Unbezahlte Beschäftigung soll Arbeitslosigkeit in Griechenland senken

28. Januar 2014 / Aufrufe: 3.216
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Ein Gutachter des KEPE in Griechenland schlägt zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter anderem die Abschaffung des Mindestlohns für junge Arbeitnehmer vor.

Wie die Arbeitslosigkeit bewältigt wird? Indem junge Leute ein Jahr lang … umsonst arbeiten, schlägt unter anderem ein Gutachter des Zentrums für Planung und Wirtschaftsforschung (KEPE) vor und signalisiert damit eine weitere Deregulierung des Arbeitsmarkts, damit dem brennenden gesellschaftlichen Problem der Arbeitslosigkeit begegnet wird.

In völliger Gleichschaltung mit den … innovativen Ideen internationaler Wirtschaftsorganismen, deren Adoption zu der heutigen Zerschlagung der Arbeitsverhältnisse und der Abschaffung eines jeden „Sicherheitsnetzes“ für die Arbeitnehmer führte, schlägt der Forscher des KEPE, Dr. Ioannis Cholezas, für die jungen Leute die Abschaffung des Mindestlohns für ein Jahr vor!

511 Euro brutto im Monat sind offensichtlich zu viel

Dr. Cholezas reichert also mit seinen Vorschläge die Politik und die fatalen Entscheidungen der Regierung Papadimos an, die den Mindestlohn der jungen Leute im Alter von bis zu 25 Jahren auf 511 Euro (brutto) senkte und die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren auf 60% explodieren ließ. Die 511 Euro brutto sind jedoch offensichtlich immer noch … zu viel und beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Beschäftigung.

Der Vorschlag – sofern er realisiert werden sollte – legalisiert ebenfalls die vergütungslose Ausbildung und macht die jungen Leute ein Jahr lang für ein Taschengeld und ohne jegliche Absicherung ihrer zukünftigen Rehabilitation zu Sklaven ihrer Arbeitgeber. Herr Cholezas nimmt außerdem auch den „Organismus für Beschäftigung des Arbeitskräftepotentials“ (sprich das griechische „Arbeitsamt“ OAED) unter Beschuss, der „einer radikalen Umstrukturierung“ bedarf, da er den heutigen Bedürfnissen nicht zu entsprechen vermag.

Die 10 Vorschläge des KEPE, das einen „Think Tank“ für den jeweiligen griechischen Finanzminister darstellt, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

1. Mindestlohn: Abschaffung des Mindestlohns von 511 Euro brutto für die jungen Leute für bis zu einem Jahr ab ihrer Einstellung. Dies wird einen starken Anreiz für ein Unternehmen darstellen, einen jungen Arbeitnehmer einzustellen, nachdem es zuerst dessen Eignung (Grundkenntnisse, Fähigkeiten) beurteilt.

2. Leistungsanreize: Stärkung der Aktivität der Einheit der Arbeitsinspektoren (SEPE) mit der Einführung von Leistungsprämien, zur Vermeidung von Verletzungen der Arbeitsgesetzgebung (Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen usw.).

3. „Export“ von Arbeitslosen: Mit dem Unvermögen der griechischen Unternehmen zur Absorption der Arbeitslosen als gegeben wäre es vielleicht zweckmäßig, dass die Programme zur Subventionierung der Lohnkosten sich an Unternehmen griechischer Interessen im Ausland – innerhalb und außerhalb der EU – richten.

4. Beihilfen: Substituierung der Arbeitslosenunterstützung durch eine Beschäftigungsbeihilfe gemäß dem Vorbild des Arbeitscoupons, mit speziellem Gewicht auf dem Fall der jungen und kurz vor dem Renteneintritt stehenden Arbeitnehmer.

5. OAED: Radikale Umstrukturierung des OAED, der im Rahmen von den heute im Land vorherrschender abweichender Umstände organisiert wurde. Das Resultat ist, dass er nicht vermag, seiner Aufgabe (Unterstützung der Arbeitslosen durch Beihilfen, Kopplung von Arbeitsangebot und -nachfrage usw.) effizient zu entsprechen.

6. Leistungen: Erleichterung der geographischen Mobilität der Arbeitslosen unter Gewährung von Anreizen (z. B. Steuernachlässe oder Mietzuschüsse in speziellen Fällen, wie bei Familien mit Kindern). Auf diese Weise werden eine bessere Kopplung des Arbeitsangebots und der -nachfrage erreicht und freie Arbeitsplätze besetzt werden, wann und wo immer sie existieren.

7. Öffentliche Landflächen für junge Leute: Überlassung öffentlicher Landstücke gegen einen niedrigen Pachtzins und für eine konkrete zeitlichen Dauer. Auf diese Weise werden öffentliche Ländereien genutzt, ohne jedoch praktisch verkauft zu werden. Hauptkriterium sind die neuen Arbeitsplätze und der Zweig der wirtschaftlichen Aktivität (Umwelt, Technologie, medizinische Dienstleistungen, Informatik) mit dem Ziel der Deckung neuer Arbeitsplätze durch die Gruppen der Ausbildungsabsolventen, an denen ein Überschuss im Land besteht (eine systematische Studie wird diese Absolventen-Gruppen definieren können).

8. Klein- und mittelständische Unternehmen: Stützung der kleinen und mittleren Unternehmen, damit unter Gewährung beratender Programme auf lokaler oder branchenspezifischer Ebene die Beschäftigung erhalten bleibt und neue Entlassungen vermieden werden. Die Unterstützung könnte sich auf Wege der Promotion der Produkte im Ausland beziehen. Viele Unternehmen verfügen wegen ihrer Größe nicht über die erforderlichen Strukturen und schreiten nicht zu den notwendigen Zügen für ihr Überleben.

9. Junge Landwirte: Überlassung öffentlicher Landflächen gegen einen symbolischen Preis an jene, die auf dem Agrarsektor tätig werden möchten (Landwirtschaft, Viehzucht), bei gleichzeitiger Revision der Kriterien bezüglich der Kategorisierung in den Beruf des Landwirts. Ist das Unternehmen erfolgreich (z. B. nach fünf Jahren), kostenlose Abtretung der Landfläche zur alleinigen landwirtschaftlichen Nutzung ausschließlich an die Berechtigten (ohne Recht auf Übereignung, Verkauf usw.). Beratende Unterstützung für die Teilnehmer in allen Stadien der Produktion und des Vertriebs.

10. Unternehmensschließungen auf dem Markt: Erforschung der jeweiligen Gründe, die zur Schließung von Unternehmen führten, wie es gegebenenfalls die unzureichende unternehmerische Eignung ist.

(Quelle: Zeitung der Redakteure)

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  1. Petroulla
    29. Januar 2014, 12:05 | #1

    Ja, ist das nicht eine tolle Idee? Gerade hatten wir das Thema, wie man alle Besserverdienenden von den Sparmaßnahmen ausnimmt, jetzt kommen wir logischerweise dahin, wie man aus den kleinen Leuten wieder was rausholen kann. Unbezahlte Beschäftigung, das wäre es doch. Denn bei einem Jahr und nur für junge Leute, dabei wird es sicher nicht bleiben. Schließlich müssen die Arbeitgeber doch auch zusehen, wie sie mit dem A…llerwertesten an die Wand kommen. Also sagt man dann auch allen anderen, entweder auch so, oder ich nehme den Jungspund. Oder man stellt jemanden für ein Jahr unbezahlt ein, danach schmeißt man ihn raus und nimmt den nächsten. Der Kreativität sind doch in diese Richtung keine Grenzen gesetzt. Ist ja schließlich nicht gegen die Verfassung. Ob aber diejenigen, die solche Ideen aufbringen, auch bereit sind, samt ihren gesamten Sippen, umsonst zu arbeiten, um ihrem geliebten Land zu helfen?

  2. Markos
    17. November 2014, 06:31 | #2

    Tja nur zu dumm dass es hier eine Lücke in der Allgemeinen Logik gibt. Indem die Unternehmen die gehälter senken oder sogar zeitweise ganz abschaffen so wie dieser Vollidiot im Artikel es auch vorschlägt (der anscheinend von der Krise garnicht getroffen wurde), werden sie zwar wettbewerbsfähiger da ihre Kosten senken, doch wenn die Leute dann mit einer so minimalen Kaufkraft nicht mehr ihre Produkte kaufen können oder ihre Dienstleistungen beanspruchen, was machen die denn dann überhaupt?
    Diese unbezahlte beschäftigung werden vielleicht Jugendliche nutzen um für 2-3 Monate Berufserfahrungen zu sammeln doch mehr nicht schließlich suchen ja alle nach einem bezahlten Job, jetzt in der Krise sogar mehr denn je.

  1. 3. Februar 2014, 12:05 | #1
  2. 7. März 2014, 00:05 | #2
  3. 17. Juni 2014, 12:06 | #3

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