Tsipras: Deutschland will Südeuropa als Kolonie

6. Juni 2014 / Aufrufe: 1.686

Der SYRIZA-Vorsitzende Alexis Tsipras bezichtigt Merkel und Schäuble, Südeuropa zu einer Sonderwirtschaftszone und Niedriglohn-Kolonie machen zu wollen.

Alexis Tsipras, Vorsitzender der SYRIZA-Partei in Griechenland, attackierte in einem Interview an die Le Monde hart die deutsche Regierung, die „Südeuropa als eine Sonderwirtschaftszone haben will“ und bezog sich auch auf den Gerüchten zufolge forcierten Wechsel des derzeitigen griechischen Finanzministers Giannis Stournaras vom Finanzministerium in die Position des Präsidenten der Griechischen Bank.

Hinsichtlich der Wirtschaftspolitik der Eurozone meinte Alexis Tsipras: „Frau Merkel und Herr Schäuble haben einen strategischen Plan, der Germanisierung Europas und Kolonialisierung Südeuropas genannt wird. Sie wollen in der Peripherie Europas eine Sonderwirtschaftszone mit niedrigen Löhnen schaffen, eine Zone, die in Kombination mit der strukturellen Arbeitslosigkeit von den Einschränkungen der Arbeitsgesetzgebung befreit ist. Sie meinen, dass auf diese Weise die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähig sein wird.

Stournaras war von Anfang an eine Wahl Berlins

Bezüglich der Europawahl 2014 erklärte Alexis Tsipras, der Aufstieg der Rechtsextremisten in ganz Europa sei ein Resultat der Austerität „die den Mittelstand und die unteren Schichten vernichten und sie den Neonazis in die Arme treiben„, und rechtfertigte seine Entscheidung, das Recht des Jean-Claude Juncker als Sieger der Wahlen zu verteidigen, mit der Findung einer Mehrheit für den Vorsitz des Parlaments beauftragt zu werden.

Schließlich bezog der Vorsitzende der SYRIZA sich mit harten Worten auf die Rolle des – von ihm als Wahlkandidaten Berlins bezeichneten – Giannis Stournaras, der in die Position des Präsidenten der Griechischen Bank gehievt werden soll, damit das Verhandlungspotential der kommenden griechischen Regierung kurzgeschlossen und beschnitten wird:

Und nun verlangen die selben Führer, dass Stournaras Präsident der Griechischen Bank wird. Stournaras war von Anfang an eine Wahl Berlins. Er nimmt Schäubles Befehle entgegen. Indem sie ihn in die Position des Leiters der Griechischen Bank einsetzen, versuchen sie, das Verhandlungspotential der kommenden griechischen Regierung kurzzuschließen und zu mindern. Weil Herr Schäuble einen strategischen Plan hat: in Griechenland die Austerität für die nächsten 20 Jahre dauerhaft zu etablieren. Genau diesen Plan wollen wir im Auftrag des Volkes verhindern. Im Europa des Südens wird eine SYRIZA-Regierung ein Beispiel darstellen.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Ronald
    6. Juni 2014, 08:34 | #1

    Eine „Sonderwirtschaftszone mit niedrigen Löhnen“ kann und wird Griechenland nie werden. Jedenfalls nicht, wenn Griechenland im Euro bleibt. Und selbst wenn Griechenland aus dem Euro ausscheiden würde würde niemand in eine Ansiedlung von Industrie in GR investieren, weil die politische Lage zu unsicher ist und durch die Bürokratie Investitionen erschwert werden. Weiterhin gibt es innerhalb der EU Länder, in denen die Löhne niedrig und die Investitionsbedingungen besser sind. Weiterhin haben die deutschen Unternehmen, die Ihre Produktion in Billiglohnländer auslagern wollen dies längst getan, der Kuchen ist also schon verteilt.
    Tsipras bedient einfach nur wieder Verschwörungstheorien. Entweder weiss er das selbst oder er hat keine Ahnung von der Wirtschaft. Tsipras wird wahrscheinlich der nächste Ministerpräsident von Griechenland. Dann werden die Griechen sehen, dass er sich um 180 Grad dreht oder das Land wirklich bankrott geht. Ich bin da sehr gespannt …

  2. Rudi
    6. Juni 2014, 08:42 | #2

    Na, ja, ich kenne jedenfalls keinen Deutschen, und ich kenne viele, der von einer Germanisierung Europas und Kolonialisierung Südeuropas träumt und eine solche Politik gutheißt. Aber ich kenne ja auch keine Bonzen und Nazis.
    Merkel & Co. machen mit Ihrer Umverteilungspolitik solange weiter, bis die schöne europäische Idee wie eine Luftblase zerplatzt und Nationalisten fröhliche Urständ feiern. Der nächste Krieg in Europa ist dann auch nicht mehr weit.

  3. Skorpianne
    6. Juni 2014, 10:54 | #3

    Glaubt Herr Tsipras das wirklich? Wenn das so ist, scheint bei ihm einiges durcheinander geraten zu sein.

  4. herbert
    7. Juni 2014, 00:48 | #4

    Ich denke mir, Herr Tsipras sollte sich erstmals wenn er so eine populistische Aussage an die Öffentlichkeit preisgibt sich mal mit seinem Kollegen Herrn Gysi kurz schließen. Herr Gysi wird Ihm gerne ein paar Nachhilfestunden geben können im Bereich Ökonomie, Bankenwesen und Ihm dabei wertvolle Tipps geben was wirklich Sache ist. Es sind genau diese Aussagen von Populismus die auf der Grundlage von Unterstellungen, Nichtwissen basieren. Es werden halt Leute gesucht und gefunden die so einen Unsinn noch glauben sollen. Man kann nur den Kopf schütteln. Die europäische Frage wird auch in Griechenland von der breiten Öffentlichkeit nicht in Frage gestellt auch wenn diese mit großem Leid und Entbehrungen noch verbunden sind.

  5. HJM
    7. Juni 2014, 14:22 | #5

    Wie wäre es mit einem neuen deutschen Wort: „tsiprasieren“? Geht etwas schwer über eine germanische Zunge, würde aber kurz und knapp zum Ausdruck bringen: „größtmöglichen, verantwortungslosen Unsinn reden“.

  6. Heinz
    8. Juni 2014, 22:36 | #6

    Bitte wählt doch den Tsipras endlich in die Staats-Verantwortung!

  7. Ruul
    9. Juni 2014, 15:24 | #7

    Ein Billiglohnland, Hr .Tsipras, finden Sie bereits in Europa. Nämlich Deutschland. Präkere Arbeitsverträge, Zeitarbeit ohne Kündigungsfrist, “ Facharbeiter “ mit 1 € Jobs, nicht wenige davon mit Akkademischem Bildungsgrad usw. Rentner, dessen erbrachte Arbeitsleistung, nach über 45 Jähriger Tätigkeit, nicht ge“würdigt “ wird, suchen im Abfall nach Pfandflaschen oder sonstiegen verwertbaren Dingen (Abgelaufene Lebensmittel etc.). In Deutschland gibt es die sogenannte „Tafel“ , die Schlangen zum Anstehen werden immer länger. Dort gibt es für bedürftige, abgelaufene oder nicht mehr Verwertbare Lebensmittel. Warum glaubt IHR eigentlich, müssen diese Menschen, für das Versagen EURER Politik geradestehen. Schöne Grüsse aus dem „SCHLARAFFENLAND“.

  8. GR-Block
    10. Juni 2014, 02:14 | #8

    Es ist so furchtbar, wieder mal muss das deutsche Volk die Drecksarbeit machen, und seine gewählten Regierungen sind aktiv ganz vorne dabei. Zuerst sollte es mit seinen Steuergeldern die Korruption seiner Arbeitgeber nach Südeuropa finanzieren (sagten Kohl und Schröder). Danach musste es in Fabriken arbeiten, deren Besitzer Waren nach Süden lieferten, die dort eigentlich keiner bezahlen konnte (sagen die Fabrikbesitzer). Und nun muss es auch noch dafür kämpfen, die entstandenen Schulden zu übernehmen, damit seine Fabrikbesitzer nur ja nicht auf den Kosten sitzen bleiben (sagt Merkel).
    Und wir dachten, die Griechen sitzen in der Scheiße. Dabei ist es der deutsche Untertan, der nicht aus seiner Haut kann. Und davon gibt es so viele, nämlich 90% der Erwerbstätigen. Wie schafft man es aber, sie immer wieder derart zu aktivieren, die Deutschen? Sind es die charismatischen Kanzler von Adolf bis Angela? Oder liegt es an der ausgebufften Propagandamaschinerie ihrer Medien? Oder etwa an dieser panischen Angst, Wohlstand zu verlieren, trotz 52% Beschäftigung?
    Nein, es muss diese alte heimliche Sehnsucht, diese speziell deutsche Form des Humanismus sein, die Welt müsse am DEUTSCHEN Wesen genesen – 19. Jahrhundert. Wer sich in der Industrialisierung so sehr modernen Junkern unterordnen musste, hat den Wunsch, andere zu belehren. Da bleibt kein Platz für nationale Couleur in Europa.

  9. Werner Titz
    20. Juni 2014, 22:21 | #9

    Die Germanisierung Europas ist längst ein Faktum. Deutschland, das in unverantwortlicher Weise die Länder Südeuropas mit seiner Exportware beliefert hat, als längst klar war dass diese nie bezahlen können, will jetzt die sorglos verursachten Aussenstände durch Vergesellschaftung der Schulden eintreiben.
    Der Vorschlag von Tsipras ist fair: er will Konditionen für Griechenland, wie sie Deutschland von den Siegermächten 1953 zugestanden wurden. Die Zinsen und Rückzahlungen sollen vom Wirtschaftswachstum bezahlt werden und nicht von er jetzt noch dürftigeren wirtschaftlichen Essenz, die zu einem Einbruch der Wirtschaft von über einem Viertel in 4 Jahren geführt hat.
    Griechenland stimmte damals der großzügigen Vereinbarung für Deutschland zu, nur 8 Jahre nachdem die deutschen Nazi-Truppen Griechenland verwüstet hatten! Deutschland dagegen (Kauder: ‚man spricht wieder deutsch in Europa‘) erpresst Griechenland mit der Troika. Man sollte auch bedenken, was der sonst sehr verhalten formulierende Habermas zur neuen deutschen Arroganz und zum Hegemoniestreben der deutschen Politiker, ob CDU oder SPD, zu sagen hat.

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