Überbesteuerung in Griechenland eliminiert Kleinunternehmen

2. Februar 2014 / Aufrufe: 1.074

Laut dem Handelsverband in Griechenland bedrohen die negativen Auswirkungen der Überbesteuerung die Stabilität der Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen.

In einer Bekanntmachung bezieht der Nationale Verband des Griechischen Handels (ESEE bzw. NCGC) sich auf den Quartalsbericht des griechischen Parlaments, der von der Staatshaushalts-Stelle in Zusammenhang mit der Besteuerung der natürlichen und juristischen Personen in Griechenland im Vergleich zu den übrigen Mitgliedstaaten der EU erstellt wurde.

Im Wirtschaftsstab (der Regierung) muss klar werden, das die hohen Steuerlasten nicht nur nicht die Erhaltung des primären Überschusses sicherstellen, sondern gleichzeitig nicht vermögen, die wie auch immer gearteten positiven Reformen voranzutreiben„, betont der Verband.

Steigende Steuerlast zum Albtraum der Steuerzahler geworden

Wie der Handelsverband in seiner Bekanntmachung anführt, besteht die grundsätzliche Schlussfolgerung, zu der die Untersuchung der Haushaltsstelle kommt, in der Tatsache, dass in Griechenland die Steuersätze sowohl für die Haushalte als auch für die Unternehmen höher als der Durchschnitt der Länder der EU, aber auch jener der Eurozone sind. Konkret gestaltet sich die inländische MwSt. auf 23%, gegenüber 21,5% in der EU und 20,5% in der Eurozone. Der höchste Einkommensteuersatz für die natürlichen Personen gestaltet sich in Griechenland auf 46%, gegenüber 36,7% in der EU und 44,5% in der Eurozone, während der höchste Steuersatz für die juristischen Personen in Griechenland sich auf 26% gestaltet, gegenüber 21,8% in der EU und 25,9% in der Eurozone.

Hauptmerkmal der Krise ist, dass seit 2010 bis heute die Besteuerung kontinuierlich ansteigt, wobei während der selben Periode signifikante Senkungen der Löhne und Renten und eine parallele Explosion der Arbeitslosigkeit beobachtet werden, was die klar erkennbare Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bürger im Vergleich zu dem gemeinschaftlichen Durchschnitt zum Ergebnis hat, betont der ESEE in seiner Bekanntmachung. Weiter unterstreicht er, dass die tatsächlichen Steuerhöchstsätze für jede Einkommenskategorie in Wirklichkeit höher sind, da unter Einbeziehung der außerordentlichen Solidaritätsabgabe eine zusätzliche Steuer von 1% bis 4% erhoben wird.

Die Erhöhung der Steuerlast ist zum Albtraum der Steuerpflichtigen geworden, da sie sehen, ihren Verpflichtungen weder mit den vorgesehenen Raten innerhalb der Fristen befindlicher Verbindlichkeiten noch mit den Regulierungen fälliger Verbindlichkeiten entsprechen zu können. Die Beunruhigung des Wirtschaftsstabs hat sich der sichtbaren Gefahr der negativen Entwicklung der Maßnahmen zuzuwenden, die zu einer Destabilisierung der Wirtschaft und der ‚Deflation‘ sogar auch der wirtschaftlich gesunden kleinen und mittleren Unternehmen führen wird„, erklärte diesbezüglich der Vorsitzende des ESEE, Vasilis Korkidis, und ergänzte:

Das Zahlungsprogramm, welches das Ministerium bezüglich der Begleichung der 5 (Steuer-) Bescheide bis Ende Januar 2014 aufgestellt hat, versetzt in Kombination mit den eliminierenden Strafen leider ein weiteres Mal alle und jeden in Panik, friert den Schlussverkaufs-Verkehr ein, versetzt den Markt in Aufruhr und schafft gesellschaftliche Unruhen mit vielen verärgerten Mitbürgern von uns, die einen endlosen steuerlichen Kreuzweg erleben.

Laut Vasilis Korkidis ist das Eingreifen des Premierminister bezüglich der Aussetzung der absurden Steuerstrafen, die „vernichten“ und nicht „erziehen“, ein weiteres Mal umgehend und absolut erforderlich.

(Quelle: Naftemporiki)

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  1. Roditisa
    2. Februar 2014, 22:18 | #1

    Man sollte auch noch erwähnen, dass es keine Freibeträge mehr gibt und auch keine freie Wahl bei der Kranken- und Sozialversicherung, was dazu geführt hat, dass sehr viele Selbständige seit Monaten ihre Beiträge nicht zahlen können und deshalb keinen Versicherungsschutz haben, obwohl sie offiziell Mitglieder einer Krankenkasse sind.
    Was die Solidaritätsabgabe angeht, klingen 1-4% wenig, aber der Wert der besteuerten Immobilien wird vom Finanzamt völlig fiktiv und viel zu hoch veranschlagt. Ein Bekannter soll für Brachland, auf dem er nichts bauen darf, 7000 Euro Steuern zahlen, weil das Finanzamt behauptet, es handle sich um wertvolles Bauland.

    • Team
      2. Februar 2014, 23:42 | #2

      @Roditisa
      Sorry, dieser Kommentar bezeugt wieder einmal tiefes Unwissen:

      Freibeträge gibt es gemäß dem ab 2014 geltenden neuen Steuergesetz sehr wohl – allerdings nur für Arbeitnehmer und Rentner, die abhängig von dem Jahreseinkommen pauschal bis zu 2.100 Euro der festgestellten (Einkommens-) Steuerschuld erlassen bekommen.

      Über den Tisch gezogen werden dagegen speziell alle irgend einer als „selbständig / freiberuflich / unternehmerisch“ charakterisierten Tätigkeit nachgehenden Steuerpflichtigen, die fortan ab dem ersten Euro, also ohne Freibetrag / Steuerabzug mit 26% (ab 50.000 € 33%) + Steuervorauszahlung (55%) + Gewerbeabgabe (ab 650 € jährlich) + Solidaritätsabgabe (1% – 4%) zur Kasse werden. Paradoxerweise betrifft dies sogar auch Personen wie beispielsweise Arbeitslose und sonstige Hungerleider, die auf Basis fiktiver Einkommenskriterien (Wohnung, Pkw usw.) zur Einkommensteuer veranlagt und als „Unternehmer“ besteuert werden, da ihre „Einkommen“ nicht aus einer Tätigkeit als Arbeitnehmer oder einer Rente herrühren!

      Was die Solidaritätsabgabe in Höhe von 1% – 4% betrifft, wird diese auf die Summe aller – deklarierten oder fiktiv festgestellten – Einkommen (gleich aus welcher Quelle) erhoben. Allein das Eigentum an einem Landstück führt allerdings nicht zur Feststellung eines (fiktiven) Einkommens und somit auch nicht zur Veranlagung zur Solidaritätsabgabe, wird jedoch – und zwar unabhängig davon, ob die Immobilie ein Einkommen abwirft oder nicht – fortan mit der jährlich zu entrichtenden sogenannten Einheitlichen Immobiliensteuer „geahndet“, die im Extremfall sogar den Marktwert der Immobilie übersteigen kann.

  2. Roditisa
    4. Februar 2014, 15:56 | #3

    @Team
    Ich arbeite selbständig und bin also von dieser Besteuerung ab dem ersten Euro betroffen und außerdem gezwungen, mich bei TEBE mit relaitv hohen Gebühren zu versichern. Dass Freibeträge weiter für Angestellte gelten, wusste ich nicht, da haben Sie mit dem Unwissen Recht.
    Die von Ihnen genannte „Solidaritätsabgabe“ hielt ich irrigerweise für das sogenannte „Charatsi“, das sind wohl die Tücken der Übersetzung. Danke für den Hinweis.

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