Kein Interesse an Promi-Immobilien in Griechenland

20. November 2013 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 2.514

Das Finanzministerium in Griechenland forciert die Zwangsversteigerung der Immobilien von Steuerschuldnern, bisher allerdings ohne nennenswerte Erfolge.

Das griechische Finanzministerium, das zum ersten mal seit Jahrzehnten beschloss, zumindest einen Teil der Beträge der fälligen Verbindlichkeiten einzufordern, schreitet zu Pfändungen und Versteigerungen des immobilen Vermögens namhafter Großschuldner des Fiskus. Villen, Grundstücke, Fabriken, städtische Immobilien, Geschäftslokale, Lagerräume, Flurstücke gingen in die Hände des Fiskus über und kommen unter den Hammer.

Die griechische Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ präsentierte das Programm bereits erfolgter Zwangsversteigerungen sowie auch der Versteigerungen, die in den nächsten Monaten stattfinden sollen. Die Liste belegt, dass der Fiskus zum ersten Mal bei bekannten (und nicht) Personen und Unternehmen „Hand anlegt“, die insgesamt mehr als 30 Mrd. Euro schulden.

Dazu sei in Erinnerung gerufen, dass vor einigen Monaten das Finanzministerium mehr als 6.000 Großschuldner mit Schulden von jeweils über 150.000 Euro „in den Fokus“ rückte. Es gab sogar auch eine zweite Liste mit 554 Privatpersonen und 1.105 Firmen, die ins Visier des Finanzamts gerieten.

Auch die Großen werden zahlen

Von den obigen Schuldnern hat die Zentrale für Einnahmen 4.000 natürliche Personen und Firmen unter die Lupe genommen, die über 1,5 Mrd. Euro schulden. Es handelt sich hauptsächlich um Schuldner, die jahrelang nicht die Einkommen- oder Mehrwertsteuer entrichteten, während sie zur selben Stunde ein luxuriöses Leben führten.

Die operative Stelle für Einnahmen des Finanzministeriums schritt zu Kontrollen und gelangte zu den Endbeträgen, welche die in Rede stehenden Schuldner schulden. Nach den abschließenden Recherchen und schriftlichen „Mahnungen“ an die Schuldner, ihre Schulden zu begleichen, schreiten nunmehr die Pfändungen und Versteigerungen voran. „Auch die Großen werden zahlen. Die Steuerhinterzieher haben zu wissen, dass die Pfändungen weitergehen werden„, betont gegenüber der Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ ein hochrangiger Funktionär des Finanzministeriums, der die Angelegenheit der Versteigerungen handhabt.

Ziel des Ministeriums ist, so viel wie möglich aus den fälligen Verbindlichkeiten beizutreiben und dabei Immobilien von Großschuldnern unter den Hammer zu bringen. Informationen zufolge umfasst die erste Liste 50 Immobilien von hohem Wert, von denen geschätzt wird, dass sie mehr als 80 Mio. Euro einbringen können. Sogar auch falls die Versteigerungen ergebnislos verlaufen sollten, wird der Fiskus seine Bemühungen um die Veräußerung der in Rede stehenden Immobilien fortsetzen, um Einnahmen beizutreiben und steuerliche Gerechtigkeit walten zu lassen.

Zwangsversteigerungen verliefen erfolglos

Die ersten sechs Immobilien, die versteigert wurden, beziehen sich auf Schuldner, die insgesamt 95,1 Mio. Euro schulden, während der Anfangswert (Mindestgebot) des immobilen Vermögens und die Einnahmen, auf welche der Fiskus hofft, sich auf mindestens 11 Mio. Euro belaufen. Konkret handelt es sich um sechs Großschuldner:

1. Panagiotis Koutsikos, als geschäftsführender Vorstand der Versicherungsgesellschaft ARGO SA
Das anfängliche geschuldete Kapital betrug 11,3 Mio. Euro und die Gesamtschuld erreichte mit den Zuschlägen 20,7 Mio. Euro. Herr Koutsikos ist ehemaliger Ehemann der Europa-Abgeordneten der ND und ehemaligen Bildungsministerin Mar. Giannakou. Der Fiskus schritt zu Pfändung und Versteigerung eines unter Denkmalschutz stehenden zweistöckigen Gebäudes an der Straße Makri 9A im Bezirk Makrygianni, das eine Fläche von 302 qm hat. Das Erstgebot für die Immobilie war 800.000 Euro. Ebenfalls wurden 3 Lagerräume in Athen mit einem Startpreis von 106.600 Euro gepfändet.
Die Versteigerung wurde allerdings als erfolglos erklärt, da sich keine Bieter einfanden, und somit ging der Zuschlag vorläufig an den Fiskus. Die Zusprechung der versteigerten Immobilien durch die Zentrale für Einnahmen an den Fiskus erfolgte jedoch nicht.

2. Apostolos Gavalas, geschäftsführender Vorstand der „Lakis Gavalas SA“
Der bekannte Mode-Designer schuldete 10,2 Mio. Euro, und mit den Zuschlägen erreichte die Schuld 12,6 Mio. Euro. Der Fiskus schritt zur Pfändung seiner Ferienvilla auf Mykonos mit einem Startgebot von … gerade einmal 960.000 Euro. Die Versteigerung wurde jedoch anulliert, weil es ein Veräußerungsverbot von der Geldwäsche-Behörde gab. L. Gavalas versuchte die Villa im vergangenen Jahr zu einem Betrag in der Größenordnung von 8 Mio. Euro zu verkaufen!
Es stellt sich also die Frage, wer die in Rede stehende Immobilie auf gerade einmal 1/10 ihres Marktwertes schätzte. Offensichtlich handelt es sich um den nach dem System der sogenannten „objektorientierten Wertbestimmung“ ermittelten Wert, jedoch wird der Staat viel Geld verlieren, wenn er das Objekt zum Preis von 960.000 Euro verkauft.

3. I. Lazaris – Maniatis OHG
Die in Rede stehende Firma schuldete anfänglich 14,9 Mio. Euro, und mit den Zuschlägen erreichte die Schuld 28,2 Mio. Euro. Die erfolgte Pfändung bezog sich auf ein luxuriöses Haus in Lagonisi, mit einem Startgebot von 684.871 Euro. Auch hier gab es bei der Versteigerung keinen Bieter, während ein Beschluss über den Zuschlag oder nicht der Immobilie an den Fiskus bei der Zentrale für öffentliche Einnahmen anhängig ist.

4. Polyform Manufacturing Einpersonengesellschaft
Die Gesellschaft schuldete 6,8 Mio. Euro und mit den Zuschlägen erreichte die Schuld 16,1 Mio. Euro. Der Fiskus schritt zur Pfändung der Formaldehyd- und Polymer-Fabrik im Industriegebiet von Komotini. Das Startgebot betrug 4 Mio. Euro, jedoch fanden sich keine Bieter ein.

5. Proodevtiki ATE
Die bekannte Baugesellschaft, die vielen wirtschaftlichen Problemen begegnet, hatte anfänglich fällige Verbindlichkeiten an den Fiskus von 2,4 Mio. Euro (die mit den Zuschlägen 3,3 Mio. Euro erreichten). Die Zentrale für öffentliche Einnahmen schritt zur Pfändung eines Grundstücks am 19. Kilometer der Nationalstraße Athen – Lamia und der Versteigerungspreis begann ab 2,45 Mio. Euro.
Gemäß einem Beschluss der Einzelrichterkammer des Landgerichts Piräus wurde allerdings die Korrektur des Programms angeordnet und ein neuer Versteigerungstermin für den 27 November angesetzt.

6. VILCO P. Vilaras
Die Gesellschaft ist im Großhandel pharmazeutischer Produkte aktiv und schuldete anfänglich 7,5 Mio. Euro (Gesamtbetrag nebst Zuschlägen 13,8 Mio. Euro).S 2009 erfolgte die Pfändung ihrer Fabrik in Iraklio / Attika mit einem Startgebot von 2 Mio. Euro, die Versteigerung wurde jedoch per Gerichtsbeschluss annulliert.

Aus den sechs Fällen, aus denen der Fiskus 11 Mio. Euro für Schulden von 95 Mio. Euro (also fast 10%) einnehmen wollte, floss schließlich nicht ein einziger Euro in die Kassen, jedoch nahm das Finanzministeriums wenigstens die ersten Pfändungen bei Prominenten vor und fügte seinem Portefeuille einige Immobilien hinzu.

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  1. Heinz
    20. November 2013, 12:49 | #1

    Macht ja nix, wenn die im Moment nicht an die Käufer zu bringen sind. Hauptsache, sie werden den bisherigen Eigentümern nicht wieder übergeben. Außerdem kann der Fiskus die Beitreibung der Steuerschulden weiterhin betreiben, z.B. von Bankkonten, sowohl im Inland als auch im Ausland, auch von schwarzen Konten. Die CD muss nur endlich genutzt werden. Ohne Rücksicht auf irgendwelche „Connections“.

  2. 20. November 2013, 20:01 | #2

    In Deutschland ist das so gelaufen:
    Die BRD Treuhand konnte sich das Vermögen der DDR, ca. 2,5 Billionen Euro (teils entschädigungslos enteignete Vermögen, Immobilien etc.) einfach 1989 in einem handstreich einverleiben. Nachdem dann alles an die Heuschrecken „verkauft“ war blieben der Treuhand, und damit dem Steuerzahler, Schulden in einem dreistelligen Milliardenbereich. Es haben sich also ca 3 Billionen Privatvermögen „in Luft aufgelöst“. Das ist die Blaupause für Griechenland und ganz EUROtopia.

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