Griechenland: Memorandum schadet der Gesundheit

26. Februar 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 528

Eine Studie griechischer und britischer Wissenschaftler dokumentiert erneut die fatalen Auswirkungen der Memorandums-Politik in Griechenland auf die Volksgesundheit.

Das Memorandum schadet der Gesundheit der Bürger! Laut einer Studie, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet publiziert wurde, warnen griechische und britische Soziologen und Experten in Themen der öffentlichen Gesundheit, dass die Rezession, die Austerität und die damit durchgesetzten Einschränkungen zuspitzende Auswirkungen auf den Gesundheitssektor in Griechenland haben.

Die Wissenschaftler der Universitäten von Oxford und Cambridge sowie auch der Londoner Schule für Gesundheit und Tropenmedizin führen als charakteristische Folgen der Krise das zunehmende Unvermögen der Patienten, Zugang zu den Gesundheitsleistungen und den benötigten Medikamenten zu erlangen, die große Zunahme der Fälle von Infektionskrankheiten und die allgemeine Verschlimmerung der psychisch-geistigen Gesundheit des griechischen Volks an.

50% der Bürger fühlen sich ohne ausreichende Versorgung

Die hauptsächlich auf griechischen und europäischen statistischen Daten beruhende und unter Leitung von Dr. Alexandros Kentikelenis erstellte Studie des Königlichen Kollegs von London und der Abteilung für Soziologie der Universität Cambridge, betont, auf europäischem Niveau habe es in Griechenland die größten Kürzungen auf dem Sektor der Gesundheit mit der Folge gegeben, dass die heutigen öffentlichen Aufwendungen für die Gesundheit inzwischen geringer als in jedem anderen Mitgliedstaat der Eurozone sind.

Die Studie führt unter anderem an, in einer Periode der Senkung der Einkommen in Griechenland habe die Vereinbarung des Landes mit seinen Gläubigern zur Folge, dass fortan ein großer Teil der Kosten der medizinischen Versorgung auf die Patienten abgewälzt wird, mit der Konsequenz, dass laut den Statistiken der EU fast die Hälfte der Griechen (47%) das Gefühl haben, nicht die notwendige Versorgung zu erhalten.

Die Forscher belegen ihre Schlussfolgerungen, indem sie aufzeigend auf die nachstehenden Fakten verweisen:

  • Die AIDS-Fälle unter der Konsumenten von Drogen haben in der Periode 2009 – 2012 um ein Vielfaches zugenommen (von 15 auf 484).
  • Die Tuberkulose-Fälle unter der Konsumenten von Drogen haben sich 2013 mehr als verdoppelt (auf Basis vorläufiger Angaben).
  • Die staatliche Finanzierung für die psychische Gesundheit sank zwischen 2011 und 201 um 55%.
  • Die Depressionen nahmen zwischen 2008 – 2011 um ungefähr das Zweieinhalbfache zu (von 3,3% der Bevölkerung im Jahr 2008 auf 8,2% im Jahr 2011).
  • Die Selbstmorde nahmen zwischen 2007 – 2011 um 45% zu.
  • Die vormals eine fallende Tendenz zeigende Säuglingssterblichkeit stieg zwischen 2008 – 2010 um 43% an, während in dem selben Zeitraum die Geburten mindergewichtiger Kinder um 19% zunahmen.
  • Nach 40 Jahren trat wieder die Malaria in Erscheinung.

Der Sozialstaat in Griechenland hat versagt

Die Autoren der Studie unterstreichen, die Erfahrungen anderer Länder wie Island und Finnland, die ältere wirtschaftliche Krisen durchliefen, zeigen, dass dank des Schutzes des Gesundheitssektors und der einschlägigen Sozialleistungen die Regierungen in einem gewissen Grad die schädlichen Auswirkungen der Krise auf die Gesundheit der Bevölkerung vermeiden können.

Die Studie gelangt zu der Schlussfolgerung, dass das griechische Gesundheitssystem bereits vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise wegen Korruption, Ineffizienz und anderer Faktoren tatsächlich ernsthaft einer Reform bedurfte, jedoch haben der Umfang und die Geschwindigkeit der durchgesetzten Zwangsmaßnahmen die Fähigkeit des Systems eingeschränkt, den gestiegenen Gesundheitsbedürfnissen der Bevölkerung zu entsprechen.

Die Fakten zeigen, dass der griechische Sozialstaat darin versagt hat, die Menschen in einer Epoche zu schützen, in der sie allem voran diese Unterstützung benötigen. Wegen der Kürzungen des Etats und der Arbeitslosigkeit verliert eine immer größer werdende Anzahl von Griechen den Zugang zu der medizinischen Versorgung„, führt in einer begleitenden Anmerkung Dr. Kentikelenis an.

Austerität belastet hauptsächlich den Durchschnittsbürger

Dr. David Stakler, Forscher auf dem Sektors der öffentlichen Gesundheit an der Universität Oxford und der Medizinischen Schule von London, erklärt, „die Kosten der Austerität tragen hauptsächlich die durchschnittlichen griechischen Bürger, welche die größten Kürzungen auf dem Sektor der Gesundheit erlitten haben, die es in einer modernen Epoche in Europa gab“. Der britische Wissenschaftler bringt jedoch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die griechische Regierung eiligst „auf diese eskalierende humanitäre Krise“ reagieren wird.

Schließlich kritisieren die Wissenschaftler die internationalen Organisationen und allgemein die internationale Gemeinschaft, in diesem Thema zu schweigen, unter Ausnahme des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle, das bereits vor geraumer Zeit seine Beunruhigung über die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise auf die Gesundheit der griechischen Bürger zum Ausdruck gebracht hat.

Die Forscher fordern ebenfalls die Europäische Kommission auf, die Auswirkungen der politischen Entscheidungen der Troika in Gesundheitsthemen zu berücksichtigen, sowie auch den griechischen Staat, die Probleme anzuerkennen und entsprechend zu handeln.

(Quelle: Imerisia.gr)

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