Steuerwahn vernichtet Kleinunternehmer in Griechenland

9. Juni 2014 / Aufrufe: 3.167
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Das in Griechenland 2014 für das gesamte Jahr 2013 rückwirkend in Kraft getretene neue Besteuerungssystem treibt Kleinunternehmer und Selbständige unweigerlich in den Ruin.

Hunderttausende mittelständische Gewerbetreibende und Selbständige in Griechenland, die während des Jahres 2013 aus der Ausübung ihrer Aktivitäten nur spärliche Einkommen erzielten oder sogar anstatt Gewinnen Verluste hatten, sind mit einem unglaublichen neuen Steuer-Albtraum konfrontiert.

Das neue System der Besteuerung für Personenunternehmen bringt Steuern auf inexistente Einkommen, da eine Steuer von 26% „ab dem ersten Euro“ plus eine Vorauszahlung von 55% für das nächste Jahr erhoben wird – und zwar sogar auch auf nicht existierende Einkommen, die auf Basis sogenannter Einkommens- und Lebensführungsindizien festgesetzt werden.

Exorbitante Besteuerung trotz unternehmerischer Verluste

Die neuen belastenden steuerlichen Regelungen des Gesetzes N. 4110/2013, mit denen alle Einkommens-Steuerfreibeträge und Steuerbefreiungen abgeschafft und für sämtliche Personenunternehmen eine Steuer von 26% ab dem ersten Euro des steuerpflichtigen Nettoeinkommens verhängt wurde, lassen in diesem Jahr in Kombination mit den bereits geltenden Bestimmungen über die sogenannten Lebensführungsindizien und die Erhebung einer Steuervorauszahlung von 55% die steuerlichen Belastungen „kleiner“ Selbständiger und Unternehmer in exorbitante Höhen schießen.

Sogar wenn ein Steuerpflichtiger mit einem Personenunternehmen während der Dauer des Jahres 2013 keine Gewinne, sondern Verluste hatte, wird er in diesem Jahr besteuert, als ob er Reingewinne in Höhe von minimal 2.500 oder 3.000 Euro gehabt hätte, die sogar bis zu 12.000 Euro erreichen können, da das Finanzministerium in jedem solcher Fälle den Betrag des steuerpflichtigen Nettoeinkommens unter Berücksichtigung völlig illusorischer und willkürlich definierter Lebensführungsindizien auf utopische Höhen festsetzt.

Steuern für nicht existierendes Einkommen

Konkret wird jedes Personenunternehmen, das für das Geschäftsjahr 2013 einen Verlust deklariert, für ein nicht existierendes Einkommen besteuert, das von dem Finanzministerium auf Basis der Bestimmungen über die „objektiven Ausgaben“ oder „Lebensführungsindizien“ auf utopische Niveaus festgesetzt wird.

Das selbe geschieht auch mit jedem Personenunternehmen, das in diesem Jahr in seiner Steuererklärung einen relativ spärlichen realen steuerpflichtigen Nettogewinn deklariert, der 6.000 Euro nicht übersteigt. Das Finanzministerium setzt in diesen Fällen das steuerpflichtige Einkommen auf Basis der Lebensführungsindizien auf ein erheblich höheres Niveau fest, das nicht selten bis zu 10.000 oder sogar auch 12.000 Euro erreichen kann.

Imaginäres Einkommen wird in reales umgetauft

Danach wird der utopische fiktive Betrag des steuerpflichtigen Einkommens gemäß Gesetz 4110/2013 zu einem Einkommen aus der Ausübung eines Personenunternehmens „umgetauft“ und auch dieses (fiktive Einkommen) ab dem ersten Euro mit 26% besteuert. Zusätzlich erhöht sich in vielen Fällen der sich auf Basis des Steuersatzes von 26% ergebende Steuerbetrag wegen der Erhebung einer „Steuervorauszahlung für das kommende Jahr“ um 55%, was zur Folge hat, dass der letztendlich resultierende Steuersatz, mit dem das Unternehmen für das nicht existierende und utopische fiktive steuerpflichtige Einkommen belastet wird, das Niveau von 40,3% erreicht (Steuer von 26% plus Vorauszahlung von 55% auf die Steuer).

Damit dieser Steuerabzocke-Mechanismus, den in diesem Jahr das Finanzministerium nach den Regelungen zur Anwendung bringt, die der Finanzminister Giannis Stournaras und seine „Partner“ der Troika gemeinsam gesetzlich etablierten, besser verständlich wird, führen wir die nachstehenden Beispiele an:

Beispiel 1: Einkommensteuer von 2.498,60 € für ein Unternehmen, das einen Verlust von 3.000 € deklarierte!

Fall eines Steuerpflichtigen mit einem persönlichen Handelsunternehmen und einem (1) wirtschaftlich abhängigen Kind, der für das Jahr 2012 ein Netto-Jahreseinkommen von 6.800 Euro deklarierte, während er 2013 aus der Ausübung seiner Aktivität einen Verlust von 3.000 Euro hatte. Dieser Steuerpflichtige bewohnt eine Wohnung mit einer Fläche von 80 Quadratmetern und hat kein privates Fahrzeug.

Auf Basis der bis 2013 geltenden Gesetzgebung zahlte der konkrete Steuerpflichtige überhaupt keine Einkommensteuer, weil für ihn ein steuerlicher Grundfreibetrag von 5.000 Euro und ein zusätzlicher Freibetrag von 2.000 Euro für sein wirtschaftlich abhängiges Kind, also ein Einkommensteuerfreibetrag von insgesamt 7.000 Euro galt.

Mit dem in diesem Jahr geltenden neuen Besteuerungssystem wurden auf Basis des Gesetzes 4110/2013 für das Geschäftsjahr 2013 (rückwirkend!) der Basisfreibetrag von 5.000 Euro und die Erhöhungen des Steuerfreibetrags auf Basis der Anzahl der wirtschaftlich abhängigen Kinder gestrichen und der konkrete Selbständige wird nunmehr aufgefordert sein, eine Steuer von 26% auf einen irrealen jährlichen „Reingewinn“ zu zahlen, der – auf Basis der sogenannten Lebensführungskriterien – auf das Niveau von 6.200 Euro festgesetzt wird.

Spezieller wird bei der Abrechnung seiner Steuererklärung, in der selbiger Steuerpflichtige einen Verlust von 3.000 Euro deklariert, die Zentrale für öffentliche Einnahmen (GGDE) des Finanzministerium das steuerpflichtige Jahreseinkommen auf fiktive Weise automatisch auf das Niveau von 6.200 Euro bestimmen und dafür das minimale „Indiz“ von 3.000 Euro (= „Kopfpauschale“) und das Lebensführungsindiz der Wohnung berücksichtigen, das sich auf 3.200 Euro beläuft (80 m² x 40 Euro pro m² = 3.200 Euro).

Einkommensteuer plus Vorauszahlung

Auf das fiktive Jahreseinkommen von 6.200 Euro wird der konkrete Steuerpflichtige aufgefordert sein, eine Haupt-Einkommensteuer von 1.612 Euro zu zahlen (6.200 € x 26% = 1.612 €). Auf den Betrag der Hauptsteuer wird jedoch von der GGDE des Finanzministeriums auch eine „Steuervorauszahlung für das nächste Fiskaljahr“ mit einem Satz von 55% berechnet und eine zusätzliche Steuer von 886,60 Euro erhoben werden (1.612 € x 55% = 886,60 €). Während also der Steuerpflichtige des Beispiels in Wirklichkeit einen Verlust von 3.000 Euro hatte, wird er für ein utopisches fiktives Einkommen in Höhe von 6.200 Euro besteuert und aufgefordert sein werden, einen Gesamtbetrag an Belastungen zu zahlen, der sich auf den Betrag von 2.498,60 Euro (1.612 € + 886,60 € = 2.498,60 €) beläuft! Die steuerliche Gesamtbelastung des konkreten Gewerbetreiben wird sich auf 40,4% seines (wohlgemerkt fiktiv festgestellten) Gesamteinkommens belaufen (2.498,60 € entsprechen 40,3% des Betrags von 6.200 €)!

Beispiel 2: Steuer von 2.498,60 € für reales Einkommen von 3.400 €

Angenommen, der vorstehende Steuerpflichtige wird für das Geschäftsjahr 2013 ein Einkommen (Netto-Gewinn) von 3.400 Euro deklarieren. Es sei ebenfalls angenommen, dass der konkrete Gewerbetreibende eine Mietwohnung mit einer Fläche von 80 m² bewohnt und über keinerlei sonstiges Vermögenselement (Pkw, Boot usw.) verfügt.

Einzig und allein, weil der konkrete Steuerpflichtige … lebt und atmet, geht die Zentrale für öffentliche Einnahmen des Finanzministeriums davon aus, dass er ein minimales fiktives Einkommen (= „Kopfpauschale“) von 3.000 Euro hat. Zu diesem fiktiven Einkommen wird das „Indiz“ der Wohnung des Steuerpflichtigen hinzugerechnet, das sich auf 3.200 Euro beläuft. Das ihm von der GGDE des Finanzministerium angelastete fiktive Gesamteinkommen wird 6.200 Euro betragen. Weil dieser Betrag höher als das deklarierte Einkommen von 3.400 Euro ist, wird der konkrete Gewerbetreibende für das fiktiv festgestellte Einkommen von 6.200 Euro besteuert werden. Für dieses Einkommen wird aufgefordert sein, eine Steuer von 26% ab dem ersten Euro zu zahlen, die dann wegen der Erhebung einer „Steuervorauszahlung für das kommende Jahr“ um 55% erhöht werden wird. Konkret wird er zahlen:

  • Hauptsteuer 26%: Diese Steuer wird auf das fiktive Jahresgesamteinkommen von 6.200 Euro berechnet werden und den Betrag von 1.612 Euro erreichen (6.200 Euro x 26% = 1.612 Euro).
  • Steuervorauszahlung von 55% für das kommende Jahr„, erhoben auf die Hauptsteuer: Die Vorauszahlung von 55% wird auf den Betrag der Hauptsteuer, also den Betrag von 1.612 Euro erhoben werden und sich auf 886.60 Euro belaufen (1.612 Euro x 55% = 886,60 Euro).

Die steuerliche Gesamtbelastung des konkreten Steuerzahlers wird also auf 2.498,60 Euro (1.612 € +886,60 € = 2.498,60 €) hochschießen! Dieser Betrag entspricht 40,3% des fiktiven Einkommens bzw. 73,48% des deklarierten (realen) Einkommens von 3.400 Euro!

Beispiel 3: Einkommensteuer von 4.940,78 € für einen kinderreichen Gewerbetreibenden mit einem Einkommen von 6.000 €!

Fall eines Steuerpflichtigen mit einem Personenunternehmen, verheiratet und mit vier wirtschaftlich abhängigen Kindern, der für das Jahr 2012 ein Netto-Jahreseinkommen von 14.000 Euro deklarierte, während er 2013 aus der Ausübung seiner Aktivität ein um 57% gemindertes Einkommen, also 6.000 Euro auswies. Dieser Steuerpflichtige bewohnt ein Einfamilienhaus mit einer Fläche von von 70 Quadratmetern und hat ein vier Jahre altes privates Fahrzeug mit einem Hubraum von 1.600 cm³

Auf Basis der bis 2013 geltenden Gesetzgebung zahlte der konkrete Steuerpflichtige überhaupt keine Einkommensteuer für das von ihm deklarierte reale Einkommen von 14.000 Euro, weil für ihn ein steuerlicher Grundfreibetrag von 5.000 Euro und ein zusätzlicher Freibetrag von 2.000 Euro für jedes seiner beiden ersten wirtschaftlich abhängigen und 3.000 Euro für jedes seiner beiden nächsten Kinder (3. und 4.), also ein Einkommensteuerfreibetrag von insgesamt 15.000 Euro (5.000 € + 2.000 € + 2.000 € + 3.000 € + 3.000 € = 15.000 €) galt.

Mit dem ab diesem Jahr (2014) geltenden neuen Besteuerungssystem wird für das Geschäftsjahr 2013 die GGDE des Finanzministeriums auf Basis des Gesetzes N. 4011/2013 als steuerpflichtiges Einkommen nicht den niedrige(re)n Betrag von 6.000 Euro, sondern einen sehr viel höheren Betrag berücksichtigen, den sie auf Basis der sogenannten Lebensführungsindizien bestimmen wird! Konkret wird einzig und allein, weil der konkrete Steuerpflichtige … lebt und atmet, die GGDE des Finanzministeriums davon ausgehen, dass er ein „minimales fiktives Einkommen“ von 2.500 Euro (> „Kopfpauschale“) hat. Zu diesem fiktiven Einkommen wird das „Indiz“ der Wohnung des konkreten Steuerpflichtigen hinzugerechnet, das sich auf 3.360 Euro beläuft, sowie ebenfalls auch das „Indiz“ für das Privatfahrzeug, das sich auf 6.400 Euro beläuft. Das ihm 2014 von der GGDE des Finanzministerium angelastete fiktive Gesamteinkommen wird folglich 12.260 Euro betragen (2.500 € + 3.360 € + 6.400 € = 12.260 €). Weil dieser Betrag (um mehr als das Doppelte) höher als das deklarierte Einkommen von 6.000 Euro ist, wird der konkrete Gewerbetreibende für das fiktive Einkommen von 12.260 Euro besteuert werden.

Auf dieses fiktive Einkommen von 12.260 Euro wird die Steuer nun mit einem Satz von 26% „ab dem ersten Euro“ berechnet werden, da inzwischen der Basisfreibetrag von 5.000 Euro und die Erhöhungen des Freibetrags auf Basis der Anzahl der wirtschaftlich abhängigen Kinder des Steuerpflichtigen nicht mehr gelten. Zusätzlich wird sich die auf Basis des Satzes von 26% ergebende Steuer wegen der Erhebung einer „Steuervorauszahlung für das kommende Jahr“ um 55% erhöhen. Detailliert wird der Steuerpflichtige zahlen:

  • Hauptsteuer 26%: Diese Steuer wird auf das fiktive Jahresgesamteinkommen von 12.260 Euro berechnet werden und den Betrag von 3.187,60 Euro erreichen (12.260 € x 26% = 3.187,60 €).
  • Steuervorauszahlung von 55% für das kommende Jahr„, erhoben auf die Hauptsteuer: Die Vorauszahlung von 55% wird auf den Betrag der Hauptsteuer, also den Betrag von 3.187,60 Euro erhoben werden und sich auf 1.753,18 Euro belaufen (3.187,60 € x 55% = 1.753,18 €).

Die steuerliche Gesamtbelastung des konkreten Steuerzahlers wird also auf 4.940,78 Euro (1.612 € + 886,60 € = 4.940,78 €) hochschießen! Dieser Betrag entspricht 40,3% des fiktiven Einkommens bzw. 82,34% des deklarierten (realen) Einkommens von 6.000 Euro!

Kleinunternehmer werden scharenweise das Handtuch werfen müssen

Ergänzend sei angemerkt, dass in allen vorstehend angeführten Beispielen abgesehen von obligatorischen Beiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung (der in Griechenland unabhängig von ihrem Einkommen grundsätzlich alle Gewerbetreibende, Freiberufler und Selbständige unterliegen) zusätzlich zu der Einkommensteuer natürlich auch noch die im Regelfall 650 Euro betragende jährliche „Gewerbeabgabe“ zu entrichten ist.

Für Freiberufler, Personenunternehmen und Selbständige mit Jahreseinkommen in einer Größenordnung von ab ca. 40.000 Euro ergeben sich dagegen auf Basis des neuen Besteuerungssystems mit steigendem Einkommen beachtliche Steuerentlastungen, da für Einkommen aus den in Rede stehenden Quellen nur noch zwei Steuersätze vorgesehen sind, nämlich 26% für das Einkommen bis 50.000 Euro und 33% für den über dieser Grenze liegenden Teil des Einkommens – gegenüber einem Spitzensteuersatz von 45% im Vorjahr!

Es drängt sich folglich der Eindruck auf, dass die „Kleinen“ systematisch „kaputtbesteuert“ werden sollen, während das abstruse Besteuerungssystem parallel noch mehr Steuerpflichtige in die Schattenwirtschaft und die Illegalität treiben wird.

(Quelle: money-money.gr)

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  1. Maria
    9. Juni 2014, 02:17 | #1

    Unglaublich. Diese Teufel zeigen ihr wahres Gesicht immer unverhohlener.

  2. GR-Block
    9. Juni 2014, 03:27 | #2

    Steuerwahn vernichtet Kleinunternehmer in Griechenland
    Das war der Memorandums-Deal: Macht euren Markt frei von euren 1.100.000 Kleinunternehmen und verkauft eure Staatsbetriebe, dann bekommt ihr „Hilfskredite“.

  3. Rafael
    9. Juni 2014, 09:42 | #3

    Ist sich der griechische Klein(st)unternehmer eigentlich bewußt, was da auf ihn zukommt? Ich spüre nichts von Unruhe oder Nervosität bei diesen und ich habe einige Freunde, die Kleinunternehmer sind. Ist es vielleicht schon Lethargie, was sich breitmacht? Zu wissen, dass die Regierung eh machen kann was sie möchte? Zu wissen, dass es auch keine alternative und brauchbare Oposition gibt, die das breitflächig anprangert? Ist es inzwischen die Aufgabe von Blogs, dies Misere allgemein publik zu machen? Berthold Brecht würde heute sagen: „denk ich an Europa in der Nacht, werd ich um den Schlaf gebracht …“

  4. Rudi
    9. Juni 2014, 11:27 | #4

    Ich bin mal gespannt, wie lange das Tekmiria-System sich hält. Jahrelang wurde bei den Steuerprüfungen so geschludert, dass unzählige Gutverdiener mit lächerlichen Steuererklärungen locker durchkamen. Mit den „Indizien“ packte man einen gewaltigen Hammer aus und haut absolut undifferenziert zu. Wie wollen die Finanzbehörden die gigantische Anzahl der dadurch entstehenden Steuerschuldfälle in den Griff bekommen. Das kann nur in einem Desaster enden.

  5. Mark
    9. Juni 2014, 12:00 | #5

    Tja, von alleine bezahlt sich die ganze korrupte Bande nicht. Fette Pensionen, Efapax, nichtsnutzige Beamte und Vetternwirtschaft brauchen nunmal Sponsoren. Da muss der Steuerzahler bluten.

  6. Ottfried Storz
    9. Juni 2014, 12:11 | #6

    Die Troika verfolgt das übliche „IWF-Strukturanpassungsprogramm“, das beinhaltet (Zitat) „Haushaltsdisziplin, Subventionsabbau, Deregulierung, Privatisierung von Staatsbetrieben„. In anderen Memorandumsländern leiden Kleinbetriebe auch deutlich geringer als in Griechenland unter der Krise. Ist es nicht vielmehr so, dass sich dies nur und einzig aufgrund der Politik der mehrheitlich gewählten Regierung so entwickelt ?

  7. Lentz
    9. Juni 2014, 12:35 | #7

    Das sind die Reaktionen eines Staates, der in seiner Not, Steuern zu erzielen, wild um sich schlägt und alles vernichtet, was seiner Macht nicht gewachsen ist. Die letzten Zuckungen eines Organismus auf der Intensiv-Station.
    Der Grund hierfür liegt in der Einführung des EURO und den damit verbundenen kurzfristigen Vorteilen. Griechenland, insbesondere die Bevölkerung, hat unter diesen Umständen keine Chance, sich erfolgreich im EURO zu etablieren. Deutlich erkennbar ist die Schere zwischen dem Bedarf des Staates an Kapital und dem faktischen Nicht-mehr-Können der Bevölkerung. Eine friedliche Lösung grenzt für mich an ein Wunder. Ich wiederhole meine These, dass eine Lösung nur in einer Rückkehr zur nationalen Währung zu finden ist, Schuldenschnitt inclusive. Interessieren würde mich, ob dieser Weg in GR überhaupt diskutiert wird.

  8. Tom
    9. Juni 2014, 12:42 | #8

    Nun ja, schlimm das alles. Der Wahn wird aber erst ein Ende haben, wenn die Griechen (und auch andere) erkannt haben, dass der Euro viel zu stark für ihr Land ist > Einführung einer goldgedeckten Währung. Hat irgendeine Partei den Euro-Austritt auf der Agenda?

  9. Panhellene
    9. Juni 2014, 14:01 | #9

    Die Kleinunternehmer werden nicht vom Markt verschwinden, sondern eine gigantische Schattenwirtschaft aufbauen, in der Tauschgeschäfte die Regel sind. Der Staat ist dann gezwungen, sich die entgangenen Steuern von denen zu holen, die Millionen unversteuert ins Ausland transferiert haben.

  10. Exildeutsch
    9. Juni 2014, 14:25 | #10

    Sollte dies der Realität entsprechen ist eine Bewaffnung des Volkes unumgänglich.Auch in Deutschland! Mittlerweile ist es als Exil Deutscher nicht mehr zu ertragen was in Deutschland und Europa abgeht. Auch hat die Flickschusterei zu keiner Besserung der Situation der Menschen beigetragen, das gegenteil ist eingetreten. Es ist an der Zeit dass das Volk Aktiv gegen diese Verbrecher mit aller Härte vorgeht, auch wenn dabei auf beiden Seiten Opfer beklagt werden müssen. Die Zeit der endlosen Palaberei sind vorbei!

  11. Skeptiker
    9. Juni 2014, 22:18 | #11

    Degenerierte Entartung. Mehr muss man nicht sagen.

  12. Susanne
    9. Juni 2014, 23:40 | #12

    Die Sache ist viel einfacher: Wenn man sich alle anderen europäischen Länder anschaut, so trifft man dort auf vom Kleingewerbe nahezu befreite Innenstädte, vor allem in Kleinstädten sind die ehemaligen Einkaufstraßen völlig tot – von den Niederlande bis nach Südpanien, von Cottbus bis nach Dublin – überall das gleiche Bild. Es gibt die großen Ketten am Stadtrand wie LIDL & Co. und in touristisch reizvollen Zentren noch ein paar Cafes, das war’s. Nur in Griechenland ist das noch anders, hier gibt es Mini-Märkte, kleine Modeläden und massenhaft Handwerksbetriebe jeglicher Art. Schlecht für internationale Konzerne, denn das ist ihr Markt und den gilt es zu knacken. Nichts anderes beabsichtigt die aktuelle Steuerreform! Die ehemaligen Kleinstunternehmer werden künftig bei H&M, Starbucks etc. zu Niedriglöhnen schuften oder sie bekommen so etwas wie Hartz4, was es noch einzuführen gilt. Die Arbeitslosigkeit wird dauerhaft hoch bleiben und für die Statistik schöngerechnet werden – genau wie in Deutschland. Mit schlechter Bürokratie und Korruption hat dieses Steuerdesaster nichts zu tun, das Ganze hat mehr System als jemals in Griechenland bekannt war.

  13. nikos
    10. Juni 2014, 08:17 | #13

    Waren es nicht dt. finanzexperten, die griechenland unterstütz haben einen funktionierenden finanzapparat aufzubauen?

  14. Petra
    10. Juni 2014, 17:40 | #14

    Ich sehe sehr viele paralellen zu Österreich eine so hohe Besteuerung der Kleinunternehmer kann nur zu Schließungen führen. Deswegen gibt es bei uns keinen Kleinhandel mehr jedes Dorf ist völlig ident strukturiert Supermarktketten und einen NKD Shop mit viel Glück noch einen Guten Metzger traurig. So geht auch ein großes Stück Kultur und Lebensgefühl verloren. Ich habe so ein Gefühl das wir schön langsam etwas unternehmen müssen sonst sind wir nur noch die Marionetten des Kapitalismus und das ist kein gutes Gefühl.

  15. herbert
    10. Juni 2014, 23:49 | #15

    Innovationen sichern die Wettbewerbsfähigkeit des griechischen Mittelstandes. Um diese zu fördern und Entwicklungspotentiale zu wecken, muss das Ministerium für Wirtschaft und Energie gezielt kleine und mittlere Unternehmen stützen. Das Wirtschaftsministerium fördert Forschung und Entwicklung, erleichtert Kooperationen mit der Wissenschaft und fördert Innovationsberatung in Betrieben. Das wären Ansatzpunkte, die dazu beitragen würden, den Knoten der Wirtschaftsstarre mit all ihren negativ Aspekten zu stoppen. Bei Wagniskapital und Gründungen sollte der Staat mobilisiernd eingreifen. Ziel dieses Förderbereichs ist, Beteiligungskapital oder Zuschüsse zu mobilisieren, damit bei Unternehmensgründungen die Finanzierung ausreicht.

  16. Team
    11. Juni 2014, 00:43 | #16

    Es war zu erwarten, dass dieser Beitrag wieder einmal speziell die schwarz-rot-gelben (von „gold“ kann wohl kaum noch die Rede sein, eher von „Urochromen“) Wadenbeißer auf den Plan rufen würde, deren Intellekt fallweise bereits bei mehr als an den Fingern einer Hand abzählbaren Wörtern umfassenden Texten jämmerlich zu versagen scheint. Einige Dutzend solcher Kommentare wurden ohne weiteres gelöscht, einschlägige „Beschwerden“ ebenfalls :tease:

  17. Ronald
    11. Juni 2014, 08:20 | #17

    @Team

    was an der Aufzählung einiger Konzerne, die Griechenland seit dem Beginn der Krise verlassen haben und somit die hier vertretenen Thesen, Griechenland solle für die Konzerne gewissermassen sturmreif geschossen werden zuwider läuft despektierlich ist, verstehe ich allerdings nicht. Is ja auch egal…. Die Autoren diverser Berichte machen hier meiner Meinung nach einen Fehler: Die Konzerne kamen nach Griechenland, als es GR gut ging und Geld vorhanden war (bzw. zu sein schien). Sie gingen, als die Kaufkraft schwand.

    Es wird hier ein Vergleich zwischen Nordeuropa und GR gemacht und die Resultate verglichen.In Deutschland gab es erst das Zweitauto, dann das Häuschen auf der grünen Wiese, dann die Discounter auf der grünen Wiese und dann das Sterben des Einzelhandels in den Innenstädten, das jetzt durch den Internethandel beschleunigt wird. Das sind ganz andere Entwicklungen als in Griechenland. Letztlich haben das in Deutschland die Verbraucher durch ihr Konsumverhalten selbst entschieden, es gab hier keine staatlichen Eingriffe. Wir beklagen da etwas zu dem wir selbst beigetragen haben…

    • Team
      11. Juni 2014, 16:48 | #18

      @Ronald
      Der Beitrag stellt definitiv keinen Vergleich zwischen Nordeuropa und GR an und bot somit keinen Anlass, in diese Richtung zu argumentieren und obendrein den angeblichen „absoluten Unsinn“ dann auch noch anhand irrelevanter Beispiele abzutun. (Einer der benannten Konzerne hat seinen gesamten Geschäftsbereich Südosteuropa aufgegeben, ein anderer verlegte aus steuerlichen Gründen die Verwaltungszentrale – jedoch nicht die Produktionsstätten – ins Ausland, ein dritter fuhr mit seinem „Geschäftsmodell“ gegen die Wand, Prozesse geprellter Vertragspartner sind anhängig.) Im übrigen sind die Entwicklungen in Griechenland keinesfalls „ganz anders“, auch hier vermochten Discounter erst mit zunehmender Mobilität der Konsumenten Fuß zu fassen.
      Wie gesagt ist jedoch all das nicht Thema des Beitrags, deshalb löschen wir abschweifende Kommentare in der Regel ohne weiteres, anstatt über Höcksken und Stöcksken bei Gott und der Welt anzugelangen.

  18. GR-Block
    11. Juni 2014, 19:04 | #19

    Kleinunternehmer werden scharenweise das Handtuch werfen müssen … für Selbständige mit Jahreseinkommen in einer Größenordnung von ab ca. 40.000 Euro ergeben sich dagegen … beachtliche Steuerentlastungen …
    Man sieht, auch in GR werden zunächst politische Entscheidungen getroffen, erst dann gehen die äußerst flexiblen Kleinunternehmer in die Knie. Es ist nie der freie Markt, der reguliert, sondern die gut geschmierten Lobbys. Das alles ist mit Nordeuropa nicht vergleichbar, denn dort wurde seinerzeit ein anderer politischer Hebel angesetzt. 1974 wurde die Preisbindung des Herstellers abgeschafft. Damit konnte der Discounter große Teile der Produktion solange unter Preis verkaufen, bis der letzte kleine Konkurrent bankrott war, danach wurde der Hersteller unter Druck gesetzt. Dieser verwandelte sich quasi zum freien Mitarbeiter des Discounters („hergestellt exklusiv für XYZ“). Natürlich alles im Dienste des „König“ Kunde, der allerdings meist selbst in der Produktions- und Vermarktungskette arbeitet, … und natürlich des Anlegers, der dagegen lediglich sein Geld „arbeiten“ lässt … und natürlich auch den König.
    OK, ok, der Unternehmer trägt das Risiko (gähn), aber nur wenn … ja wenn er nicht zufällig ein Konzernboss innerhalb der Europäischen Union ist. Dann haftet nämlich ebenfalls der König. Scheißmonarchie!

  1. 12. Juni 2014, 00:06 | #1

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