Der Tod des Kleineigentümers in Griechenland

3. November 2013 / Aufrufe: 5.344

In Griechenland wird derzeit die größte Umverteilung und Konzentrierung immobilen Vermögens eingeleitet, die jemals stattgefunden hat.

In der Politik ist üblicherweise nichts so wie es scheint. Und, das schlimmste: manchmal verstecken sich hinter formalen Aktivitäten große Tricks. Einen solchen Fall erlebten wir in der Epoche des Börsen-Booms.

Hinter der Blase existierte ein konkreter Plan, der in der größten und heftigsten Einkommens-Umverteilung endete, die jemals geschah. Die Gelder der Vielen wurden innerhalb weniger Jahre in die Taschen der Wenigen transferiert. Es war ein Trick, der von einer konkreten Clique inszeniert wurde, in der Faktoren der Wirtschaft und der Politik zusammenarbeiteten.

Sie bekommen die Papiere und wir das Geld

Für manche war in jener Epoche der Mechanismus der Börse ein Weg, das versteckte Geld in die offizielle Wirtschaft zu transferieren. Für andere waren diese theoretischen Tangierungen irrelevant, sie sahen es praktischer: „jene bekommen die Papiere und wir das Geld„. Und so geschah es schließlich. Abgesehen von den Spekulanten, welche die Börsenkurse im Schlaf beherrschten und nach Netzwerken für Insiderinformationen suchten um über Nacht reich zu werden, wurde das große Geld – völlig rechtskonform und steuerfrei – von dem einfachen Sparer zu dem großen „Investor“ transferiert, der es jedoch niemals investierte. Er steckte es sich in die eigene Tasche und brachte es – in der Regel – ins Ausland.

In diesem Plan wirkte der Staat in allen seinen Formen bewusst mit. Die staatliche Top-Bank führte eine Kampagne durch um die Naiven darüber zu informieren, dass sie ihnen Kredite gibt um Aktien zu kaufen. So, als ob die Bank einem einen Kredit gibt um im Kasino zu spielen. Der Premierminister gab bekannt, mittels der Besteuerung der Börsengeschäfte werde das Versicherungssystem finanziert werden. Der Wirtschaftsminister kündigte an, die Börse würde auf über siebentausend Punkte steigen – bringt also alles, was ihr habt, und werdet ohne Mühe reich. Und die zuständigen Behörden genehmigten kontinuierlich Börsengänge sogar auch für Bäckereien und Grillstuben, die angeblich die Voraussetzungen aufwiesen um über die Börse kapital zu schöpfen.

Das Unternehmen endete in der schwindelerregenden Bereicherung Etlicher einerseits und in dem „Tod des Kleininvestors“ andererseits.

Größte Umverteilung immobilen Vermögens, die es je gab

Der selbe Trick scheint sich in der jetzigen Periode zu wiederholen, diesmal mit dem immobilen Vermögen als Gegenstand. Die Steuerattacke gegen Immobilien jeder Natur, jeder Nutzung, jeder Herkunft dient nicht nur laufenden Liquiditätsbedürfnissen. Sie tun das nicht nur, um Geld einzutreiben. Und es ist auch keine Konfiszierung des Vermögens, wie viele – irrig – meinen. Die Konfiszierung erfolgt nämlich zu Gunsten des Staates. Im Vorliegenden werden jedoch Privatleute profitieren.

Das, was Venizelos mit der „Abzocke“ auf die „bebaute Fläche“ begann (Anmerkung: gemeint ist die außerordentlichen Sonderabgabe auf elektrifizierte Immobilienflächen EETIDE) und Stournaras anderswo (sprich mit der neuen Einheitlichen Immobiliensteuer EFA) weiterführt, wird zu der größten Umverteilungen immobilen Vermögens führen, die es jemals gab. Die Abwertung aller Immobilien wird diese auf Gnade und Ungnade denjenigen ausliefern, die über die Möglichkeit verfügen, ihren Kauf zu Spottpreisen zu finanzieren. Und allen ist bekannt, wer diese sind: Schmiergeldritter, Profithaie, Scharlatane, Pseudo-Investoren und Opportunisten, die reingewaschene Gelder verwalten, alle, die über illegale Gelder verfügen, werden einfallen und sich aussuchen, was ihr Herz begehrt.

Alles wird zum Verkauf angeboten werden, für einen Apfel und ein Ei. Wer von dem Finanzamt in die Knie gezwungen wird, gelangt an den Punkt, sein Haus zu verschenken, Hauptsache der andere bezahlt die Steuern. Er wird betteln, sein Unternehmen umsonst abzugeben, um nicht in Ketten gelegt zu werden. Er wird sein Grundstück unter den Hammer bringen, um nicht als „Besitzender“ zu gelten. Wenn die Bank dem Nachbarn die Immobilie wegnimmt und für ein Drittel ihres Wertes versteigert, wird die eigene Immobilie ebenfalls zwei Drittel ihres Wertes verlieren.

Gnadenschuss für Gesellschaft und Wirtschaft

Vielleicht wird es auch diesmal Theoretiker geben, die glauben, dass auf diese Weise die abgeflossenen Gelder nach Griechenland zurückkehren werden. Das sind jedoch Seifenblasen. Die Essenz ist, dass die Verlagerung des Eigentums von den Vielen zu Wenigen organisiert wird. Und es geschieht nicht zufällig, sondern geplant.

Die Entwertung der Ersparnisse, die der durchschnittliche Mensch ein Leben lang beiseite gelegt hat, erfolgt auf eine noch zynischere Weise als der „Haircut“ der Anleihen, der all jene vernichtete, die den staatlichen Titeln vertraut hatten, welcher „Cut“ jedoch als … Triumph präsentiert wurde. Auch diesmal werden die Folgen vernichtend sein. Mit der Börse verlor der Naive seine Ersparnisse, weil er darauf hörte, was ihm – nicht völlig zu Unrecht – damals auch (der ehemalige Premierminister) Simitis sagte. Nun wird er auch das Dach über seinem Kopf, sein Unternehmen, das Vermögen seiner Familie. „Der Tod des Kleineigentümers“ wird der Gnadenschuss für die Gesellschaft und die Wirtschaft sein – also für das Land.

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Giorgos Lakopoulos)

Relevante Beiträge:

  1. Pauli
    3. November 2013, 10:13 | #1

    Selber schuld. Wer wählte denn nach wie vor ND und PASOK?

  2. Realist
    3. November 2013, 10:27 | #2

    Das ist der wahre Grund, wieso die Goldene Morgenröte so einen Zulauf hat: Die Vernichtung des Mittelstands!

  3. 3. November 2013, 12:09 | #3

    In Griechenland wird derzeit die größte Umverteilung und Konzentrierung immobilen Vermögens eingeleitet, die jemals stattgefunden hat.
    Genau das war auch das Ziel dahinter. In der BRD wird das seit Jahrzehnten betrieben, Reallohnsenkungen, Armutsausweitung breiter Bevölkerungsteil etc. Nur ist der Michel zu blöd um das zu merken, geschweige denn etwas dagegen zu tun. Das Böse kann man leider nicht mit Toleranz und friedlichen Mitteln abwenden, leider. Sie werden eher alles den Bach runtergehen lassen als zu verlieren.

  4. 3. November 2013, 12:33 | #4

    ja, so sieht sie aus die finanzkrisen-entwicklung:
    man schafft die klein-unternehmer ab und es dominieren nur noch die grossen firmen … alles so gewollt: und wenn diese multis geld brauchen, dann wird das aus dem hut gezaubert und sie werden von den steuergeldern unterstützt so nach dem motto: to big to fail … so sieht die zukunft aus und das nicht nur in griechenland … das wird in den westlichen ländern zur methode … schöne neue welt :-((

  5. Waltom
    3. November 2013, 18:51 | #5

    Durch die Senkung der Imobilientransaktionssteuer, gibt man dem Käufer nochmal eine zusätzliche Gewinnsteigerung. Klasse Ihr Diebe!

  6. melitta otter
    10. Juli 2014, 16:50 | #6

    ich lebe seit 14 jahren auf kreta und kann nur bestaetigen, was dieser artikel beschreibt. es waere gut, wenn sich viele diesen blog zu gemuete fuehren wuerden um etwas eingehendere information ueber die situation in griechenland zu bekommen. die massnahmen der troika waren von anfang an nie dazu da, um das land wirklich zu sanieren, jede/r der/die ein wenig verstaendnis von wirtschaft hat, konnte dies sehen.
    ueber das land fallen jetzt alle haie her und die einfachen leute werden um das betrogen, was sie sich schwer erarbeitet haben. diejenigen, die es sich immer schon gerichtet haben, sahnen ab – und in den schulen fallen kinder von den stuehlen, weil sie nichts zum essen haben. viele leben mit ihren familien im winter in ungeheizten wohnungen und haeusern, teilweise ohne strom und wasser.
    well done!

    • Christina Pfingstmann
      13. Februar 2016, 20:50 | #7

      Liebe Melitta, wir haben in Graz gemeinsam studiert und waren in Dubrovnik auf Urlaub. Wie schon Christa würde ich mich freuen, wenn du es bist. Aber nachdem du mit einem Griechen liiert warst/bist bin ich zuversichtlich. Ich würde mich über ein mail sehr freuen. Herzliche Grüße Christina

  7. Christa Zöchling
    16. Dezember 2014, 18:58 | #8

    @ melitta otter
    Liebe Melitta, wenn Du „die“ Melitta bist (Graz, Studium, Wienerwald am Starnberger See), dann melde dich bitte bei mir: Christa Zöchling 0043/699/15513516 oder christa.zoechling@profil.at

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