Success-Story in Griechenland endet in den Parks

20. Oktober 2013 / Aktualisiert: 26. Oktober 2014 / Aufrufe: 3.285

Die von der Regierung in Griechenland gefeierte Success-Story endet für immer mehr Bürger auf einer Parkbank oder einem Entlüftungsschacht.

Die Zahlen gedeihen, aber die Menschen verarmen„, vertrat einmal vor dem griechischen Parlament der „Alte der Demokratie“ (Anmerkung: gemeint ist Georgios Papandreou senior).

Die Triumphe der Regierung rund um den primären Überschuss des BIP 2013 und die Success-Story werden auf den Athener Straßen alltäglich demontiert. Auf den Parkbänken. In den Passagen der Panepistimiou und der Stadiou. An den warmen Metallgittern der Luftschächte an den Eingängen der U-Bahnhöfe in der Monastiraki, an dem Syntagma-Platz und an der Omonia. Bei den Tafeln und in den Obdachlosenheimen des Bistums und der Kommunen … . Vor allem jedoch in den Figuren, die jeden Abend ihren kleinen Einkaufswagen von Mülltonne zu Mülltonne schieben und ihr verlorenes Leben suchen.

9 von 10 Obdachlosen sind Griechen

Die Obdachlosen in Athen, Thessaloniki und anderen großen urbanen Zentren Griechenlands werden auf mehr als 20.000 veranschlagt, bei einer kontinuierlich steigenden Tendenz in den beiden letzten Jahren. Unbestimmt bleibt dagegen die Anzahl der Menschen, die unter ungewissen Wohnbedingungen leben, da es in Griechenland bisher keine institutionelle Anerkennung und offizielle Erfassung des Phänomens gibt. Außerordentlich verbreitet ist auch die irrige Annahmen der Mehrheit der öffentlichen Meinung in Zusammenhang mit dem Profil der Obdachlosen im Griechenland der Krise.

Die Figur des Jean Valjean, des zentralen Helden in dem berühmten Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo, passt nicht zu der griechischen Realität. Der „Neu-Obdachlose“ im Griechenland der wirtschaftlichen Krise ist nicht der Clochard, der Drogensüchtige, der psychisch Kranke, sondern derjenige, den wir den „Menschen von nebenan“ zu nennen pflegten.

Anfang 2012 versuchte der Träger für Entwicklung des menschlichen Potentials und gesellschaftlichen Kapitals und Bewältigung des gesellschaftlichen Ausschlusses „I Klimaka“ (Die Leiter), eine erste offizielle Aufzeichnung des Profils der Menschen vorzunehmen, die mit dem Alptraum der Obdachlosigkeit konfrontiert sind, und befragte 214 obdachlose Griechen und Ausländer in Athen.

Die Fakten der Untersuchung bezüglich des Profils der Neu-Obdachlosen der Hauptstadt Athen sind enthüllend:

  • Zwei von drei der Befragten (64,8%) gelangten in den letzten zwei Jahren an dem Punkt an, auf den Straßen zu schlafen, während jeder Fünfte die Sicherheit seiner Unterkunft in den letzten sechs Monaten verlor.
  • Griechen mit signifikanten wirtschaftlichen und familiären Problemen.
  • Neun von zehn Obdachlosen sind Griechen, während jeder zweite (47%) als Hauptgrund für das Leben ohne Unterkunft die finanziellen Probleme und die Arbeitslosigkeit benennt.
  • Fast jeder Fünfte (17,3%) bezieht sich auf die unzureichende familiäre Unterstützung.
  • Der Anteil der in der Untersuchung erscheinenden Obdachlosen, die psychologischen Problemen begegnen oder Drogen konsumieren, liegt nicht höher als 8,6%.

Hochschulabsolventen auf der Straße

Aufzeigend für die Folgen der wirtschaftlichen Krise in der kleinbürgerlichen Klasse ist das Bildungsniveau der Obdachlosen, da jeder fünfte (19,6%) erklärt, Absolvent einer Universität oder Technischen Hochschule zu sein, und jeder vierte (25,2%), die Oberschule abgeschlossen zu haben. Kaufleute, die ihre Unternehmen zusammenbrechen sahen, und Arbeitnehmer, die in von der Krise heimgesuchten Branchen beschäftigt sind, wie technische und touristische Berufe und Baufirmen, stellen 81% der Obdachlosen in Athen dar.

Was ihre familiäre Situation betrifft, gaben 45% an, geschieden zu sein oder in Trennung zu leben, während 43% verheiratet sind. Jeder zweite erklärte, Kinder zu haben, zu denen jedoch nur minimaler oder überhaupt kein Kontakt besteht, obwohl den Verwandten von fast 65% bekannt ist, dass sie auf der Straße schlafen, sie ihnen jedoch nicht helfen wollen oder nicht können, weil auch sie selbst ernsthaften finanziellen Problemen begegnen.

In nicht wenigen Fällen wählen die Familien sogar, sich zu trennen um zu überleben, wobei die Eltern sich entscheiden, die Kinder zu den Großeltern zu schicken und sie selbst an dem Punkt angelangen, auf der Straße zu schlafen.

Hygiene und medizinische Versorgung

Im Gegensatz zu der vorherrschenden Meinung, die alltägliche Sorge der Obdachlosen sei die Sicherstellung von Nahrung, scheint dies für einen von zwei Befragten kein Problem darzustellen, da sie bei den Tafeln der Kirche oder Kommunen einen Teller Essen finden. Als ein ernsthaftes Problem erweist sich dagegen für die meisten die Erhaltung der Hygiene, da es für 41% ein Problem darstellt, einen Ort zu finden um ein Bad zu nehmen. Was die Weise betrifft, auf die sie überleben, antworteten 50% der Befragten, mit 0 bis 20 Euro im Monat zu leben!

Als ein großes Problem erweist sich für die Mehrheit der 20.000 Obdachlosen im übrigen ihre medizinische Versorgung, da die meisten von ihnen ernsthaften chronischen Gesundheitsproblemen begegnen und 58,1% keinerlei Krankenversicherung haben. Abgesehen von der physischen Gesundheit hat ihre schlechte psychische Verfassung jeden Fünften zu Verzweiflungstaten geführt, da 18,1% wenigstens einen Selbstmordversuch unternommen haben. Jeder Zweite befindet sich im Vorstadium der Depression und zwei von drei haben häufige Angstanfälle. Um ihren Problemen zu entfliehen, wendet sich fast die Hälfte von ihnen dem Konsum von Alkohol oder Drogen zu.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. Buchfink
    20. Oktober 2013, 13:44 | #1

    Ja das ist der große Plan der heute gemachten Politik nämlich soviel Menschen wie möglich zu verarmen und zu verelenden. Die Profitgier der Konzerne und Banken ist zum Kotzen. Sorry. Die ganzen asozialen Vögel die in den ReGIERungen und in Brüssel sitzen und meistens noch nicht einmal gewählt sind bzw. dorthin gelobt werden siehe Merk oder Öttinger sollte man alle wegen Vaterlandsverrat anklagen.
    Aber das wird wieder nicht passieren wie schon nach dem Fall der Mauer. Die kleinen hängt man die großen lässt man laufen. Das nennt man Politik.

  2. Melanie G.
    20. Oktober 2013, 21:54 | #2

    Das ist die EU, das ist der fortschritt, die wohlstandsvermehrung, die überall gepriesen wurde.
    Enstation … obdachlos. Das interessiert die Politiker in Brüssel und Athen nicht im Geringsten. Sie haben alles, soll der andere doch sehen, wo er bleibt.
    Wie konnten sich die Griechen nur dahin manipulieren lassen? Das Volk ist jetzt der Leidtragende dieser verheerenden Schuldenpolitik und Goldman reibt sich die Hände. Er hat gut verdient dabei. Was juckt denn den Gott Goldman der Obdachlose, der auf der Straße sein Leben verbringen muß. Se haben nur noch die Wahl, den Bankrott zu erklären und dann neu starten, am besten ohne die EU und EURO. Ob sie das begreifen? Auch hier gilt, die Geister die sie riefen, sie werden sie nicht los.

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