Vollzugsbeamten in Griechenland folterten Häftling zu Tode

2. April 2014 / Aktualisiert: 02. April 2014 / Aufrufe: 1.010

In Griechenland wurden Wärter der Strafvollzugsanstalt Nigrita unter der Beschuldigung verhaftet, den albanischen Schwerverbrecher Ili Kareli zu Tode gefoltert zu haben.

Beamte des Dezernats für interne Angelegenheiten der griechischen Polizei schritten zur Verhaftung mehrerer Justizvollzugsbeamten der Strafvollzugsanstalt Nigrita, nachdem zu deren Lasten der Staatsanwalt von Amfissa, Nikos Antonarakos, Strafverfahren wegen dreier Kapitalverbrechen in Zusammenhang mit dem Tod des albanischen Schwerverbrechers Ili Kareli am 27 März 2014 einleitete.

Wegen des Todes des in Rede stehenden Häftlings leitete der Staatsanwalt Strafverfahren zu Lasten von Justizvollzugsbeamten der Vollzugsanstalten in Nigrita und Malandrino sowie auch gegen Polizeibeamte des Polizeireviers Itea ein. Die Verfahren beziehen sich auf die Kapitalverbrechen der Folterung mit Todesfolgen, der einfachen Folterung und der vorsätzlichen schweren Körperverletzung. Es sei angemerkt, dass Ili Kareli am 25 März 2014 in der Vollzugsanstalt Malandrino den Vollzugbeamten Giorgos Tsironis ermordet hatte und zwei Tage später nach seiner Verlegung nach Nigrita dort von Wärtern zu Tode gefoltert wurde.

8 Haftbefehle gegen Vollzugsbeamten in Nigrita

Die Strafverfahren bezüglich der Justizvollzugsbeamten der Gefängnisanlage Nigrita richten sich namentlich gegen insgesamt achtzehn Personen, während sie sich bezüglich der Vollzugsbeamten von Malandrino und der Polizeibeamten des Reviers von Itea gegen Unbekannt richten und im Verlauf der Untersuchung personifiziert werden sollen. Gegen Vollzugsbeamte der Vollzugsanstalt Nigrita, von denen einige bereits festgenommen wurden, sind bisher acht Haftbefehle ergangen, und zwar konkret:

  • Charis Konsolidis
  • Evangelos Anagnostopoulos
  • Stefanos Karagiannis
  • Giorgos Pa. (voller Name unbekannt)
  • Argyrios Mpalios
  • Konstantinos Cho. (voller Name unbekannt)
  • Dimitris Almanidis
  • Alexandros Laliotis

Nicht personifizierte Verfahren wurden auch wegen eventueller Misshandlungen des getöteten Häftlings sowohl im Gefängnis Malandrino als auch auf dem Polizeirevier Itea eingeleitet. Laut einer höchsten Quelle des Justizministeriums wird die Ermittlung ohne jeglichen Versuch der Vertuschung voranschreiten.

In den hoffnungslos überbelegten Strafvollzugsanstalten in Griechenland herrschen wegen unsäglicher Verhältnisse bereits seit geraumer Zeit Spannungen. Nun wird allerdings das Schlimmste befürchtet, da der Tod des 42-jährigen albanischen Häftlings und die vorausgegangene Ermordung des 46-jährigen Vollzugsbeamten Giorgos Tsironis in Malandrino eine explosive Atmosphäre schufen.

Folterung à la Pinochet

Bisher unbekannte Einzelheiten über die Umstände der Folterung des Ili Kareli schockieren selbst auch die Argwöhnischsten über all das, was in den Gefängnissen geschieht. Laut dem zuständigen Gerichtsmediziner Minas Georgiadis soll der an der Leiche des Häftlings festgestellte Bruch des Brustbeins nahe bei dem Zeitpunkt des Todes liegen, während Informationen zufolge eine Überwachungskamera auf dem Gang der Gefängnisanlage Nigrita gegen 4 Uhr nachmittags aufzeichnete, wie der Häftling in eine Zelle ohne Kamera gebracht und zweieinhalb Stunden später von zwei Vollzugsbeamten besinnungslos hinaus geschleift wird.

Unter den Angeklagten befindet sich auch der Direktor der Vollzugsanstalt Nigrita / Serres, der – im Grad eines Vergehens – wegen des Schutzes eines Kriminellen verfolgt wird. Laut den Schilderungen nahm der Gefängnisdirektor am Mittag des Donnerstag (27 März 2014) den Häftling Kareli persönlich in Empfang, übergab danach jedoch die Schlüssel an den Oberwärter. Dieser wiederum übergab den Häftling seinen Folterern (15 Personen), die sich zweieinhalb Stunden lang in der Zelle abwechselten, die seine Folterkammer wurde. Laut auch dem Gerichtsmediziner rührt der Bruch des Brustbeins möglicherweise aus Tritten der Beamten auf den bereits verletzten Kareli her.

Zuverlässige Quellen berichten, der Häftling sei bereits vor seiner Ankunft in Nigrita misshandelt worden, die schwersten Verletzungen erlitt er jedoch dort. Informationen beharren sogar, der Bruch des Brustbeins, der auch todesursächlich war (der gefolterte Häftling er verstarb an Herzrhythmusstörungen), sei zeitnah zum Todeszeitpunkt erfolgt. Wir fragten eine unserer Quellen des Justizministeriums, ob die (speziell in albanischen Medien verbreiteten …) Informationen über das Fehlen von Nägeln an der Leiche oder auch sexuelle Folterungen wahr sind. Uns wurde geantwortet, dies werde von dem Gerichtsmediziner nicht bestätigt. Auch jener dementiert es jedenfalls.

Vorsitzender der Vollzugsbeamten in Nigrita legte Geständnis ab

Ebenfalls schockiert die Nachricht, dass der Häftling auch von dem dortigen Vorsitzenden der Justizvollzugsbeamten, Charis Konsolidis, gefoltert worden ist, der mit seinen Aussagen in den Fernsehkanälen Unwissen erklärte, jeden Verdacht der Beteiligung der lokalen Wärter entschieden zurückwies und sogar versicherte, Ilia Kareli sei bereits verletzt gewesen, als er in der Vollzugsanstalt eintraf. Allerdings hat die Aussage der Beamten für interne Anlagen Charis Konsolidis „hineingerissen“, da er vor den Polizeibeamten ein Geständnis abgelegt hatte. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbands, P. Radopoulos, betonte in seinen Erklärungen gegenüber der Zeitung „Vima“, dass der Häftling ungefähr zwei Stunden in einem Raum verblieb, der keine Kameras hatte. Auch er verurteilte den Vorfall jedenfalls.

Der Vorsitzende des internen Wachpersonals der Vollzugsanstalt Nigrita, Charis Konsolidis, befindet sich derweilen seit Montagmittag (31 März 2014) in der psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Serres in Behandlung. Wie Herr Rodopoulos gegenüber der Nachrichtenagentur ANA-MPA erklärte, „wurde Charis Konsolidis gestern am frühen Nachmittag von seinen Verwandten in die psychiatrische Klinik des Krankenhauses Serres gebracht, nach dem heftigen psychologischen Druck, der auf ihn während des mehrstündigen Verhörs im Rahmen der Voruntersuchung ausgeübt wurde, die von dem Dezernat für interne Angelegenheiten durchgeführt wird„, damit der Fall des plötzlichen Todes des Schwerverbrechers Ilia Kareli aufgeklärt wird.

Verurteilung auch von Seite des Justizministeriums

Gemäß neueren Informationen widersprach der Untersuchungsrichter von Amfissa dem Staatsanwalt bezüglich der Zuständigkeit für die Untersuchung der Sache, also ob die Prozessakte nach Serres überstellt werden oder in Amfissa bleiben soll. Den endgültigen Beschluss wird der Richterrat treffen. (Anmerkung: Inzwischen wurde die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft in Serres beschlossen, zumal dort das Hauptverbrechen erfolgte.)

In Zusammenhang mit den Umständen des Todes des albanischen Häftlings erklärte Marinis Skandamis, Generalsekretär für Anti-Verbrechenspolitik des Ministeriums für Justiz, Transparenz und Menschenrechte: „Es handelt sich um brutale, unmenschliche und abscheuliche Taten staatlicher Bediensteter, welche die Bedeutung des Rechtsstaats und den geschuldeten Schutz des menschlichen Lebens beleidigen. Solche den dunklen Jahren der Geschichte entspringenden Verhaltensweisen werden von der griechischen Justiz und dem Staat ihre Antwort erhalten. Das Gesetz wird exemplarisch und gegen alle Verantwortlichen angewendet werden.

(Quelle: To Vima)

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  1. Rudi
    3. April 2014, 10:10 | #1

    Zu der erfreulichen Erklärung des Herrn Marinis Skandamis, stellt sich trotzdem die Frage: „Was ist von einer Exekutive zu halten, wo sich 15 Staatsbedienstete einig sind und sich zwei Stunden lang bei einem Mord abwechseln?“ Man darf gespannt sein, wie die Urteile gegenüber diesen Personen ausfallen. Interessant wäre auch zu sehen, wie diese später von ihren Kollegen behandelt werden, bei denen sie einsitzen werden. Auf jeden Fall erinnern sich viele Ältere unter uns wieder lebhaft an dunkle Juntazeiten.

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