Griechenland: Troika fordert Verhaftungen, Pfändungen, Versteigerungen

18. April 2014 / Aufrufe: 5.899
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Die Troika in Griechenland fordert Verhaftungen, Pfändungen und Versteigerungen, ohne sich jedoch für die Verfolgung der großen Steuerhinterziehung stark zu machen.

Die Gruppe der Technokraten der Troika, die den IWF und die Kommission vertritt, schreitet in Griechenland zu „Sturmangriffen“ auf alle großen Finanzämter des Landes, wo sie die Daten kontrollieren und Akten der Steuerpflichtigen durchstöbern.

Es handelt sich um eine harte und skrupellose Truppe, die eher an „Kopfjäger“ erinnert, in deren Hände die Kontrolle des gesamten Steuerbeitreibungsmechanismus des Landes übergegangen ist und die gegenüber den Steuerpflichtigen die strengsten Methoden anwendet. Zu Lasten welcher Steuerpflichtigen jedoch? Nicht etwa der Großen, sondern zu Lasten der Kleinen und Mittelständischen.

Zeigt kein Erbarmen, sonst werden die Ziele nicht erreicht …

Der an alle großen Finanzämter (DOY) erteilte Befehl lautet „verhaftet die Schuldner, pfändet Vermögen, versteigert Immobilien„. Die Präsenz und Aktivität der „Kopfjäger“ dieser Truppe verweist natürlich eindeutig nicht auf ein souveränes und unabhängiges Land, noch lässt sie die geringste Illusion der Existenz eines Staates bei den Bürgern, die mit den Finanzämtern unter untragbaren Konditionen und mit dem einzigen Kriterium die „Vermehrung“ der Einnahmen des Fiskus, also die Beitreibung der Zinsen durch die Zinswucherer zu tun haben.

Die Inkasso-Kolonne der Troika wird formal als „Entsendung technischer Hilfe“ bezeichnet und hat sich dauerhaft in speziellen Büros des Finanzministeriums im 4. und 5. Stock des Gebäudes an der Straße Karagiorgi Servias eingerichtet. In regelmäßigen Zeitabständen fallen sie bei den großen DOY des Landes, in Athen und in der Provinz ein und kontrollieren alles. Sie verlangen, dass die Strafanzeigen gegen Schuldner zunehmen, nicht vor der Maßnahme der Schuldhaft zurückgeschreckt wird, mehr Verhaftungen erfolgen und es aus Gründen der Abschreckung eine Welle von Pfändungen und natürlich einen kontinuierlichen Fluss von Zwangsversteigerungen gibt. „Zeigt nicht das geringste Erbarmen, nur so werden die Zielvorgaben erreicht werden„, lautet die Losung der Leute des Herrn Thomsen an die DOY.

Wegen des Themas nahmen wir Kontakt zu dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verbands der Finanzbeamten, Herrn Tryfonas Alexiadis auf, der erklärte: „Im selben Moment, wo die Bürger mit einem barbarischen und ungerechten Steuersystem konfrontiert sind, ist der Steuermechanismus gezwungen, die Befehle der Funktionäre der Troika auszuführen. Diese Funktionäre suchen periodisch die Ämter auf und üben praktisch die Leitung aus, schließen jedoch die Augen vor den Pathogenesen des Steuersystems, wie merkwürdigen Novellierungen, Parteilichkeit usw.

Wie Herr Alexiadis gegenüber koutipandoras.gr berichtet, ist für die Anomalie hinsichtlich eines angeblich unabhängigen Staates die Tatsache beispielhaft, dass in dem Fall, wo ein Finanzbeamter bei einer Konferenz mit den Mitgliedern der Troika irgend einem ihrer Befehl nicht zustimmt, die Anweisung gegeben wird, ihn nicht wieder an einer Konferenz teilnehmen zu lassen. Kurz gesagt dürfen nur diejenigen teilnehmen, die grundsätzlich zu allem ja sagen, ganz egal wie paradox auch immer das sein mag, was sie verlangen, und zwar sogar auch dann, wenn sie Dinge verlangen, die nicht nur nicht in ihrem eigenen Land, sondern auch nirgendwo sonst auf dem Planeten geschehen.

Obwohl es beispielsweise in ihren eigenen Ländern zentrale Verfolgungsmechanismen gibt, verlangen sie hier ein „Aufsplitterung“ in verschiedene Dienststelle unter verschiedenen Leitungen und erschweren somit praktisch das Werk der Verfolgung der Steuerhinterziehung und speziell der großen Steuerhinterziehung. Obwohl zum Beispiel die Wirtschaftspolizei als Inspiration richtig war, macht sie praktisch nur noch Jagd auf Quittungen in Tavernen, und während ein einziges Dezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) existierte, wird es nun mit dem Segen der Troika ein „SDOE Mavraganis“ (sprich unter der Zuständigkeit des Staatssekretärs des Finanzministeriums) mit Sitz in Ioannina und Igoumenitsa geben, das Jagd auf die große Steuerhinterziehung machen wird, und das „SDOE Theocharis“ (sprich unter der Zuständigkeit des Generalsekretärs der Zentrale für öffentliche Einnahmen) mit Sitz in Patras, das die kleine Steuerhinterziehung „jagen“ wird.

Explosion der Steuerhinterziehung in den 4 Jahren der Troika

Will man die Resultate der befolgten Politik und der Interventionen der Troika sehen, braucht man sich nur die Zahlen anzuschauen, die nicht lügen und laut denen die Steuerhinterziehung vor Memorandum und Troika 40 Mrd. Euro tangierte und nach 4 Jahren der Troika-Herrschaft 63 Mrd. Euro übersteigt.

Die Steuerhinterziehung ist mit der absurden Erhöhung der indirekten Besteuerung in die Höhe geschossen und hat auch inzwischen blühende neue Schwarzhandelsgüter geschaffen, mit Paradebeispiel die Tabakprodukte und den Diesel. Im ersten Fall sanken die Zigarettenumsätze, nahmen die Entlassungen zu und blühte der Tabakschwarzhandel auf, wobei parallel noch größere Probleme für die Wirtschaft des Staates und unter dem Aspekt der gesundheitlichen Probleme geschaffen wurden, die der Konsum völlig ungeeigneter Tabake verursachte. Bei den Treibstoffen wiederum stieg der Schwarzhandel an anstatt abzunehmen und schuf auch parallele Brennpunkte wegen der Nachfrage nach alternativen Formen der Heizung, die zu einem dramatischen Anstieg der Phänomene illegaler Fällungen und der mit dem Rußpartikel-Smog zusammenhängenden Probleme führten. Kurz gesagt, anstatt die Motive des Schwarzhandels zu reduzieren, haben die Troika und ihre getreuen Diener diese in die Höhe schießen lassen.

Im selben Moment bezahlt man in Griechenland nicht einen einzigen Euro Steuern, wenn man z. B. Gold im Wert von 1 Mio. Euro oder Kunstwerke mit einem entsprechenden Wert gekauft hat, und wenn man eine 2-Zimmer-Wohnung in Nikea hat, die gerade einmal die elementaren Wohnbedürfnisse deckt, zahlt man dafür wie für einen Palast. Das andere repräsentative Thema der Unterscheidung Kleiner, Mittelständischer und Reicher und der Schutz der letzteren ergibt sich aus den hunderten photographischen Bestimmungen, welche die Regierung jedes Jahr in das Parlament bringt um Firmen und Unternehmer zu schützen, die dem Fiskus Geld schulden. Ein erschütterndes Beispiel ist nicht zuletzt die Abtretung des „Filetstücks“ des Fiskus, sprich des öffentlichen Trägers für Glücks- und Wettspiele OPAP, an einen befreundeten Unternehmer der Regierung, der jedoch Schulden beim Fiskus hat …

Dies geschieht zur selben Stunde, wo in jeder in Griechenland verstreichenden Sekunde von den Finanzämtern des ganzen Landes Pfändungsbefehle für Schulden ab 500 Euro und mehr ergehen, während für die großen Verbindlichkeiten lächerliche Zahlungsvereinbarungen erfolgen oder Bestimmungen verabschiedet werden, welche die großen Steuerhinterzieher vor Verfolgungen schützen. Diese Praxis gab es in diesem Land leider immer, der Unterschied ist jedoch, dass die Task Force und die Troika angeblich übernommen haben, uns zu einem Staat zu machen und praktisch nicht nur darin fortfuhren, die Kleinen und Mittleren zu jagen, sondern völliges Desinteresse für die Großen zeigten und dem verfaulten einheimischen politischen System halfen, die Pfründe und die Geschäfte mit dieser Oligarchie beizubehalten.

Besitzsteuer für Ländereien soll Eigentümer zum Verkauf zwingen

Parallel zu der Intensivierung der Strafverfolgungen gegen die Schuldner des Fiskus fordern die Funktionäre der Troika auch eine spezielle Besitzsteuer für Ländereien, die nebenberuflichen Landwirten gehören, nicht bearbeitet oder nicht verpachtet werden, damit die Eigentümer gezwungen werden, ihren Besitz entweder an diejenigen zu verkaufen, die ihn haben wollen um ihn zu verwerten, oder an Gesellschaften, die ausschweifen werden um auch die letzte Handbreit Boden dieses Landes an sich zu reißen – so, wie es bereits auch mit den Immobilien geschieht.

Die bemühte Logik ist also, dass sogar auch das Vorhandensein eines elementaren Vermögens für Wohnzwecke dermaßen unrentabel wird, dass es letztendlich in andere Hände übergeht … sprich in konkreten Händen konzentriert wird.

(Quelle: Büchse der Pandora)

Relevante Beiträge:

  1. Melanie G.
    18. April 2014, 20:21 | #1

    Das kommt auch noch bei uns. Nur abwarten, der Staat braucht Geld, er holt es sich, früher oder später.

  2. EuroTanic
    19. April 2014, 00:46 | #2

    Ein Dieb, der einem Dieb etwas stiehlt, ist in meinen Augen kein Dieb. Steuern, insofern sie nicht freiwillig gezahlt werden, sind in meinen Augen Diebstahl, in Kombination mit dem Zwang, den Gesetzen und Strafen Erpressung, Nötigung, Freiheitsberaubung usw. Der Staat ist in meinen Augen der grösste Verbrecher, denn er duldet keine Konkurrenz.

  3. Franz
    20. April 2014, 15:05 | #3

    Das ist ja furchtbar, … das ist was ich immer befürchtet habe, die eine Seite druckt Geld und nimmt den Verschuldeten Ihre Assets, und wer keine Schulden hat, dem werden Zwangsabgaben aufgedrückt. Das ist Sklaventum pur. Ein kleiner Blick in die ach so erstrebte neue Weltordnung, mit einer Weltwährung, die unsere Kanzlerin im Bundestag als „alternativlos“ angestrebt hat. Also ich bekomme eine Gänsehaut, es ist schlimmer als es im wilden Westen damals je war.

  4. BravoZulu
    20. April 2014, 16:58 | #4

    Dies zeigt ganz eindeutig, dass es sich bei der TROIKA um einen Club von Intelligenzbestien handelt, der über Leichen geht um sein Ziel zu erreichen: Geld von den kleinen Leuten erpressen und die Reichen ungeschoren lassen.

  1. 20. September 2014, 12:07 | #1
  2. 25. September 2014, 01:06 | #2

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