Fiskus in Griechenland terrorisiert Steuerschuldner

6. Dezember 2013 / Aktualisiert: 18. Juli 2019 / Aufrufe: 1.350

Die Finanzämter in Griechenland gehen mit gleichermaßen lächerlichen wie grotesken Zwangsmaßnahmen gegen zahlungsunfähige Schuldner vor.

In Trikala komm das Vermögen eines Bürgers zur Zwangsversteigerung, der dem Fiskus einen Betrag von „14.194,70 Euro nebst den Zuschlägen und sonstigen Kosten bis zum Abschluss der Versteigerung“ schuldet.

Wie das Portal trikalanews.gr berichtet und auch das einschlägige Schriftstück präsentiert, bringt der Fiskus zur Beitreibung der Schuld den … Hocker des Schuldners unter den Hammer. Der Hocker ist aus Holz und das Erstgebot wurde auf … 50 Euro bestimmt, und wer ihn ersteigern möchte, muss den Betrag in bar oder in Form einer … Bankgarantie entrichten.

Wer nun meint, es handele sich um einen Witz oder zumindest nur einen absurden Einzelfall, sei eines Besseren belehrt:

Finanzamt in Trikala pfändet Stuhl und Schreibtisch

Wenige Stunden nachdem im Internet der Bericht über die Zwangsversteigerung des Hockers die Runde machte, kommt ein weiterer ähnlicher Fall ans Licht. Wie ebenfalls von trikalanews.gr unter Beifügung des einschlägigen Beschlusses enthüllt wird, kommen im Fall eines anderen Bürgers aus Trikala, der dem Fiskus den Betrag von „124.388,70 Euro nebst den Zuschlägen und sonstigen Kosten bis zum Abschluss der Versteigerung“ schuldet, ein Stuhl und ein Schreibtisch zur Zwangsversteigerung. Das Erstgebot für beide Möbelstücke zusammen wurde auf 150 Euro festgesetzt, natürlich auch hier in bar oder form einer Bankgarantie.

Bank in Tripoli pfändet Bankguthaben von 1,60 Euro

Mit der bizarren Realität im Griechenland der Krise fand sich auch ein Bürger in Tripoli / Peloponnes konfrontiert, zu dessen Lasten beim Finanzamt Schulden in Höhe von 151,25 Euro anhängig sind. Deswegen wies das zuständige Finanzamt die Bank an, das Konto des Mannes zu überprüfen und zur Zwangspfändung zu schreiten.

Nachdem die Bank entdeckte, dass sich auf dem Konto der … „astronomische“ Betrag von 1,60 Euro befand, beschloss sie, zur Pfändung zu schreiten … .

(Quelle: trikalanews.gr, trikalanews.gr, thebest.gr)

  1. φοροκλέφτης
    6. Dezember 2013, 13:36 | #1

    Ja, ja, das ist alles sehr blöd und absurd, das Griechenlandblog und die griechischen Finanzbehörden sollten sich lieber konzentrieren auf die allgegenwärtgie legale (griechische Reeder versteuern als Milliardäre kein Einkommen laut griechischer Verfassung) und illegale Steuerverkürzung: Fähren geben immer noch keine Fahrscheine aus, Einnahmen aus dem Toursimus gehen zu nach wie vor großen Teilen am Fiskus vorbei, reiche Selbständige und Freiberufler sind nach wie Steuertrickser, und das griechische Volk stellt sich nicht dagegen. Ist doch so praktisch, dass der Norden Europas noch immer Geld bereitstellt, in Euro selbstverständlich, in der Währung, die einer Droge gleich , Griechenland kaputtmacht, von der die Griechen aber nicht lassen wollen.

  2. Werner Wimmer
    6. Dezember 2013, 20:25 | #2

    Egal ob reiche Reeder eines Tages Steuern bezahlen werden, wird kein Weg daran vorbeiführen, dass auch Ottonormalverbraucher am Steuerzahlen beteiligt wird. Nach dem Motto, Kleinvieh macht auch Mist.

  3. Ronald
    6. Dezember 2013, 22:31 | #3

    Moment mal, da schuldet jemand dem griechischem Staat 124.000 €, und weil dem Schuldner ein Schreibtisch und ein Stuhl weggenommen wird, ist das Terror? Mhhhh … um dieser Logik folgen zu können muss man wohl Grieche sein …

  4. Moppel
    7. Dezember 2013, 01:45 | #4

    Wenn von vornherein unbestritten feststeht, dass die Kosten einer Zwangsvollstreckung den bestenfalls (!) erzielbaren Erlös um ein Vielfaches übersteigen, handelt es sich zweifelsfrei um skrupellosen Terror!

  5. Götterbote
    7. Dezember 2013, 10:53 | #5

    Der einzige Kommentator, der offensichtlich den Sinn hinter dem Artikel verstanden hat, ist „Moppel“. In Deutschland mag man bei der Vollstreckung von Sachgegenständen oftmals zu lasch sein (da werden dem Sozialbetrüger die Playstation 1, 2, 3 und 4, sowieso Laptop, Smartphone, 120cm Flatscreen … als „lebensnotwendig“ belassen), aber hier weiß auch fast jeder Gerichtsvollzieher, dass man mit einem Schreibtisch und Stuhl in der Regel nur ein Minus machen kann und man drauf zahlt. Für mich ist das jedoch weniger Terror, als viel mehr eine weitere Peinlichkeit in der Unfähigkeit des Staates, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

  6. Happy-go-lucky
    7. Dezember 2013, 12:16 | #6

    @Moppel
    Merkwürdige Definition von Terror. Wenn mir jemand 100 € schuldet, ich für einen Stuhl 20 € erlösen könnte, was mich 30 € kostet, dann ist die Durchführung des Verfahrens schlicht Dummheit – oder aber der Versuch, das Eintreibungsverfahren als solches zu konterkarieren.

  7. GR-Block
    8. Dezember 2013, 02:32 | #7

    @Ronald
    … ist das Terror?
    Natürlich, denn der Steuerzahler muss die eingeleiteten Maßnahmen bezahlen. Diese sind aber viel teurer als der Nutzen. Da will sich einfach nur ein Steuerbeamter profilieren oder hat Spaß am Terrorisieren. In D würde ihm die Dienstaufsicht an den Hals gehen.

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