Doppel-Erdbeben in Griechenland stimmt bedenklich

25. Mai 2014 / Aktualisiert: 25. Mai 2014 / Aufrufe: 6.806

Das am 24 März 2014 verzeichnete starke Erdbeben in Griechenland mit Epizentrum in der Nordägäis stimmt die Wissenschaftler bezüglich der Anatolischen Verwerfung bedenklich.

In Griechenland wurde in dem Seegebiet zwischen den Inseln Limnos und Samothraki am vergangenen Samstag (24 Mai 2014) um 12:25 Uhr eine starke seismische Erschütterung mit einer Intensität von ungefähr 6,5 Richter verzeichnet. Das Erdbeben mit Epizentrum in einer Tiefe von 10 – 15 Kilometern hatte eine lange zeitliche Dauer und war im gesamten griechischen Raum einschließlich Attika sowie auch in den Nachbarländern (speziell in den Küstenregionen der Türkei) deutlich zu spüren.

Konkret lag das Epizentrum des Bebens in einem  Ausläufer der Nordanatolischen Verwerfung, wo es auch in der Vergangenheit starke Erdbeben mit einer Stärke von sogar bis zu 7,2 Richter gab. Seismologen erklärten, „wir untersuchen das sich in Entwicklung befindliche Phänomen aufmerksam und haben bereits auch zwei starke Nachbeben von 4,7 und 5 Richter verzeichnet, und innerhalb der kommenden 48 Stunden werden auch weitere Erschütterungen folgen.

Wissenschaftler schließen einen Domino-Effekt nicht aus

Vor eineinhalb Jahren hatte die Le Monde eine im Rahmen des Programms SHARE von 50 Wissenschaftlern durchgeführte Untersuchung über im „roten Bereich“ mit der Gefahr des Auftretens seismischer Phänomene von sogar bis zu 9 Richter liegende Regionen Europas veröffentlicht, die bei den Lesern Eindruck hinterließ. Unter diesen Regionen befanden sich auch jene, durch welche die sogenannte Anatolische Verwerfung verläuft, aus der es laut den Wissenschaftlern ein Erdbeben von bis zu 7,8 Punkten auf der Richter-Skala geben kann.

Die Verwerfung, die durch die nördlichen Regionen der Türkei verläuft und bis Anatolien reicht, während ein Ausläufer in der Nordägäis unter Limnos und Samothraki bis zu den Küsten der Inselgruppe der Sporaden reicht, ist die aktivste in Europa und hat während der gesamten Dauer des 20. Jahrhunderts äußerst katastrophale Erschütterungen verursacht, angefangen von jener bei Ganos (Türkei) im Jahr 1912 bis hin zum Erdbeben bei Erzincan (Ostanatolien) im Jahr 1939. Die jüngsten Erschütterungen wurden seit 1999 verzeichnet, und zwar in der Nähe bei Izmit und Düzce östlich von Istanbul. Beide Beben hatten eine Intensität von über 7 Richter und tausende Opfer – im Fall von Izmit 20.000 Tote – gefordert.

Die seismische Erschütterung von etwa 6,5 Richter am Samstagmorgen zwischen Limnos und Samothraki beunruhigt die Einwohner, aber auch die Wissenschaftler, die das Phänomen beobachten. Marco Bonhoff des deutschen Zentrums für Geowissenschaften in Potsdam und sein Team hatten die seismische Aktivität dieser Zone studiert und Daten über 835 kleinere Erschütterungen analysiert, die dort ab 2006 bis 2010 verzeichnet wurden. Laut dem Ergebnis ihrer Analyse scheint ein Teilbereich der Verwerfung mit einer Länge von gerade einmal 30 Kilometern, der in einer Tiefe von nur wenigen Kilometern im Archipel der (türkischen) Prinzeninseln liegt, die Stelle der Konvergenz und Absorption der tektonischen Spannungen – also so etwas wie eine Pufferzone – darzustellen. Sollte diese „Pufferwirkung“ jedoch nachlassen und es zu einem heftigen Phänomen kommen, könnte es dann zu einer seismischen Erschütterung von über 7 Richter genau vor Istanbul oder sogar auch am Ende der Verwerfung kommen, die bis in die Nordägäis reicht.

Laut dem Geologie-Professor Efthymios Lekkas stellte es unter den Seismologen und Geologen ein häufiges Diskussionsthema dar, dass die konkrete Verwerfung jederzeit ein starkes Erdbeben zu verursachen vermag, während nicht auszuschließen ist, dass auch benachbarte Verwerfungen aktiviert werden, es also zu einem „Domino-Effekt“ kommen könnte.

Professor Kostas Papazachos charakterisierte das in Rede stehende Beben als ein „komplexes Ereignis“ und erklärte, dass es sich bei dem am Samstagmittag verzeichneten (vermutlichen) Hauptbeben um zwei praktisch nahtlos aufeinanderfolgende Erschütterungen handelte, womit sich auch die variierenden Angaben über Intensität und Epizentrum erklären. Dies deckt sich mit dem „gefühlten“ Verlauf und der Dauer des Phänomens, da die (erste) Erschütterung nach einigen Sekunden abzuklingen schien, bevor es den „Nachschlag“ gab, der dann noch heftiger und länger andauernd ausfiel. Herr Papazachos zeigte sich jedenfalls zuversichtlich und meinte, es handele sich um „ein Erdbeben, das wir bald vergessen werden“.

Geringe Sachschäden in Griechenland, hunderte Verletzte in der Türkei

Trotz der großen Intensivität und außergewöhnlich langen zeitlichen Dauer des in Rede stehenden Erdbebens, das praktisch ganz Nordgriechenland zum „Tanzen“ brachte und nicht nur bis Attika, sondern auch in den Nachbarländern deutlich spürbar war, wurden aus Griechenland bisher nur Sachschäden (speziell erhebliche Schäden im Museum auf Limnos, Einsturz einiger – alter und unbewohnter – Häuser, Mauern, Dächer, Hausrat-Schäden, Risse an / in Gebäuden usw.) gemeldet, während im Flughafen von Limnos eine Touristin durch herabstürzende Teile einer Zwischendecke leicht verletzt wurde.

Die Experten führen die vergleichsweise geringen (Sach-) Schäden in Griechenland darauf zurück, dass das Epizentrum der Erschütterung im Meer lag. Aus der Türkei ist dagegen abgesehen von Sachschäden auch die Rede von weit über 200 Personen, die sich – zum Teil schwere – Verletzungen zuzogen, weil sie in Panik aus Fenstern und von Balkonen sprangen.

(Quelle: Dikaiologitika.gr, einschlägige Medienberichte)

  1. Ellen Mixon
    29. Mai 2014, 19:28 | #1

    Auch in Alonissos schwankten die Lampen an der Decke!

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