Lidl mischt Brotmarkt in Griechenland auf

8. März 2014 / Aktualisiert: 12. Dezember 2015 / Aufrufe: 2.440

Lidl Hellas, derzeit einziger Harddiscounter in Griechenland, will dynamisch in den Brotmarkt einsteigen und das größte geschlossene Bäckerei-Netzt im Land aufbauen.

Die Lidl Hellas, die nach einer 15-jährigen „Schweigeperiode“ beschloss, ihre Zukunftspläne zu kommunizieren, beansprucht einen Anteil an dem Kuchen des auf 1 Mrd. Euro veranschlagten Brotmarkts in Griechenland.

Stratos Dimitriadis, Vorstandsmitglied der Lidl Hellas, gab in Erklärungen gegenüber Journalisten bekannt, dass die Kette den Betrieb sogenannter „warmer Ecken“ (sprich Anlagen zur Abwicklung von Backvorgängen) in allen ihren (über 220 zählenden) Geschäften in Griechenland einleitet; derzeit verfügen erst 36 Läden über solche Anlagen.

Lidl kam nicht nach Griechenland, um den Rahm abzuschöpfen

Es handelt sich um einen Zug, von dem man sagen könnte, dass er Lidl mit Abschluss der diesbezüglichen Investition Anfang 2015 zu dem größten „geschlossenen Bäckerei-Netz“ in Griechenland machen wird.

In die Realisierung dieses Ziels wird auch ein signifikanter Teil der in diesem Jahr (2014) von der Gesellschaft auf den Weg gebrachten Investitionen in Höhe von 130 Mio. Euro gelenkt werden, wie Herr Dimitriadis anmerkte und ergänzte, dass mit dieser Ausweitung auf die in Rede stehende Aktivität eine Aufstockung des Personals einhergehen wird: gegenüber 4.0002 Beschäftigten, welche die Gesellschaft derzeit hat, werden sie Ende des Jahres 4.280 zählen.

In Kombination mit den neuen Investitionen in Höhe von 130 Mio. Euro für 2014, der entsprechenden Erhöhung des Gesellschaftskapitals gegen Ende 2013 und den Investitionen von mehr als 1 Mrd. Euro, welche die Gesellschaft seit ihrem Einzug in Griechenland realisiert hat, stellt dies laut Stratos Dimitriadis den Beweis dar, dass die Gesellschaft nicht nach Griechenland kam um … den Rahm abzuschöpfen und sich zu verdrücken.

Griechische Produkte decken 52% des Umsatzes der Lidl Hellas

Vielmehr bestätigt laut Herrn Dimitriadis all dies die Absicht der Firma, weiterhin in Griechenland zu investieren und wie zugesagt auch die griechische Produktion zu stützen. Wie er anführte, rühren 52% des Umsatzes aus griechischen Produkten her, während er anmerkte, dass die Gesellschaft mit 5.000 (inländischen und ausländischen) Lieferanten kooperiert, 15% der 900 über ihre Läden vertriebenen Produkt-Codes Markenprodukte und 85% Hausmarken-Produkte sind.

Die derzeit einzige Harddiscounter-Kette in Griechenland sah ihre Umsätze in den sechs Jahren der Krise im Wert konstant bleiben (1,3 Mrd. Euro ohne MwSt.), wogegen das quantitative Volumen ihrer Verkäufe mit +8% „läuft“, wie Herr Dimitriadis anmerkte, der im übrigen einschätzte, dass in Griechenland auch Platz für einen weiteren Hard Discount Player ist.

Was die Politik der Gesellschaft in Zusammenhang mit den Vergütungen ihrer Beschäftigten und den Arbeitsverhältnissen betrifft, führte Herr Dimitriadis an, der Mindestlohn für Vollzeitbeschäftigung betrage 1.119 Euro brutto, während – wie er sagte – ein Teilzeitbeschäftigter (Anmerkung: 2/3 des Personals der Lidl Hellas sind Halbtagsbeschäftigte mit 4-stündiger Arbeitszeit) so entlohnt wird wie jemand mit 8-stündiger Beschäftigung in irgend einem anderen Handelsunternehmen.

(Quelle: sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Götterbote
    8. März 2014, 19:18 | #1

    Den Großteil der Investitionen werden vermutlich die benötigten Maschinen veranschlagen, wobei diese höchstwahrscheinlich nicht griechischer Natur sein werden, sondern wohl eher importiert werden müssen. Den „Gewinn“ für Griechenland sehe ich daher nicht, sondern viel mehr die Annäherung an den Einheitsbrei der Bäckereien, den wir hierzulande (Deutschland) inzwischen serviert bekommen.

  2. Panhellene
    9. März 2014, 09:32 | #2

    Die Backwaren der einheimischen Bäckereien wurden ständig schlechter und dabei immer teurer. Seit Kurzem haben wir einen Lidl-Backshop in der Nähe und ich bin froh darum. Die Auswahl ist nicht nur wesentlich größer als bei griechischen Bäckern, sondern die Produkte auch schmackhafter und erheblich preisgünstiger. Ich bin gewiß kein Lidl-Fan, aber im Umfeld der Wirtschaftskrise ist es für viele Griechen und Zugewanderte ein Segen, günstig einkaufen zu können, denn die meisten Waren sind ein Drittel bis zur Hälfte günstiger als in griechischen Supermärkten.

  3. Realist
    9. März 2014, 18:00 | #3

    Jaja Lidl hat ein besseres Angebot. Aber jeder müsste doch durch einfaches Denken darauf kommen, dass sich viele Griechen in Zukunft dieses Angebot nicht mehr leisten können. Sägespäne und Eicheln sage ich nur. War alles schon da.

  4. Die Deutsch-Griechin
    9. März 2014, 19:43 | #4

    Der „Gewinn“ für Griechenland besteht darin, dass die Menschen viele Artikel wesentlich preiswerter einkaufen können, als in den anderen Supermärkten. Auch im Backshop.

  5. Uschi Niemann
    9. März 2014, 22:27 | #5

    Wollte Lidl hier boykottieren – bis ich vom Backshop erfuhr … Einsame Spitze! Dabei interessiert mich nicht der Preis (hab noch gar nicht auf die Preise geschaut), sondern die Möglichkeit, Käse- oder Körnerbrot und – brötchen kaufen zu können. Und wenn diese Backwaren jetzt der Renner in GR sind, müssen die heimischen Bäckereien umdenken und überlegen, warum das ungesalzene pappige Weißbrot nicht mehr gekauft wird. Alle möglichen Ingredenzien sind hier ja auch erhältlich – muss man nur untermischen.

  6. V 99%
    9. März 2014, 23:41 | #6

    Was die Qualitaet von Backwaren, im allgemeinen angeht, merke ich, dass auch so mancher einheimischer Baecker hier inzwischen auf vorgebackene Ware zurückgreift. Wie sonst lässt sich die aufaellig gleichbleibende Form und Substanz der Brote u.s.w. erklaeren? Auf meine Frage, bei einem nahe gelegenen „Baecker“, ob er selber backen wuerde, erhielt ich die Antwort: Nein, wir lassen uns beliefern. So besonders billig empfinde ich den LIDL Backshop nicht. Das positive sind die sonst nicht allgemein erhaeltlichen Produkte, wie z.B. Laugenbroetchen. Was den Vorwurf sogenannter “warmer Ecken” angeht, bei Sklavenitis und Carrefour stehen seit etlichen Jahren, Backwaren in Mengen herum, teils in echt „pappiger“ Qualitaet, da kaufe ich lieber das „frischgebackene“ bei LIDL, auch wenn sich damit ein „Broetchenkartell“ begruendet. Was in dem Bericht vergessen wurde, ist die hohe Wegwerfquote von Backwaren.

  7. Kleoni
    10. März 2014, 11:10 | #7

    Ich backe seit Jahren in D wie auch in GR das Brot / Brötchen selber und das dazu benötigte Mehl, Olivenöl, Salz und Hefe kaufe ich jeweils vor Ort. Mir schmeckt das Selbstgebackene in D wie auch in GR am Besten.

  8. Götterbote
    10. März 2014, 13:39 | #8

    Also ich kann sicher nicht für ganz Griechenland sprechen und möchte demnach den Vorrednern wiedersprechen, aber ich kann für mich sagen, dass in den mir bekannten Bäckereien (natürlich gibt es bessere und schlechte und welche mit mehr oder weniger Auswahl) eine gute Qualität zu guten Preisen angeboten wird. Zudem ist mir in meinen Stammbäckereien bekannt, dass diese noch selbst backen und weder mit Rohlingen, noch mit Fertigware beliefert werden.

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