Griechenland: Comeback des legendären Pony?

12. Mai 2014 / Aufrufe: 2.375

In Griechenland verdichten sich die Gerüchte über ein Comeback des legendären Pony, sprich das erfolgreichste Fahrzeug aller Zeiten aus griechischer Produktion.

Es ist also wahr? Werden wir den legendären griechischen Pony, auch „Jeep der Armen“ genannt, wieder auf den Straßen verkehren sehen, wie in den letzten Jahren von den Liebhabern des Automobilismus gemunkelt wird? Wenn die Ergebnisse der Tests, denen das Fahrzeug der Gesellschaft NAMCO der aus Thessaloniki stammenden Familie Kontogouri derzeit unterzogen wird, positiv ausfallen, ist es äußerst wahrscheinlich.

Informationen zufolge befindet der neue Pony sich im Verfahren der Typgenehmigung durch das „Polytechnologische Zentrum für Laborprüfungen und Zertifizierung von Industrie- und Konsumprodukten“ (EBETAM). Wenn alles gut geht, wird die Akte an das griechische Verkehrsministerium übermittelt und das Fahrzeug den staatlich vorgesehenen Verfahren für seine endgültige Genehmigung unterzogen werden.

Nicht jedes Land vermag Fahrzeuge zu produzieren …

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden“, führen charakteristisch die Leute der NAMCO an, ohne jedoch mehr sagen zu wollen. (Es sei angemerkt, dass bei der zuständigen Direktion des griechischen Verkehrsministeriums bisher von der NAMCO kein Antrag auf Genehmigung eines Fahrzeugs gestellt worden sein soll.)

Auf jeden Fall ist es das erste Mal nach vielen Jahren, dass ein griechisches Fahrzeug einem Verfahren zur Typgenehmigung unterzogen wird. Nach der glorreichen Periode der 60er, 70er und 80er Jahre hatte – unter anderem – der harte Wettbewerb die Motoren der griechischen Fahrzeugindustrie zum Stehen gebracht. All dies, bis – laut dem Mythos, der das Comeback des Pony begleitet – den heute 80-jährigen Eigentümer der Gesellschaft, Petros Kontogouris, der Trotz ergriff, als er einen deutschen Amtsträger erklären hörte, „nicht jedes Land könne Fahrzeuge produzieren“ und beschloss, ihn Lügen zu strafen.

Die passt zur Geschichte der Familie: In den 50er Jahren hatten in Deutschland die Gebrüder Kontogouris versucht, einen Lastwagen unter dem Namen „Hellas“ zur Produktion zu bringen. 1961 gründeten sie in Thessaloniki die Gesellschaft FARCO und begannen mit der Produktion eines mit BMW-Motoren ausgestatteten Vielzweckfahrzeugs, allerdings ohne großen Erfolg. Sie gaben jedoch nicht auf. 1972 schufen sie die NAMCO (National Motor Company of Greece), begannen eine Kooperation mit Citroën und präsentierten auf der Internationalen Messe in Thessaloniki ein „quadratisches“ Fahrzeug auf Basis der mechanischen Komponenten des 2CV: Es war der Pony, ein Fahrzeug „dermaßen hässlich, dass es schon wieder schön ist„, wie damals in der deutschen Presse geschrieben wurde.

Der „Pony“ wurde sogar nach Deutschland expotiert

Der Pony wurde das erfolgreichste griechische Fahrzeug in der Geschichte (von dem Fahrzeug wurden mehr als 30.000 Stück verkauft, mit Exporten in 14 Länder, darunter auch nach Deutschland!). Mit um ein Mehrfaches niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten als eines „normaler“ Jeep und einem gleichermaßen niedrigen Verkaufspreis ging der Pony wie warme Semmeln weg, und zwar sowohl an staatliche und militärische Behörden als auch an alle, die zur Nutzung eines „gewerblichen Fahrzeugs“ berechtigt waren. Die Fabrik „stieß“ täglich 8 – 10 Fahrzeuge aus, wobei 67% der Komponenten griechischer Herkunft waren. Die Produktion des Pony wurde 1983 eingestellt, hauptsächlich wegen der Änderungen im Zoll- / Abgabensystem und der mit dem Beitritt Griechenlands zu der Europäischen Union eingeläuteten Abschaffung des Protektionismus. (Einer anderen Lesart zufolge wurde die Produktion eingestellt, nachdem die Belegschaft den Betrieb im Rahmen heutzutage exorbitant anmutender Lohnforderungen praktisch ‚kaputtgetsreikt‘ hatte.)

Der neue Pony erinnert stark an den guten, alten Pony: klassische Erscheinung, grade Linien, etwas zwischen Jeep und Pickup. „Es ist ein modernes Fahrzeug mit mechanischen Komponenten neuester Technologie, gestaltet auf Basis des Grundsatzes der Gesellschaft für ein klassisches Styling„, lautet es auf der Site der NAMCO, wo der Pony in verschiedenen Versionen gezeigt wird, von kleinen Lieferwagen und Cabrios bis hin zu leichten Krankenwagen. Ziel ist, dass die Tagesproduktion 24 Einheiten erreicht und die Kosten (sprich der Verkaufsperis) des Fahrzeugs sich bei 7.000 Euro bewegen. Einschlägigen Quellen zufolge ist in einer ersten Phase die Produktion von Fahrzeugen mit modernen Benzinmotoren und Getrieben eines (nicht näher benannten) ausländischen Herstellers geplant, während in einer zweiten Phase mit Dieselmotoren ausgestatte Modelle und schließlich auch fabrikmäßig für den Betrieb mit Gas geeignete Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden sollen.

Aussicht auf ein Comeback des Pony bringt Nostalgiker ins Schwärmen

Die Aussicht auf ein Comeback des Pony ruft bei den Romantikern der vier Räder angenehme Erinnerungen wach. „Pony … Ein ungeheures Fahrzeug, mit drei – selbst heute – einzigartigen Charakteristika. Man konnte es nicht „kaputtkriegen“, man konnte es nicht zu ‚Kavalierstarts‘ bewegen und man konnte es nicht von der Straße herunterbekommen oder zum Überschlagen bringen„, ist auf einem Spezialforum zu lesen.

In einem anderen Beitrag lautet es: „Ich erinnere mich daran, wie viel Spaß es mir bereitete, an der leicht ansteigend gelegenen Ampel der Syggrou – Amfithea die damaligen 320i, aber bei Gelegenheit auch diverse Porsche beim Start zu demütigen. Man brauchte nicht viel zu tun, man gab kurz vor Grün provokant Vollgas und jagte die Drehzahlen in den „Himmel“, ließ in dem großen Augenblick die Kupplung los und hielt mit aller Kraft den Schaltknüppel fest, damit einem das Getriebe nicht den ersten Gang hinauswirft. Nach 100 Metern knallte man den zweiten Gang rein, ohne den Fuß vom Gas zu nehmen, und schaute hinter sich und ergötzte sich an den verdutzten Gesichtern.

Ergänzend sei angemerkt, dass schon 2010 Informationen verlautbar wurden, laut denen die neue Version des Pony bereits Anfang 2011 aufgenommen werden sollte. Warum inzwischen rund 4 Jahre verstrichen sind, ohne dass in Griechenland nicht einmal die (in Deutschland schon lange erhaltene!) Typ-Genehmigung erteilt wurde, soll hier in Ermangelung zuverlässiger Hintergrundinformationen nicht weiter erörtert werden.

Jedenfalls drängen sich unweigerlich Parallelen zu der von der Troika unter Androhung der Blockierung aller weiteren Tranchen erzwungenen Schließung speziell auch der „Griechischen Fahrzeugindustrie“ (ELBO bzw. ELVO) auf, die Informationen zufolge allein auf Basis (auch international) anhängiger Bestellungen und Lieferverpflichtungen durchaus überlebens- bzw. sanierungsfähig gewesen sein soll  … .

Schlussfolgerung: „Startups“ und „Comebacks“ wie das der NAMCO scheinen einschlägigen Kreisen bzw. Interessen definitiv nicht „in den Kram“ zu passen und werden notfalls (wie z. B. im Fall Serbiens) kurzerhand „plattgebombt“ … . BTW: Wie hoch liegt eigentlich inzwischen die Abschussprämie für „Zonenwachteln“?

(Quelle: Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    12. Mai 2014, 01:32 | #1

    Ich habe in meinen Urlauben in Griechenland immer den Pony meines Schwiegervaters gefahren und geliebt. Großartig auf Schotter, unkaputtbar und einfach kultig. Der neue Pony könnte sich zu einem Kultauto der Nonkonformisten entwickeln und ich hoffe, die Pläne werden Realität … Go Pony, go….

  2. GR-Block
    12. Mai 2014, 02:31 | #2

    Auch wenn der PONY nicht wirklich ein Rassepferd ist, wie der Artikel an einer Stelle andeutet, so könnte er doch als Nutzfahrzeug im krisengeschüttelten Europa und den Mittelmeeranrainerstaaten einen Marktanteil erobern. Denn verkaufbare Autos BAUEN kann jeder in der OECD. Die Frage ist, ob man gegen die marktüblichen Praktiken ankämpfen kann, ohne sich zu verheben: Steuerfreiheit für millionenschwere Schmiergelder für ausländische Staataufträge, betrügerische Vereinbarungen mit Autotestern und Automobilclubs, die seit der Einfuhr japanischer Autos systematisch Pannenstatistiken und Umfrageergebnisse über Jahre fälschen.
    Aber klar, einen Versuch ist es wert. Im Notfall läßt man sich bei der Vermarktung vom ADAC beraten. Natürlich nur, nachdem er in die griechische ΕΛΠΑ „investieren“ durfte.

  3. Moppel
    12. Mai 2014, 02:48 | #3

    Mit in Griechenland „serienmäßig“ produzierten Fahrzeugen wie Fox (> Reliant), Pony (> Citroën) usw. sowie nicht zuletzt dem „Minos“ wurde versucht, Nischen zu bedienen bzw. die damalige Steuergesetzgebung zu unterlaufen, die (wie u. a. speziell auch in der DDR und im übrigen in allen Bananen-Republiken) darauf fokussiert war, über den Konsum der Bürger „Kaufkraft“ abzusch(r)öpfen. Abgesehen von romantischen Nostalgikern wäre jedoch heutzutage wohl kaum noch jemand bereit, sich ein solches Fahrzeug „anzutun“. Im übrigen werden die etablierten Hersteller nachhaltig zu verhindern wissen, dass ausgerechnet in Griechenland ein aufmüpfiger Greis einen „unkaputtbaren“ Wagen auf den Markt bringen und ihnen das Geschäft vermiesen wird!

  4. GR-Block
    12. Mai 2014, 10:20 | #4

    Moppel :
    Im übrigen werden die etablierten Hersteller nachhaltig zu verhindern wissen, dass ausgerechnet in Griechenland ein aufmüpfiger Greis einen “unkaputtbaren” Wagen auf den Markt bringen und ihnen das Geschäft vermiesen wird!

    Richtig, das kann nur gehen, wenn der unbekannte Partner ein Riese mit unerschöpflicher Finanzstärke ist und eine Motivation hat, sich mit dem Zwerg einzulassen, z,B. weil die anderen Europäer Protektionismus schlimmster Art betreiben. Wer hat da nochmal einen Großteil des Hafen von Piräus gepachtet?

  5. john carter
    12. Mai 2014, 12:31 | #5

    Warum nicht gleich als Elektro Pony

    • Team
      12. Mai 2014, 16:02 | #6

      @john carter
      Den unbestätigten (!) kursierenden Informationen zufolge ist auch ein E-Modell geplant.

  6. Stavros
    12. Mai 2014, 14:46 | #7

    Könnten Sie bitte ein Foto von diesem „Kultauto“ hier veröffentlichen? Ich habe noch kein solches Gefährt gesehen.
    Herzlichen Dank.

  7. Böse
    12. Mai 2014, 15:31 | #9

    Für Antikes gibt es immer Käufer. Die Technik von heute reinpacken und los geht es. Einen Versuch sollte es wert sein.

  8. mangas
    12. Mai 2014, 18:05 | #10

    Finde ich eine ausgesprochen gute Idee, schließlich wird in Australien auch der legendäre Mini Moke neu aufgelegt. Hier könnte man mit dem Pony ein gutes Konkurrenzmodell anbieten, den Trend aufgreifen und weltweit exportieren. Voraussetzung: robuste, leicht zu reparierende Technik, niedriger Preis. Braucht man mehr Auto, um bsplsw. in GR von A nach B zu kommen oder seine wöchentlichen Einkäufe zu erledigen? Die meisten sicherlich nicht. Der Trend geht ohnehin wieder zum Minimalismus und mit einem Pony an den Strand zu fahren … das hat schon was romantisches 🙂

  9. Norbert
    30. Mai 2014, 03:39 | #11

    Fehlt am Ende nur noch der 3rädrige Knossos. Hat doch früher bei der Olivenernte beste Dienste geleistet. OK, 2Takter und stinkig, aber warum nicht?

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