Hälfte der Kleinunternehmen in Griechenland droht Schließung

21. März 2014 / Aktualisiert: 28. März 2014 / Aufrufe: 791
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Fast 50 Prozent der Kleinunternehmen in Griechenland sehen sich mit der Gefahr der Schließung konfrontiert, 40 Prozent sogar innerhalb des laufenden Halbjahrs.

Laut einer Untersuchung des Instituts für Kleinunternehmen des Dachverbands der Gewerbetreibenden, Handwerker und Kaufleute Griechenlands (IME-GSEVEE bzw. ΙΜΕ-ΓΣΕΒΕΕ) ist fast die Hälfte der Kleinunternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten mit der Gefahr der Schließung in den kommenden Monaten konfrontiert. Hauptgründe sind der Rückgang der Umsätze und die Schulden an OAEE, DEKO, Finanzamt und Banken.

Die Untersuchung gibt auf Halbjahresbasis das wirtschaftliche Klima bei den Kleinunternehmen wieder, die – wie in der einschlägigen Bekanntmachung angemerkt wird – 99,6% der griechischen Unternehmen ausmachen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 18 März 2014 in Thessaloniki von dem Vorsitzenden des GSEVEE und des IME-GSEVEE, Georgios Kavvathas, und dem stellvertretenden Vorsitzenden des IME-GSEVEE, Ioannis Papagyris, bei der Industriekammer Thessaloniki präsentiert.

Aussichten auf einen Aufschwung erscheinen äußerst zweifelhaft

Die Hauptfolgerungen aus der Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der Demoskopie-Gesellschaft MARC an einem panhellenischen Muster 1.204 sehr kleiner und kleiner Unternehmen (0 – 49 Beschäftigte) im Zeitraum von 10 bis 14 Februar 2014 durchgeführt wurde, stellen sich folgendermaßen dar:

1) Die reale Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Investitions-Lethargie. Die vielbeworbenen strukturellen Reformen haben keinerlei substantielles Ergebnis herbeigeführt. Laut den wirtschaftlichen Größen, welche die Unternehmen präsentieren, verbleiben der Liquiditäts-Index und die Investitionstätigkeit auf historischen Tiefstwerten. Es geht um einen sich selbst speisenden Teufelskreis des Liquiditätsmangels und der Devestition, die praktisch dem privaten Sektor die Wachstumsdynamik und die Möglichkeit eines eigenständigen Aufschwungs versagt.

2) Die Größen der Bilanz des 2. Halbjahrs 2013 bleiben negativ, da die Lage sich für 70,3% der Kleinunternehmen verschlechtert hat. Die negative Bahn hat seit 2010 begonnen und setzt sich weiterhin fort. Praktisch geht es als Folge des Prozesses der internen Abwertung um eine de facto Verschiebung zu einem sehr viel niedrigeren Punkt des Wirtschaftsgleichgewichts. Mit der Schließung von mehr als 200.000 Unternehmen in den letzten drei Jahren (gemäßigte Schätzung gemäß den offiziellen Daten der Europäischen Kommission), den angehäuften Schulden und der Talfahrt der Beschäftigung als gegeben, erscheinen die Aussichten auf einen Aufschwung außerordentlich zweifelhaft.

3) Alle wirtschaftlichen Indizes der Unternehmen bleiben negativ. 66,6% der Unternehmen verzeichneten einen Rückgang bei den Umsätzen, wobei der höchste Rückgang bei den sehr kleinen Unternehmen verzeichnet wird (81,7%). Der Mittelwert des Umsatzrückgangs beläuft sich für das erste Halbjahr 2014 auf 22,9%. Seit dem Beginn der Krise und gemäß den Berechnungen des IME-GSEVEE wird eingeschätzt, dass der Gesamtrückgang beim Umsatz im Durchschnitt 65% beträgt. Einen Rückgang bei der Nachfrage verzeichnen 66% und bei den Bestellungen 71,2% der Unternehmen.

Unternehmen im Würgegriff der Schulden

4) 47,1% der Unternehmen sind mit der Gefahr der Schließung im kommenden Zeitraum konfrontiert. Davon siedeln 40% die Einstellung des Betriebs sogar innerhalb des Halbjahrs an. Dieser Anteil bleibt konstant hoch, trotz der seit 2009 rund 200.000 aggregierten Unternehmensschließungen. Gemäß den Einschätzungen des IME-GSEVEE wird auf Basis der heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten der Nettorückgang der Anzahl der Unternehmen für das Jahr 2014 auf 27.000 – 30.000 veranschlagt. Besonders negativ sind die Daten bezüglich der sehr kleinen Unternehmen, da 2 von 3 erklären, von der Schließung bedroht zu sein.

5) Eins der in der Untersuchung aufgezeigten signifikantesten Themen ist das Problem der angehäuften Verbindlichkeiten, welche die Kleinunternehmen haben. Es handelt sich um einen kontinuierlichen „Würgegriff“ durch Verbindlichkeiten und Schulden jeder Form (an den privaten und öffentlichen Sektor), der die Unternehmen an ihre Grenzen geführt hat. Die Unternehmen haben weiterhin sehr hohe Schulden an alle Kategorien von „Gläubigern“.

Der größte Teil der in Verzug befindlichen Verbindlichkeiten der Unternehmen bezieht sich auf Versicherungsbeiträge an den OAEE (ungefähr 40%). Die letzten Daten des OAEE führen an, dass mehr als 370.000 von insgesamt 700.000 Unternehmen Schulden an den Träger haben, welche Tatsache bedeutet, dass viele der Unternehmen, die Schulden haben, inaktiv oder bereits geschlossen worden sind. Es folgen die Schulden an die öffentlichen Unternehmen – DEKO (34,9%) und das Finanzamt (32,7%). Außerdem weitete sich im letzten Halbjahr der Anteil der Unternehmen aus, die mit Verbindlichkeiten an die Lieferanten (28,7% gegenüber 27,8%) – eine beunruhigende Tatsache für die Aussichten des privaten Sektors – und den Versicherungsträger IKA (25,9% gegenüber 22,6%) in Verzug sind. Die nicht bedienten oder in Verzug befindlichen Bankkredite belaufen sich auf 28,1%.

6) Entmutigend sind trotz der in Griechenland bereits verzeichneten hohen Arbeitslosenquote (27,5%) die Ergebnisse für die Aussichten der Beschäftigung, da – sofern die Einschätzungen des IME-GSEVEE sich bestätigen – die Gefahr des Verlustes von 47.000 Plätzen in der Gesamtbeschäftigung (Arbeitgeber, Selbständige, Arbeitnehmer) innerhalb des kommenden Halbjahrs besteht. Aus der Untersuchung gehr hervor, dass die Verluste an Arbeitsplätzen abhängiger Beschäftigung für das erste Halbjahr 2014 rund 30.000 tangieren werden. Nur von gerade einmal 7,6% der Unternehmen wird erwartet, Einstellungen vorzunehmen. Die Branche des Handels und die sehr kleinen Unternehmen verzeichnen auch hier die schlimmsten Werte.

Kritik an Steuergesetzgebung und Marktliberalisierungen

7) Hinsichtlich der Umsetzung der neuen Steuerordnung erachten 2 von 3 Unternehmen (67,7%), dass diese den bürokratischen Aufwand des Unternehmens erhöhen wird. Ebenfalls erklären 63,6% der Unternehmen, die neue Steuerordnung steigere die Gefahr der Einstellung des Betriebs des Unternehmen, offensichtlich wegen der strengen Bestimmungen und der komplexen Verfahren, welche das Unternehmen befolgen muss um als rechtskonform zu gelten. Besonders belastet scheinen die Unternehmen des Verarbeitungssektors und alle Unternehmen zu sein, die Personal beschäftigen.

8) Die Gewerbetreibenden kritisieren die Effizienz der Vorschläge der OECD (gemeint ist die sogenannte „Toolbox“), da sie in ihrer großen Mehrheit annehmen, dass die Liberalisierung des Produktmarkts und die Öffnung der Berufszweige auf die Weise, wie sie betrieben werden, weder zu einer Senkung der Preise führen noch die inländische unternehmerische Aktivität stärken werden.

9) Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Ergebnisse aus der – im übrigen heftig umstrittenen – Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte an Sonntagen besonders spärlich waren, da gerade einmal 4,2% der Unternehmen erklärten, ihr Umsatz habe sich gestärkt.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    21. März 2014, 12:31 | #1

    Hälfte der Kleinunternehmen in Griechenland droht Schließung
    Wenn das stimmt, dann haben wir in Kürze deutsche Verhältnisse … quelle catastrophe! Bei EWG-Eintritt 1981 und bis hin zum Maastrichtvertrag 1993 hatte GR ca. 50% Selbständige/freie Unternehmer – sozusagen „The Land of the Free“. Heute sind es noch 32% der Beschäftigten also jeder zehnte Einwohner, immer noch EU-Spitze. Da nicht zu erwarten ist, dass die verbleibenden Unternehmen zu Konzernen heranwachsenden werden, wie zu Zeiten getrennter Märkte in D, wird es zu einem kleinen Investitionsrutsch von außen nach innen kommen. Der wird die Märkte okkupieren aber keine Arbeitsplätze schaffen. Dann erst ist die humanitäre Katastrophe da und das Werk der Konservativen Europas vollendet.
    Ein Gutes hat die Sache: wir in D bekommen noch mehr Arbeitsplätze und können im Notfall noch mehr „Hilfskredite“ zahlen, um auch den Rest Europas unseren Bossen auf dem silbernen Tablett zu servieren. Das gibt ’ne saftige Lohnerhöhung und später noch mehr Rente.

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