Die hypothetische Neue Drachme in Griechenland

10. Dezember 2013 / Aktualisiert: 12. Mai 2016 / Aufrufe: 7.268

Griechenland muss einen Plan für eine eventuell Rückkehr zur nationalen Währung parat haben, weil deren unkontrollierte Einführung mehr als katastrophal wäre.

Für einen Staat gibt es nichts Schlimmeres als den Zusammenbruch des Marktwertes seiner Währung, während im Fall Griechenlands die Rückkehr zur nationalen Währung unwiderruflich mit dem Bankrott verbunden ist – also mit dem Zahlungsstopp oder der Streichung eines großen Teils seiner Verschuldung … .

Da es durchaus denkbar ist, dass Griechenland mehr oder weniger „überraschend“ zu einem „freiwilligen“ Ausscheiden aus der Währungsunion geführt werden könnte, muss es auf jeden Fall einen Plan bereit haben, da die unkontrollierte Rückkehr zu einer nationalen Währung mehr als katastrophal wäre.

Das Beste für alle wäre eine Rückkehr zu den Anfängen

In dem Versuch, seine wirtschaftliche Position zu verbessern, ergreift jeder Staat dem Wohlstand seiner Nachbarn abträgliche Maßnahmen. Weil diese Taktik sich nicht nur auf einen einzigen Staat beschränkt, erleidet jeder einzelne sehr viel mehr Folgen ähnlicher von seinen Nachbarn umgesetzter Denkweisen als Vorteile, die er selbst wegen seiner Entscheidungen hat. Praktisch haben alle heute kursierenden ‚populären Medikamente‘ einen Charakter ‚gegenseitiger Vernichtung‘. Wettbewerbliche Lohnsenkungen, wettbewerbliche Zölle, wettbewerbliche Vermögensveräußerung an das Ausland, wettbewerbliche Abwertungen, wettbewerbliche Wirtschaftsprogramme – die Situation des ‚ich werde den Nachbarn an den Bettelstab bringen‘.

Der Grund ist, dass die Ausgaben normalerweise die Einnahmen eines anderen sind. Indem wir unseren Spielraum zu verbessern versuchen, mindern wir den Spielraum eines anderen. Wird also die selbe Praktik überall befolgt, wird sich die Situation aller verschlechtern. Von der persönlichen Lage geführt, in die sie geraten ist, kann natürlich jede Privatperson ihre üblichen Ausgaben einschränken – niemand kann sie deswegen anklagen. Jedoch soll niemand meinen, auf diese Weise irgend einem kollektiven Interesse zu dienen.

Der moderne Kapitalismus ist eine ‚Schönwetter-Tour‘. Bricht das Gewitter aus, verlässt der kapitalistische Kapitän seinen Posten, während er sogar auch die Boote versenken kann, die ihn retten würden – aus seiner Manie, seinen Nebenmann aus dem Boot hinaus zu stoßen um selbst hineinzugelangen … . Für einen Staat gibt es nicht Schlimmeres als den Zusammenbruch des Marktwertes seiner Währung.“ (Frei nach Keynes).

Sowohl aus dem, was in Europa geschieht, wo das Vertrauen in die Währung zusammenbricht, als auch aus den Unheil verkündenden Entwicklungen in Griechenland urteilend – wo es überhaupt nicht unwahrscheinlich ist, plötzlich zum „freiwilligen“ Ausscheiden aus der Eurozone geführt zu werden – sind die sich auf die Drachme beziehenden Diskussionen eher überflüssig. Dennoch ist es vielleicht richtig, gewisse Dinge nicht unkommentiert zu lassen, auf dass keine Missverständnisse geschaffen werden – während die idealste Lösung für alle die Rückkehr zum Ausgangspunkt wäre (also ein „Reset“ der Eurozone mit der Rückkehr zu den nationalen Währungen, um die europäische Integration von Anfang an neu zu beginnen).

Der Kurs der Neuen Drachme

In diesem Rahmen ist die Antwort unsinnig, die wir auf die Frage bezüglich des bestgeeigneten Wechselkurses einer Neuen Drachme (die alte ist inzwischen endgültig gestorben und kann auf keinerlei Weise wiederbelebt werden) zu hören bekamen, wonach der Kurs auf 1 Euro zu 2 Drachmen (1:2) zu bestimmen ist – da etwas solches absolut keinerlei Bedeutung hat und von wirtschaftlicher Seite völlig egal ist.

Was einzig und allein Bedeutung hat, ist, was man mit zwei Drachmen kaufen kann – also der Marktwert des Währung und nicht der gewählte Wechselkurs, gleich ob er 1 Euro zu 2 Drachmen oder zu 22 oder 322 Drachmen ist. Die neue türkische Lira beispielsweise, die 2006 die ältere ersetzte, hatte sechs Nullen weniger, weil ihr Kurs auf 1:1 zu dem Dollar festgesetzt wurde (praktisch 1 neue Lira für jeweils 1.000.000 alte). Heute befindet sich der Kurs der Lira bereits bei 1:2 im Verhältnis zum Dollar – welche Tatsache bedeutet, dass sie im Vergleich zu dem Datum ihrer Einführung dem Dollar gegenüber um 100% abgewertet worden ist.

Weil die Löhne im Verhältnis zu 2005 sich jetzt nicht verdoppelt haben, ist die Kaufkraft der Bevölkerung der Türkei gesunken – obwohl die Bürger glauben, sie sei gestiegen, weil sie den nominalen und nicht den realen Anstieg ihrer Löhne (unter Abzug der Inflation) sehen. Dennoch werden die Immobilien mit „Euro- (oder Dollar-) Klausel“ vermietet – genau weil ihre Eigentümer wissen, was Sache ist, und sich nicht den „Schwankungen“ der Lira aussetzen wollen.

Der Kurs der eventuellen Einführung der Neuen Drachme wäre folglich jeder beliebig gewählte – wobei unter vielen Aspekten 1:1 zu dem Euro vorzuziehen wäre. Dieser Kurs wäre für das Land, aber auch seine Bürger eine Erleichterung – einerseits, weil sie sich daran gewöhnt haben, ihre Geschäfte mit dem Euro abzuwickeln, und andererseits um – wie geschuldet – leicht ihre Abwertung festzustellen.

Nationale Währung und öffentliche Verschuldung

Was die öffentliche Verschuldung betrifft, die in einer Größenordnung von 300 Mrd. € liegt (gegen Ende 2013 liegt die öffentliche Verschuldung bei 330 Mrd. €, wobei sich jedoch ein Teil davon im Inland befindet) und nach der Unterzeichnung des PSI nicht in Drachmen umgewandelt werden kann, würde sie zu 300 Mrd. Drachmen werden (oder wie viel auch immer sie bis dahin sein würde) – jedoch mit der Verpflichtung zur Tilgung in Euro.

Wenn wir einleuchtend annehmen, die Drachme würde um 50% abgewertet werden, würde danach die öffentliche Verschuldung automatisch 450 Mrd. Drachmen werden – wobei sie natürlich bei 300 Mrd. € bleibt. Einfacher gesagt werden wir 450 Mrd. Drachmen benötigen um 300 Mrd. € zu begleichen.

Weil wir wiederum damit rechnen, dass aus nachstehend erklärten Gründen (Bankrott) anfänglich auch das nominale BIP nicht signifikant ansteigen und auf dem Niveau von 190 Mrd. Drachmen bleiben würde, würde die öffentliche Verschuldung sich auf 250% des BIP gestalten (450 Mrd. Drachmen im Ausland plus 30 Mrd. Drachmen im Inland, insgesamt 480 Mrd. Drachmen – unter der Annahmen, dass die inländische Verschuldung in Drachmen umgewandelt werden würde).

Würde die Abwertung bei 1:2 (100%) angelangen, würde die öffentliche Auslandsverschuldung 600 Mrd. Drachmen werden – sich also in Drachmen verdoppeln, dabei jedoch bei 300 Mrd. Euro bleiben (oder wie viel auch immer sie dann betragen würde, wenn wir annehmen, dass dem Staat immer noch Kredite gewährt würden und in der Hoffnung auf einen tragfähigen Zinssatz oder, dass die Defizite des regulären Haushalts auf Null gebracht werden).

Im Verhältnis zum BIP läge dann die Verschuldung in einer Größenordnung von 330% des BIP – offensichtlich jenseits jeder Grenze, weil mit einem minimalen Zinssatz von 5% die Zinsen mehr als 50% der Einnahmen verschlingen würden, ohne dass nicht einmal Raten getilgt würden.

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  1. Happy-go-lucky
    10. Dezember 2013, 11:13 | #1

    Es gibt ökonomische Wahrheiten, die viele nicht wahr haben wollen. – Ich frage mich, wer hat die Rückkehr zur Drachme tatsächlich im Rucksack? Wer würde die vom Autor klipp und klar dargelegte folgende Aussage der Bevölkerung offenbaren: „Was die öffentliche Verschuldung betrifft, die in einer Größenordnung von 300 Mrd. € liegt (gegen Ende 2013 liegt die öffentliche Verschuldung bei 330 Mrd. €, wobei sich jedoch ein Teil davon im Inland befindet) und nach der Unterzeichnung des PSI nicht in Drachmen umgewandelt werden kann, würde sie zu 300 Mrd. Drachmen werden (oder wie viel auch immer sie bis dahin sein würde) – jedoch mit der Verpflichtung zur Tilgung in Euro.„?
    Die derzeitige Regierung? – Da würde sich mancher doch fragen: Wozu haben wir die bisherigen Opfer eigentlich gebracht? Syriza? – Würde da nicht das bisher aufgebaute Aristophaneische Wolkenkuckucksheim nicht einstürzen wie ein aus Altpapier konstruiertes Ein-Raum-Haus?

  2. Heho
    10. Dezember 2013, 13:33 | #2

    Ich kann nur sagen, daß das, was hier geschrieben wurde, eine Milchmädchen Rechnung und auch nur Wunschdenken ist. 1 Euro = 2 Drachmen? Da wird der größte Besitzer griechischer Staatsanleihen (eine Bank in Amerika) nicht mitmachen.
    Wenn es zu einer Abwertung kommen sollte würde die wahrscheinlich bei 1 Euro = 6-8 Drachmen liegen, was 2 – 3 Generationen der griechischen Bevölkerung schwer schaden würde. Es würden sich nur die Griechen freuen, die ihre Euros ins Ausland geschaft haben, denn diese Person würden dadurch alles, was sie in Griechenland bekommen können, an sich reissen und dem griechischen Volk würde es weiter noch sehr viel schlechter ergehen

  3. CYR
    10. Dezember 2013, 15:41 | #3

    Eigentlich eine Horrorbotschaft. Die Schulden bleiben in Euro und die neue griechische Währung wird dann massiv abgewertet. Für mich wäre das ausreichend als Grund, das GR im EURO Raum bleibt. Allein die Schuldendeklaration der griechischen Banken gegenüber dem Inland, EU-Raum, EURO-Raum und Rest der Welt ist komplex und voller juristischen Tretminen.
    Bezahlen die Banken ihre Schulden in Euro oder in Drachmen Sind Forderungen in Euro oder in Drachmen zu begleichen. Ist die Drachme frei konvertierbar oder nicht. Der Autor geht überhaupt nicht auf die juristische Problematik ein. Er reduziert das Problem nur auf die Frage wie bezahle ich meine Schulden zurück, als ob die Problematik nur die eines schlecht geführter Haushalt sei.
    So nebenbei gesagt, es gibt überhaupt keine Prozedur wie das austreten aus dem EURO-Raum von statten gehen soll.

  4. nathan
    11. Dezember 2013, 02:09 | #4

    Eine Neue Drachme mit 2:1 Euro zu fixieren, soll doch nur die Wahrheit verschleiern. Es muß der Wechselkurs der Euroeinführung wieder hergestellt werden, denn so ist damals jeder Grieche in den Euro eingetreten, mit seinem Gehalt, seiner Rente und seinem Vermögen. Es wird dann nämlich sichtbar, was für ein verzerrender Betrug der Euro war. In Griechenland zum Vorteil der Griechen, deswegen droht ihnen die Abwertung, die auch sichtbar und wirksam sein muß.
    Zur Erkenntnis muß man sich nur den gegenteiligen Fall, nämlich den Betrug am Volk, nur hier im Falle Deutschlands ansehen:
    Es wurde die DM 2:1 in Euro umgetauscht. Damit wurden alle Verträge zu diesem Kurs eingefroren: Renten, Gehälter, Vermögen. Die DM konnte kein neues Verhältnis zum tendenziell schwachen Mischkalkulations-Euro bilden, nicht floatend aufwerten wie Schweizer Franken oder skandinavische Währungen. Sie hätte aber, parallel zum historischen Vergleichswert Franken, ca. 30% aufgewertet! Wo ist diese uns wegen der Euro-Fessel vorenthaltene Wertsteigerung geblieben? Sie wurde uns verhindert, geklaut, denn dafür hatten die notorisch schwachen Südländer plötzlich von uns geschenkte Stabilität, als hätten sie die gleiche Wirtschaftskraft. Würden wir erst heute dem Euro beitreten, bräuchten wir wegen der bis heute wahrscheinlich stattgefundenen Aufwertung statt 2,-DM nur 1,40 DM für einen Euro hergeben!
    Der Euro hat uns also bis heute 30% unsres zwangsumgetauschten Vermögens gekostet = Enteignung, ebenfalls 30% der Rente und 30% der Gehälter, nicht als Zahl aber als stärkerer Kaufkraftwert der DM, denn alles wurde 2:1 eingefroren, unsre Regierung hat uns das nicht ausgeglichen. Viele Preise in Euro(!) aber stiegen in der „freien Marktwirtschaft“, ja verdoppelten sich, aber die mit 2:1 eingefrorenen Vermögen, Renten, Gehälter sind im eingefrorenen Wert ein Diktat und nicht freie Marktwirtschaft.
    So wäre es im Falle Deutschlands ein Betrug durch eine neue Währungsreform, nicht auf den alten Wechselkurs zurüchzukehren und die DM floaten zu lassen, um die wahren Werte in Deutschland wieder erkennen zu können und in Relation zu setzen. Bei einem rein willkürlich festgesetzten neuen Währungsverhältnis wäre nämlich die Enteignung der Deutschen um ca. 30% perfekt und keiner hat es bemerkt! Auf diese Dummheit der Wähler und Bürger vertraut nämlich unsere Regierung, die uns natürlich nicht darüber aufklärt! Mit dem Euro hat sie uns betrogen und mit einer, wie hier im Falle der Neuen Drachme geplanten Abwicklung, wäre für die Deutschen auch der Währungsschnitt mit 30% auch dann in der Neuen DM perfekt. Und die Regierung ist zufrieden, uns über das Ohr gehauen zu haben!

  5. Sven
    11. Dezember 2013, 05:28 | #5

    Totaler Schwachsinn. Es gibt keinen einzigen logischen Grund zur Rückkehr aber 1000 logische Gründe beim Euro zu bleiben. Also warum sollte die Regierung oder irgendwer ein Rückkehr-zur-Drachme-Szenario bereit halten? Die Lösung für das Schuldenproblem heißt Schuldenschnitt und das geht nur mit einer SYRIZA-Regierung, denn die ist einzig und alleine in der Lage Druck auf die Troika auszuüben. Die Troika wird auch ein Griechenland unter SYRIZA nicht fallen lassen, allerdings eine andere Gangart einlegen müssen.

  6. H. Kohrs
    11. Dezember 2013, 22:32 | #6

    Auf Grund welcher Logik sollte die EU oder die Troika ihr Verhalten gegenüber Griechenland ändern müssen? Seit wann interessiert es die europäische Finanzwirtschaft, wie die griechische Bevölkerung das Geld aufbringt? Das griechische Kapital ist sicher in der Schweiz oder in deutschen Immobilien angelegt, sicher ist sicher, ob mit oder ohne Drachme.

  7. tyrannus sex
    12. Dezember 2013, 22:46 | #7

    1. Schuldenschnitt
    2. Langsames Einführen / Abwerten von Eigenwährung (zunächst) in GR, CY, P unter Deckung der Europäischen Zentralbank
    3. Haftung der Aktionäre der Pleitebanken
    4. Befriedigung der Bankengläubiger über debt-equity-swaps (bitte googeln) nach Abschlag
    5. Konkurs und Abwicklung von Pleitebanken (nach Feststellung ECHTER Systemrelevanz)
    6. Regulierung des Bankensektors

    SO SÄHE MAL GROB DIE DEMOKRATISCHE LÖSUNG DER EUROKRISE AUS.
    Sicher wird es lang und auch nicht billig. Hierzu wenden Sie sich bitte an Ihre BT-Abgeordneten von 1998-2013)
    DIE SCHON HALB BESCHLOSSENE UNDEMOKRATISCHE VARIANTE ERFAHREN SIE STETS AUS DEN MEDIEN.

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