Die Lüge über Vorteile der Trans Adriatic Pipeline für Griechenland

24. Januar 2014 / Aktualisiert: 20. März 2016 / Aufrufe: 2.790

Laut einem Spitzenfunktionär der J&P AVAX ergeben sich aus dem Bau der Gasleitung Trans Adriatic Pipeline für Griechenland mehr Nachteile als Vorteile.

Der große TAP-Betrug wurde aufgedeckt: griechische Firmen bleiben außerhalb des Projekts! Mit seinen Enthüllungen auf einem Energie-Kongress ließ ein hoher Funktionär der J&P AVAX eine „Megatonnen-Bombe“ hochgehen, die das Szenarium des Aufsteigens Griechenlands zu einem Energie-Player demontiert und die Vorteile annulliert, die das Land aus dem Verkauf der DESFA (= „Verwalter des nationalen Erdgassystems„) und der Aktivierung der Vereinbarung über den Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP) als Transferleitung für das aserbaidschanische Erdgas nach Europa haben würde.

Das Großprojekt, für das sogar auch der griechische Premierminister nach Aserbaidschan reiste, wird nicht nur keinen Mehrwert für Griechenland, sondern auch politische und diplomatische Probleme schaffen. Es ist anzumerken wert, dass in der Vereinbarung nicht einmal die typischen Kompensationsleistungen vorgesehen sind, wie beispielsweise ermäßigte Preise in den Durchgangsgebieten als Ausgleich für die lokale Umweltbelastung.

TAP bringt Griechenland praktisch keine wirtschaftlichen Vorteile

Wie auf einem Kongress ein Großfunktionär der Baugesellschaft J&P AVAX enthüllt, erweisen sich die Arbeitsplätze, welche der Durchgang der Leitung schaffen wird und für die so viel Reklame gemacht wurde, als … Deckmäntelchen, da die Bestimmungen der Vereinbarung auf fast photographische Weise die griechischen Konstruktionsgesellschaften ausschließen – mit allem, was damit einhergeht.

Wie Wirtschaftsanalytiker gegenüber sknews.gr anführen, schränkt diese Entwicklung die erhofften Vorteile für die Wirtschaft Griechenlands dramatisch ein und annulliert praktisch den Wachstums-Multiplikator des Projekts, indem sie es zu einer Investition von fast keinem Interesse macht. Stattdessen ist Griechenland aufgefordert, einer Reihe politischer und diplomatischer Verwicklungen zu begegnen, die sich wegen der katalytischen Rolle der Türkei und deren starker Bindungen mit Aserbaidschan ergeben.

Auf dem Kongress „Investing in Energy“ vertrat der Direktor für Energie- und Industrieprodukte der J&P AVAX, Herr Arseniou, „die von dem TAP gesetzten Spezifikationen schließen die griechischen Firmen aus„. Die Vorteile werden also nicht einmal indirekt sein. Und wo sind die „zehntausende Arbeiter“, die beschäftigt werden würden? Die ein gewisses positives Vorzeichen tragenden Regelungen beschränken sich auf die Aussicht auf ein bis drei Netzanbindungen an das griechische Erdgassystem, ohne dass jedoch das Konsortium zu konkreten Mengen verpflichtet wird, die auf den griechischen Markt geleitet werden.

Ebenfalls sind weder Sonderpreise für die Durchgangsgebiete als Ausgleichsleistung noch Transfergebühren als Einnahmen für den Staat vorgesehen. Dagegen werden die steuerlichen Regelungen für 25 Jahre eingefroren und jede Modifizierung des Vertrags ist wegen Aktivierung vernichtender und für das Land schädlicher Bedingungen im Fall der Abänderung praktisch ausgeschlossen. Und leider ist die TAP von der Türkei zu einem Hebel gemacht worden, um Druck bezüglich der Schaffung einer Leitung für den Transport von Erdgas aus den zyprischen und israelischen Energiefeldern in das türkische Netzt auszuüben, da die TAP als „die einzige wirtschaftlich tragfähige Lösung“ promotet wird und die Unterstützung der USA hat.

Die direkte Entfernung von den israelischen Energiefeldern des östlichen Mittelmeers bis zur TAP-Leitung beträgt ungefähr 700 Kilometer (Region von Ankara) und die Kosten der Verbindung werden auf 2 bis 3 Milliarden Dollar veranschlagt. Der Bau eines Verflüssigungs-Terminals (auf Zypern) wird dagegen mit ungefähr 10 Milliarden Dollar veranschlagt. Auf Befehl der USA die South-Stream-Pipeline aufgebend war das einzige, was die Regierungen Papandreou und Samaras somit geschafft haben, an dem Konsortiums-Schema der Erdgasleistung im östlichen Mittelmeer nicht einmal beteiligt zu sein.

Außerdem ist sehr wahrscheinlich, dass die TAP zu einer „Spinnengewebe-Pipeline“ wird, wenn es keine neuen Funde geben wird um sie mit Gas zu versorgen: Die Lagerstätte Shah Deniz 2 im Kaspischen Meer ist zu klein um die Anforderungen der Leitung zu befriedigen.

Dreifaches Übel für Griechenland

Unter dem Strich ergibt sich für Griechenland gleich ein dreifaches Übel, nämlich praktisch Null Gewinn für das Land, Aufwertung der Türkei und Druckhebel in Zypern:

  • Griechenland wird kein Energie-Knoten, wie es im Fall der Leitung South Stream geschehen wäre. Es wird einfach nur zu einem Glied in der Kette und obendrein nicht einmal das kritische Glied, wie Albanien, über dessen Gebiet die Leitung verlaufen wird, bevor sie in die Adria eintaucht und nach Italien weiterführt.
  • Griechenland ist nicht berechtigt, auch nur einen einzigen von den 16 Millionen Kubikmetern Erdgas zu konsumieren, die schätzungsweise Aserbaidschan verlassen werden. 6 Mio. werden von der Türkei abgenommen werden und der Rest wird nach Europa fließen. Somit gibt es auch nicht einmal den für einen seriösen Staat selbstverständlichen Handelsdruck auf die russische Gazprom, die Erdgaspreise zu senken, weil sich endlich ein alternativer Anbieter fand. Und es bekommt nicht etwa nichts, weil die Menge der aserbaidschanischen Lagerstätte nicht ausreicht, sondern weil die Aserbaidschaner es sich mit den Russen verderben wollen. Die USA wollen die Reduzierung der Abhängigkeit Westeuropas von dem russischen Gas, nicht Griechenlands.
  • Gemäß den bisher getroffenen Vereinbarungen nimmt Griechenland nicht einen einzigen Euro aus Transitgebühren ein. Dies war die unglaubliche Vereinbarung, damit man sich für die TAP entscheidet und die amerikanischen (aber auch russischen, wie wir sehen werden) Interessen bedient werden. Einige im griechischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimawandel haben begriffen, dass dies unglaublich unausgeglichen ist und versuchen es zu ändern, aber es ist unwahrscheinlich, dass es gelingen wird.
  • Die berühmten Arbeitsplätze beziehen sich zu 90% auf den Teil der Bauarbeiten über eine konkrete Periode bis zum Jahr 2019, in dem die Leitung in Griechenland fertig gestellt werden wird (ihr Betrieb wird 2013 – 25 beginnen). Raten Sie, welche Art von Arbeiten die Baufirmen natürlich beschäftigen werden: Ausländer! Wir schätzen, dass die Intervention von Arseniou alles sagt …
  • Die 1,5 Mrd. Euro, die Griechenland angeblich „verdienen“ wird, umfassen und beziehen sich hauptsächlich auf die Enteignungen immobilen Vermögens, die erfolgen werden, damit die Leitung über den griechischen Boden führt. Aber wie und wem soll die Regierung das sagen, ohne in Gefahr zu laufen, gesteinigt zu werden?
  • Strategisch profitieren nur Albanien und die Türkei. Die Türkei hätte so oder so von jeder Entscheidung profitiert, sei es für TAP oder Nabucco. Und natürlich schließt sie den Hahn oder drosselt die Menge wann immer sie will, wegen der ungeheuren Bedürfnisse ihres Inlandsmarkts, aber das ist ein Problem, das die Europäer betrifft, da nicht vorgesehen ist, dass Griechenland an das netz angeschlossen wird.
  • Ebenfalls strategisch wird ein riesiges Thema geschaffen: Im Gegensatz zur Leitung Burgas – Alexandroupoli, die über die Länge der griechisch-türkischen Grenze durch den Evros geführt und einen „russischen Wall“ zwischen den beiden Ländern geschaffen hätte, wird die TAP die griechische Verteidigungssituation porös machen und eine riesige Öffnung im griechischen Verteidigungssystem aus dem Gebiet schaffen, durch das die Leitung verlaufen wird, weil sie von dem Konsortium und der Türkei gemeinsam kontrolliert werden wird. Auf beiden Seiten der Grenzen werden Arbeiten erfolgen, welche die Verteidigungsformation in dem Gebiet praktisch zunichte machen werden. Sie wird also eine Hintertür in das griechische Verteidigungssystem öffnen.

Maßgeschneiderte Ausschreibungen …

Auch von der SYRIZA erging vor kurzem zu dem Thema eine Bekanntmachung, die sich auf den praktisch inexistenten wirtschaftlichen Nutzen konzentriert und unter anderem anführt:

Trotz der Verkündigungen über Investitionen und Wachstum scheint für Griechenland kein substantieller Nutzen zu existieren, wenn sogar die Repräsentanten der Unternehmerwelt von dem Podest des Kongresses heftige Kritik wegen der Leitung der TAP ausüben und erklären, dass das Wahrscheinlichste ist, dass sie hinsichtlich des Parts der Erbauung nichts im Land lassen wird, da die Ausschreibungen mit Spezifikationen ‚gekocht‘ werden, nur ‚für blonde Haare und blaue Augen‘, also in der Praxis für konkrete Gesellschaften maßgeschneidert sind.

(Quelle: sknews.gr)

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