Welche ist die Zukunft der griechischen Wirtschaft?

27. Dezember 2013 / Aktualisiert: 08. Juni 2015 / Aufrufe: 1.406

Trotz der ungeheuren Opfer der Bevölkerung in Griechenland ist die Wirtschaft des Landes von einem substantiellen Aufschwung noch weit entfernt.

Während die griechische Wirtschaft im laufenden Jahr (2013) auf eine Schrumpfung von 4% zusteuert, wird sie 2014 möglicherweise zur Stagnation oder sogar einem bescheidenen Wachstum zurückkehren. Die gute Nachricht ist, dass die aus den zweiten Parlamentswahlen des Jahres 2012 hervorgegangene Regierung standhaft geblieben ist und inzwischen keine Diskussionen mehr über ein Ausscheiden Griechenlands aus der gemeinsamen Währung zu hören sind.

Die gesellschaftlichen Kosten der von den Gläubigern aufgezwungenen Austerität sind jedoch enorm. Das Lebensniveau der Bevölkerung ist steil gesunken, die Arbeitslosigkeit übersteigt 25% und die griechische Wirtschaft ist um 25% kleiner, als sie vor der Krise war. Hat sich diese Angleichung also gelohnt?

Regierung hat die Last den Armen aufgebürdet

Giannis Ioannidis, Wirtschaftsprofessor an der Tufts-Universität bei Boston, meint „ja“, jedoch glaubt er, dass die erforderlichen Änderungen für die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft gerade einmal begonnen haben. Er lastet der Regierung die Verantwortung für ihre schwache Führung und die Tatsache an, dass sie die Last der Angleichung den Armen und nicht den Reichen aufgebürdet hat, die auch die „größten Steuerhinterzieher“ sind, und erklärt: „Die Reformen sind gesetzlich ratifiziert, jedoch nicht umgesetzt worden.“ Ebenso habe es praktisch keinerlei nennenswerte Privatisierung der staatlichen Vermögenswerte gegeben.

Die Wirtschaftsberaterin Miranta Xantha mit Sitz in Athen stimmt zu, dass mehr Reformen notwendig sind. Sie befürchtet, dass selbst im Fall eines Aufschwungs im kommenden Jahr dies nicht auch ein Ende der Sorgen Griechenlands bedeutet. „Das Wahrscheinlichste ist, dass das Wachstum einer L-Kurve und nicht einer V-Kurve folgen wird, solange die privaten Investitionen schwach bleiben„, erklärt sie.

Trotz der Schwierigkeiten besteht Anlass für einen verhaltenen Optimismus. Bezeichnenderweise erklären eine unglaubliche Anzahl Griechen, das Land habe über seine Verhältnisse gelebt und Kürzungen vornehmen müssen.

Sicher ist jedenfalls, dass Griechenland für die Touristen zu einer erstaunlichen Gelegenheit geworden ist. Die Preise der Hotels sind um wenigstens 20% gesunken und der dramatische Rückgang der öffentlichen Proteste (sprich speziell auch der Streiks) hat bei den Ankunftszahlen der Touristen einen Anstieg initiiert. 2013 wurde bei Ankünften und Einnahmen ein Anstieg um 15% verzeichnet und die Buchungszahlen zeigen, dass 2014 ein weiteres Rekord-Jahr sein wird. Der Tourismus vertritt 17% des Brutto-Inlandsprodukts Griechenlands und 20% der Beschäftigung.

Die ausländischen Investoren beginnen langsam erneut, nach – „ungewissen“ – griechischen Vermögenswerten zu greifen. Die Fonds investieren in die griechischen Banken, die dank der 50 Mrd. Euro rekapitalisiert worden sind, welche die Troika Griechenland gewährte.

Druck auf noch schnellere Reformen könnte die Regierung stürzen

Ende November 2013 traf Premierminister Antonis Samaras sich in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel und wendete sich an die Unternehmensleiter. Er warnte die Gläubiger davor, Druck auf noch schnellere Rhythmen bei den strukturellen Reformen auszuüben und erklärte: „Einen Berggipfel erklimmt man nicht direkt senkrecht. Mein steigt von einem Absatz zum nächsten, schöpft etwas Atem und macht dann weiter.“

Die Analytiker warnen, die Regierung Samaras sei zerbrechlich und könne stürzen, wenn sie noch mehr Kürzungen bei Ausgaben und Arbeitsplätzen befiehlt. Wirtschaftsprofessor Ioannidis zeigt sich relativ optimistisch. Er hat einen signifikanten Wechsel in der öffentlichen griechischen Meinung ausgemacht: „Anstatt die anderen zu beschuldigen, haben die Griechen begonnen, die Verantwortung für das Problem zu übernehmen und anzuerkennen, dass ihre Wirtschaft ineffizient und korrupt ist und sich ändern muss.“ Was nun nötig ist, sagt er weiter, „ist, dass die Regierung nicht einfach Anweisungen von den Gläubigern erhält, sondern einen Schritt weiter geht und einen in sich abgeschlossenen für ein Wachstum präsentiert, wie es die Irländer getan haben„.

Mit den um mehr als 30% gesunkenen Einkommen der Haushalte und um noch mehr gesunkenen Immobilienpreisen als gegeben besteht keinerlei Zweifel daran, dass die griechischen Bürger ungeheure Opfer gebracht haben. Jeffrey Anderson, leitender Analytiker für europäische Themen am Institute of International Finance in Washington, bezeichnet die griechische Angleichung als „in der Geschichte der Wirtschaft nie dagewesen„.

Zwiespalt zwischen Regierung und Gläubigern geht weiter

Dennoch bedarf es weiterer Änderungen und die kontinuierliche Auseinandersetzung zwischen Regierung und Gläubigern geht weiter. Poul Thomsen, Leiter der Delegation des IWF in Griechenland, gibt zu, es sei ein ungeheurer Fortschritt erziel worden. Allerdings erklärte er am 24 November 2013 gegenüber einer führenden Athener Zeitung, die Regierung müsse ihr Verbot in Zusammenhang mit den Zwangspfändungen von (Haupt-) Wohnungen kippen, da reiche Griechen die Maßnahme missbrauchen und ihre Hypothekenkredite nicht tilgen.

Ebenfalls betonte Poul Thomsen die Notwendigkeit, der „extremen Patronage“ bei den Arbeitsplätzen des öffentlichen Sektors ein Ende zu setzen, wo immer noch viele unproduktive, gut bezahlte Beschäftigte geschützt bleiben. Thomsen erklärte, das Patronage-System verwehre den gebildeten jungen Leuten Chancen.

Sich entschlossen zeigend, ein Handeln zu erzwingen, hatte die Troika dann auch ihren letzten Bericht über die griechische Wirtschaft – und die Genehmigung der Tranche des Kredits – bis Ende Dezember 2013 hinausgezögert.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

Kommentare sind geschlossen