Griechenland: Grexit ist nicht vom Tisch

10. Januar 2014 / Aktualisiert: 24. April 2016 / Aufrufe: 3.427

Laut dem ehemaligen Premierminister Kostas Simitis ist ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion nach wie vor nicht vom Tisch.

In einem Artikel in der Zeitung „Vima tis Kyriakis“ bringt der ehemalige Premierminister Kostas Simitis Befürchtungen zum Ausdruck, wegen der nicht tragfähigen öffentlichen Verschuldung könnte verlangt werden, dass Griechenland aus dem Euro ausscheidet.

In Deutschland, Österreich, Holland, aber auch anderen Ländern hält ein großer Teil der Bevölkerung den Beistand an Griechenland für übertrieben. Sie verlangen das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Das Szenarium der Iphigenie, Griechenland zu opfern, damit die Eurozone wieder in einen ‚günstigen Wind‘ kommt, bleibt möglich. Speziell, weil die griechische Verschuldung nicht tragfähig ist und sich nicht – wie als Ziel vorgegeben – auf 124% des BIP im Jahr 2020 beschränken wird„, führt der ehemalige Premierminister in seinem Artikel an.

Die Maßnahmen wurden nicht hinreichend überdacht

Die Union hat Griechenland bis einschließlich Anfang 2013 auf verschiedene Weisen finanziert. Die Höhe der bereitgestellten Mittel und Bürgschaften erreicht ungefähr 340 Mrd. Euro. Es ist eine auf weltweitem Niveau ungekannte Finanzierung„, betont Kostas Simitis und fügt an:

Die Finanzierung wurde jedoch auf eine Weise realisiert, die den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes verursachte. Sowohl das Institut Bruegel als auch der IWF unterstrichen, dass die von den Gläubigern aufgezwungenen Maßnahmen nicht hinreichend durchdacht worden sind. Viele Griechen, aber auch viele Portugiesen, Italiener und Spanier sind der Ansicht, ihr Land müsse schnellstens von der Präsenz der Aufseher der Union und den eingegangenen Verpflichtungen befreit werden.

Bemühung um Konsolidierung ist nicht abgeschlossen

Der Präsident der Griechischen Bank, Giorgos Provopoulos, unterstreicht indessen in einem Artikel in der selben Zeitung nach Bezugnahme auf die positiven Aspekte, die sich aus der beschlossenen Banken-Union ergeben werden, „primäre Ziele der Wirtschaftspolitik müssen die Sicherstellung tragfähiger und ausgeweiteter primärer Überschüsse, die Rationalisierung und Sanierung des öffentlichen Sektors und die Beschleunigung der strukturellen Reformen auf den Produkt- und Dienstleistungsmärkten sein„.

Herr Provopoulos betont ebenfalls, die Bemühung um die Angleichung sei nicht vollendet, und fügt an, „Voraussetzung dafür, dass die positiven Erwartungen sich bestätigen, ist, dass die Wirtschaftspolitik den gesetzten Zielen gewidmet bleibt„.

Politische Stabilität ist unabdingbar

Darüber hinaus schätzt der Präsident der Alpha Bank, Ioannis Kostopoulos ein, 2014 werde ein gutes Jahr sowohl für Griechenland als auch Europa sein, und betont: „Sowie sich die griechische Wirtschaft 2014 normalisieren wird, wird 2014 das erste Jahr positiver Wachstums-Rhythmen sein und die Banken werden zu normalen Rhythmen des Betriebs zurückkehren … Ab Anfang 2015 wird damit gerechnet, dass die Zunahme der in Verzug befindlichen Kredite aufhört …

In einem Artikel in der selben Zeitung führt Herr Kostopoulos an, die Bewahrung der Verhältnisse politischer Stabilität sei unabdingbar, „um die Früchte der Anstrengungen und Opfer der Griechen ernten zu können„.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

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  1. Ottfried Storz
    10. Januar 2014, 00:36 | #1

    Klar ist der Grexit nicht vom Tisch, kommt doch die Wirtschaft nicht in Schwung. Die Forderungen sind seit Jahren die gleichen:
    Stärkung der Rechtssicherheit, drastische Bekämpfung der Korruption, Effizienzsteigerung im Rechts- und Genehmigungswesen, deutliche Intensivierung der Verfolgung hinterzogener Vermögen, Verschlankung der Verwaltung, Beschleunigung der Privatisierung, Öffnung ständemässig geschützter Berufsgruppen,
    Abbau von Exporthindernissen, Schaffung eines KFW-Pendants für kleine und mittlere Unternehmen, Abbau von investitionsfeindlichen Strukturen.
    Zur Erinnerung: Bei der Investitionsattraktivität liegt Griechenland mit riesigem Abstand an letzter Stelle in der EU. Die anderen Troika-betroffenen Staaten (Irland, Portugal …) liegt um über 50 Positionen vor Griechenland!

  2. dparvus
    10. Januar 2014, 12:29 | #2

    Jeder soll nach seiner Facon seelig werden, auf SEINE EIGENEN KOSTEN. Es ist das Problem der griechischen Bevölkerung, aus der Ausbeutung der Banken zugunsten einiger weniger herauszukommen, in einer gemeinsamen Währung ist das nicht möglich, ohne Betrügereien.
    Auch Deutschland könnte aus dem Euro rausgehen, zu einer eigenen Währung, ein schöner Gedanke…

  3. CYR
    10. Januar 2014, 16:13 | #3

    Für ein GREXIT ist der Zug doch längst abgefahren.
    Der Artikel redet nur über die Probleme der Investoren und dieses Gerede über irgendwelche Vertrauen das Verloren geht wenn es keine stabile(?) Regierung gibt. Was meint der Autor denn mit stabile Regierung.
    Eine Regierung die die Forderung der Troika wie ein Hund folgt oder eine Regierung die immer geführt werden muß von einem Politiker der ND oder PASOK oder gleich einen Banker.
    Vergessen wir nicht als Griechenland in der Krise schlitterte lag die Verschuldung bei 120%. Heute nach jahrelangen „Hilfen“ der Troika liegt sie bei 175%, dazu der freie Fall der Wirtschaft, steigende Zahl der Arbeitslosen und eine breite Verarmung der Bevölkerung. Und unter diesen Voraussetzungen soll das GREXIT funktionieren? Ein kleiner Denkanstoß für den Fall das GREXIT durchgeführt würde:
    Die Schulden Griechenlands wären nicht mehr Rückforderbar. Denn das Land hätte keine Devisen mehr und müsste diese mühselig durch Steuern einholen und das mit einer Währung die keiner haben will. Welche Bank wäre bereit harte Devisen gegen einen Währung einzutauschen die nicht stabil ist. Versucht mal isländische Kronen umzutauschen. Die Währung ist nicht frei handelbar. Forderungen gegenüber Griechenland bleiben bestehen aber wenn niemand diese zurückzahlen kann dann war es das.
    Und dass die Maßnahmen nicht hinreichend überdacht wurden las ich so nicht gelten. Es war immer Konsens unter den Regierungen dass die Maßnahmen der Troika das einzig wahre und beste sei.
    Wenn die Wirklichkeit mit der Theorie kollidiert sollte man seinen Handeln überdenken oder aufhören. Aber das ist ein Problem die alle Politiker haben. Selbst die größte Flasche hält sich für unersetzlich oder besser oder klüger oder usw…

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