Siemens mischt wieder bei Ausschreibungen in Griechenland mit

8. Januar 2014 / Aktualisiert: 26. Oktober 2014 / Aufrufe: 804

Nach der Erzielung des gütlichen Vergleichs mit dem Staat in Griechenland macht Siemens ihr Auftreten bei großen öffentlichen Ausschreibungen wieder sichtbar.

Wie in einem Artikel der Sonntagsausgabe der „Eleftherotypia“ berichtet wird, nahm Siemens nach der anfänglichen Interessenbekundung für den Aufkauf der ehemaligen Technischen Basis (sprich Ausbesserungswerke / Bahnbetriebswerke) der Griechischen Eisenbahn (OSE) bzw. der heutigen „Griechischen Gesellschaft für Wartung von Eisenbahn-Rollmaterial“ (EESSTY) auch die Ausschreibungsunterlagen über die Lieferung 25 neuer Straßenbahn-Züge (Tram) in Empfang.

Das Bemerkenswerte ist, dass Siemens sich bei den beiden obigen Ausschreibungen mit der französischen Alstam „prügelt“. Für die Lieferung der 25 Tram-Züge mit einem Etat von 66,2 Mio. Euro (ohne MwSt.) sind die verbindlichen Angebote bis zum 10 Februar 2014 einzureichen, während für die ehemalige technische Basis der OSE (EESSTY) der Zuschlag im zweiten Halbjahr 2014 erwartet wird.

Siemens dürstet nach neuen Großaufträgen

Siemens durchschreitet in Griechenland, aber auch international nicht gerade ihre besten Tage (es wird erwartet, dass sie 2014 zu 15.000 Entlassungen schreiten wird) und „dürstet“ deshalb nach neuen Projekten. Auf Basis der Bilanzen fährt die Gesellschaft in Griechenland Verluste ein. Konkret hatte die „Siemens Elektrotechnische Projekte“ (ΣHMENΣ A.E. Hλεκτροτεχνικών Έργων και Προϊόντων) für die Periode 01 Oktober 2011 – 30 September 2012 einen Umsatz von 81 Mio. Euro und Verluste von 7,1 Mio. Euro und die „Siemens Gesundheits-Diagnosesysteme“ (Siemens Διαγνωστικά Υγείας Α.Β.Ε.Ε.) in der selben Periode Einnahmen von 28,7 Mio. Euro und Verluste in Höhe von 5,7 Mio. Euro.

Abgesehen von den Ausbesserungswerken bzw. Bahnbetriebswerken der OSE und den Straßenbahn-Zügen ist Siemens auch bei der Attischen Metro (Attiko Metro SA) präsent. Es ist bekannt, dass die Stationen Ilioupoli, Alimos, Argyroupoli und Elliniko – obwohl sie zu 95% fertig gestellt waren – erst nach dem Verstreichen von 4 Jahren dem Betrieb übergeben wurden, weil wegen der Enthüllung des Schmiergeld-Skandals kein Minister den Vertrag über die Signalanlagen des Projekts unterzeichnen wollte, bei dem Siemens den Zuschlag erhalten hatte.

Auf Druck der Troika und spezieller der Task-Force des Horst Reichenbach unterschieb unter der Regierung Lukas Papadimos im März 2012 schließlich Verkehrsminister Michalis Voridis den Vertrag in Höhe von 41,4 Mio. Euro und der „gordische Knoten“ wurde gelöst. Der in Rede stehende Vertrag beeinflusste jedoch in einem signifikanten Grad auch die Beschaffung der 17 neuen U-Bahnzüge von dem Konsortium Hyundai RotemHanwha, weil das Kontrollsystem der neuen Züge in die Siemens-Projekte eingegliedert ist. Die Züge sind neuer Generation und zu den alten Systemen inkompatibel.

Neueren Information zufolge sollen 2 der neuen Züge von der Attiko Metro Anfang Januar 2014 in die Urban Rail Transport SA (STASY) übernommen werden, weitere 3 bis Ende Januar 2014 und die übrigen 12 innerhalb der ersten 4 Monate des Jahres, womit sie schrittweise zu sehen sein werden.

Insgesamt handelt es sich um 17 Züge mit je 6 Waggons, die in Südkorea von dem Konsortium Hyundai Rotem – Hanwha gebaut wurden. Sie kosteten 155 Mio. Euro und wurden für die Erweiterung der U-Bahn nicht nur nach Elliniko, Chaidari und Peristeri, sondern hauptsächlich für den Ausbau nach Piräus beschafft. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und verfügen über ein intelligentes Steuersystem für Beschleunigung, Beibehaltung einer konstanten Geschwindigkeit und Abbremsung von einer Station zur anderen, damit Energie eingespart wird.

Die 13 Interessenten für die Straßenbahn-Züge

Für die Ausschreibung der 25 Straßenbahnzüge durch die Attiko Metro nahmen dreizehn Interessenten die Ausschreibungsmappen in Empfang. Die Durchführung der einschlägigen Ausschreibung ist für den 10 Februar 2014 geplant und bezieht sich auf die Anschaffung 25 neuer Züge zweiter Generation. Der Etat des Projekts beläuft sich auf 66,25 Mio. Euro (ohne MwSt.) und gemäß der Ausschreibung muss die Lieferung der Züge in einem Zeitraum von 940 Tagen (31,5 Monaten) vollendet werden. Zu den Firmen, welche die Hefte in Empfang nahmen, zählen unter anderem Siemens, Alstom, Bombardier, Solaris (hat die Busse des OSY geliefert), Caf und Scoda.

Sofern es keine Probleme gibt, die eine Verzögerung in dem Ausschreibungsverfahren verursachen werden, wird erwartet, dass die neuen Züge innerhalb des Jahres 2016 in Empfang genommen werden. In dem selben Jahr wird auch die Übergabe der Erweiterung der Tram von Faliro nach Piräus erwartet. Die neuen Züge sind notwendig, weil ohne sie die Erweiterung nach Piräus praktisch „nutzlos“ werden würde. Charakteristisches Beispiels stellt der Fall der U-Bahn dar, wo die Erweiterungen zur Nutzung übergeben wurden, ohne dass die neuen Züge verfügbar sind, welche die zusätzlichen Bedürfnisse decken würden. Das Resultat ist, dass in einigen Fällen der Zeitabstand der Zugfahrten verlängert worden ist, obwohl die STASY erklärt, die vorhandenen Züge reichen aus.

Zusammenfassend wird die Anschaffung der neuen Tram-Züge die Bedürfnisse decken, die sich aus den neuen Erweiterungen nach Piräus (5,4 km), Argyroupoli (1,1 km) und Patisia (2,2 km) ergeben werden, von denen erwartet wird, dass sie mehr als 50.000 neue Fahrgäste täglich anziehen werden. In diesem Jahr (2014) werden die „schweren“ Baustellen in der Stadt Piräus beginnen, was bedeutet, dass das Verkehrsproblem sich verschlimmern wird. Aus diesem Grund erfolgen kontinuierlich Besprechungen zwischen der Attiko Metro und der Stadtverwaltung Piräus mit dem Ziel, den einschlägigen Problemen zu begegnen.

(Quelle: To Pontiki)

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  1. GR-Block
    8. Januar 2014, 03:08 | #1

    Auf Druck der Troika und spezieller der Task-Force des Horst Reichenbach unterschieb unter der Regierung Lukas Papadimos im März 2012 schließlich Verkehrsminister Michalis Voridis den Vertrag in Höhe von 41,4 Mio. Euro und der “gordische Knoten” wurde gelöst.
    Und nicht nur der. Die schnelle Einsatztruppe unter Leitung des Sozialdemokraten Horst Reichenbach hatte vor allem den EZB-Bänker Papadimos überredet, der Fa. SIEMENS nach Entrichtung eines Ablassgeldes ihre Sünden zu vergeben. Deshalb kann SIEMENS heute in GR nicht mehr juristisch belangt werden. Natürlich kann nach diesem „Vergleich“ SIEMENS nicht mehr von Staatsausschreibugen ausgeschlossen werden. Die EU würde das sanktionieren, nur eine Verurteilung hätte das begründet. Damit wären aber für SIEMENS allein in GR Verluste um jährlich 175 Mio € (Auftragseingänge GR 2012, bei gerade einmal 500 Arbeitsplätzen) zu verzeichnen gewesen. Außerdem hätte bei einer Verurteilung (in GR) SIEMENS nie wieder an einer Staatsausschreibung in den USA (!) teilnehmen dürfen. Zu erwartende jährliche Verluste 17 Mrd € (USA Geschäftsjahr 2012). Das wäre der Bankrott. Deshalb musste schnell gehandelt werden. Reichenbach hatte SIEMENS gerettet. Er wird demnächst bestimmt irgendwo einen lukrativen Posten erhalten.

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