EU-Agrarpolitik vernichtete traditionelle Landwirtschaft in Griechenland

8. April 2014 / Aufrufe: 5.156

Die Umsetzung der gemeinsamen Agrarpolitik der EU in Griechenland führte zu fatalen Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Strukturen des Landes.

Die drei Jahrzehnte der Umsetzung der sogenannten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union in Griechenland hatten in eine drastische Auswirkung auf die Struktur der Agrarwirtschaft des Landes.

Die griechischen Landwirte wendeten sich ganz klar den subventionierten Produkten zu und gaben dabei sogar auch die traditionellen heimischen Kulturen wie Hülsenfrüchte oder Futterpflanzen auf – mit dem Ergebnis, dass die Nahrungsbedürfnisse der Bevölkerung durch einen großen Anstieg der Exporte gedeckt werden.

GAP und fehlende Planung ließen Importe explodieren

Charakteristisch ist, dass beispielsweise in Thessalien viele Mandelhaine gerodet wurden, um Baumwolle anzupflanzen – also das Basisprodukt, dessen Anbau nach 1981 dramatisch anstieg, und zwar natürlich nur wegen der hohen Subventionierung, die das Dreifache des Marktwertes des Produkts erreichte.

Die Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik in Griechenland hatte Auswirkungen auf die Struktur der Agrarproduktion, und zwar mit dem Resultat, dass es dem Land an einer ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln mangelt und es gezwungen ist, große Importe zu tätigen. Parallel geriet das Thema der Qualität der erzeugten Produkte in den Hintergrund und es gab auch keine Planung bezüglich der Flächennutzung bei den für den Anbau genutzten Ländereien„, erklärt Stamatis Sekliziotis, Doktor der Agrarwissenschaft und Assistent des Attachés für Agrarthemen bei der amerikanischen Botschaft.

Produktionsverlauf landwirtschaftlicher Basiskulturen in Griechenland (in Tonnen)
1961 1981 2011
Äpfel 196.000 337.091 255.800
Bohnen (Kernbohnen) 52.000 34.990 22.744
Feigen 169.259 115.397 9.400
Gemüse (Frischgemüse) 51.757 123.298 74.393
Kartoffeln 400.184 1-056.000 757.820
Kichererbsen 13.365 12,694 2.200
Linsen 12.586 8.451 2.856
Mandeln („Krachmandeln“) 41.146 73.181 29.800
Pistazien 634 2.253 9.580
Quitten 19.246 12.408 3.432
Sesam 6.374 1.572 33
Tomaten 368.273 1.884.600 1.169.900
Tabak 74.245 130.900 20.287
Walnüsse 17.960 26.264 29.800
Zitronen 142.103 216.874 70.314

Landwirte gaben sogar den Anbau von Hülsenfrüchten auf

Bezeichnenderweise wurden die in Griechenland traditionell angebauten Hülsenfrüchte allmählich aufgegeben, da ihr Anbau von der EU nicht subventioniert wurde. Während 1961 insgesamt 12.586 und 1981 immerhin noch 8.451 Tonnen Linsen produziert wurden, sank die Produktion 2011 auf 2.856 Tonnen. Entsprechend betrug die Produktion von Kichererbsen 1961 insgesamt 13.365 Tonnen, 1981 immerhin 12.694 Tonnen und 2011 nur noch 2.200 Tonnen. Um traditionelle griechische Gerichte zuzubereiten, werden Hülsenfrüchte aus aller Welt importiert: Weiße Bohnen aus China, Augenbohnen aus Peru und Madagaskar, Linsen aus Kanada, Kichererbsen aus Mexiko und der Türkei, Saubohnen aus Syrien.

Ein weiteres traditionelles griechisches Produkt, nämlich Halva (wie im übrigen auch Tahini), wird inzwischen hauptsächlich nur noch aus importiertem Sesam hergestellt. Die griechische Sesam-Produktion im Jahr 2011 betrug gerade einmal 33 Tonnen, gegenüber 1.572 Tonnen im Jahr 1981 und 6.374 Tonnen im Jahr 1961. Aber auch die Produktion von Nüssen ging langsam zurück, da Mandeln, Haselnüsse, Pistazien usw. von der Subventionierung ausgeschlossen blieben. Aufzeigend importiert Griechenland heutzutage Walnüsse aus Kalifornien, Georgien und Moldawien, wenn auch die Walnüsse die einzige Nusskultur ist, die in den letzten Jahren eine Zunahme verzeichnete.

Ebenfalls problematisch ist, dass wir den größten Anteil der verwendeten Viehfutter importieren, hauptsächlich Soja. Berücksichtig man, dass das Viehfutter 80% der Produktionskosten des Fleisches ausmacht, wird verständlich, was all diese Importe für unsere Viehzucht bedeuten„, betont Herr Sekliziotis. Eine der grundlegenden (also für Viehfutter angebaute) Futterpflanzen ist der Sorgho, und 2011 wurden nur 84 Tonnen Sorgho angebaut, gegenüber 1.198 Tonnen im Jahr 1981 und 8.775 Tonnen im Jahr 1961. „Zur selben Zeit, wo die Trockenfrüchte weltweit höchst gefragt sind, haben wir eine sehr kleine Produktion und lassen die Türkei dominieren„, fügt der Agrarwissenschaftler an.

Rückgang der Zitronenproduktion

Einen höchst signifikanten Rückgang gibt es auch bei der inländischen Zitronen-Produktion, die von 216.874 Tonnen im Jahr 1981 auf 70.314 Tonnen im Jahr 2011 sank. Die Bedürfnisse werden natürlich durch Importe gedeckt. Die gesamte Zitrusfrucht-Produktion Griechenlands ist nicht besonders gesunken (997.205 Tonnen 1981 und 938.866 Tonnen 2011), wie jedoch Herr Sekliziotis betont, beziehen die angebauten Orangensorten sich hauptsächlich auf den inländischen Markt und sind für den Export nicht geeignet.

Die Tomatenproduktion scheint dagegen einen bedeutsamen Anstieg zu erfahren, allerdings handelt es sich hauptsächlich um Kontingente sogenannter „Industrietomaten“, die ebenfalls ein subventioniertes Produkt waren.

Last but not least betont Herr Sekliziotis, dass es in Griechenland viele unterschiedliche mikroklimatische Regionen gibt und das Land ein Mosaik vieler Kleinkulturen haben könnte, wozu sich jedoch jemand die Mühe gemacht haben müsste, sich damit zu beschäftigen und Richtungen vorzugeben.

Junge Leute wenden sich der Landwirtschaft zu

In den letzten Jahren wird ein gestiegenes Interesse an der landwirtschaftlichen Produktion verzeichnet, und zwar hauptsächlich von Seite junger Menschen, die nach einem Ausweg aus der Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Krise suchen. Bei einer Meinungsumfrage des griechischen Ministeriums für Agrarentwicklung hatten 19,3% der Befragten geantwortet, konkrete Schritte unternommen zu haben, um aus den urbanen Zentren (Athen – Thessaloniki) in die Provinz umzusiedeln.

43,5% all jener, die Athen und Thessaloniki zu verlassen planen, verfügen über einen Universitätsabschluss, 25,9% haben ein postgraduales Studium gemacht und 4,1% haben auch einen Doktortitel inne. Ungefähr die Hälfte (ein Anteil von 47,6%) jener, die ihren Wegzug aus der Stadt planen, würden auf dem Agrarsektor, jedoch nicht nur auf der Ebene der Produktion, sondern auch in der gesamten Kette, sprich auch bei Verpackung und Vertrieb der Produkte tätig werden wollen.

Die Olive und das Olivenöl sind die erste Wahl hinsichtlich der Landwirtschaft, und zwar höchst wahrscheinlich, weil ein großer Anteil der Stadtbewohner noch Olivenbäume hat. Entsprechend zieht ein großer Anteil der Interessenten die biologischen Kulturen vor, da sie annehmen, einen steigenden Umsatzanteil haben zu werden.

(Quelle: Kathimerini)

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