Die Zäpfchen des Gesundheitsministers in Griechenland

27. November 2013 / Aktualisiert: 08. Februar 2017 / Aufrufe: 779

Die Politik des Gesundheitsministers in Griechenland scheint bisher nur Privatkliniken und internationale Pharma-Konzerne begünstigt zu haben.

Man könnte im Scherz sagen, Adonis Georgiadis sei jenseits jeden Zweifels der grundlegendste Promoter der Pharma-Industrie, da – sofern er seine Politik fortsetzt – bald Ärzte, medizinisches Personal und sicher die Patienten Pillen schlucken müssen, um ihn auszuhalten. Aber auch wenn jemand nichts mit all dem zu tun hat, reicht es schon, nur einem seiner dutzende TV-Auftritte zuzuhören, um Bekanntschaft zumindest mit Präparaten zu machen, die sich auf den Blutdruck beziehen.

Aber lassen wir die Scherze und begeben wir uns zur Essenz. Der Gesundheitsminister (ja, er ist Minister, und zwar für Gesundheit, er ist nicht nur einfach „Adonis“) kündigte an, 6.000 Medikamente billiger zu machen. Wer ihm nicht zustimmte, wurde attackiert, keine billigen Medikamente für das Volk zu wollen, sondern Interessen der Pharma-Industrie zu dienen. Sind jedoch die Billigpreise des Herrn Georgiadis ein Schlag gegen die Interessen?

Griechische Hersteller werden aus dem Markt gedrängt

Alle, die mit dem Raum des Journalismus zu tun haben, erinnern sich an den alten Trick, als die Polizei ein Schiff mit 300 Kilo Haschisch aufspürte. Wir hegten alle den Verdacht, dass jemand „gepetzt“ hatte, damit die Polizei ihren Erfolg verzeichnet, während parallel ein anderes Schiff mit 5 Tonnen Kokain passierte. Genau das macht Adonis Georgiadis. Er präsentiert einen Erfolg des „billigen Medikaments“ zu einer Stunde, wo das Schiff mit Geld für die multinationalen Pharma-Industrien unbemerkt passiert.

Lassen wir uns die Dinge konkreter betrachten: Adonis Georgiadis macht nicht alle Medikamente billiger, sondern die mit ausgelaufenen Patenten und die Generika. Die teuren Medikamente, die von den Multis produziert werden, rührt er nicht an. Stattdessen erhöht er bei diesen Präparaten die Selbstbeteiligung des Versicherten.

Wenn beispielsweise das Generikum billiger gemacht wird, bedeutet dies praktisch, dass keiner der griechischen Industriebetriebe es noch herstellen kann, weil sie nicht mit dem billigen Generikum konkurrieren können, das in Bangladesch und Pakistan produziert wird und nicht die Sicherheitsverordnungen erfüllt. Somit werden die verbilligten Medikamente in Griechenland überhaupt nicht mehr produziert und wir folglich wir nur die teuren nehmen oder ein zweifelhaftes Medikament konsumieren.

Das Hauptsächliche ist jedoch, dass Griechenland ein Referenzland darstellt. Also zu jenen Ländern zählt, die für ganz Europa den Medikamentenpreis bestimmen, der sich als Durchschnitt der niedrigsten Preise ergibt. Das teuer bleibende Medikament der Multis bedeutet somit Gewinne für die Pharma-Multis auch außerhalb Griechenlands. Der Beitrag des Adonis Georgiadis ist folglich unschätzbar.

Griechenland stirbt, im übertragenen und im wörtlichen Sinn …

Ebenfalls stellt sich allgemein ein Thema in Bezug auf Adonis Georgiadis. Da seine Politik auf dem Sektor der Gesundheit dazu führt, dass er mit der Gesamtheit der mit dem Gesundheitsbereich in Zusammenhang stehenden Faktoren kollidiert, angefangen vom Krankenhaus und dem Patient bis hin zum Arzt und vielleicht den griechischen Pharma-Firmen, wer ist es also, der mit der von ihm umgesetzten Politik einverstanden ist? Wer sollte der Politik eines Gesundheitsministers applaudieren, wenn nicht diejenigen, die mit der Gesundheit zu tun haben?

Alles, was Adonis Georgiadis auf dem Bereich der Gesundheit tut, scheint also bisher die privaten Krankenhäuser und die Multis zu begünstigen. Nicht die Patienten, die auf den Behelfsliegen sterben, nicht die Ärzte, die vor Erschöpfung umfallen, damit ihre Patienten nicht sterben. Der TV-Minister soll einfach mal einen Abstecher zu den Krebskliniken machen und den Menschen dort, die ihre Medikamente nicht bekommen, von „Interessen“ erzählen. Er soll es den Eltern sagen, deren Kind verstarb, bevor es drei Jahre alt wurde, weil es nicht rechtzeitig operiert werden konnte.

Adonis Georgiadis bediente sich ein weiteres Mal des Podiums des Parlaments nicht, um Politik auszuüben oder Fragen zu beantworten, sondern als TV-Fenster. Er beschuldigte (die Zeitung) „Avgi“ und (den Radiosender) „Sto Kokkino„, ihn zu bekämpfen, weil sie Werbung einer Pharma-Industrie einstellen. Adonis nutzt gemäß der beliebten Taktik eine Wahrheit, um darauf eine ihm genehme Lüge aufzubauen. Es ist zum Beispiel, als ob jemand behaupten würde, sein neulich stattgefundener Besuch in der israelischen Botschaft – was ein wahres Ereignis ist – habe stattgefunden, um sich 500.000 Euro einzustecken, damit er die Interessen der israelischen Pharma-Industrie * wahrnimmt. So etwas ist einfach nicht seriös.

Griechenland stirbt, im übertragenen und im wörtlichen Sinn, und zusammen mit allem anderen muss es die Therapie eines Kerls ertragen, der die Gesundheitspolitik bestimmt, als ob er Fliegennetze und Bücher per TV verkaufen würde. Eine Therapie mit Zäpfchen.

(Quelle: Büchse der Pandora, Autor: Kostas Vaxevanis)

* Bezüglich der Hintergründe der Anspielung auf israelische Interessen sei auf den zweiten Teil dieses Beitrags verwiesen.

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