Das barbarische Experiment Europas in Griechenland

20. April 2014 / Aufrufe: 6.368
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Ambrose Evans-Pritchard vertritt, Europa habe Griechenland auf dem Altar des Euro geopfert und die Bevölkerung des Landes einem grausamen Experiment unterzogen.

Die imposante Rückkehr Griechenlands an die Anleihenmärkte enthüllt viel über die Psychologie der Investoren, jedoch sehr wenig über die Situation der griechischen Wirtschaft, warnt Ambrose Evans-Pritchard in einem Artikel in der Daily Telegraph.

Laut dem Redakteur ist das starke Interesse an der (neulich platzierten) Emission kein Anzeichen dafür, dass Griechenland aus dem Tunnel heraus ist. Ebenfalls rechtfertigt es auf keinen Fall die Politiken der Troika, die – wie er betont – ein völliger Misserfolg waren, der in den kommenden Jahren von den Wissenschaftlern studiert werden wird.

Die Märkte sind wieder der Euphorie vor Lehman verfallen

Üblicherweise hat ein Land, wenn es die traumatische Erfahrung eines Rettungsprogramms hinter sich gebracht hat, wenigstens ein akzeptables Verschuldungsniveau erreicht und mittels der Abwertung der Währung die Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt. Im Fall Griechenlands geschah etwas solches nicht, betont A. Pritchard. Trotz des „Haircuts“ um ungefähr 70% und der aufeinanderfolgenden Rettungspakete bleibt die öffentliche Verschuldung Griechenlands weiterhin bei 179% des BIP, sprich auf einem nicht tragfähigen Niveau für ein Land ohne eigene Zentralbank und Währung.

Die Märkte wissen das„, betont der britische Redakteur. Er vertritt, der Grund, warum sie (trotzdem) griechische Anleihen mit einer Rendite von 4,75% sammeln, sei, weil sie zu der Euphorie vor Lehman zurückgekehrt seien und alles kaufen. Sie setzen darauf, dass die Eurozone Griechenland für die nächsten fünf Jahre stützen wird, indem sie die Kredite prolongiert und historisch niedrige Zinsen gewährt. Sie setzen ebenfalls darauf, dass die griechischen Politiker die Sache nicht vermasseln werden.

Analytiker unterstreichen, die Gefahr eines Bankrotts sei für Griechenland gering, da die von ihm gezahlten Zinssätze auf 4% – 4,5% gesenkt worden sind und 80% der Verschuldung sich in den Händen des offiziellen Sektors befinden. Obwohl – wie A. Pritchard anmerkt – all dies wahr ist, verzeichneten die Renditen der neuen 10-jährigen griechischen Anleihen am vergangenen Freitag einen Anstieg um 32 Basispunkte und brachten den Käufern bereits Verluste ein.

Derweilen ist äußerst zweifelhaft, inwieweit den Investoren die Entwicklungen in der griechischen und in der europäischen Politik bekannt sind. Die Koalitionsregierung des (derzeitigen griechischen Premierministers) Antonis Samaras hat im Parlaments eine hauchdünne Mehrheit, die SYRIZA war bei der letzten Meinungsumfrage der Pulse erste Partei und die Chrysi Avgi verzeichnet zweistellige Zahlen.

Wenn jemand glaubt, wir befinden uns in den ersten Stadien eines Zyklus weltweiter Liquidität und Expansion, vermag die Verstärkung des Wachstums ausreichend sein, um auch Griechenland mit hochzuziehen, betont A. Pritchard. Das Bild ist jedoch völlig anders, wenn man glaubt, die Straffung der Geldpolitik Chinas und der USA zeige, dass wir uns nahe am Ende eines bereits fünf Jahre andauernden Zyklus befinden, oder man die Ansicht des Larry Summers adoptiert, wir durchschreiten eine Periode sehr niedrigen Wachstums wie jener des Jahrzehnts von 1930.

Professor Charles Wyplosz der Universität von Genf vertrete, die Führung der Eurozone habe die Krise einfach nur unter den Teppich gekehrt. Die Verschuldungsrate nehme zu, da die deflationäre Dynamik überwiegt und die bestehenden Niveaus der Verschuldung in Griechenland, Italien und Portugal stellen für die nächste kommende Rezession ein Rezept der Katastrophe dar. „Die Hedge Fonds, die griechische Verschuldung inne haben, glauben, den herannahenden Sturm rechtzeitig sehen können und in der Lage sein zu werden, ihre neuen griechischen Bonds rechtzeitig an ’schlafmützige‘ Rentenkassen loszuwerden. Es ist sicher, dass sie Recht behalten werden„, schreibt A. Pritchard.

Die brutale Methode der internen Abwertung

Mit den brutalen Methoden der internen Abwertung und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf kriminelle Niveaus hat die griechische Wirtschaft eine gewisse Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangt, vertritt der Redakteur der Daily Telegraph.

Der IWF berichtete in seiner 4. Bewertung, das Defizit der laufenden Handelsbilanz sei hauptsächlich aufgrund der Komprimierung der Importe und nicht durch die Erhöhung der Exporte eliminiert worden. Es existiere immer noch „ein strukturelles Defizit in der laufenden Handelsbilanz in einer Größenordnung von 6% des BIP„, welcher Umstand eine Überbewertung der Währung um 10% zeige.

Anders gesagt, merkt Pritchard an, mag Griechenland sich nahe bei der Ausbalancierung der Handelsbilanz befinden, jedoch geschieht dies nach sechs Jahren der Rezession. „Es war eine Arbeitslosenquote von 27,5% oder 58,3% bei den jungen Leuten nötig, um dies zu erzielen„, unterstreicht er und vertritt, die Schlussfolgerung sei, das Defizit werde wieder steigen, sobald das Land sich erholt.

Parallel betont er, dass – während die Wirtschaft nach einem Rückgang beim BIP um 26% zu schrumpfen aufgehört hat – die Investitionen zusammengebrochen sind, wie auch die Importe von Kapitalgütern, die für den Wiederaufbau der Industrie notwendig sind. Im selben Moment nehmen die nicht bedienten Kredite der Haushalte zu.

Griechenland wurde auf dem Altar des Euro geopfert

Wie die 300 Spartaner bei den Thermopylen wurde Griechenland zu Gunsten des Euro geopfert, vertritt A. Pritchard und merkt an: „Zu Anfang verweigerten sie ihnen die – laut den durchgesickerten Dokumenten von der Mehrheit des Rats des IWF gewollte – Umschuldung weil diese die … Heiligkeit der Währungsunion verletzen würde. Ihnen wurde ein Maßnahmenpaket aufgezwungen, dass die Regeln des IWF missachtete und keinerlei wirtschaftliche Logik hatte. Ziel war, Zeit für die Eurozone zu kaufen, bis sie die Schwächen an anderen Fronten deckt und die Metastase vermieden wird. Die Zyniker würden sagen, dass es Zeit für die Banken des Nordens kaufte, sich aus der Sache herauszuziehen und den toxischen Müll den Steuerzahlern der Eurozone aufzubürden.

Alle anfänglichen Prognosen über Kosten der Austerität waren völlig falsch. Die Behörden der EU schätzten den volkswirtschaftlichen Multiplikator völlig falsch ein. Er betrug nicht 0,5, sondern 2. Oft genug beschuldigten sie die Griechen, die Zielvorgaben nicht zu erreichen, während der Hauptgrund für diese Verfehlungen die prä-zyklische und selbstunterminierende Wirkung der volkswirtschaftlichen Komprimierung selbst war, welche die Steuereinnahmen in den Zusammenbruch führte. Sie beschuldigten die griechischen Behörden, nicht geschafft zu haben, das Privatisierungsprogramm schnell genug voranzutreiben, während die Realität war, dass es unmöglich war, irgend etwas an einen im Zusammenbruch begriffenen Markt zu verkaufen, speziell in einer Periode, wo die Politiker in Holland, Finnland, Österreich und Deutschland offen von einem Rückzug Griechenlands von den Märkten sprachen.

Ich glaube, dass Griechenland sich viel schneller erholt hätte, und zwar mit sehr viel geringeren wirtschaftlichen Verlusten und ohne eine halbe Generation zu opfern, wenn es umgehend die Eurozone verlassen und ein klassisches Paket des IWF angenommen hätte. Es ist unmöglich, dass ich dies beweise. Wir werden es niemals erfahren„, merkt A. Pritchard an und endet: „Griechenland überlebte sein Martyrium ohne Revolution oder Bürgerkrieg. Wenn dies eine Rechtfertigung der Strategie der Eurozone bezüglich der Schuldenkrise und eines breiteren Plans darstellt, dann ist die Messlatte sehr niedrig angesetzt worden.

(Anmerkung: Es sei ausdrücklich betont, dass vorstehender Beitrag auf der Publikation der nachstehend benannten griechischen Quelle basiert!)

(Quellen: euro2day.gr, Europe has subjected the Greek people to a cruel experiment)

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  1. EuroTanic
    20. April 2014, 10:20 | #1

    Jeder Hausfrau ist einfach ersichtlich, dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben kann als man einnimmt. Doch das Gegenteil gilt für Griechenland, aber auch allen anderen Ländern der Welt. Alle haben Schulden, alle können diese von Anfang an nie zurückzahlen, auch nicht Deutschland.
    DIESES System, speziell das Kreditsystem, ist ein Nullsummenspiel. Des einen Schulden sind immer des anderen Guthaben. Von den Billionen Guthaben redet in den Medien nie einer. Warum nicht? Weil dann das Betrugssystem offensichtlich wurde. In diesem System kann es NIE allen gut gehen, das es per se so definiert ist. Es ist auch nie so gewollt gewesen, dass es allen gut geht. Denn einem auf ewig verschuldeten Volk kann man auf ewig ein Pfund Fleisch, wieder und wieder, herausschneiden. Es ist egal wen ihr wählt, weil das System für alle gilt.
    Leute hört auf den Staat anzubeten, das ist eine Religion die einzig und alleine dafür da ist euch arm und unten zu halten.

  2. M. Georg Dieling
    20. April 2014, 11:21 | #2

    Griechenland ist ein sehr kleines Szenario in dem beginnden Teil 2 der global organisierten Finanzkriminalität, die nun unter festgeschriebenen Gesetzten alle Länder betreffen wird.
    Wenn die Finanzkrise 2008/9 sich noch auf der Unfähigkeit der Politiker gründete, Opfer der gewitzten Finanzlobby, so hat sich nun eine Transformation vollzogen, ein Verschmelzen dieser Kräfte. Es hat jetzt die Zeit begonnen, wo eben auf gesetzlich legitimierter Ebene jegliche Regulierung vermieden wird und jeder Bürger diese Raubzüge zwangsweise finanziert. Die nächsten Kriege und Kontrolle durch Armut sind gewünschte Nebeneffekte.

  1. 2. Mai 2014, 00:05 | #1

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