Warum Griechenland nicht an die Märkte gehen soll

19. Januar 2014 / Aufrufe: 1.768

Ralph Atkins vertritt in der Financial Times, ein Gang Griechenlands an die Finanzmärkte könne Probleme sowohl für das Land selbst auch für die Eurozone verursachen.

Das Jahr 2014 begann mit einer Party auf den Märkten für Anleihen der am meisten von der Krise getroffenen Länder der Peripherie. Welche Geschenke bringt jedoch Griechenland, das ungezogene Kind der Eurozone zu dieser Party mit?

Die Auktionen langfristiger Anleihen Anfang Januar 2014 durch Irland (das im Dezember aus dem Hilfsprogramm herauskam) und Portugals (das hofft, im Juni das selbe zu schaffen) zogen ein starkes Investitionsinteresse auf sich. In der ganzen Peripherie sanken die Renditen – die sich entgegengesetzt zu den Preisen der Anleihen bewegen – auf Niveaus vor der Krise. Faktoren in Athen – aber auch Londoner Bankiers – sehen eine Möglichkeit, dass auch Griechenland die Märkte testet.

Sowohl für Griechenland als auch seine Gläubiger ist die Verlockung groß

Die vorzeitige Rückkehr Griechenlands an die internationalen Märkte würden bestätigen, dass für die Eurozone ein neues Kapitel beginnt. Es sind weniger als zwei Jahre verstrichen, seit Griechenland „pleite“ war. Die Investoren müssen jedoch vor diesem vorzeitigen Geschenk des Landes auf der Hut sein. Die Rückkehr Athens zur Kreditaufnahme von internationalen Investoren könnte sich als Vorbote neuer Probleme erweisen – sowohl für die anderen Länder der Eurozone als auch für das Land selbst.

Griechenland gerät sicherlich in Versuchung, selbst auch wenn das geschöpfte Kapital minimal sein wird. Die erfolgreiche Schöpfung langfristiger Finanzierung würde die Position der griechischen Regierung in den Verhandlungen mit ihren Partnern in der Eurozone stärken. Athen übertraf die Zielvorgaben für das Jahr 2013 bezüglich des Haushaltsplans und verzeichnete einen primären Überschuss vor Zinszahlungen.

Nach einem Beweis, wieder Kapital von den Märkten schöpfen zu können, wird Premierminister Antonis Samaras sich neuen Austeritäts-Maßnahmen widersetzen können. Er wird die finanzwirtschaftliche Flexibilität und die Spielräume haben, um den schlimmsten gesellschaftlichen Folgen der Austerität zu begegnen. Die Etats der griechischen Banken, die bereits eine signifikante Revision auf Basis des Hilfsprogramms erfahren haben, werden weiter gestärkt werden.

Wie Bankiers weiter betonen, muss Griechenland den nach dem PSI geschaffenen Anleihenmarkt umstrukturieren, indem es „Tiefe“ und Liquidität für viele Anleihen-Emissionen schafft. Die einfachste Weise ist, sich neu zu verschulden. Die Umstände auf den Märkten könnten sich verschlechtern, wenn die Europa-Wahlen im Mai 2014 die anti-europäischen Parteien auf dem Alten Kontinent stärken.

Die Verlockung ist jedoch auch für die Gläubiger Griechenlands groß. Poul Thomson, Leiter des Stabs des Internationalen Währungsfonds, betonte in einem Interview an eine griechische Zeitung im vergangenen Jahr, das internationale Interesse an den griechischen Anleihen werde auch durch die Verbesserung des Klimas unterstrichen. „Ab dem Moment, wo ein tugendhafter Zyklus beginnen wird, kann das Vertrauen schneller zurückkehren„, erklärte er und fügte an, es sei wesentlich, dass das Land bei dem Programm der Reformen bleibt.

Periode des Ausschlusses

Die Rückkehr an die Märkte ist ein signifikanter Wendepunkt für das Hilfsprogramm. In diesem Sinn ist es wahrscheinlich an der Zeit, dass Griechenland auf diese zurückkehrt. Die Periode des Ausschlusses eines bankrotten Landes von den Märkten ist im Vergleich zu dem Jahrzehnt 1980 signifikant eingeschränkt worden. Eine Ausnahme stellt Argentinien dar, das sich seit seinem Bankrott im Jahr 2001 außerhalb der Finanzmärkte befindet. Laut den Daten des IWF erlangen die meisten bankrotten Länder innerhalb von ein oder zwei Jahren wieder Zugang zu neuen Krediten.

Zusätzlich wird der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten die Argumente Griechenlands bezüglich einer weiteren finanzwirtschaftlichen Unterstützung oder Hilfe bei der Reduzierung der Verschuldung mittels entweder Verlängerung der Laufzeit der Kredite oder Senkung der Zinssätze schwächen. Wenn die deutschen Steuerzahler den neuen Lasten der Unterstützung entgehen, wird die Party der Märkte nach Berlin ziehen.

Die Festtagsatmosphäre kann jedenfalls schnell kippen. Was auch immer die Bankiers raten, innerhalb der Troika, die das Hilfsprogramm beaufsichtigt, gibt es ernsthafte Zweifel hinsichtlich der Rückkehr Griechenlands an die Märkte. Die große Gefahr ist, dass Griechenland von dem Weg der Umsetzung substantieller Reformen abweichen wird. Trotz des verzeichneten Fortschritts beim Haushalt betont der IWF, Griechenland habe nur ein Drittel der vereinbarten strukturellen Reformen umgesetzt. In Definitionen der Funktion einer fortschrittlichen europäischen Wirtschaft liegt Griechenland weit hinter Irland und Portugal zurück.

Ebenfalls wird die Schöpfung von Kapital aus den Märkten teuer sein. Die Renditen der 10-jährigen griechischen Anleihen liegen nahe bei 8% (der portugiesischen bei etwas über 5%). Gleich welcher Betrag aus den Märkten geschöpft werden wird, wird es Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung geben. Für viele Funktionäre in der Eurozone wird die Rückkehr Griechenlands an die Märkte sein, als ob man einem Alkoholiker eine Flasche Ouzo gibt. Ebenfalls besteht das Risiko des Misserfolgs bei der ersten Auktion staatlicher Titel, was einen Vertrauensrückschlag auch auf anderen Märkten der Eurozone herbeiführen würde.

Im Gegenteil, Athen muss vorsichtig vorgehen. Es muss eine weitere Senkung der Finanzierungskosten erreichen und das Vertrauen der konservativen europäischen Investment-Fonds zurückgewinnen. Die amerikanischen Hedge Funds oder die Distressed Funds mögen sich für Renditen der Größenordnung von 8% interessieren, jedoch werden sie kein Interesse haben, wenn die Rendite auf 5% zurückgeht. Dieser Prozess benötigt Zeit.

Finanzminister Giannis Stournaras hat erklärt, die Märkte im zweiten Halbjahr des Jahres mit einer Emission 5-jähriger Anleihen testen zu werden. Sogar auch dies kann sich jedoch optimistisch erweisen, wenn Griechenland die Party nicht kaputtmachen will.

(Quelle: euro2day.gr)

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