Rund ein Viertel der Bevölkerung in Griechenland lebt in Armut

2. Dezember 2013 / Aktualisiert: 13. Dezember 2017 / Aufrufe: 2.669

Laut einer Untersuchung über Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte in Griechenland 2012 waren 23,1 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.

Laut den Ergebnissen einer am 29 November 2013 von der Griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) bekannt gegebenen Untersuchung über Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte befand sich im Jahr 2012 insgesamt 23,1% der Gesamtbevölkerung Griechenlands einen Schritt vor dem Status der Armut. Wie in dem Bericht betont wird, beläuft sich die Armutsschwelle auf den Betrag von 5.708 Euro jährlich pro Person und auf 11.986 Euro für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei abhängigen Kindern im Alter von unter 14 Jahren.

Laut der ELSTAT beträgt das entsprechende mittlere persönliche Jahreseinkommen 10.676 Euro und das mittlere jährlich verfügbare Einkommen der Haushalte des Landes 17.977 Euro. Die Haushalte, die von Armut gefährdet sind, werden auf 914.873 und deren Mitglieder auf 2.535.700 geschätzt. Auf Basis der in Rede stehenden Untersuchung ergibt sich auszugsweise nachstehendes Bild:

In Armutsgefahr und an der Armutsschwelle befindliche Bevölkerung

  • Die Armutsschwelle beläuft sich auf den Betrag von 5.708 Euro jährlich pro Person und auf 11.986 Euro für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei abhängigen Kindern im Alter von unter 14 Jahren.
  • Im Jahr 2012 waren 23,1% der Gesamtbevölkerung des Landes von Armut bedroht, wenn die Armutsschwelle auf 60% des entsprechenden mittleren Gesamteinkommens des Haushalts bestimmt wird.
  • Das entsprechende mittlere persönliche Jahreseinkommen beläuft sich auf 10.676 Euro und das mittlere jährlich verfügbare Einkommen der Haushalte des Landes auf 17.977 Euro.
  • Die sich in der Gefahr der Armut befindlichen Haushalte werden auf 914.873 und deren Mitglieder auf 2.535.700 geschätzt.

Grundsätzliche Feststellungen

  • Die Gefahr der Armut für Kinder im Alter von 0 – 17 Jahren (Kinderarmut) beläuft sich auf 26,9% und liegt um 2,8% höher als der entsprechende Anteil der Gesamtbevölkerung.
  • Die Armutsgefährdung für Personen im Alter von über 65 Jahren beläuft sich auf 17,2% angesetzt und ist im Verhältnis zum Vorjahr 2011 um 6,4% geringer.
  • Der Anteil der in Haushalten lebenden Bevölkerung, in denen kein Mitglied arbeitet oder insgesamt mehr als 3 Monate im Jahr arbeitet, beläuft sich auf 1.010.900 Personen bzw. 16,1% der Bevölkerung im Alter von 18 bis 59 Jahren, wogegen es im Vorjahr (2011) 837.300 Personen waren.
  • Der Anteil der von Armut bedrohten Bevölkerung in Bezug auf die Gesamtbevölkerung stellt sich für jede der nachstehenden Gruppen folgendermaßen dar:
    • Ein-Eltern-Haushalte mit wenigstens einem anhängigen Kind: 66,0%
    • arbeitslose Männer (52,1%)
    • sonstige wirtschaftlich inaktive Personen (ohne Rentner): 33,3%
    • Kinder im Alter von 0 bis 17 Jahren: 26,9%
    • Ein-Personen-Haushalte mit weiblichem Mitglied: 24.1%
    • Haushalte mit einem Volljährigen im Alter von 65 Jahren und mehr: 23,5%
  • Die sich in der Gefahr der Armut oder des gesellschaftlichen Ausschlusses befindliche Bevölkerung beläuft sich auf 3.795.100 Personen bzw. 34,6% der Gesamtbevölkerung (im Jahr 2011 waren es 3.403.300 Personen).
  • Die Armutsgefahr nach den sozialen Transferleistungen, ermittelt bei verschiedenen von 60% des entsprechenden insgesamt verfügbaren Einkommens abweichenden Schwellen, beläuft sich auf:
    • 10,6%, wenn die Schwelle auf 40% des entsprechenden insgesamt verfügbaren Einkommens angesetzt wird,
    • 16,0%, wenn die Schwelle auf 50% des entsprechenden insgesamt verfügbaren Einkommens angesetzt wird,
    • 27,3%, wenn die Schwelle auf 70% des entsprechenden insgesamt verfügbaren Einkommens angesetzt wird.

Soziale Transfers und Armutsgefahr

  • Der Anteil der Armutsgefahr vor allen sozialen Transfers (also ohne Einbezug der Sozialleistungen und Renten in das insgesamt verfügbare Einkommen der Haushalte) beläuft sich auf 49,8%, während er auf 26,8% sinkt, wenn nur die Renten und nicht die Sozialleistungen einbezogen werden. Wie angeführt beläuft sich schließlich der obige Anteil nach den sozialen Transferleistungen auf 23.1%.
  • Die Sozialleistungen tragen zur Senkung des Armutsanteils um 3,7 Prozentpunkte bei.
  •  Die Renten tragen zur Senkung des Armutsanteils um 23,0 Prozentpunkte bei.
  • Die Summe der sozialen Transfers senkt den Armutsanteils um 26,7 Prozentpunkte.
  • Der Anteil der Armutsgefahr vor allen sozialen Transfers (also ohne Einbezug der Sozialleistungen und Renten in das insgesamt verfügbare Einkommen der Haushalte) wird für Personen im Alter von 65 Jahren und mehr auf 86,5% veranschlagt, während er vor Sozialleistungen (jedoch einbezüglich der Renten) auf 21,1% geschätzt wird.
  • Die Armutsgefahr vor allen sozialen Transfers (also ohne Einbezug der Sozialleistungen und Renten in das verfügbare Einkommen) für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren wird für diese Altersgruppe auf 43,4% geschätzt, während er auf 27,8% geschätzt wird, wenn nur die Renten und nicht die Sozialleistungen in das verfügbare Einkommen einbezogen werden.
  • Die sozialen Transferleistungen (einschließlich der Renten) stellen 40,5% des entsprechenden insgesamt verfügbaren Einkommens der Haushalte des Landes dar, wovon 36,1% den Renten und 4,4% den Sozialleistungen entspricht.

Charakteristika der armutsgefährdeten Bevölkerung

  • Der Anteil der Gefahr der Armut liegt bei den Frauen (23,6%) im Vergleich zu den Männern (22,5%) höher. Die Ein-Personen-Haushalte mit einem weiblichen Mitglied sind zu einem Anteil von 24,1 von Armut bedroht, die entsprechenden Haushalte mit einem männlichen Mitglied dagegen zu einem Anteil von 19,3%.
  • Die Armutsgefahr für Personen im Alter von über 65 Jahren wird auf 17,2% und für Personen im Alter von bis zu 17 Jahren auf 26,9 % veranschlagt.
  • Die Armutsgefahr für Personen im Alter von über 75 Jahren wird auf 20,0%, für Personen im Alter von unter 75 Jahren dagegen auf 23,4 % veranschlagt.
  • Die Armutsgefährdung der Haushalte mit einem Elternteil und wenigstens einem abhängigen Kind beläuft sich auf 66,0%, während der entsprechende Index sich für die Haushalte mit zwei Elternteilen und einem abhängigen Kind auf 25,3% beläuft.
  • Die Beschäftigten sind weniger gefährdet als die Arbeitslosen und wirtschaftlich Inaktiven (Rentner, Hausfrauen usw.). Der Anteil der Armutsgefährdung bei den Beschäftigten beläuft sich auf 15,1% (Männer 16,5% und Frauen 13,1%), bei den übrigen wirtschaftlich nicht Aktiven (ohne Einbezug der Rentner) auf 33,3% und bei den Arbeitslosen auf 45,8%.
  • Die Gefahr der Armut für die Vollzeitbeschäftigten beläuft sich auf 13,4%, während sie sich für die Teilzeitbeschäftigten auf 27,3% beläuft.
  • Die in eigenen Wohnungen lebenden Haushalte sind zu einem Anteil von 21,6% von Armut bedroht, die in Mietwohnungen lebenden dagegen zu einem Anteil von 29,6%. Die Armutsgefährdung alter Leute im Alter von 75 und mehr Jahren beläuft sich für die Eigentümer 20,3% für die Mieter auf 15,8%.

Tiefe (Kluft) der Armutsgefahr

Die Tiefe (Kluft) der Armutsgefahr bezieht sich auf die Einkommenslage der Personen, die sich unterhalb der Armutsgrenze befinden, und ist die Differenz zwischen der Armutsschwelle für die Gesamtbevölkerung und dem entsprechenden mittleren verfügbaren Einkommen der armen Bevölkerung und wird als Prozentsatz der Armutsschwelle ausgedrückt.

  • Für das Jahr 2012 erreichte die Tiefe (Kluft) 29,9% der Armutsschwelle. Dies bedeutet, dass 50% der Armen ein Einkommen haben, das mehr als 70,1% der (sich auf 5.708 Euro belaufenden) Armutsschwelle, also jährlich über 4.001 Euro pro Person haben.
  • Die Tiefe der Armutsgefahr für Personen im Alter von 0 bis 17 Jahren wird auf 36,0%, für Personen im Alter von 65 Jahren und mehr dagegen auf 14,8% geschätzt.

Mit der Armutsschwelle des Jahres 2005 ermittelte Armutsgefahr (ausgedrückt in Preisen des Jahres 2012 auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreis-Indexes)

Der mit der Armutsschwelle des Jahres 2005 (60% des Durchschnitts des entsprechenden verfügbaren Einkommen des Jahres 2005 in Preisen des Jahres 2012 auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreis-Indexes) ermittelte Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung wird auf 32,3% geschätzt.

Der Zweck dieses Indexes ist, zu verzeichnen, wie sich die Gefahr der Armut in absoluten und nicht in relativen Größen ändert, also wenn die Armutsschwelle bei realer Kaufkraft ausgedrückt diachronisch konstant bleibt. Anders gesagt würden auf Basis der Umstände des Jahres 2005 im Jahr 2012 insgesamt 32,2% der Bevölkerung als armutsgefährdet eingestuft werden.

Abschließend sei ausdrücklich angemerkt, dass die in Rede stehende Untersuchung sich auf die „Einkommens-Referenzperiode 2011“ bezieht. Mit den katastrophalen Auswirkungen der radikalen Austeritäts-Politik der Troika auf die Einkommen der Haushalte als gegeben steht außer Zweifel, dass das heutige Niveau der Armut sehr viel höher liegt und die Lebensbedingungen der Haushalte sich erheblich verschlimmert haben.

[Quellen: Imerisia.gr, Pressemitteilung der ELSTAT (griechisch, PDF, ca. 320 KB)]

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  1. Berliner
    2. Dezember 2013, 11:32 | #1

    Ein wirklich armes Land ist Griechenland also nicht, aber gemessen daran, dass die Sozialsysteme total zerstört sind, nicht zuletzt wegen der EU, eines korrupten Staats und einer völlig ungesteuerten Zuwanderung, sind natürlich diejenigen, die arbeitslos sind, sehr schlecht dran, vorausgesetzt natürlich, dass die Zahlen nicht science fiction sind!

  2. Roditisa
    11. Dezember 2013, 11:28 | #2

    Erst einmal beziehen sich die Daten auf 2011, sind also schon wieder veraltet, da mittlerweilen die Einkommen weiter gesunken sind und die Steuern weiter angehoben wurden. Wer Erspartes hatte, hat es mittlerweilen aufgebraucht, was dazu fuehrt, dass in diesem Winter sehr viele Haushalte z. B. nicht heizen werden.

    In Deutschland bekommt eine 4-Köpfige Familie 1636 Euro im Monat vom Staat, um zu überleben. Die Lebenshaltungskosten sind in Griechenland nicht geringer als in Deutschland. Nun beträgt das durchschnittliche (!) Einkommen in Griechenland 1323 Euro im Monat. Man kann also davon ausgehen, dass ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung in Griechenland einen geringeren Lebensstandard hat als Menschen, die in Deutschland von Hartz 4 leben. Dazu werden die Haushalte mit extrem hohen Steuern belastet, Freibeträge wurden gestrichen und müssen die Menschen oft trotz Krankenversicherung ihre Arztkosten selbst tragen.

    Wer arbeitslos ist hat ein Einkommen von 0 Euro und keine Krankenversicherung. Etwa 900.000 Menschen in Griechenland sind arbeitslos. 20.000 sind obdachlos. Auch zu bedenken ist, dass Unicef bereits Alarm geschlagen hat, weil über 400.000 Kinder aus wirtschaftlichen Gründen Anzeichen von Mangel- bzw. Unterernährung zeigen. In Griechenland sind demnach mindestens 4% der Bevölkerung von absoluter Armut betroffen (und das ist sehr zurückhalten kalkuliert, nämlich nur Odachlose und Kinder mit Mangelernährung berücksichtigend, deren Eltern habe ich bewusst nicht reingerechnet, obwohl auch diese wahrscheinlich von absoluter Armut betroffen sind).

    Der griechische Staat wiederum ist so arm, dass er sich Geld vom IWF leihen muss und im Gegenzug teils auf seine Souveränität verzichtet hat. Es gibt also sicher eine Reihe von Staaten die ärmer sind, aber wenn man bedenkt, dass es sich um ein Mitgliedsland der EU handelt und dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise auch von der EU mitbestimmt wurden, dann ist es doch erschreckend, wie gerade die Verarmung der Kinder und Familien in Kauf genommen wurde und dass die Menschen nicht nur in die relative Armut rutschen, wie in Deutschland, sondern eben immer mehr Menschen in absoluter Armut leben müssen.

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