Besatzungskredit aus Griechenland: Zahlen mit Bedeutung

11. März 2014 / Aufrufe: 2.005

Griechenlands Forderungen aus dem Zwangskredit an das Dritte Reich haben eine starke rechtliche Basis, müssen jedoch auf einem realistischen Niveau bleiben.

Joachim Gaucks Besuch in Athen und Ioannina schafft einen außerordentlichen Impuls zur Tangierung einer Lösung für den Besatzungs-Zwangskredit – eine griechische Forderung, die gerecht ist und eine starke rechtliche Basis hat, und Griechenland hat sich nicht von seinen daraus hervorgehenden Rechten abgewendet.

Es gibt jedoch von griechischer Seite gewisse Extreme bei den Berechnungen der Beträge, die auch öffentlich zu Gehör kommen und der griechischen – juristisch starken – Position schaden.

Utopische Forderungen schaden der Sache Griechenlands

Der Historiker Hagen Fleischer, der Mensch, der dem Thema einen signifikanten Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit gewidmet hat, führte in einem Interview im „Epsilon“ (26/06/2011) Folgendes an: „Mitte der 70er Jahre entdeckte ich in den Kellern der deutschen Archive ein sehr ausführliches Memorandum der Reichsbank. Darin wird ausgerechnet, dass die Beträge des Besatzungskredits sich auf 568 Millionen Mark belaufen, wovon die Deutschen 92 Millionen Mark zurückgezahlt hatten – und zwar die letzte Rate am 06/10/1944, also sechs Tage, bevor sie aus Athen abzogen (…) Mit der heutigen Kaufkraft beläuft die Schuld [unverzinst, wie es die Eroberer 1942 erzwungen (!) hatten] sich auf ungefähr 6 Milliarden Euro.

Einige der öffentlichen Faktoren, die in Griechenland das Thema des Besatzungskredits stellen, schrauben die Forderungen – wie Manolis Gklezos gegenüber Gauck – auf 160 Mrd. Euro hoch, ohne Zinsen, und stellen dabei den allgemeinen Titel „Reparationen“ voran. Ich rufe in Erinnerung, dass Griechenland 1960 von Deutschland für die Reparationen 115 Mio. Deutsche Mark erhielt, und zitiere die entsprechenden Beträge, welche andere europäische Länder erhielten, denen die Leiden der Besatzung durch das Dritte Reich widerfuhren (in D-Mark):

  • Norwegen (1959) 60 Mio.
  • Österreich (1961) 101 Mio.
  • Belgien (1960) 80 Mio.
  • Dänemark (1959) 16 Mio.
  • Frankreich (1960) 400 Mio.
  • Italien (1961) 40 Mio.
  • Holland (1960) 125 Mio.

In Athen müssen alle begreifen, dass die astronomischen Beträge es einfach nur all denen in Berlin leichter machen, die von „utopischen griechischen Forderungen“ sprechen.

Damit es eine Einigung gibt, muss die griechische Regierung – in ihrer derzeitigen oder zukünftigen Zusammensetzung – in der Lage sein, Berlin zu versichern, dass die wie auch immer geartete Vereinbarung hinsichtlich des Themas der griechischen Forderungen endgültig sein wird. Wenn die griechische Seite dies begreift, hat sie jetzt eine erstklassige Gelegenheit, zu „spielen“ und zu gewinnen. Der Widerhall in Deutschland des Besuchs Gaucks in Griechenland schafft zum ersten Mal ein dermaßen günstiges Klima dafür.

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Tassos Telloglou)

Areopag wies Klage der hebräischen Community Thessalonikis ab

Der Oberste Gerichtshof Areopag wies derweilen den Antrag der hebräischen Gemeinde Thessalonikis ab, mit dem letztere die Aufhebung des Urteils des Berufungsgerichts verlangte, das die Klage der Community auf Erstattung der Geldbeträge abgewiesen hatte, die während der Periode der Besatzung an den deutschen Staat gezahlt wurden, damit die Juden aus Thessaloniki (von denen die meisten schließlich in den polnischen Konzentrationslagern den Tod fanden) von der Zwangsarbeit befreit werden.

Spezieller forderte die hebräische Community von dem deutschen Staat als finanzielle Befriedigung für den immateriellen Schaden, den Juden aus Thessaloniki erlitten, 150.000 französische Goldfranken, 38 Millionen Deutsche Mark und 50 Millionen Drachmen (146.735 Euro). Die Community verlangte damit (auch) die Rückzahlung der Gelder an sie, die sie nach einer Vereinbarung mit dem Leiter der Abteilung „Verwaltung und Wirtschaft“ beim Wehrmachtsbefehlshaber Saloniki – Ägäis, Max Merten, gezahlt hatte, damit die 2.000 Juden von der Zwangsarbeit freigestellt werden, zu der sie im Juli 1942 von den deutschen Besatzungsbehörden verpflichtet worden waren.

Der Areopag befand jedoch, dass gemäß dem internationalen Recht und den Urteilen des Obersten Sondergerichtshofs (im Fall der Opfer von Distomos) der deutsche Staat das Privileg der Exterritorialität genießt, was zur Folge hat, dass die griechischen Gerichte den Antrag der Community nicht verhandeln können. Infolge dessen sind die deutschen Gerichte zuständig, über den Antrag der hebräischen Gemeinde zu befinden.

(Quelle: in.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Klaus Kastner
    11. März 2014, 13:56 | #1

    Endlich mal ein vernünftiger Kommentar zu diesem Thema!

  2. GR-Block
    11. März 2014, 18:54 | #2

    Utopische Forderungen schaden der Sache Griechenlands„. Blödsinn! Zu lasch geforderte Reparationen haben der Sache GRs in der Vergangenheit nachhaltig geschadet und dem Land das Image eines Looser-Staates eingebracht. Doch „ist der Ruf erst ruiniert …“ deshalb muss zunächst die berechtigte Maximalforderung aufgrund vorhandener Dokumente festgestellt werden. Danach kann der Gläubiger großzügig einen Haircut erwägen, falls der ihm nützt. Oder noch besser, die EU kauft die deutschen Schuldscheine von den Griechen zu vernünftigen Zinssätzen und verrechnet die Summe mit den „Hilfskrediten“. Danach darf die EU über einen möglichen Haircut für D nachdenken.

  3. HJM
    11. März 2014, 22:56 | #3

    Wieder einmal schaut sich jemand verliebt im Spiegel an und hält sich selbstgewiss für einen begnadeten Sarkastiker. Man sollte aber zumindest zwischen Reparationen und (Zwangs-) Krediten unterscheiden können.

  4. Roland Wolf
    13. März 2014, 08:26 | #4

    Der Author des Beitrags hat schlicht recht. Forderungen im hohen Milliardenbereich werden immer zurückgewiesen werden – nicht nur weil nicht erfüllbar, sondern auch weil Griechenland jede Möglichkeit fehlt die Forderung, berechtigt oder nicht, durchzusetzten.
    Die einizigen Gerichte an denen der Fall der Kredite verhandelt werden könnte sind in Deutschland. Das Urteil eines griechischen Gerichts würde vermutlich einfach nicht anerkannt, ein internationales Gericht vor dem es verhandelt werden könnte fehlt auch. (Der EuGH ist sehr wahrscheinlich nicht zuständig, US-Gerichte fallen mangels Beteiligtem in den USA aus)
    Die EU würde sich hüten die Schulden aufzukaufen, da sie nicht festgestellt sind, widersprochen würden und nicht vollstreckbar wären. Nebenbei weis die EU wer ca. 1/3 ihrer Rechnungen bezahlt.

  5. attis
    31. März 2014, 05:39 | #5

    Als Zwölfjähriger fragte ich meine Tante in Griechenland, warum ich die Griechen nie ein böses Wort über die Deutschen sagen hören würde, onwohl sie wie die Tante den Krieg mit erlebt hatten. Sie antwortete: „Im Krieg werden die Menschen zu Bestien. Wir waren arm und hatten oft nichts zu essen. Einmal kamen deutsche Soldaten in unser Haus. Wir Kinder drängten uns an Mutter in die Ecke der Küche und fürchteten uns. Ein Soldat sah uns Hungerlappen. Er kniete nieder, holte ein Brot aus seiner Tasche und reichte es uns. Er bedeutete uns, uns nicht zu fürchten und es anzunehmen. Ich ging zu ihm hin und er gab mir das Brot. Seine Augen waren traurig. Die Soldaten gingen wieder. Wir erinnern uns an diesen Mann, deshalb reden wir kein böses Wort über die Deutschen.

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