Steuerschock für Eigentümer von Immobilien in Griechenland

5. November 2013 / Aufrufe: 10.061

Die ungeheure Überbesteuerung der Immobilien in Griechenland wird zu massenweisen Verkäufen, weiteren Preisstürzen und einem neuen Heer von Steuerschuldnern führen.

Die Eigentümer von Immobilien in Griechenland werden einen weiteren Steuerschock erleben, da die neue Einheitliche Immobiliensteuer – selbst wenn es Korrekturen geben wird – auf falsche Preise gestützt ist, weil das Finanzamt Sätze auf Basis der sogenannten „objektorientierten“ Werte (sprich nach dem System der „objektorientierten Wertbestimmung“ festgesetzter Immobilienpreise) verhängen wird, die im Jahr 2006 galten. Die Eigentümer werden sogar für wenigstens 3 Jahre die Einheitssteuer auf Basis der selben Zonenpreisen zahlen, obwohl diese zwei- oder dreimal höher als die realen Marktpreise liegen.

Und obwohl die Notwendigkeit zur Erreichung der volkswirtschaftlichen Zielvorgabe zur Beitreibung von über 3,3 Mrd. Euro aus den Immobilien zwingend sein mag, führt jedoch der konkrete Modus der Besteuerung mit bis 2016 „eingefrorenen“ irrealen Objektwerten zu unglaublichen Verzerrungen und letztendlich unweigerlich zur Entstehung eines neuen Heeres von Steuerschuldnern.

Enorme Überbesteuerung speziell bei Altbauten und Grundstücken

Kenner des Immobilienmarkts erwarten, dass den größten Schock Eigentümer von Immobilien im Alter von 10 Jahren und mehr, aber auch Grundstückseigentümer in fast allen Regionen des Lande erleben werden. Der Grund liegt darin, dass selbst falls sich Käufer für die konkreten Immobilien finden werden, der Wert der Transaktion dramatisch niedriger als der „objektbezogene“ Wert liegt.

Die Eigentümer besitzen praktisch ein Vermögen, das um ein Vielfaches weniger wert ist als das Finanzamt veranschlagt, um alle Steuern – folglich auch die Einheitliche Immobiliensteuer – zu erheben. Die von Eigentümern und Notaren angeführten Beispiele zur Beschreibung des – wie sie sagen – „Verbrechens“ sind zahlreich. Laut dem Präsidenten der Notarkammer Athen, Konstantinos Vlachakis, erfolgen sogar alle derzeit stattfindenden Übereignungen zu Preisen, die unter den „objektbezogenen“ Werten liegen.

  • Neulich erwarb ein Käufer ein Grundstück innerhalb des Bebauungsplans auf Attika und zahlte 330.000 Euro, der objektbezogene Wert des Grundstücks beläuft sich jedoch auf ungefähr 800.000 Euro. Sowohl die von ihm gezahlte Transaktionssteuer als auch die Einheitssteuer, die er (fortan) entrichten wird, liegt um das 2,5-Fache über dem Betrag, den er zu entrichten hätte, wenn der reale Wert berücksichtigt werden würde.
  • Eine 20 Jahre alte Eigentumswohnung in Athen mit einer Fläche von 100 qm wurde neulich für 90.000 Euro verkauft, in dem Vertrag wird jedoch der „objektbezogene“ Wert angeführt, der welcher ist? 200.000 Euro.
  • Ein Gebäude von 950 qm im Zentrum Athens mit einem hohen Handelswert-Faktor wird für 500.000 Euro verkauft, obwohl es einen „objektbezogenen“ Wert von über 1 Mio. Euro hat.
  • Eine Büro mit einer Fläche von 185 qm im Zentrum wird für 170.000 Euro verkauft, obwohl sein „objektorientierter“ Wert 300.000 Euro beträgt.
  • Eine Eigentumswohnung in Thessaloniki wurde für 250.000 Euro verkauft, ihr „objektbezogener“ Wert beträgt jedoch 600.000 Euro.
  • Eine Villa auf Attika wurde neulich für 8 Mio. Euro abgegeben, besteuert wird sie jedoch für einen „objektbezogenen“ Wert von 12 Mio. Euro werden.
  • Eine Einfamilienhaus mit einer Fläche von 60 qm auf einem Grundstück von 132 qm mit zusätzlichem Bebauungsfaktor hat einen „objektorientierten“ Wert von 143.000 Euro, wird jedoch für 79.000 Euro verkauft.
  • Eine Eigentumswohnung mit 43 qm in Neos Kosmos mit einem „objektorientierten“ Wert von 47.000 Euro wird für 25.000 Euro verkauft.
  • In Kastri wurde eine Luxus-Villa für 7 Mio. Euro verkauft, während ihr „objektbezogener“ Wert 10 Mio. Euro betrug.

Signifikanter Wertverlust bei älteren Objekten und Landstücken

Die Situation auf dem Immobilienmarkt hat sich dermaßen zugespitzt, dass es 30 Jahre alte Immobilien gibt, die zu Preisen von sogar nur 300 Euro pro Quadratmeter verkauft werden, während ihr „objektbezogener“ Wert über 1.000 Euro pro Quadratmeter liegt. Es gibt alte Eigentumswohnungen von vor 1960, die seit Jahren nicht vermietet sind und zu Preisen eines Autos, also 10.000 Euro verkauft werden, obwohl ihr „objektbezogener“ Wert das Drei- und Vierfache beträgt.

Bezüglich der „Preisschere“ ist zu erkennen, dass in den billigen und mittleren Regionen, in denen die „objektbezogenen“ Werte konstant blieben, während die Marktpreise bis 2010 in die Höhe schossen, noch eine signifikante Abweichung existiert. Analog zu dem Gebiet liegen die Marktpreise ab 10% bis zu 50% höher, jedoch nur für die Neubauten, während sie für die älteren Objekte nur noch auf dem Papier bestehen. Letzteres, weil – wenn überhaupt noch Verkaufsgeschäfte erfolgen – nicht die anfänglich verlangten Preise gelten, da die Verhandlungen den Endbetrag um 20% – 40% senken. Dies bedeutet, dass in vielen Wohngegenden Athens und anderer großer Städte der Wert der Immobilien von 300 bis 800 Euro pro Quadratmeter verlor.

In Bezug auf die touristischen und besonders prädestinierten Regionen wie Mykonos, Rhodos, Korfu, Chalkidiki usw. werden die Eigentümer von Grundstücken, die vor 10 Jahren einen signifikanten Vermögenswert darstellten, heute verschmäht, weil es keine Käufer gibt. Die erhobene Einheitssteuer wird jedoch enorm sein, weil speziell für innerhalb des Bebauungsplans liegende Grundstücke der Zonenpreis immer noch sehr hoch bleibt.

Zum Beispiel wird auf Mykonos ein Grundstück von 32 Hektar für 10.650.000 Euro verkauft. Der „objektbezogene“ Wert beträgt jedoch 23.680.000 Euro. Aber auch die Ferienhäuser werden mit höheren Steuern belastet werden, obwohl kaum noch ein Kaufinteresse besteht. Beispielsweise wird auf Mykonos ein 10 Jahre altes Einfamilienhaus mit einer Fläche von 250 qm und einem Zonenpreis von 3.700 Euro / Quadratmeter für nur 600.000 Euro verkauft.

Allgemeiner Ausverkauf – Es kommt ein neuer Preissturz

Marktfaktoren schätzen ein, dass die – ab 2014 dauerhafte – Einheitssteuer zu massenhaften Verkäufen von Immobilien führen wird, welche deren Eigentümer als entbehrlich betrachten. Also Häuser und Landstücke auf dem Dorf, Ferienwohnungen, aber auch leer stehende Wohnungen oder Gewerberäume, die keine Einnahmen abwerfen. Mit der Krise auf dem Immobilienmarkt und dem völligen Fehlen von Käufern als gegeben wird jedoch geschätzt, dass ein neuer „Stock“ an Immobilien geschaffen werden wird, welche die Marktpreise und folglich die Gesamtheit des Vermögens der Griechen mit sich herunterziehen werden.

Was die Wohnung betrifft, schätzt die Griechische Bank (TtE) ein, dass der Preisrückgang in den letzten vier Jahren 37% überstieg, es jedoch Preisrückgänge von sogar auch über 50% gibt. Der „Zwangsverkauf“ von Immobilien wegen deren hoher Belastung durch Steuern wird eine neue Runde der Preissenkungen hervorrufen, wovon alle, die über Bargeld verfügen, und speziell die Ausländer profitieren werden, die Immobilien zu außerordentlich niedrigen Preisen erwerben können.

(Quelle: Imerisia.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Deutscher
    5. November 2013, 10:45 | #1

    Dumm nur, dass nun der Immo-Markt und die Bauwirtschaft völlig durch die Steuer zerstört wird und noch weniger Griechen in der Lage sein werden, ihre Kredite zu finanzieren. Aber dem Staat ist das egal. Er braucht Geld für die Gläubiger. Dazu ist jedes Mittel recht. Es hat sich in den Jahrhunderten nichts verändert.

  2. Ottfried Storz
    5. November 2013, 16:00 | #2

    Am verrücktesten ist die Steuer für Grundstücke: Während für Gebäude eine Vermietung zumindest theoretisch möglich ist (jedoch immer weniger bringt), ist dies bei Grundstücken fast nicht mehr möglich. Erträge sind also praktisch ausgeschlossen, Steuern fallen jedoch an.
    Der Verkauf ist bei Gebäuden und Grundstücken derzeit und wohl auch die kommenden Jahre kaum noch möglich. Es gibt einfach keine Nachfrager, fast egal zu welchem Preis.

  3. BravoZulu
    5. November 2013, 16:39 | #3

    Die Politiker haben jeglichen Sinn zur Realität verloren und taugen zu nichts anderem mehr als Schafe zu hüten, denn dabei können sie keine großen Fehler machen, weil die Schafe genau wissen wieviel sie fressen dürfen.

  4. Panhellene
    6. November 2013, 08:56 | #4

    Bei der Konfiszierung inaktiver Bankkonten wurden bisher 15 Mio Euro eingenommen. Gerechnet hat die Regierung mit 5 Milliarden. Versucht man durch irrsinnige Steuergesetzgebungen solche ungeheureren Fehleinschätzungen auszugleichen? Die griechische Regierung, allen voran der selbstherrliche Versager Samaras, hat längst jeglichen Überblick verloren und weiß nicht mehr was sie tut. Zur Zeit ist die denkbar schlechteste Regierung im Amt, während man in Zeichen der Krise die beste bräuchte.

  5. Spötter
    7. November 2013, 11:48 | #5

    Sicherlich gehört Athen bald zur Hälfte den Chinesen. Und dann will man den Leuten verbieten, national zu denken …

  6. juls
    8. November 2013, 13:49 | #6

    Ich wuerde sagen, hier reiben sich mehrere Nationen die Haende, nicht zu vergessen auch die Russen – aber das ist nicht nur in Athen so, nur in den suedlichen Staaten ist der Erwerb von Immobilien eben viel billiger, da geht es dann „dutzenweise“.

  7. 11. November 2013, 15:04 | #7

    So wie der Staat in Griechenland vorgeht kann das dort nichts werden. Für die Anleger, die Immobilien in Griechenland kaufen möchten ist das natürlich super, aber die eigene Wirtschaft richtet die griechische Regierung damit zugrunde..

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