind bereits geschaffen und vereinbart worden. Trotz dieser Tatsache funktioniert jedoch von all dem nichts und es existiert auch kein Zeitplan, es in Betrieb zu nehmen. Die Bankenunion, der sogar auch Frau Merkel zustimmte, ist inzwischen von Deutschland selbst und seinen Banken gekippt worden, die sich auf keinen Fall unter der Aufsicht der EZB oder einer anderen zentralen europäischen Behörde wiederfinden wollen. Die EZB wiederum versucht von ihrer Seite, die europäische Wirtschaft aus dem Sumpf herauszubringen, die Reaktionen der Deutschen fürchtend sind ihre Schritte jedoch klein.

Griechenland wird in einem hohen Maß das Umfeld dafür gestalten, wie sich die Krise der Eurozone entwickeln wird. Die Verhandlungen rund um die griechische Verschuldung werden nach den Stress-Tests der EZB beginnen, und alles deutet darauf hin, dass sie Monate dauern werden. Sie mögen Zeit zu gewinnen versuchen, vielleicht bis in die ersten Monate des Jahres 2015, irgendwann werden sie sich jedoch dem Problem stellen müssen – und dann werden sie die große Entscheidung zu treffen haben.

In einer neuen Analyse betonte jedenfalls die Goldman Sachs die Notwendigkeit, dass es eine baldige Erleichterung der griechischen Verschuldung und weniger volkswirtschaftliche Maßnahmen gibt, damit die politischen Spannungen und die Ungewissheit vermieden werden.

Goldman Sachs hält neue Umschuldung für unwahrscheinlich

Die Investment-Bank führt an, 2014 werde das erste Jahr sein, in dem das Wachstum zu positiven Rhythmen rückkehren wird (wenn auch auf niedrigen Niveaus), geführt von der starken touristischen Saison, der Minderung der Auswirkungen der Austeritäts-Maßnahmen auf das BIP (fiscal drag), dem Anstieg der Nachfrage und der Lockerung der Umstände auf dem Finanzsektor.

Wie in der Analyse betont wird, gehen die letzten Daten über die Vertrauens-Indizes (Wirtschaftsklima-Index, PMI) sowie auch die jüngst über die Einzelhandelsumsätze bekannt gegebenen Daten in diese Richtung. Laut dem Investment-Haus helfen die Reformen im Beschäftigungswesen und Versicherungssystem Griechenland, einen Teil der Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, die es in den Jahren nach seiner Eingliederung in den Euro verloren hatte.

Zusätzlich unterstreicht die Goldman Sachs, die volkswirtschaftliche Dynamik und die Struktur der griechischen Verschuldung schränken inzwischen die mittelfristigen Gefahren eines Bruchs von Verpflichtungen ein. „Der Haushalt weist weiterhin einen stabilen Primärüberschuss aus, der gemäß den Daten der OECD in zyklisch angeglichenen Terms bereits ab 2014 die Höhe von 7% des potenziellen BIP erreichen könnte„, lautet es in der Analyse.

Die Analytiker der Goldman Sachs merken an, dass die Fälligkeiten der von dem offiziellen Sektor gehaltenen griechischen Verschuldung (die fast 84% der Gesamtverschuldung ab 2016 darstellt) außerordentlich langfristig sind (15 – 30 Jahre) und die Coupons der Anleihen gesunken sind. Weiter unterstreichen sie, dass diese Struktur der Verschuldung die Bedienung des Schuldenbestands erleichtert und die Umschuldung der in geringem Umfang handelbaren Anleihen (des privaten Sektors) fast unwahrscheinlich macht, da die wie auch immer gearteten Kosten die Vorteile übersteigen würden.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

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