Griechenland: Es gibt kein Gesundheitssystem mehr!

24. Februar 2014 / Aufrufe: 2.706

Fast jeder dritte Bürger in Griechenland hat keine Krankenversicherung mehr und ist von dem öffentlichen Gesundheitssystem ausgeschlossen.

Laut den Daten, welche die Ärzte der Welt an die Öffentlichkeit gaben, erreichte Ende 2013 der Anteil der Bürger in Griechenland, die nicht krankenversichert sind, 28% und präsentierte damit einen steilen Anstieg.

In Spanien haben schätzungsweise 16% der Bevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten und in Frankreich ungefähr 200.000 Personen kein Anrecht auf medizinische Versorgung, während sogar auch im wohlhabenden Deutschland die Gesundheit nicht versicherter Schwangerer und Kinder wegen ihres eingeschränkten Zugangs zum öffentlichen Gesundheitssystem gefährdet ist.

Die Kürzungen führten in Griechenland zu einer extremen Situation

Den Gefahren, denen die Gesundheit der Bürger im Europa der wirtschaftlichen Krise begegnet, zeigten bei einer Pressekonferenz in Athen die Vorsitzenden der Ärzte der Welt aus vier Ländern auf: Griechenland, Spanien, Frankreich und Deutschland. Die Pressekonferenz wurde im Rahmen einer internationalen Begegnung organisiert, die im Rahmen der griechischen EU-Ratspräsidentschaft am vergangenen Freitag (21 Februar 2014) in Athen die Präsidenten, Direktoren und Funktionäre der Ärzte der Welt aus 14 Ländern durchführen, in denen sie aktiv sind (Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich, Griechenland, USA, Holland, Portugal, Großbritannien, Schweden, Kanada, Spanien und Argentinien).

Die Repräsentanten der Ärzte der Welt verlangten offene Gesundheitssysteme für alle und betonten, „die Gesundheit ist keine Handelsware„, während sie ihre Solidarität mit den Bürgern in Griechenland zum Ausdruck brachten, wo das Gesundheitssystem wegen der wirtschaftlichen Krise den ernsthaftesten Problemen begegnet. Wie die Präsidentin der Ärzte der Welt in Griechenland, Liana Mailli betonte, „befindet Griechenland sich wegen der Kürzungen im Gesundheitswesen in einer sehr extremen Situation„.

In unserem Land gibt es kein Gesundheitssystem mehr„, betonte Liana Mailli und ergänzte, dass ungefähr drei Millionen griechische Bürger nicht versichert sind, während sie aufzeigend anführte, dass eine nicht versicherte Schwangere 650 Euro für pränatale Untersuchungen, 650 Euro für eine natürliche Geburt und 1.200 Euro für einen Kaiserschnitt benötigt, während entsprechend die Basisimpfung eines Kindes 1.400 Euro kostet.

Die Lage in Spanien, Frankreich und Deutschland

In Spanien sind schätzungsweise 873.000 Personen von dem öffentlichen Gesundheitssystem ausgeschlossen worden, während 16% der Bevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten haben. Die wirtschaftliche Krise hat Probleme auf dem Gesundheitssektor geschaffen, nachdem die Regierung mit einem königlichen Dekret die Ausgaben für die Gesundheit auf 7 Mrd. Euro senkte. Dies hatte die Ausgrenzung all jener zum Ergebnis, die nicht versichert waren, während die Medikamente für ernsthafte Krankheiten nur an die abgegeben werden, die eine Versicherung haben. „Die Gesundheit ist kein Luxus, sie ist ein Recht„, unterstrich der Präsident der Ärzte der Welt Spaniens, Alvaro Gonzalez.

In Frankreich gibt es bei der medizinischen Versorgung eine einheitliche Deckung für alle, wegen des komplizierten Gesundheitssystems haben jedoch schätzungsweise 200.000 Personen keinen Anspruch auf medizinische Versorgung. Von den Personen, welche die Praxen der Ärzte der Welt besuchen, führen schätzungsweise 60% der Patienten nicht die erforderlichen Impfungen durch. „Wir versuchen sicherzustellen, dass alle ein Recht auf den Zugang zum Gesundheitssystem haben und es keine gesellschaftlichen Diskriminierungen auf dem Sektor der sozialen Krankenversorgung gibt„, betonte der Präsident der Ärzte der Welt Frankreichs, Thierry Brigaud.

In Deutschland gibt es einen breiten Zugang zu dem öffentlichen Gesundheitssystem, die Gesundheit der Immigranten, schwangeren Frauen und Kinder, die keine Versicherung haben, wird jedoch durch den eingeschränkten Zugang zu den Gesundheitsdiensten in Gefahr gebracht. „Es ist notwendig, dass Druck auf den deutschen Gesetzgeber ausgeübt wird, damit sich die einschränkenden Gesetze ändern„, betonte der Präsident der Ärzte der Welt Deutschlands, Jochen Zenker. Er selbst fügte an, dass die Ärzte der Welt in Deutschland für die Informierung der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit der sensiblen Situation in Griechenland zusammenarbeiten, während sie der griechischen Abteilung von den gesammelten Geldern ein Ultraschallgerät schenkten.

Aktivitäten auf dem Monastiraki-Platz

Mitglieder der Ärzte der Welt aus vielen Ländern brachten ihre Solidarität mit den in Griechenland lebenden sensiblen Gruppen mit einer Aktion auf dem Monastiraki-Platz zum Ausdruck. Konkret versammelten sich Mitglieder der Ärzte der Welt aus Griechenland, Deutschland, Belgien, Kanada, Spanien, Frankreich, Japan, Holland, Portugal, Großbritannien, Schweden, der Schweiz und den USA im Bezirk Monastiraki, um die Notwendigkeit kostenloser Gesundheitsleistungen für die Nichtversicherten zu betonen.

Bei einem sogenannten „Flashmob“ versuchten als Ärzte und schwangere Frauen gekleidete Freiwillige sich einander zu nähern, zwischen ihnen verliefen jedoch mit Geldscheinen behängte Absperrungen.

(Quelle: in.gr)

  1. Bürger
    24. Februar 2014, 18:07 | #1

    Dumm nur, dass Ärzte ein Gehalt wollen und Krankenhäuser Geld kosten. Also kann es das Gesundheitssystem nicht für alle geben. Es gibt es nur für die, die bezahlen können. Ob dies privat oder über den Staat erfolgt, ist nebensächlich. Einer muss bezahlen, und da in Griechenland der Staat nicht mehr bezahlen kann, gibt es eben kein (öffentliches) Gesundheitssystem mehr. Ist so wie in der 3. Welt. Hast Du Geld, wirst Du gesund. Hast Du keines, must Du sterben. Das ist die schäbige Wahrheit.

  2. 24. Februar 2014, 21:51 | #2

    Diese Situation ist eine grosse Chance. Denn der monopolistische und etatistische Staat hat das Gesundheitssystem pervertiert. Was uns heute als „Fortschritt“ der westlichen Zivilisation angepriesen wird ist zu einem Profitcenter der Pharma- und Ärztemafia degeneriert. Dabei geht es auch anders: http://www.freiwilligfrei.info/archives/3385

  3. Burgdorfer
    10. März 2015, 14:04 | #3

    Die Troika ist zu einem großen Teil für das desolate Gesundheitswesen in Griechenland verantwortlich. Der Sparkurs im Gesundheitswesen wurde Griechenland von der Troika aufgezwungen. Wo aber ist der Nutzen. Wohlhabende können sich den Arztbesuch leisten und Bürger ohne Krankenkasse riskieren unter Umständen ihr Leben, und dies wegen gewissenlosen Bürokraten in Brüssel

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