Troika hat Griechenland mehr geschadet als genützt

7. November 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.839

Laut dem Präsidenten des Europaparlaments hat die Troika hat sich als ineffizient erwiesen und in Griechenland mehr Schaden angerichtet als Nutzen bewirkt.

Die Struktur der Troika hat sich für die Lösung der Probleme als ineffizient erwiesen und mehr Schaden als Nutzen verursacht.“ Dies war eine der signifikantesten Erklärungen des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, in der Sonntagsausgabe der Zeitung „To Vima“ anlässlich seines Besuchs in Athen.

Weiter erklärte der Präsident des Europaparlaments, das Vertrauen in Europa müsse wiederhergestellt werden und dass er trotz allem an ein Europa für und mit dem Süden glaubt.

Der von den Bürgern zu zahlende Preis war und ist erschreckend

Jedes europäische Land begegnet Problemen, die Europa, der reichste Kontinent der Welt, zu überwunden haben schien: Schwierigkeiten beim Zugang zu Gesundheitsleistungen in Griechenland, in Spanien werden Familien wegen der Verzögerung der Begleichung einer Kreditrate auf die Straße gesetzt, der Verlust einer gesamten Generation junger Leute, die gezwungen sind, bei ihren Eltern zu wohnen und auf jeden Traum von einer Karriere oder eigen Familie zu verzichten„, schreibt Schulz und fügt an:

 „Der Preis, den die europäischen Bürger zu zahlen aufgefordert sind, war und ist erschreckend. Sie hatten gesagt, wir hätten keine andere Möglichkeit gehabt, dass die Austerität der einzige Ausweg und der wirtschaftliche Aufschwung einen Preis hätte, den wir alle zu entrichten bereit zu sein müssten. Heute belegen die Volkswirtschaftler auf Basis des Berichts des Internationalen Währungsfonds, dass die Auswirkungen der Austerität auf die Wirtschaft falsch eingeschätzt worden waren …

Der Bericht des IWF – lautet es weiter in dem Artikel – „zeigt unter anderem, dass die Struktur der Troika sich in der Lösung der Probleme als ineffizient erwies und sie mehr Schaden angerichtet als genützt hat. Sie verursachte eine größere Rezession als vorhergesehen und brachte es nicht fertig, das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Sie hat den wirtschaftlichen Aufschwung gebremst und das Vertrauen in Europa untergraben.

Jemand muss die Verantwortung für die Fehler übernehmen

Eine Entschuldigung reicht nicht„, schreibt Schulz: „Es muss jemand die Verantwortung für die misslungenen Versuche und die geschaffene Enttäuschung übernehmen. Es muss jemand verstehen … . Der Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments führt eine Untersuchung über die Handlungen der Troika in Griechenland, Portugal, Irland und Zypern durch, damit wir verstehen, aus welchem Grund so viele Fehler geschahen und warum alle Bestätigungen, in drei Jahren werden diese Fehler korrigiert sein, sich letztendlich als absolut unwahr erwiesen haben. Nach drei Jahren des Wartens kann die demokratische Kontrolle endlich beginnen.

Der Schaden wurde allerdings angerichtet. Wir müssen das Vertrauen in Europa wiederherstellen … . Es sind viele Versprechen gegeben worden, die jedoch ärmliche Ergebnisse hatten. Wir müssen unsere Forderungen einschränken und mit Vernunft agieren. Trotz allem glaube ich an einen Süden des Aufschwungs und ein Europa für und mit dem Süden„, endet der Präsident des Europaparlaments, der sich im Rahmen seines Besuchs in Athen mit dem Präsidenten des griechischen Parlaments, Evangelos Meimarakis, und dem Regierungsvertreter Evangelos Venizelos traf.

(Quelle: Imerisia.gr)

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  1. 7. November 2013, 08:45 | #1

    Jemand muss die Verantwortung für die Fehler übernehmen.
    Ich schreibe es erneut. Das sind keine Fehler. Die Zerstörung der Lebensgrundlage breiter Bevölkerungsschichten ist kein Fehler sondern das erklärte Ziel des Systems. Das schreiben die selbsternannten Eliten sogar öffentlich. So sicher fühlen die sich mittlerweile. Bevölkerungsreduktion ist ein erklärtes Ziel der psychopathischen Kriminellen. Dieses wird durch Armut, falsche Ernährungsweise, krank machende Medikamente, Bürgerkriege, Kriege, Umweltverschmutzung etc. erreicht. Schaut euch die Welt heute an. Das alles findet grade statt.

  2. Panhellene
    7. November 2013, 09:14 | #2

    Die Troika interessiert nur Zahlen, da ist für Menschen und deren Schicksale kein Platz. Wäre die EU eine Sozialunion und nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftsunion, müsste sie anders handeln, als sie es in Wirklichkeit tut. Dieses Verhalten hilft nicht den Frieden in Europa zu sichern, sondern fördert die Tendenz zu Unruhen und gewaltsamen militärischen Aktionen.

  3. Deutscher
    7. November 2013, 12:18 | #3

    Kapo Schulz fürchtet sich nur um die EU und damit um seinen Posten. Anders sind seine Aussagen nicht zu interpretieren. Ich habe von Kapo Schulz in den letzten Jahren nichts gehört, um die Troika und die dahinterstehenden Gläubiger im Falle Griechenlands einzubremsen. Nun hat Kapo Schulz Angst, dass es mit Griechenland analog der Weimarer Republik ergeht und sich Linke und Rechte solange bekämpfen, bis einer den Sieg davonträgt. Egal wer, wer Griechenland retten will, muss den Austritt aus dem Euro und logischerweise der EU erklären und sich andere Verbündete suchen. Ansonsten wird diese schöne Land ausgeweidet bis zum Kadaver durch das globale Bankenkapital und deren Helfeshelfer.

  4. Skyjumper
    7. November 2013, 17:06 | #4

    Das ganze Geseiere ist Blödsinn. Schließlich ist es nicht so, dass die getroffenen Maßnahmen alternativlos gewesen wären. Es gab auch genügend Mahner, die vor genau den jetzt eingetretenen Folgen gewarnt haben.
    Insofern sind sehr eindeutig alle diejenigen Schuld, die die Wahl der Entscheidung hatten. Da sind zu allererst die europäischen Entscheidungsträger, zu denen letztendlich auch Schulz selbst gehört. Da sind die Griechen, die ihre Regierung gewählt haben. Da sind alle die Bürger Europas, die zwischenzeitlich die Möglichkeit hatten, andere Regierungen zu wählen, also auch die Deutschen.

  5. Heinz
    8. November 2013, 14:42 | #5

    Das ist doch schön einfach, immer anderen die Schuld am Elend zuzuschieben. Zuallererst sind doch die Griechen selbst zu nennen, die alle vorherigen Regierungen gewähren ließen bis es zum Crash kam. Und danach haben sie wieder eine Partei an die Spitze gewählt, die genau diesen Crash hauptsächlich verursacht hat, die ND. Abgestraft wurde einzig die PASOK. Wieso eigentlich? Das hat mir bisher kein Grieche erklären können. Wann wird verstanden, dass hinter der ND genau die Interessenten lauern, die hier immer wieder als die Totengräber Griechenlands dargestellt werden. Hinter der ND und hinter den Wählern der ND steht doch das gesamte vermögende Bürgertum, das allerdings in den Chor der Jammerer mit einstimmt. Weshalb wohl? Damit keiner entdeckt, wie gut es ihnen in Wirklichkeit geht. Wann werden die „normalen“ Menschen in Griechenland erkennen, wer wirklich an ihrer Situation die Schuld hat?

    Was Martin Schulz betrifft, sollte man wenigstens so fair bleiben, hier keine Lügen zu verbreiten, denn genau er hat immer wieder andere Maßnahmen für Griechenland gefordert. Nur: Die bürgerlichen Parteien haben im Europa-Parlament im Moment die Mehrheit. Und was die wollen, ist an der ND abzulesen. Also nicht auf die Falschen prügeln.

  6. Roland Wolf
    8. November 2013, 15:42 | #6

    Dann wäre ich immer noch sehr daran interessiert welche alternativen es gegeben hätte. Von hier sehe ich tatsächlich
    – Staatsbankrott in den Varianten unkontrolliert und verhandelt, danach wäre als einziger Kreditgeber die EU übriggeblieben, ob die mehr Geld gegeben hätte ist zweifelhaft.
    – Austritt aus dem Euro, Neo-Drachme: Der Außenwert dieser Währung wäre vermutlich so sehr gesunken das auch bei gleichbleibenden Einkommen erheblicher Wohlstandsverlust eingetreten wäre.
    – Geordnetes Ablösen der Kredite – das ist passiert. Über Details kann man dort sicher endlos streiten, aber eine der anderen Möglichkeiten?

    Dass Martin Schulz die Troika und den IWF kritisiert, ist nachvollziehbar. Einerseits ob der Entscheidungen im Einzelfall, jedoch auch, weil er die Macht des EU-Parlaments erheblich beschnitten hat.

  7. Moppel
    8. November 2013, 16:42 | #7

    Es ist natürlich „schön einfach“, die Opfer der Fehlentscheidungen pauschal als uneinsichtige Jammerlappen zu diffamieren, die sich doch letztendlich alles selbst eingebrockt haben, anstatt auch mal die eigene Nase zu befühlen. Im übrigen geht es im konkreten Kontext gar nicht speziell allein um Griechenland!

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