Haushalte in Griechenland überleben dank Renten

27. Januar 2014 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.673

Das schockierende Ergebnis einer aktuellen Untersuchung zeigt, dass in Griechenland jeder zweite Haushalt nur dank der Renten der Eltern und Großeltern überlebt.

Die wirtschaftliche Krise, steuerliche (Mehr-) Belastungen und enorme Einkommensverluste haben die griechischen Haushalte in einen finanziellen Würgegriff genommen.

Wie aus einer aktuellen Untersuchung der MARC hervorgeht, die für Rechnung des Allgemeinen Verbands der Selbständigen, Handwerker und Kaufleute Griechenlands (GSEVEE) auf Basis eines Musters von 1.201 Haushalten erfolgte, ist bezeichnend, dass:

  1. eine von zwei Familien nur dank der Renten familiärer Personen überlebt,
  2. vier von zehn Haushalten wenigstens eine arbeitslose Person haben.

Über ein Drittel der Haushalte ist mit Verbindlichkeiten im Rückstand

Konkreter haben 40,2% der Haushalte, also 1,4 Millionen Haushalte wenigstens eine arbeitslose Person in der Familie. Von diesem Anteil erhalten nur 9,8% Arbeitslosenhilfe (also weniger als 200.000 Personen). Mehr als eine Million Bürger sind dagegen ohne Schutz gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit geblieben.

44,3% der Bevölkerung haben Verpflichtungen an die Banken. Einer von zehn Haushalten war gezwungen, Vermögensteile zu verflüssigen um in der Krise über die Runden zu kommen. Weiter wird erwartet, dass die in letzter Zeit verabschiedeten Gesetze über die Besteuerung von Immobilien, die Kontopfändungen und die teilweise Freigabe der Zwangsversteigerungen erdrückende Umstände für die Haushalte schaffen werden.

Einer von drei Haushalten befindet sich wegen Unvermögens an der Grenze zur Verzögerung von Zahlungen an den Fiskus, Kassen öffentlicher Unternehmen, Banken, für Kredite usw. (34,8% der Haushalte verzögern die Begleichung von Verbindlichkeiten um über die Runden zu kommen), während 41,7% erklärten, über kein ausreichendes Einkommen zur Deckung ihrer Verpflichtungen zu verfügen.

Durchschnittliche Einkommensverluste von 40%

94,6% der Haushalte haben in dem Zeitraum der Krise Einkommenseinbußen erlitten. Laut der Einschätzung der GSEVEE tangiert der durchschnittliche Einkommensverlust 40% (konkret 39,47%). Das Gebiet mit dem größten Einkommensrückgang (41,06%) ist Attika.

Hauptsächliche und eventuell auch einzige Stütze der Haushalte stellen die Einkommen aus Renten dar (48,6%). Die Einkommen aus abhängiger Arbeit, selbständigen Berufen und unternehmerischer Aktivität sind hinsichtlich ihres Beitrags zu den Finanzen des Haushalts gesunken (35,9% der Haushalte stützt sich auf Löhne, 10,3% auf unternehmerische Gewinne).

Die griechischen Haushalte sind weiterhin von Pessimismus beherrscht. 41,7% nehmen an, im kommenden Jahr nicht ihren finanziellen Verpflichtungen entsprechen zu können. Ein erhöhtes Unvermögen, ihren Verpflichtungen zu entsprechen, erklären die Haushalte mit wenigstens einem Arbeitslosen (51%).

2 von 3 Haushalten schränken Ausgaben für Lebensmittel ein

Der Markt befindet sich weiterhin in einem verlängerten „Winterschlaf“, angesichts der Tatsache, dass 75,5% (gegenüber 70% in der entsprechenden Einkommensstudie des vergangenen Jahres) der Haushalte die Schlussverkäufe abwartet um Basisgüter einzukaufen.

Dramatisch präsentieren sich die Einschränkungen bei dem Konsum wegen der Schrumpfung der Einkommen. 63,7% der Haushalte sind zu Einschränkungen bei den Ausgaben für Lebensmittel geschritten, während 90,3% ihre Ausgaben für Kleidung – Schuhe und ungefähr 90% die Ausgänge in Restaurants, Tavernen, Bars, Kinos eingeschränkt haben. Über 75% der Haushalte haben Einschränkungen bei den Ausgaben für Heizung und Beförderungen vorgenommen, welche Tatsache mit der (auf Beharren der Troika erfolgenden) Beibehaltung der hohen und ineffizienten Besteuerung des Heizölkonsums zusammenhängt.

Die Tendenz zur Abwertung der Lebensqualität setzt sich fort, da 36,5% der Bevölkerung erklären, Produkte von geringerer Qualität einzukaufen. Verschärft ist das Problem in den mehrköpfigen Familien, die 44,7% ausmachen, und bei den niedrigen Einkommenskategorien.

Einer von drei Haushalten befürchtet, sowohl wegen der angehäuften Verbindlichkeiten als auch der zusätzlichen Belastungen (für Kredite, Steuern usw.) ihre Wohnung zu verlieren. Diese Unsicherheit schafft einen Teufelskreis des Investitionsabbaus und Zusammenbruchs der Immobilienwerte.

(Quelle: Imerisia.gr)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    27. Januar 2014, 11:31 | #1

    Ein wichtiges Detail fehlt. Die Alten unterstützen die Jungen nicht nur durch ihre Rente und durch freie Wohnung. Es werden auch die Bankeinlagen der Alten nach und nach aufgezehrt.
    Das Ziel der konservativen Regierung und ihrer Helfershelfer aus EU und IWF hatten genau dieses Kapital im Visier, als „Austerität“ verordnet wurde. Der griechische Sparer konnte nur durch direkte Bedrohung seiner Nachkommen dazu bewegt werden, sein Geld in den Markt zu schütten, damit EU-Konzerne in der krise kaum Umsatzrückgänge erleiden müssen.
    Nun neigen sich die Bankguthaben dem Ende zu. Folglich sind demnächst die anderen Europäer dran.

  2. Karlo
    27. Januar 2014, 17:05 | #2

    Das erinnert mich irgendwie an mein Studium in Deutschland. Von Stipendien und staatlicher Hilfe keine Spur. Liegt wohl daran, dass ich ein bourgeoiser Schmarotzer war.

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