Regierung in Griechenland hofft auf Rettung durch Merkel

19. November 2013 / Aufrufe: 3.396

Angesichts des drohenden Zusammenbruchs der Koalitionsregierung in Griechenland hofft Premierminister Antonis Samaras verzweifelt auf einen Rettungsring aus Berlin.

Der griechische Premierminister hofft verzweifelt auf einen Rettungsring aus Berlin, um Zeit zu gewinnen und aus der Sackgasse herauszukommen, die sich bei den aktuellen Verhandlungen mit der Troika ergeben hat.

Antonis Samaras wird sich am kommenden Freitag (22 November 2013) mit Angela Merkel treffen und seine letzte Karte ausspielen, nämlich die der „politischen Verhandlung auf höchster Ebene“ – wobei die schmerzhaften Impressionen für die griechische Regierung aus den Forderungen der Troika nach neuen Maßnahmen, aber auch die „Ratschläge“ der Euro-Gruppe bezüglich der Deckung der Finanzierungslücke nicht nur des Jahres 2014, sondern auch des Jahres … 2015 durch neue Maßnahmen noch frisch sind.

Troika weicht keinen Schritt von ihren Forderungen zurück

Das Klima im Megaro Maximou (sprich der Regierungszentrale) ist erneut schwer, da – wie sich auch bei der Euro-Gruppe zeigte – die Partner nicht nur nicht bereit sind, der griechischen Regierung Zeit und Toleranz zu gewähren, sondern Griechenland erneut als „Sonderfall“ begegnen. Das Klima bei der Konferenz der Finanzminister der Eurozone war für Giannis Stournaras außerordentlich negativ, während der Präsiden der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, nicht ausließ, Athen öffentlich „mehr Bemühungen“ nahezulegen und die Deckung der Lücke für 2014 und 2015 zu decken, indem die „Gesamtrechnung“ der Maßnahmen des neuen mittelfristigen Programms hochgeschraubt wird.

Als ob all dies nicht reichen würde, reisten die „Troikaner“ aus Athen ab, ohne auch nur einen einzigen Schritt von ihren Forderungen zurückgewichen zu sein, während die zwischen den Gläubigern und den griechischen Ministern gewechselten E-Mails zeigen, dass auch die neue Verhandlungsrunde mit den „Troikanern“ unbeweglich auf ihren Positionen beharrend beginnen wird. In diesem Sinn war zu erwarten, dass dies sich auch bei dem Treffen der Herren Mors, Thomsen und Masuch mit dem griechischen Finanzminister Giannis Stournaras am 18 November 2013 zeigte.

Berlin bestätigt erneut seine führende Rolle

Mit all diesem als gegeben ist eindeutig, dass die griechische Regierung – sofern zwischenzeitlich nicht irgend ein … Wunder geschieht – sich mit neuen harten Maßnahmen konfrontiert sehen wird, die einem dritten Memorandum gleichkommen, bevor das Thema der Regelung der griechischen Verschuldung überhaupt zur Diskussion kommen wird. Antonis Samaras hat derweilen Finanzminister Giannis Stournaras angewiesen, auf Zeit zu spielen, da die gestiegenen Einnahmen des letzten Quartals Athen gestatten, Zeit zu „schinden“, ohne sich derzeit über die Zahlung von Gehältern und Renten beunruhigen zu müssen.

Nach diesem Wunder, ohne das die derzeitige griechische Regierung sich in der Schwebe wiederfinden wird, sucht Antonis Samaras nun in Berlin. Der griechische Premierminister wird anlässlich der jährlichen Führungskonferenz der „Süddeutschen Zeitung“ in die deutsche Hauptstadt reisen und ist von Angela Merkel zu einem Arbeitsessen eingeladen worden. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt gab, wird sie mit Antonis Samaras über die bilateralen Beziehungen, die europäischen Themen, aber auch das „griechische Problem“ diskutieren.

Die Initiative der Kanzlerin zeigt, dass Berlin noch vor der Bildung einer „großen Koalition“ die Initiative des Handelns wiedergewinnt und erneut bestätigt, bei dem „Rettungsprogramm“ das erste Wort zu haben.

Beunruhigung über einen möglichen „Unfall“

Zu seiner Begegnung mit Angela Merkel am kommenden Freitag wird sich der griechische Premierminister nicht nur unter Berufung auf die Krise, die Griechenland durchmacht, und die „Opfer der Griechen“, sondern – wie aus Regierungsquellen verlautet – auch auf den primären Überschuss einstellen. Konkret betonen Mitarbeiter des Premierministers, der Überschuss werde sich nicht – wie zwischen Finanzministerium und Troika vereinbart – auf 340 Mio. Euro beschränken, sondern 700 Mio. Euro tangieren.

Mit dem Überschuss als einziges Argument wird also Antonis Samaras von Angela Merkel verlangen, ihm mehr Zeit zu geben, mit ihrer Haltung zur „Lockerung“ der Forderungen der Gläubiger beizutragen und dass keine neuen Maßnahme „hier und jetzt“ gefordert werden, damit die griechische Regierung nicht gefährdet wird. Parallel wird erwartet, dass er die deutsche Kanzlerin über die für seine Koalitionsregierung zerbrechlichen Relationen im Parlament, aber auch über das „politische Problem“ seiner Regierung unterrichtet, neue Maßnahmen umzusetzen und „durchzubringen“.

Bis zur Stunde der Niederschrift dieser Zeilen verbargen jedenfalls sogar auch Top-Minister nicht ihre Beunruhigung, Angela Merkel werde dem griechischen Premierminister raten, eine Einigung mit der Troika zu finden – was heftige Entwicklungen verursachen könnte, entweder bewusst oder – wahrscheinlicher – durch einen „Unfall“ …

(Quelle: Avgi)

Relevante Beiträge:

  1. Melanie G.
    19. November 2013, 16:08 | #1

    Griechenland sitzt in der Falle. Sie sind schon zum Bittsteller der EZ, der Troika und der Finanzmafia geworden. Ohne eine Bankrotterklärung kommen sie nie mehr aus der Falle haraus. Sie bleiben Schuldsklaven und das land wird Stück für Stück aufgekauft. Wie sagt man doch: „Mit Speck fängt man Mäuse“!
    Goldman Sachs, der IWF und die EU legten die Falle aus, man gab ihnen Geld ohne Ende, und Griechenland hat kräftig zugegriffen. Jetzt schnappt die Falle zu. Da gibt es kein Entrinnen mehr, abhängig von der Gnade und dem Erbarmen der Fallensteller. Vielleicht hilft ja beten. Merkel erbarme dich, wir bitten dich erhöre uns!

  2. Catalina
    19. November 2013, 17:57 | #2

    Inzwischen ist wohl jedem klar, dass die sogenannte „Troika“ absolut gar nichts mit der „Rettung“ Griechenlands zu tun hat. Hier geht es nur um die Zerschlagung des Staates Griechenland. Die immer neuen, abstruseren Forderungen dieser „Task Force“ zeugen davon.

  3. Sigala Dali
    19. November 2013, 18:31 | #3

    ja klar und alle glauben samaras, das sind doch alles wieder diese politischen spielchen um der bevoelkerung zu zeigen, dass man nicht so einfach einwilligt, die verbrecher (=politiker) sitzen doch alle in einem boot egal aus welchem land, denen geht es doch am allerwertesten vorbei wie es dem volk geht, hauptsache wir werden noch mehr ausgenommen und funktionieren, ohne eine gegenleistung zu verlangen, mal ehrlich, was funktioniert denn in griechenland noch? nur die politiker wenn sie dem volk das geld aus der tasche ziehen!

  4. Höhner
    19. November 2013, 19:25 | #4

    Warum nicht gleich ein Pakt mit dem Teufel ? :=)

  5. Elke
    19. November 2013, 20:14 | #5

    Soviel zur „einmaligen“ Rettung Griechenlands aus dem Jahr 2010! Der Euro funktioniert nicht und kann auch gar nicht funktionieren. Griechenland wäre besser dran, wenn es seinen Austritt aus dieser EU (und damit auch dem Euro) erklären würde. Aber die griechischen Politiker werden das nicht wollen. Denn dann versiegt auch für sie eine großartige Geldquelle.

  6. Dagmar
    20. November 2013, 00:34 | #6

    Rettungsring von Merkel? Der Hosenanzug ist doch nur noch kommissarisch im Amt. Kann sie zur Zeit überhaupt das Scheckbuch zücken?

  7. Panhellene
    20. November 2013, 09:05 | #7

    Das ganze Dilemma um Griechenland beruht auf der Tatsache, daß das Land seit Jahrzehnten von Politikern regiert wird, die nur ihren eigenen Vorteilen dienen und nicht dem Volk. Doch dieses Volk ist in gewisser Hinisicht mitverantwortlich, weil es immer wieder die gleichen Politikerdynastien gewählt hat und nicht die fähigsten Volksvertreter. Samaras und seine Regierungsvasallen sind mit der jetzigen, extrem schwierigen Lage restlos überfordert und werden es nicht schaffen, die Maßnahmen zu realisieren, die nötig sind, um aus der Malaise herauszukommen. Mit pseudooptimistischen Prognosen, Vertröstungen und Zeitschinderei ist es keinesfalls getan.

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