Schockierende Zustände in Gefängnissen in Griechenland

10. März 2014 / Aktualisiert: 03. April 2014 / Aufrufe: 2.884

Authentische Aufnahmen aus dem Gefängniskrankenhaus Korydallos dokumentieren ein weiteres Mal die unmenschlichen Zustände in den Strafvollzugsanstalten in Griechenland.

Schockierende Fotos und Videoaufnahmen, die jüngst von im Gefängniskrankenhaus Korydallos „Agios Pavlos“ in Athen / Piräus einliegenden Häftlingen unter anderem bei Twitter unter „Kolastirio Korydallou“ (@kolastirio) publiziert wurde, gehen um die ganze Welt.

Über 200 Patienten in einer für 60 Personen geeigneten Krankenstation

In einem … sogenannten Krankenhaus, in dem – wie die Betroffenen sagen – „Todesstrafen verbüßt werden“, sind derzeit 226 Patienten zusammengepfercht, obwohl die Belegungskapazität nicht mehr als 60 Menschen beträgt. Die Beaufsichtigung der Patienten, von denen einige an schweren Erkrankungen leiden, erfolgt durch nur zwei Ärzte. Die Räumlichkeiten sind schmutzig, verwahrlost, ohne Pflegepersonal, Basismedikamente und Infrastruktur. Beispielsweise schlief ein Patient, der einer Herzoperation unterzogen worden war, auf dem Flur …

Bis vor kurzem erfolgte keinerlei Differenzierung zwischen den Patienten, mit dem Resultat, dass begründete Sorgen über die Ausbreitung der Tuberkulose, der Krätze und anderer Infektionskrankheiten zum Ausdruck gebracht werden. Erst jüngst beschloss die neue Direktorin der Strafvollzugsanstalt, dass die neuen Patienten Untersuchungen unterzogen werden, damit nicht alle wahllos in den selben Räumen zusammengepfercht werden.

Die Patienten verlangen das Selbstverständliche: nämlich, dass das Gefängniskrankenhaus Korydallos ausreichend mit Personal, Ärzten und Pflegern besetzt und endlich der Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums unterstellt wird, wie im übrigen bereits vor vier Jahren per Gesetz bestimmt wurde.

Ebenfalls hatten sie die Präsenz der zuständigen Staatsanwältin verlangt, die jedoch nicht kam, weil „sie Familie hatte und sich fürchtete“ – und neulich substituiert wurde. Ihre Amtsnachfolgerin, Frau Maria Troupi, stellvertretende Staatsanwältin am Berufungsgericht Piräus, hat sich über die Forderungen der Häftlinge – Patienten informiert und ihnen zugesagt, „umgehend und augenblicklich eingreifen zu werden“.

Europäischer Rat verlangt umgehende Verbesserung der Umstände

Der Generalsekretär des Justizministeriums, Herr Marinos Skandamis, nahm seinerseits ebenfalls die Forderungen der Häftlinge entgegen und versprach eine umgehende gesetzliche Regelung, welche diese einbeziehen wird.

Das Ministerium hatte derweilen eine Novelle vorgelegt, die auch ratifiziert wurde und vorsah, dass alle Häftlinge, die Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren verbüßen und an Krankheiten wie multiple Sklerose und Krebs leiden, einer Herz- oder Nierentransplantation unterzogen wurden oder HIV-positiv sind, mit ihrer Entlassung zu rechnen beginnen können, sofern sie 2/5 ihrer Strafe verbüßt haben.

Die Novelle wird jedoch als unzureichend betrachtet, da sie sich auf einen minimalen Personenkreis bezieht, und wie die Häftlinge betonen, ist der Plafond der zehnjährigen Haftstrafe nicht nötig, weil die Regelung so wie so alle ausschließt, die wegen „abscheulicher Straftaten“ verurteilt worden sind.

Letztendlich ist das Thema auch bei dem Europäischen Rat angelangt, der die umgehende Verbesserung der Umstände im Krankenhaus der Gefängnisanlagen Korydallos verlangt.

(Quelle: Ethnos)

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