Griechenland eliminiert Kleinunternehmer und Selbständige

15. März 2014 / Aufrufe: 4.886
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Die neuen Steuersätze für Einkommen aus selbständigen Tätigkeiten in Griechenland treiben zahllose Selbständige und Kleinunternehmer unweigerlich in den Bankrott.

Mehr Steuern für ungefähr 1.000.000 Selbständige und mittelständische Gewerbetreibende bringen die diesjährigen Steuererklärungen. Wegen der eingetretenen steuerlichen Umstürze werden diese Steuerpflichtigen aufgefordert sein, hohe Steuerbeträge für die Einkommen zu zahlen, die sie im Jahr 2013 erzielten.

Die von dem rückwirkend für das gesamte Jahr 2013 in Kraft gesetzten neuen Steuersystem vorgesehene Streichung des pauschalen Einkommensteuerfreibetrags von 5.000 Euro, die Streichung aller Steuerbefreiungen und die Besteuerung des – real deklarierten oder fiktiv festgestellten – jährlichen Einkommens ab dem ersten Euro mit 26% lässt die steuerliche Belastung hunderttausender Gewerbetreibender in die Höhe schnellen.

Fiktive Veranlagung führt zu horrender Besteuerung imaginärer Einkommen

Wie aus der nachstehenden Tabelle hervorgeht, ergeben sich die höchsten Steuerbelastungen für die Selbständigen und Kleinunternehmer bzw. Inhaber von Personenunternehmen mit Jahreseinkommen von bis zu knapp 40.000 Euro, wobei sogar auch all jene, die 2013 Verluste oder keine Einkommen hatten, für jährliche „fiktive Reingewinne“ in Höhe von weit über 3.000 Euro besteuert werden, weil das Finanzamt ihre steuerpflichtigen Nettoeinkommen auf Basis sogenannter Lebenshaltungs-Indizien feststellen und mit 26% besteuern wird.

Weiter ist zu berücksichtigen, dass zusammen mit der Einkommensteuer eine Steuervorauszahlung für das nächste Jahr in Höhe von 55% der festgestellten Einkommensteuer (gilt nicht für Einkommen aus abhängiger Arbeit und Renten) im übrigen natürlich auch die sogenannte pauschale „Gewerbeabgabe“ und gegebenenfalls die Solidaritäts-Sonderabgabe fällig wird.

Reales oder fiktiv festgestelltes Jahreseinkommen (€) Einkommensteuer (€) für Einkommen des Jahres 2013 aus
abhängiger Beschäftigung – Renten selbständiger Tätigkeit Mieteinnahmen
1.000 0 260 100
2.000 0 520 200
3.000 0 780 300
4.000 0 1.040 400
5.000 0 1.300 500
6.000 0 1.560 600
7.000 0 1.820 700
8.000 0 2.080 800
9.000 0 2.340 900
10.000 100 2.600 1.000
11.000 320 2.860 1.100
12.000 540 3.120 1.200
13.000 760 3.380 1.530
14.000 980 3.640 1.860
15.000 1.200 3.900 2.190
16.000 1.420 4.160 2.520
17.000 1.640 4.420 2.850
18.000 1.860 4.680 3.180
19.000 2.080 4.940 3.510
20.000 2.300 5.200 3.840
25.000 3.800 6.500 5.490
30.000 5.900 7.800 7.140
35.000 8.000 9.100 8.790
40.000 10.100 10.400 10.440
42.000 10.940 10.920 11.100
45.000 12.200 11.700 12.090
50.000 14.300 13.000 13.740
60.000 18.500 16.300 17.040
70.000 22.700 19.600 20.340
80.000 26.900 22.900 23.640
90.000 31.100 26.200 26.940
100.000 35.300 29.500 30.240

Es sei angemerkt, dass für Einkommen aus landwirtschaftlichen Aktivitäten des Jahres 2013 die Steuerskala für Arbeitnehmer, ab 2014 dagegen gemäß dem derzeitigen Stand der Dinge die Steuerskala für Gewerbetreibende / Selbständige zur Anwendung kommen soll.

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  1. Kleoni
    15. März 2014, 11:11 | #1

    Die kleinen und mittleren Einkommen werden geschröpft, die Grossen (= Klientel der Regierenden) wie Reeder und Oligarchen, lässt man laufen

  2. völlig absurd
    15. März 2014, 14:42 | #2

    Das jemand, der 10.000 Euro im Jahr verdient noch 2600 an Steuern abdrücken soll gibt es sicherlich nirgendwo sonst auf der Welt, in Europa defintiv nicht. Das ist völlig absurd und unlogisch, entweder wurde da falsch recherchiert oder die verantwortlichen Poltiker haben irgendein riesengroßes (psychisches?) Problem. Sollte dieses Steuergesetz Realität werden, wäre es eine der krassesten Benachteiligungen von Geringverdienern und eine Bevorteilung der Besserverdiener. Extreme Umverteilung von Unten bzw. der Mitte nach Oben.

    • Team
      15. März 2014, 18:48 | #3

      @völlig absurd
      Zu den 2.600 € Einkommensteuer kommen noch die obligatorische Vorauszahlung (55% der EK, sprich hier 1.365 €) und die pauschale Gewerbeabgabe (im Normalfall 650 €) hinzu, womit insgesamt 4.615 € fällig werden.
      Und nein, die Zahlen sind nicht falsch recherchiert, die entsprechenden Bestimmungen wurden im Sommer 2013 ratifiziert – und zwar mit wückwirkender Wirkung ab 01.01.2013!

  3. GR-Block
    15. März 2014, 17:52 | #4

    „Griechenland eliminiert Kleinunternehmer und Selbständige “ Das ist der Deal: „Hilfskredite gegen Märkte. Die Märkte werden von Kleinanbietern befreit, sodass Konzerne leichtes Spiel haben. Was in D vor 30 Jahren geglückt ist, wird jetzt in GR versucht. Nur, dass Konzerne keine inländischen sind, also keine Arbeitsplätze in der Produktion anbieten werden, sondern nur freie Märkte zum „Investieren“ suchen, am besten als Monopolist.
    Die 32% Selbständige sind dem Kapitalismus ein Dorn im Auge. Zielvorgabe sind lediglich 10% und dafür 90% Lohnabhängige (vgl. D). Herr Samaras zollt der Realität nach Maastricht seinen Tribut. Die Kleinunternehmer hatten in diesen 20 Jahren immer verschwindendere Einkommen. Jetzt kann man nur noch mit fiktiven Einkommen rechnen, um durch Steuern den Unternehmer klein zu kriegen. Steuerfrei bleibt hingegen laut der Tabelle nur noch der Angestellte Kleinverdiener. Also die EU wünscht Verkäufer für ihre Waren, und natürlich Kunden, aber keine Produzenten. Mal sehen ob es klappt wie in D.

  4. Roditisa
    17. März 2014, 22:08 | #5

    Zu den lustigen Steuergesetzen kommen auch noch die Beiträge für die Krankenkasse, die man sich nicht frei wählen kann und die jedes Jahr steigen, egal wie viel man verdient. Es kann also passieren, dass man netto im Monat 1000 Euro reinbekommt und davon 500 Euro an die Krankenkasse zu zahlen hat, dann noch Miete, Strom, Wasser und auf das was übrig bleibt dann 27% Steuern.
    Ein weiteres Problem, viele Kunden sind säumig oder direkt zahlungsunfähig. Man hat also eigentlich gearbeitet und eigentlich auch was verdient, aber praktisch hat man gar nichts verdient. Die griechische Wirtschaftspolitik scheint einer Satirezeitschrift entnommen. Wahrscheinlich liest man im Finanzministerium ausschließlich Arkas …

  1. 16. März 2014, 00:06 | #1
  2. 21. März 2014, 00:07 | #2
  3. 13. April 2014, 00:21 | #3

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