Neuer Entwurf zur Immobilien-Besteuerung in Griechenland

16. November 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.619

Nachdem die Vorlage zur neuen Immobiliensteuer in Griechenland gekippt wurde, liegt nun ein modifizierter Entwurf vor, der die Steuerbelastung zu größeren Vermögen verlagert.

Der neue Entwurf zur Besteuerung der Immobilien in Griechenland, mit dem die überwältigende Mehrheit der Abgeordneten von Nea Dimokratia (ND) und PASOK einverstanden zu sein scheint, bringt höhere Belastungen für die Steuerzahler mit einem Immobilienvermögen im Wert von über 300.000 Euro und niedrigere Steuern für Besitzer kleiner „urbaner“ Immobilienvermögen, Eigentümer von Grundstücken und Landwirte.

Abgesehen von Eigentümern großer Immobilienvermögen, auf die zum Teil horrende Mehrbelastungen zukommen, werden sich allerdings auch zahllose Besitzer eines relativ geringen Vermögens mit erheblichen Belastungen konfrontiert sehen, da die Steuer auf Basis nach dem sogenannten System der „objektbezogenen Wertbestimmung“ festgesetzter Immobilienpreise erhoben wird, die seit 2006 unverändert blieben und die realen Marktpreise um bis zu ein Mehrfaches übersteigen. Da eine Korrektur dieser „Mondpreise“ frühestens 2016 erfolgen soll, werden in der Praxis also imaginäre Vermögen besteuert, die es in der Realität gar nicht (mehr) gibt!

Doppelte Besteuerung ab 300.000 Euro

Mit dem neuen Entwurf wird eine „zweigleisige“ Besteuerung (Haupt- und Zusatzsteuer) für die Steuerpflichtigen erhoben, die Gebäude und innerhalb eines Bebauungsplans gelegene Grundstücke im Gesamtwert von mehr als 300.000 Euro in ihrem Besitz haben. Praktisch wird damit die Steuerlast von den Steuerzahlern, die Gebäude geringen Wertes und Grundstücke und Landparzellen innerhalb des Bebauungsplans besitzen, zu denen verlagert, die über urbane Immobilien hohen Wertes verfügen.

Es wird veranschlagt, dass mit dem neuen Plan Steuern in Höhe von 3,24 Mrd. Euro festgestellt werden, wovon 660 Mio. Euro aus der neuen Immobiliensteuer FAP herrühren werden. Das Einnahmeziel wird von 2,9 Mrd. Euro auf 2,65 Mrd. Euro beschränkt. Wie ein Spitzenfunktionär der Regierung erklärt, entsteht durch die Vorschläge der Abgeordneten der beiden Parteien ein „Loch“ von ungefähr 250 Mio. Euro, das durch eine Beschneidung des öffentlichen Investitionsprogramms gestopft werden kann.

Die neue Immobiliensteuer, die aus kommunikativen Gründen nicht mehr „Einheitliche Immobiliensteuer“ (EFA), sondern „Einheitliche Immobilienbesitz-Steuer“ (EFIA) genannt werden soll, wird sich aus der Hauptsteuer und einer Zusatzsteuer zusammensetzen:

1. Hauptsteuer

Die Hauptsteuer belastet – ohne jegliche Freibeträge (!) – Immobilien aller Kategorien, also Gebäude, Grundstücke innerhalb von Bebauungsplänen oder Ansiedlungen und Flurstücke. Sie wird auf jede Immobilie eigenständig und wie folgend auf Flächenbasis erhoben werden:

  • Gebäude: Der Basis-Steuersatz wird sich ab 2 bis 13 Euro pro qm bewegen, analog zu dem Preis der Zone (Zonenpreis), in dem jede Immobilie liegt. Insgesamt sind 12 Steuerklassen vorgesehen (der Gesetzentwurf für die einheitliche Immobiliensteuer sah für die Gebäude einen ab 2,3 bis 17 Euro pro qm reichenden Basis-Steuersatz in 20 Steuerklassen vor). Für besonderen Umständen (Denkmalschutz, Enteignung usw.) unterliegende Gebäude ist ein Minderungsfaktor von 0,5 vorgesehen, der die resultierende Steuer um 50% reduziert. Hilfsräume bei jeder Art von Gebäude werden mit 10% des regulären Basis-Steuersatzes besteuert werden. Von der Steuer vollständig befreit werden landwirtschaftlich und für die Viehzucht genutzte Gebäude (Pferche, Krale, Ställe, Hühnerställe, Treibhäuser, Lagerräume für Produkte aus pflanzlicher Erzeugung usw.).
    Bei elektrifizierten Flächen fällt die neue Steuer im Vergleich zu der „Abzocke“ (EETIDE bzw. EETA) der DEI um 4,4% bis 21,6% geringer aus. Im Durchschnitt wird die neue Steuer im Vergleich zu der EETA um 16% niedriger liegen.
  • Grundstücke innerhalb eines Bebauungsplans oder einer Ansiedlung: Die Basis-Steuer wird sich in 25 Stufen ab 3 Euro bis zu 9.000 Euro pro Dekar bewegen. Es wird veranschlagt, dass sie im Vergleich zu der ENFA um 70% – 90% niedriger ausfallen wird (durchschnittliche Senkung um 83%). – Flurstücke: Die Basis-Steuer wird auf 1 Euro pro Dekar bestimmt, gegenüber in dem Gesetzentwurf für die ENFA vorgesehenen 1,5 Euro pro Dekar. Ebenfalls vorgesehen ist ein von 1 bis 3 gestaffelter „Lage-Faktor“, ein Bewässerungs-Faktor von 1,1, ein Nutzungs-Faktor von 0,1 für Forstflächen, von 0,5 für Weideflächen, ein Faktor von 2 für jede Art von (landwirtschaftlichen) Kulturen, von 5 für Steinbrüche und von 8 für Freiland-Ausstellungen. Für die unter Enteignung stehenden Flächen wird ein reduzierender „Enteignungs-Faktor“ von 0,75 zur Anwendung kommen, während für die Flächen (Landstücke), die auch eine Ferien- oder Hauptwohnung von über 150 Quadratmetern umfassen, ein „Wohn-Faktor“ von 5 angewendet werden wird. Der in dem Entwurf für die ENFA vorgesehene Faktor bezüglich der Entfernung zum Meer wird gestrichen. Mit dem neuen Entwurf werden 90% der Landwirte eine Steuer in Höhe von bis zu 2,64 Euro pro Dekar zahlen.

2. Zusatzsteuer

Die Zusatzsteuer wird – unter Berücksichtigung eines Steuerfreibetrags und auf Basis einer progressiven Staffelung – auf die Summe des Wertes der Gebäude und der Grundstücke innerhalb von Bebauungsplänen oder Ansiedlungen erhoben werden. Der Steuerfreibetrag soll auf 300.000 Euro angehoben werden, gegenüber 200.000 Euro, die mit der der derzeitigen Immobiliensteuer FAP gelten.

Für Immobilien mit einem über den Freibetrag von 300.000 Euro hinausgehenden (gemäß dem „objektorientiert“ bestimmten!) Gesamtwert werden die Steuersätze ab 0,1% oder 0,2% beginnen und für Vermögen mit einem Wert von über 800.000 Euro 1% erreichen. Konkrete Angaben zu der Gestaltung der „progressiven Staffelung“ liegen bisher allerdings nicht vor.

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  1. Maria P.
    17. November 2013, 13:48 | #1

    Anscheinend kommt eine gewisse Gerechtigkeit, in der Sache!

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