Griechenland: von der Depression zur Explosion

27. Dezember 2013 / Aktualisiert: 27. Januar 2019 / Aufrufe: 7.642

Griechenland wird inzwischen weltweit den Staaten mit dem höchsten Risiko zugeordnet, denen eine gesellschaftliche Explosion droht.

Wo soll man beginnen und wo soll man aufhören, inmitten dieses Gewitters der tragischen Nachrichten, die unseren Alltag bombardieren und die Szenerie der absoluten Trübsal gestalten, in die wir von Tag zu Tag versinken?

„Neu-Obdachlose“, Suizide, Armut, Beschneidung sogar auch der Mindestrenten, Zwangsversteigerungen, in Flammen aufgehende Häuser … und wer (bis) 2014 durchhält.

Von der nationalen Depression zur gesellschaftlichen Explosion

Zu einer Stunde, wo inmitten der Gesellschaft eine eigentümliche „dritte Welt“ geboren wird, ist ihre absolute Mehrheit aufgerufen, die Kräfte zu finden, um nicht nur das eigene Überleben zu kämpfen, sondern auch das Letzte aufzubringen, um zur Rettung der beständig zunehmenden „ausgegrenzten“ Mitmenschen beizutragen.

Am Rand einer überschuldeten Gesellschaft, die unter dem Albtraum der Verschuldung, Kreditkarten, Raten und Steuern keucht, wächst alltäglich die Liste der Verzweifelten, der Ausgemusterten und der Abgeschobenen an. Merkmale der hoffnungslosen Situation, die immer mehr Bürger durchleben, und eines Landes, das inzwischen – auch – mathematisch in die „nationale Depression“ geführt wird. Und hinter der trüben Vitrine des Zentrums der Hauptstadt eine sich in den frostigen Nächten auf Bänken und Plätzen hinschleppenden „Stadt der Obdachlosen“.

Schätzungen zufolge zählen die Obdachlosen in Athen mehr als 25.000, von denen 1.250 nicht einmal in diesen schwierigen Wintertagen nirgendwo einen Zufluchtsort zu finden vermögen. Eine sich einstellende Realität, die Griechenland auf die Liste der Länder bringt, in denen laut dem Economist „weltweit eine erhöhte Gefahr gesellschaftlicher Unruhen in Erscheinung tritt, nach dem Ausbruch auch der Wirtschaftskrise und unter Präsenz der Austerität in der Agenda vieler Staaten auch im Jahr 2014„.

Wie in der Untersuchung (siehe nachstehend verlinkten Artikel der Zeitschrift „Economist“) betont wird, führen das gesunkene Einkommen und die hohe Arbeitslosigkeit nicht immer zu gesellschaftlichen Unruhen. Nur in den Fällen, in denen die wirtschaftliche Misere auch von anderen Faktoren der Schwäche und Anfälligkeit begleitet wird, besteht eine reale Gefahr einer gesellschaftlichen Explosion.

Besonders signifikanter und „explosiver“ Faktor: die Krise der Demokratie bzw. das Fehlen des Vertrauens in Regierungen und Institutionen. Nur wenige Schritte trennen inzwischen (in Griechenland) noch die nationale Depression von der gesellschaftlichen Explosion. Und dieser Abstand kann weder mit Gratis-WiFi (Anmerkung: Anspielung auf das Versprechen des Premierministers Antonis Samaras, 2014 werde es überall WiFi geben) noch mit dem Rezept der Unterdrückung aufrecht erhalten werden.

Das Jahr 2014 wird den vollständigen Umsturz signalisieren.

(Quelle: StoKokkino.gr, Autor: Petros Katsakos)

Relevante Beiträge:

  1. h.kohrs
    27. Dezember 2013, 10:38 | #1

    Das wird dann wohl der Umsturz in den totalen Absturz. Na gut, Eure Wahl, die wir respektieren müssen.

  2. Siegfried Hermann
    27. Dezember 2013, 12:11 | #2

    Es wird nicht nur in Griechenland krachen. In Spanien und Portugal ist auch das Limit erreicht. Allein 300.000 Immo´s sollen 2014 in Spanien unter dem Hammer kommen, mit exponentiell steigender Kurve. Italien, naja, kennen wir ja zur Genüge. Das würde aber immer noch nicht das Euro-Fass zur Explosion bringen. Das kommt erst, wenn die Moslems in Frankreich den Bürgerkrieg im ganzen Land üben und die deutschen Sparbücher und Renten von dieser EU-Mafia geplündert sind.
    Man sieht wie im erschreckenden Maße und in Echtzeit die CIA-Studie von Bürgerkriegen in GANZ Europa dem endgame sich nähert und so als sei alles orchestriert.

  3. Ronald
    27. Dezember 2013, 12:17 | #3

    Ich habe sie erwartet und ich erwarte sie immer noch: Eine Entwicklung wie in Deutschland während der großen Krise am Ende der Weimarer Republik. Ich habe bereits Ende 2011 einer Freundin geschrieben, dass Griechenland sich in der Stunde Null befindet und es nun darauf ankommt, was der Staat aus dieser Stunde Null macht. Sie haben trotz der Chance, die sich mit den Schuldenschnitten bot, nichts an diesem Staat signifikant geändert sondern nur das Volk immer weiter geschröpft. Spätestens dann, wenn sich die EU mit ihrer Forderung durchsetzt, dass auch das selbst bewohnte Haus gepfändet wird, wird es in GR krachen.
    Es ist nicht so, dass ich eine solche Maßnahme für ungerechtfertigt halten würde; denn was viele Griechen als „Ihr Haus“ oder „ihre Wohnung“ bezeichnen ist nicht ihr Eigentum, wenn es nicht bezahlt ist und die Raten dafür nicht mehr bedient werden. Aber das Problem ist, dass die EU nicht weiss, was sie mit dieser Maßnahme anrichten wird. Der – ohnehin aufgrund des Überangebotes auf dem Immobilienmarkt zweifelhafte -finanzielle Nutzen wäre nichts gegen das gesellschaftspolitische Risiko, zumal die Banken, wenn sie damit beginnen würden Häuser und Wohnungen zu pfänden ihre Forderungen gegen nicht veräusserbare Immobilien zu tauschen. Die Bilanz der Banken sähe somit noch schlechter aus.
    Die einzigen, die einen Aufstand in Griechenland verhindern bzw. eindämmen können sind zugleich die, die noch unter dem Schutz der Regierung stehen: Das Militär und der Staatsapparat. Da sie ein eigenes, materielles Interesse haben den Staat in der bisher existierenden Form zu erhalten werden sie das auch versuchen.
    Ich habe zu meinen Freunden bereits vor zu Beginn der Krise gesagt, dass irgendwann die Panzer durch Athen rollen werden und ich glaube das noch immer; dies um so mehr, als dass es die in GR Regierenden nach wie vor auf eine sträfliche Weise verhindern, dass das Land nachhaltig reformiert und der Staatsapparat vereinfacht und verschlankt wird um so ein positives Investitionsklima für inländische und ausländische Investoren zu generieren.
    So lange die Regierenden das im Staatsapparat geparkte eigene Parteivolk nachhaltig schützen wird das griechische Volk leiden. Und die Leidensfähigkeit des Menschen ist nun einmal begrenzt; sie ist in GR ohnehin überstrapaziert.

  4. Skyjumper
    27. Dezember 2013, 21:20 | #4

    Vielleicht raffen sich die Griechen ja tatsächlich irgendwann nochmal dazu auf, das zu tun, was tatsächlich erforderlich wäre. Dem ganzen maroden, korrupten und tendenziell faschistoiden Staat den finanziellen Saft abdrehen und sich selbst umeinander kümmern.
    Die modernen Staatsorganisationen (und beileibe nicht nur in Griechenland) entwickeln sich zunehmend zu Unterdrückungsorganisationen, die ausschließlich ihr eigenes strukturelles Überleben im Sinn haben und dafür aktiv jegliche Selbstheilungsfähigkeiten der Bevölkerungsgemeinschaften bereits im Ansatz unterdrücken.

  5. Roditisa
    29. Dezember 2013, 14:03 | #5

    Ein Wirtschaftsblatt veröffentlicht Prognosen über die politische Entwicklung eines Landes. Aha. Für 2010 hatte der Economist für Lybien ein geringes Risiko ausgesprochen, für Iran ein sehr hohes. Lag beides völlig daneben.
    Interessant, dass solche Prognosen nicht etwa von einer Fachzeitschrift für Soziologie oder Politologie heruagegeben wurden, sondern von einer Zeitung, die sich mit Wirtschaft beschäftigt. Kann ich nicht wirklich ernst nehmen.

  6. 18. Februar 2015, 20:29 | #6

    Ich halte beide Wege für möglich, allerdings werden sie ob mit oder ohne EU die die meisten der geforderten Umstrukturieren umsetzen müssen.

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