Hohe Strafen für Steuervergehen in Griechenland ab 2014

29. Dezember 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.153

Ab 2014 tritt in Griechenland ein neuer Bußgeldkatalog für Steuerverstöße in Kraft, der sogar schon für rein formale Verstöße hohe Geldstrafen vorsieht.

Ab dem 01 Januar 2014 wird das Finanzamt in Griechenland einen neuen harten „Bußgeldkatalog“ auf alle, bei denen Steuerdelikte wie Nichtausstellung von Quittungen, Nichtabgabe oder Abgabe inkorrekter Erklärungen, Nichtabführung einbehaltener Steuern, aber auch jene anwenden, die ihre Verpflichtungen an den Fiskus nicht rechtzeitig begleichen.

Die neuen Geldstrafen bekommen alle zu spüren, die von dem Steuer-Kontrollmechanismus dabei aufgespürt werden, keine Quittungen für kleine Geschäftsvorgänge bis zu 5.000 Euro auszustellen, da für jede nicht ausgestellte Quittung ein Bußgeld von 1.000 Euro verhängt wird. Ebenfalls wird gegen alle, die einbehaltene Steuern nicht fristgemäß abführen, eine Geldstrafe in selber Höhe der nicht abgeführten Steuer verhängt.

1. Nichtausgabe – Ausgabe inkorrekter Steuerbelege

Für jede Quittung, die nicht ausgestellt wird und deren Wert 5.000 Euro nicht übersteigt, verhängt das Finanzamt eine Geldstrafe von 1.000 Euro, wenn der Zuwiderhandelnde Bücher Einfacher Buchführung (vormals der Kategorie B) führt, und in Höhe von 2.500 Euro, wenn der Zuwiderhandelnde Bücher Doppelter Buchführung (vormals der Kategorie C) führt.

Derzeit beträgt das Bußgeld für die erste Kategorie 800 Euro und für die zweite Kategorie 1.200 für jede nicht ausgestellte Quittung, allerdings mit dem Unterschied, dass ein Plafond gilt, der sich auf das 15-Fache der Geldstrafe beläuft.

Ein Unternehmer beispielsweise, der bis zum 31 Dezember 2013 dabei erwischt wird, 30 Quittungen im Wert von jeweils bis zu 5.000 Euro nicht ausgestellt zu haben, wird sich mit der Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro konfrontiert sehen. Wird der Verstoß nach dem 01 Januar 2014 festgestellt, schnellt die Geldstrafe auf 30.000 Euro hoch. Für die Nichtausstellung oder Ausstellung eines Belegs, dessen Wert 5.000 Euro übersteigt, beläuft die Geldstrafe sich auf 40% des Wert des Geschäftsvorgangs oder des Teils von diesem, der verheimlicht wurde, bei einer Mindesthöhe der Geldstrafe von 2.500 Euro.

2. Verfahrenstechnische Verstöße

Wenn der Steuerpflichtige:

  1. keine oder eine nicht fristgerechte Erklärung informativen Charakters oder eine Steuererklärung einreicht, aus der sich keine steuerliche Verpflichtung zur Entrichtung einer Steuer ergibt,
  2. keine oder eine nicht fristgemäße Steuererklärung einreicht,
  3. keine oder eine nicht fristgemäße Erklärung über einbehaltene Steuern einreicht,
  4. nicht der Aufforderung der Steuerbehörde zur Bereitstellung von Informationen oder Belegen entspricht,
  5. während der Dauer einer Steuerprüfung nicht kooperiert,
  6. der Steuerbehörde nicht die Bestellung seines steuerlichen Vertreters bekannt gibt,
  7. sich nicht im Register der Steuerpflichtigen oder mehrfach darin registrieren lässt,
  8. sich nicht an jede Verpflichtung in Zusammenhang mit der Führung von Büchern und der Ausstellung von Belegen hält,

werden Geldstrafen wie folgend verhängt:

  • 100 Euro im Fall der Nichtabgabe oder nicht fristgemäßen Abgabe einer Erklärung, aus der sich keine steuerliche Verpflichtung ergibt,
  • 100 Euro für jeden anderen Verstoß im Fall, dass der Steuerpflichtige nicht zur Führung von Büchern verpflichtet ist,
  • 1.000 Euro für jeden anderen Verstoß im Fall, dass der Steuerpflichtige zur Führung von Büchern und Belegen auf Basis vereinfachter Buchführungsnormen verpflichtet ist, und
  • 2.500 Euro für jeden anderen Verstoß im Fall, dass der Steuerpflichtige zur Führung von Büchern und Belegen auf Basis vollständiger Buchführungsnormen verpflichtet ist.

Bei Rückfälligkeit des Zuwiderhandelnden beläuft sich im Fall der Wiederholung des selben Verstoßes innerhalb von 5 Jahren die Strafe auf das Doppelte der anfänglichen Geldstrafe. Im Fall einer zweiten Rückfälligkeit innerhalb von 5 Jahren beläuft die Strafe sich auf das Vierfache der anfänglichen Geldstrafe.

3. Nicht fristgemäße Entrichtung von Steuern

Wird ein beliebiger (fälliger) Steuerbetrag nicht spätestens innerhalb von 2 Monaten ab dem Verstreichen der gesetzlichen Zahlungsfrist entrichtet, wird eine Geldstrafe in Höhe von 10% der nicht fristgemäß entrichteten Steuer verhängt. Nach Ablauf eines Jahres ab dem Auslaufen der gesetzlichen Zahlungsfrist beläuft vorstehende Geldstrafe sich auf 20% der Steuer und nach dem Verstreichen von 2 Jahren erreicht sie 30%. Diese Geldstrafe wird auch in den Fällen nicht fristgemäßer Abgabe einer Erklärung auf Basis des Zeitpunkts berechnet, in dem die einschlägige Abgabefrist endete.

Zusätzlich ist der Steuerpflichtige zur Zahlung von Zinsen auf den Betrag der Steuer ab dem Ende der gesetzlichen Zahlungsfrist bis zum Datum der Zahlung der Steuer verpflichtet. Die Höhe der Zinsen wird vom Finanzminister festgesetzt werden und vermutlich in der Größenordnung des Zinssatzes liegen, den der Fiskus im Fall von Zahlungsverzögerungen zahlt und derzeit jährlich 8,75%, also 0,72% pro Monat beträgt.

4. Abgabe inkorrekter Steuererklärungen

Liegt die sich auf Basis der Steuererklärung ergebende Steuer niedriger als die Steuer auf Basis der berichtigenden Festsetzung der Steuer, unterliegt der Steuerpflichtige einer sich folgendermaßen ergebenden Geldstrafe auf die Steuerdifferenz:

  1. 10% des Differenzbetrags, wenn dieser 5 – 20% der Steuer beträgt, die sich auf Basis der Steuererklärung ergibt.
  2. 30% des Differenzbetrags, wenn dieser über 20% der Steuer beträgt, die sich auf Basis der Steuererklärung ergibt.
  3. 100% des Differenzbetrags, wenn dieser 50% oder mehr der Steuer beträgt, die sich auf Basis der Steuererklärung ergibt, und die Inkorrektheit auf Vorsatz des Steuerpflichtigen beruht.

5. Unterlassung der Abgabe von Steuererklärungen

Im Fall der Unterlassung der Einreichung einer Steuererklärung, aus der sich eine Verpflichtung zur Zahlung einer Steuer ergeben hätte, wird eine Geldstrafe in selber Höhe der Steuer verhängt, die der nicht abgegebenen Erklärung entspricht. Auf eine geschätzte Steuerfestsetzung beläuft die Strafe sich auf 20% der Steuer.

6. Nichtentrichtung einbehaltener Steuern

Wird eine einbehaltene Steuer nicht innerhalb der gesetzlichen Zahlungsfrist abgeführt, wird gegen den (zur Abführung an den Fiskus) Verpflichteten eine Geldstrafe in selber Höhe der nicht abgeführten Steuer verhängt.

Anmerkung: Zu den sogenannten einbehaltenen Steuern wie Lohnsteuer, Mehrwertsteuer usw. zählt speziell auch die auf Zinserträge fällige Kapitalertragssteuer, die gegebenenfalls (also sofern sie nicht bereits an der Quelle einbehalten wurde) von dem Steuerpflichtigen selbst abzuführen ist.

7. Ausstellung gefälschter Steuerbelege

Die Geldstrafe hinsichtlich des Wertes oder wenn der Beleg auf nicht rechtmäßige Weise abgestempelt oder registriert wird, beträgt die Geldstrafe 100% des Wertes des Belegs.

In jedem beliebigen anderen Fall beträgt die Geldstrafe 1.000 Euro für jeden ausgestellten Beleg, sofern der Zuwiderhandelnde Bücher Einfacher Buchführung führt, und 2.500 Euro für jeden Beleg, sofern der Zuwiderhandelnde Bücher Doppelter Buchführung führt.

8. Ausstellung fiktiver Steuerbelege

Die Geldstrafe für hinsichtlich des angeführten Geschäftsvorgangs fiktive Steuerbelege beträgt die Geldstrafe 500 Euro je Beleg, bei einem Höchstbetrag von 50.000 je Steuerjahr.

9. Sonstige Verstöße

Im Fall sonstiger eigenständiger Verstöße (Ausstellung nicht registrierter Steuerbelege, Nichtbuchung eines Steuerbelegs in den Büchern usw.) beläuft die Geldstrafe sich auf:

  • 1.000 für jeden Verstoß, sofern der Zuwiderhandelnde Bücher Einfacher Buchführung führt.
  • 2.500 für jeden Verstoß, sofern der Zuwiderhandelnde Bücher Doppelter Buchführung führt.

(Quelle: Imerisia.gr)

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  1. GR-Block
    29. Dezember 2013, 13:39 | #1

    Die spinnen die Griechen. Der viel zu kleine „Beamten-„apparat schafft es nicht die Steuern einzutreiben und erfindet dagegen wahnwitzige Strafen, die es dann wiederum nicht in der Lage sein wird einzutreiben.
    Wie zu Zeiten der deutschen Besatzung sichern die Leute lieber ihre Lebensgrundlage, anstatt den schon lange nicht mehr griechischen Staat. Die Regierung Samaras versucht aus lauter Verzweiflung, das Volk zu kriminallisieren. Sie vergißt, was mit dem letzten Ministerpräsidenten passierte, der sein Volk als „korrupt“ bezeichnete.

  2. Uschi Niemann
    30. Dezember 2013, 22:30 | #2

    Und wieder „Hängt die Kleinen, die Großen lasst leben!“

  3. h.kohrs
    31. Dezember 2013, 13:04 | #3

    Ich wünsche den Griechen für 2014 von Herzen Alles Gute!
    Von den Moderatoren des Gr-blog wünsche ich mir eine Positionierung: Sonderabgaben – Abzocke – , Rentenkürzung, Entlassungen im öffentlichen Dienst, Reduzierung des bezahlbaren Gesundheitssystems usw., also die Finanzierung der Staatspleite auf dem Rücken der breiten Bevölkerungsschichten ist nicht akzeptabel. Was aber spricht gegen eine strikte Steuerbeitreibung, außer dass es für Griechen neu und ungewohnt ist? Wenn jeder entsprechend seinen Verpflichtungen den gesetzlichen Beitrag leistet, benötigt man keine Sonderabgaben. Auch wünsche ich mir von Euch etwas mehr Respekt vor dem griechischen Volk. Ihr stellt es als fremdbestimmt und bevormundet da. Die Griechen, die ich in den letzten 40 Jahren kennen gelernt habe wußten sehr genau Bescheid, wohin das billige Geld, das die griechischen Banken bis 2009 unter das Volk warfen, führen wird. Sie waren zurückhaltend, weil sie wußten, daß es keine Geschenke sondern Kredite waren, die zurück zu zahlen sind. Sie sind klug, fahren allerdings weder geleasten / kreditfinanzierten BMW oder Daimler. Allerdings überlegen vier zeitlich befristet in Deutschland oder GB eine Arbeit zu suchen, um die Existenz der Familie sicher zu stellen.

  4. Siggy
    31. Dezember 2013, 14:55 | #4

    Das ist das Zeugnis eines bereits gestorbenen Staates, der seine Beerdigung nicht bezahlen kann. Das Staatsvolk hat aber immer überlebt und vielmals war es auch unvergesslich! Den Griechen alles Gute und ich glaube, dieser Wunsch wird von allen normal gebliebenen deutschen Volk unterstützt.

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