Schockierende Zustände in Konzentrationslagern in Griechenland

5. April 2014 / Aufrufe: 2.242
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Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm wegen der unsäglichen Zustände in den Konzentrationslagern für illegale Immigranten in Griechenland.

Sogar im Gefängnis ist es besser als hier.“ „Als die Polizei mich verhaftete, sagte ich ihnen, dass ich 16 Jahre alt bin, jung bin und mich hier fürchte.“ „Ich habe drei Monate lang die Sonne nicht gesehen.“ – Dies sind nur einige der erschütternden Aussagen „illegaler“ Immigranten, die unter unmöglichen Bedingungen in den Auffanglagern und Arrestzentren in Griechenland eingesperrt sind. Haarsträubend sind auch die Aussagen der Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen, die einzige Organisation, zu Zugang zu den (im offiziellen Sprachgebrauch beschönigend auch als „Empfangszentren“ bezeichneten) Auffang- und Konzentrationslagern hat und dort tätig ist, berichtete in einer am 01 April 2014 gegebenen Pressekonferenz über die tragischen Mängel, die in den griechischen Arrestzentren für illegale Immigranten herrschen, und schlägt sowohl beim griechischen Staat als auch in Europa Alarm.

Niemand weiß, wie viele Immigranten in Arrest gehalten werden

Die Gesamtzahl der derzeit unter Arrest stehenden Immigranten und Asylbewerber ist unbekannt, da in der Praxis jedes über eine Arrestzelle verfügendes Polizeirevier als Arrestzentrum genutzt wird. Gemäß der offiziellen Kapazität sind derzeit mehr als 6.000 Immigranten und Asylbewerber in den Vor-Abschiebungszentren und anderen Arresteinrichtungen für Ausländer eingesperrt, während die Anzahl der Immigranten und Asylbewerber unbekannt ist, die bei hunderten Polizeirevieren in ganz Griechenland in Arrest gehalten werden und möglicherweise tausende zählen.

Laut den Ärzten ohne Grenzen hielt die Periode, während der im Jahr 2013 der griechische Staat in den Immigranten-Arrestzentren in Nordgriechenland Gesundheitsleistungen erbrachte, gerade einmal zwei Monate an. Die Organisation verlangt, mit der systematischen und verallgemeinerten Nutzung der Einsperrung aufzuhören, die in vielen Fällen für die maximal mögliche Dauer von 18 Monaten angewendet wird.

Ebenfalls fordert die Organisation den griechischen Staat zu gewährleisten auf, dass sensiblen Gruppen angehörende Personen (Kranke mit ernsthaften oder infektiösen Krankheiten, Personen mit Behinderungen, Kranke mit psychologischen Problemen, unbegleitete Minderjährige und nachweisliche Opfer von Folterungen) nicht eingesperrt werden, und verlangt, unbedingt den Zugang zu medizinischer Versorgung sicher zu stellen.

Sich in die Pressekonferenz einschaltend beklagte auch der SYRIZA-Abgeordnete Dimitrios Tsoukalas die unmöglichen Zustände, die in den Arrestzentren herrschen, und betonte: „Menschen werden auf obszöne Weise eingesperrt, sie ernähren sich von Dreck, und für die Chrysi Avgi wird dies als 5-Sterne-Catering charakterisiert. Die in unserem Land herrschende Schande muss endlich aufhören.

Erschütternde Aussagen in Arrest gehaltener Immigranten

Sogar im Gefängnis ist es besser als hier. Sie waren drinnen und sahen es. Sie sind Zeugen. Wenn es eine Justiz gibt, muss jemand unsere Rechte sicherstellen.“ (34-jähriger Mann, seit 17 Monaten in Arrest)

Das Arrestzentrum in Komotini ist nicht einmal für Tiere geeignet. Es ist sehr dreckig. Die Toiletten funktionieren nicht. Das Abwassersystem ist defekt. Fäkalien fallen aus den Abwasserleitungen des ersten Stocks in das Parterre. Wir sind fast den ganzen Tag lang eingeschlossen. Sie erlauben uns, eine Stunde morgens und eine Stunde nachmittags auf den Hof hinauszugehen. Und das nicht jeden Tag. Komotini ist kein Arrestzentrum, es ist ein Viehstall.“ (28-jähriger Mann, seit 7 Monaten in Arrest)

Sie lassen uns nur eine Stunde täglich nach draußen. Wenn sie uns doch etwas länger im Hof lassen würden, um uns körperlich zu bewegen, um uns abzulenken.“ (23-jähriger Mann, seit 5 Monaten in Arrest)

Vor dem Eintreffen der Ärzte ohne Grenzen gab es keinen Arzt. Die Polizeibeamten stauchten jeden zusammen, der nach einem Arzt verlangte. Sogar auch wenn das Problem ernsthaft war, schenkten Sie keinerlei Beachtung. Auch ich selbst benötigte viele Male einen Arzt, jedoch gab es keinerlei Antwort.“ (21-jähriger Mann, seit 11 Monaten in Arrest)

Um die Wahrheit zu sagen, sie behandeln uns sehr hart. Ich hatte starke Zahnschmerzen und verlangte etliche Wochen nach einem Arzt. Schließlich brachten sie mich ins Krankenhaus, weil ich blutete, nachdem ich mir den Zahn selbst herausgebrochen hatte.“ (34-jähriger Mann, seit 17 Monaten in Arrest)

Ich beginne unter psychologischen Problemen zu leiden. Nach einem dermaßen langen Zeitraum geht es uns nicht mehr gut. Wir haben unsere Hoffnung verloren.“ (34-jähriger Mann, seit 17 Monaten in Arrest)

Die Polizeibeamten respektieren niemanden. Man kann nicht mit ihnen sprechen. Wenn wir sie etwas fragen, brüllen sie uns an, sie beschimpfen uns. Manchmal schlagen sie uns.“ (20-jähriger Mann, seit mehr als 5 Monaten in Arrest)

Die Polizisten sagten, wer einen Asylantrag stelle, werde 18 Monate lang in Arrest bleiben, während alle, die keinen Antrag stellen, früher freigelassen werden, und deswegen beschloss ich, kein Asyl zu beantragen.“ (16-jähriger Junge aus Afghanistan, seit 9 Monaten in Arrest)

Als die Polizei mich verhaftete, sagte ich ihnen, ich 16 sei Jahre alt, bin jung und fürchte mich hier. Ich bin inzwischen seit neun Monaten eingesperrt. Seit ich in Griechenland ankam, habe ich unglaubliche Dinge durchgemacht und gesehen. Ich kann nicht glauben, diese Dinge erlebt zu haben. Ich möchte sehr, dass sie meine Geschichte übermitteln und sich fragen, wie ein Kind in meinem Alter so lange in Haft gehalten werden kann, ohne irgendeine Sünde, irgendein Verbrechen begangen zu haben. Ich weiß nicht, was Schuld ist: mein Schicksal, mein Land, die Polizisten.“ (16-jähriger Junge, seit 9 Monaten in Arrest)

Ärzte über die Zustände in den Konzentrationslagern

Als ich zum ersten Mal in den Arrestzentren zu arbeiten begann, war ich von den Umständen schockiert. Abgesehen von der kleinen Fläche, auf der so viele Menschen zusammengepfercht werden, sind ein weiteres Problem die hygienischen Verhältnisse, mit Höhepunkt die Toiletten, die tatsächlich ein Bild des Elends bieten.“ (Arzt der Organisation)

Die meisten Krankheiten, denen ich begegne, stehen mit den Arrestbedingungen in Zusammenhang. Beispielsweise gibt es sehr viel Feuchtigkeit. Ich habe Kranke gesehen, die auf völlig durchnässten Matratzen schlafen. Die Menschen begegnen Problemen auch mit ihrer psychischen Gesundheit, sie leiden unter Schlafstörungen und haben psychosomatische Probleme.“ (Arzt der Organisation)

Ich begegne gebrochenen Menschen, Menschen, welche die Eliminierung erleben. Ein 20-Jähriger hat seit 8 Monaten nicht mehr mit seinen Verwandten gesprochen und jene wissen nicht, ob er noch lebt.“ (Ioanna Kotsioni, Expertin in Migrationsthemen bei den Ärzten ohne Grenzen)

(Quelle: in.gr)

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  1. V 99%
    13. April 2014, 00:11 | #1

    Komisch, 1.691 Aufrufe und keine Kommentare?
    Vielleicht liegt es ja daran, dass die griechische Regierung von 2007-2013 ca. 322 Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm „Solidarität und Steuerung der Migrationsströme“ der EU erhalten hat und damit eigentlich auch eine funktionierende Ausländerbehörde schaffen sollte und Migrationscenter, in denen die Migranten Hilfe erhalten koennen. Es ist halt einfacher mit dem Finger nach Norden zu zeigen, solange man dort den Mund haelt, weil die Abschottung gegen Migranten zwar nicht ganz nach Wunsch verlaeuft, aber zumindest einen Grossteil davon abhaelt, dorthin zu gelangen.

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