Warum Griechenland nicht zur Drachme rückkehren kann

26. Dezember 2013 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 2.553

Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion und die Rückkehr zur Drachme würde ab dem ersten Augenblick den primären Haushaltsüberschuss eliminieren.

Auf die Frage antwortend, was unter den gegenwärtigen Umständen der „Grexit“ (sprich die Rückkehr Griechenlands zu einer nationalen Währung) bedeuten würde, kommentiert ein Funktionär der Europäischen Kommission mit langjähriger Erfahrung in dem, was sich in der Wirtschaft zusammenbraut:

Griechenland ist vor allem in Bezug auf Wirtschaft, Produktion und Exporte von seinen Partnern abhängig und hat deshalb schwankende Devisenkurse, Abwertungen, das Fehlen von Rohstoffen und Basisgütern zu fürchten.

Ausreichende Verfügbarkeit von Basisgütern

Griechenland war einmal ein Agrarland, jetzt importiert es jedoch von Kartoffeln bis hin zu Milch„, führt ein Volkswirt an und gesteht dabei ein, dass die Struktur sich ändert, jedoch nicht „automatisch“. Und das Zwischenstadium wird ungewiss sein. Gemäß Berechnungen des Panhellenischen Dachverbands der landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände (PASEGES) tangiert die Effizienz der Wirtschaft (sprich Deckung des Bedarfs aus inländischer Produktion) bei Nahrungsmitteln heute bereits 70%.

Letzteres gilt jedoch nur so lange, wie die inländische Produktion mit landwirtschaftlichen Maschinen, Ersatzteilen und Diesel versorgt werden kann, und zwar zu Preisen, welche sie tragen kann. Mit einer Rückkehr zu einer abgewerteten Währung zweifelhaften Wertes verschwindet die Möglichkeit zur Deckung der Bedürfnisse zu 70% …

Öffentliche Verschuldung

Wenn der „Schnitt“ der Verschuldung einseitig, also auf ausschließliche Initiative Griechenlands erfolgt, wird der völlige Ausschluss sowohl des Fiskus als auch des privaten Sektors (z. B. Unternehmen, Banken usw.) von den internationalen Märkten und der Europäischen Zentralbank (EZB) eintreten. Das Auftreten von Defiziten im Staatshaushalt würde erneut die Aufnahme ausländischer Kredite notwendig machen. Diese Kreditaufnahme würde höchstwahrscheinlich zu „unerschwinglich“ hohen Zinssätzen erfolgen. In Kombination mit der Bilanzierung der ausländischen Kredite in einer relativ teuren Währung (z. B. Dollar, Euro) würde etwas Derartiges erneut zu einem Anstieg der öffentlichen Verschuldung führen.

Selbst auch die Perspektive der Abwertung der neuen nationalen Währung würde mit der Tatsache als gegebenen, dass die Verschuldung hauptsächlich in fremder Währung getilgt wird, den Status der griechischen Verschuldung noch mehr verschlimmern. Auch diese würde also in Folge ansteigen und die Entwicklung der inländischen Wirtschaft in einen neuen „Würgegriff“ nehmen.

Unternehmerisches Umfeld

Die Bankguthaben kehren nicht zurück und werden abwarten, bis jede Art von Gerüchten ein Ende finden und sie einen Aufschwung der Wirtschaft „sehen“. Manche meinen, die Märkte sehen Züge voraus und werden sich „angleichen“, wenn sie sehen, dass es fortan eine Perspektive gibt. Jedoch herrscht die Ansicht vor, dass – weil die Mehrzahl der großen Unternehmen Tochtergesellschaften ausländischer Kolosse sind – der Ausschluss der Wirtschaft von den internationalen Märkten die inländischen Unternehmen von dem einzigen „Hauch“ der Liquidität, also den ausländischen Kapitalmärkten, und somit des Überlebens ausschließen würde.

Laut Angaben der Griechischen Bank flossen nach Griechenland 2009 – 2012 über 10 Mrd. Euro aus dem Ausland zu Gunsten der Rekapitalisierung griechischer Tochtergesellschaften ausländischer Gesellschaften und Konzerne und retteten damit einen großen Teil der inländischen Produktionsbasis.

Internationaler Handel

Der grundsätzlichste „Trumpf“ eines Austritts wäre die Möglichkeit, dass die griechischen Produkte auf den ausländischen Märkten mittels Abwertungen wettbewerbsfähiger werden. Wie Spezialisten anführen, ist jedoch überhaupt nicht sicher, dass die Abwertung etwas nützen würde: Die Rohstoffe werden teurer werden, die Standardisierung von Produkten ebenfalls, aber auch die „Liquidität“ der Unternehmer, um zu exportieren und Geschäfte in fremden Währungen abzuwickeln, wird angesichts der (zumindest anfänglichen) Kapitaleinschränkungen und des steilen Absturzes der Kaufkraft der Währung ungewiss sein.

Haushaltsplan

Wie die Befürworter des Grexit vertreten, mag der „Schnitt“ oder Erlass der griechischen öffentlichen Verschuldung den Staatshaushalt fast vollständig von den Lasten der Bedienung fälliger Verbindlichkeiten befreien, laut den Gegnern des Grexit wird der Verlust der Steuereinnahmen infolge des Zusammenbruchs der wirtschaftlichen Aktivität, den ein Ausschluss von den internationalen Märkten herbeiführen würde, den Gewinn aus den nicht bezahlten Tilgungsraten bei weitem überwiegen.

Somit werden sich erneut Defizite im Haushaltsplan einzustellen beginnen, dessen primäres Defizit in diesem Jahr auf Null gebracht wurde. Diesen Defiziten wird höchstwahrscheinlich mit weiteren (also zusätzlichen zu den bisher bereits von der Troika durchgesetzten) Kürzungen begegnet werden.

Aufschwung

Die strenge Beschränkung im Kapitalverkehr würde jede investive Aufwendung einfrieren und zur Notwendigkeit umgehender Kürzungen der Ausgaben oder Steuererhöhungen oder Konfiszierung eines Teils der Sparguthaben führen. Im Fall einer einseitigen Schuldenstreichung ist ungewiss, ob die Subventionen des NSRP eingefroren oder gar zurückgefordert werden oder ob es andere Vergeltungsmaßnahmen geben wird, wie Pfändung griechischen Golds, griechischen öffentlichen oder privaten Vermögens im Ausland oder Ausgabe von Reiseempfehlungen. All dies wird zu einer noch größeren Rezession in der griechischen Wirtschaft führen.

(Quelle: Capital.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Paul
    26. Dezember 2013, 10:28 | #1

    Man kann es drehen und wenden wie man will, ohne europäischen Lastenausgleich geht der Euro den Bach hinunter. Ein Lastenausgleich bedeutet nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Union. Von dieser politischen Union ist Europa himmelweit entfernt, weil die meisten Staaten weiterhin ihr nationales Süppchen kochen wollen. Ohne Lastenausgleich wird die Verschuldung einzelner Staaten in astronomische Höhen steigen, da wiederholte Schuldenschnitte nicht akzeptiert werden. Die Frage, ob Griechenland freiwillig zur Drachme zurückkehren kann, wird sich deshalb nicht mehr stellen, denn gibt es in naher Zukunft keine einheitliche europäische Sozial-, Wirtschafts-, Steuer- und Außenpolitik ist der Euro nicht zu halten. Da braucht man wirklich kein großer Experte zu sein, um das zu sehen.

  2. Tim Reimer
    27. Dezember 2013, 23:55 | #2

    Ob Griechenland es kann oder nicht, spielt keine Rolle. Sie werden die Drachme wieder einführen, denn für einen Verbleib fehlen alle Voraussetzungen, wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

  3. KHD
    28. Dezember 2013, 01:22 | #3

    In den volkswirtschaftlichen Auswirkungen betrachtet, die im Blog beschrieben sind, ist es unerheblich, in welcher Währung das Land seine Güter bewertet bzw. welches Tauschmittel (Geld) verwendet wird. Die beschriebenen Auswirkungen sind für Griechenland im EURO oder in der Drachme die gleichen, da die momentane Deflation in Griechenland die Schulden genauso aufwertet wie es eine Drachme tun würde. Es gibt nur einen Unterschied zwischen Drachme und EURO – und der heißt EZB. Das geht aber nur so lange gut, wie die EZB die Liquidität sichert, indem sie Abwertungsverluste, die Griechenland zur Zeit erleidet und in Zukunft erleiden wird, selbst trägt und damit indirekt in den EURO Raum verteilt. Politisch wird das aber nicht lange gut gehen.

Kommentare sind geschlossen