Steuersparmodell mit bulgarischen Kfz-Kennzeichen in Griechenland

5. Februar 2014 / Aufrufe: 4.830

Dem Fiskus in Griechenland entgehen beachtliche Einnahmen, da Privatleute und Firmen ihre Fahrzeuge auf bulgarische Gesellschaften zulassen um Steuern zu sparen.

Wo auch immer man in Griechenland unterwegs ist, begegnet man bulgarischen Kraftfahrzeug-Kennzeichen an den Fahrzeugen. Von Thrakien und Makedonien, wo das Phänomen geläufiger war, bis Athen und zu den südlichen Regionen des Landes, Peloponnes, sogar auch Kreta. Die Fahrzeuge mit bulgarischen Kennzeichen sind sogar teure Modelle, häufig luxuriös, und alle mit großem Hubraum.

Was ist also geschehen? Sind die Bulgaren massenweise reich geworden und bereisen Griechenland, und zwar während aller Jahreszeiten, oder haben die Griechen einfach einen weiteren Weg gefunden, Steuern, Abgaben, Versicherungsprämien zu entgehen?

Auch Firmen verlegen Standort ihrer Fahrzeuge nach Bulgarien

Die Mehrzahl der in Griechenland mit bulgarischen Kennzeichen im Verkehr befindlichen Fahrzeuge gehört leider Griechen, und viele von ihnen nutzen einfach die Fensterchen des Gesetzes, um steuerliche und sonstige Belastungen zu vermeiden. Der Gewinn ist groß: Für einen hubraumstarken Pkw bezahlt der Eigentümer in Bulgarien 170 Euro im Jahr, in Griechenland dagegen für Kfz-Steuer und Luxussteuer ein Vielfaches (sprich je nach Fahrzeug insgesamt bis zu mehrere tausend Euro). Entsprechend ist auch die Einsparung, die er bei Versicherungsprämien hat.

Wie kann jedoch der „Trick“ ablaufen? Die Wege sind zwei: der eine mittels der Gründung einer Gesellschaft und der andere über den Wohnsitz. Die Gründung einer Gesellschaft ist in Bulgarien eine sehr simple Sache, die Bürokratie ist minimal und die Kosten betragen gerade einmal 300 Euro. Abgesehen von all denen, die eine reale unternehmerische oder wirtschaftliche Aktivität in Bulgarien haben, gibt es auch jene, die eine Scheingesellschaft gründen, also einen kleinen … „Balkanisator“. Danach erwerben sie ein Fahrzeug, das als Vermögenselement der Gesellschaft ausgewiesen wird, und fahren damit in Griechenland herum. Da Bulgarien Vollmitglied der EU ist, passiert das Fahrzeug problemlos die griechisch-bulgarischen Grenzen.

Da das Phänomen Ausmaße annahm, versuchte das Dezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE), die Lage unter Kontrolle zu bringen und aktivierte Überprüfungen, die auf zwei Schwachpunkten des … Kennzeichen-Balkanisators basieren. Der erste ist die Überprüfung, ob die von den Griechen in Bulgarien gegründeten Gesellschaften eine Aktivität haben oder ihr einziger Gegenstand darin besteht, dem Inhaber der Gesellschaft ein billiges Fahrzeug bereitzustellen. In diesem Fall können hohe Sanktionen verhängt werden. Der zweite „Knackpunkt“ ist die Überprüfung des üblichen Wohnsitzes des Fahrers des Fahrzeugs.

Das Problem für den griechischen Fiskus sind allerdings nicht nur Privatleute, die ihre Pkw auf bulgarische Gesellschaften zulassen, da diese Praxis auch von Speditionsfirmen gewählt wird. Dies hat zum Ergebnis, dass die griechischen Nationalstraßen voll mit Lastzügen und Lkw mit bulgarischen Kennzeichen sind, hinter denen sich jedoch griechische Gesellschaften befinden.

(Quelle: Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. Rob Grutz
    5. Februar 2014, 13:40 | #1

    Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich diese Tricks gut heisse, aber wirklich wundern tut es mich nicht. Die absurde Besteuerung von Mittelklassefahrzeugen als „Luxus“, die faktische Erhebung von illegalem Einfuhrzoll, der durch die Umbenennung in „Taxierungsgebühr“ nach europäischen Gesetzen nicht legaler wird, sowie die bürokratischen Hürden im Transportgewerbe lassen sicher viele Griechen kreativ werden. Deutsche Speditionen, amerikanische Versandhändler und viele Großkonzerne nutzen schon längst alle diese Tricks, die die EU durch ihre Gesetzgebung erst möglich gemacht hat.

  2. Jannis
    5. Februar 2014, 13:57 | #2

    Ja sowas passiert bei übermäßiger Besteuerung. Das klassische bsp. was Griechen aus D immer wieder erwähnen. „Ein sparsamer Arbeiter, der 5-6-7-8-9 … Jahre lang eisern spart um sich mal einen etwas älteren / teuren … Porsche zu leisten, wird in GR als Multimillionär gegenüber dem Staat sofort angesehen und fortan so besteuert.“ Und Diesel Fahrzeuge dürfen nicht gefahren werden, nicht wegen der Partikel, da kann ja der Grieche Heizöl nutzen usw. Ein Staat der nicht weiss und nicht wusste (keine der Parteien war jemals dazu im Stande) wie man regiert. Traurig aber wahr.

    • Team
      5. Februar 2014, 16:09 | #3

      Jannis :

      … Und Diesel Fahrzeuge dürfen nicht gefahren werden, nicht wegen der Partikel, da kann ja der Grieche Heizöl nutzen …

      Wer verbreitet (immer noch) solchen Blödsinn? Dieselfahrzeuge dürfen sehr wohl gefahren werden! Im übrigen wurde die Besteuerung des Heizöls 2012 an die Besteuerung des Dieselkraftstoffs angeglichen, unter dem steuerlichen Aspekt ist es also praktisch schnuppe, was getankt wird.

  3. hellasdriver
    5. Februar 2014, 19:45 | #4

    Ist doch nur konsequent. Hier in D kann man dem Fiskus auch ein Schnippchen schlagen, indem man sich zum Bsp ein Fahrzeug zulegt, das man sehr günstig als LKW zulassen kann. Das klappte schon früher ganz gut, bsplsw. mit ausrangierten Fahrzeugen der Post. Auch sehr beliebt: der Kauf eines Oldtimers, der mit der günstigen H-Zulassung bewegt werden kann. Nachteil: keine baulichen Veränderungen und erhöhter Pflegebedarf, z.B. Hohlräume regelmäßig mit Fett “fluten“. Aber das kann man verschmerzen.^^

  4. V 99%
    5. Februar 2014, 23:20 | #5

    Der griechische Staat ist selber Schuld, wenn er an seinen unsinnigen und in diesen Faellen, besonders einnahmenfeindlichen Praktiken festhaelt. Wuerde die Besteuerung der KFZ auf einem vernuenftigem Niveau, gerade angesichts der Krise, gehalten werden, wuerden auch keine halben Strassenzuege in Athen mit abgemeldeten Pkw, mit mehr als 1928 ccm, zugeparkt sein und ein riesiger Anteil der bulgarischen Kennzeichen wieder ein GR tragen!

  5. Toktok1969
    9. Februar 2014, 15:47 | #6

    Tja wenn sollte man den nun bestrafen? Denjegen der Aufgrund der wiederholten Unfaehigkeit eines Staates und seiner Gesetzgebung sich es zu eigen macht Geld zu sparen, oder sollten wir nicht vielmehr mit dem Finger auf die vermeintlichen Patrioten zeigen, denen es egal ist was mit Ihrem Land und dessen Politik, Stabilitaet, Finanzen geschieht. Meines Erachtens sollten wir letzteres Bevorzugen und gleichzeitig aber auch eine solche Möglichkeit unterbinden indem man verstärkt Kontrollen bei diesen Personen vollzieht.

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