Griechenland: Steuerschulden? Gib Dein Haus!

4. Oktober 2013 / Aufrufe: 6.139
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Eine neue gesetzliche Regelung in Griechenland sieht die Begleichung von Schulden an den Fiskus durch die Abtretung von Immobilien vor.

Das griechische Finanzministerium schreitet zu einer neuen gesetzlichen Regelung für die Steuerpflichtigen, die fällige Schulden an den Fiskus haben, diese jedoch nicht zu begleichen vermögen. In diesem Fall können die Schuldner – auch um nicht zuletzt ihrer Inhaftierung zu entgehen – ihre Immobilien an den Fiskus abtreten!

Die in Rede stehende Regelung kommt keinesfalls zufällig, da die kontinuierlich zunehmende Anzahl der Steuerpflichtigen, die ihre fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus schon jetzt definitiv nicht zu begleichen vermögen, spätestens mit dem Inkrafttreten der Bestimmungen der sogenannten Steuerreform ab 2014 unweigerlich explosive Dimensionen annehmen wird.

„Überzahlungen“ werden nicht erstattet!

Wie in der gesetzlichen Regelung vorgesehen ist, die in den kommenden Tagen dem griechischen Parlament zur Debatte und Ratifizierung vorgelegt werden soll, haben die Bürger, die ihre Schulden an das Finanzamt nicht in bar zu begleichen vermögen, konkret die beiden nachstehenden Möglichkeiten:

  1. Sie übereignen das vollumfängliche Eigentum an der Immobilie an einen Dritten, bei gleichzeitiger teilweiser oder vollständiger Abtretung der Forderung aus der Entrichtung des Kaufpreises an den griechischen Fiskus. Auf diese Weise gehen die Schulden auf den neuen Eigentümer über, der auch der ausschließlich Verantwortliche für die Begleichung der Schulden des Vorbesitzers an den Fiskus sein wird.
  2. Sie treten an den griechischen Fiskus das vollumfängliche Eigentum an einer Immobilie im wenigstens selben Wert mit dem Betrag der (damit) beglichenen Steuer. Wenn allerdings die Immobilie in ihrem Wert die Gesamtschuld übersteigt, wird der überzählige Betrag NICHT erstattet.

Zusätzlich sieht die Ministerialregelung eine Geldstrafe von 5.000 Euro je Fall zu Lasten von Notaren und Dienststellenleitern von Grundbuchämtern vor, falls sie zur Unterzeichnung von Verträgen über die Übereignung von Immobilien schreiten, Titel umschreiben usw., deren Eigentümer nicht die Einheitliche Immobiliensteuer 2014 entrichtet haben.

Trotz allem können die Notare die Übereignungsverträge eines Eigentümers mit fälligen Schulden nur dann regulär abschließen, wenn sie innerhalb von 72 Stunden ab der Unterzeichnung des Vertrags den an den Staat geschuldeten Betrag selbst entrichten.

(Quelle: To Pontiki)

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  1. 4. Oktober 2013, 15:23 | #1

    Das ist doch in Deutschland normal. Wer Vermögen hat muss dieses für seinen Lebensunterhalt oder für die Schuldenbegleichung einsetzen. Man kann doch keine Schulden haben und gleichzeitig Immobilienbesitzer sein. In Deutschland muss man sein Haus verwerten, bevor man Sozialhilfe erhalten kann. Gleiches Recht für alle?

  2. H. Kohrs
    4. Oktober 2013, 15:33 | #2

    Diese Variante erscheint mir besser als irgendwelche Steuern für die breite Masse der Bevölkerung. Ich hoffe nur, dass auch Immobilien in der gesamten EU eingeschlossen werden, damit die vaterlandsverratenden Griechen, die Milliarden außer Landes geschafft haben, keinen schlanken Fuß machen können. Berliner und Hamburger Wohnblöcke standen bei reichen Griechen hoch im Kurs, um dubiosen Reichtum vor dem Fiskus zu retten.

  3. Moppel
    4. Oktober 2013, 17:06 | #3

    Zahllose Eigentümer in Griechenland würden ihren Besitz lieber heute als morgen abgeben, wenn sie im gegenyug Sozialhilfe erhalten würden. Wer sein Haus bzw. seine Wohnung verliert, sitzt dann jedoch buchstäblich auf der Straße, da es abgesehen von einigen wenigen karitativen Einrichtungen nicht einmal Obdachlosenheime gibt, von Sozialhilfe ganz zu schweigen.

  4. GR-Block
    4. Oktober 2013, 17:13 | #4

    @EuroTanic
    Nein, das kann sich GR nicht leisten. Da gibt es keine Sozialhilfe nur weil man kein Einkommen hat und sein Haus längst verfuttert hat. Es ist billiger, wenn jemand in der eigenen Scholle vor sich hin vegetiert. Immobilienbesitz ist in GR kein Spekulationsobjekt wie in D. Und jetzt in der Krise wo alle verkaufen wollen/müssen schon gar nicht. Jemanden zum Mieter zu machen wäre für die Gesellschaft teurer. Es zeigt wieder wie Herr Samaras das Problem Staatsausgaben übergehen will. Die Vorstellung durch „Einnahme“ von Immobillien flüssig zu werden ist pervers. Außer er denkt daran, an wohlhabende Ausländer zum Schleuderpreis zu verkaufen.

  5. V99 %
    4. Oktober 2013, 18:56 | #5

    Eine in anderen Staaten laengst uebliche Praxis, mit dem kleinen Vorteil fuer den Staat, die Immoblilien dann auch verkauft zu bekommen, was in einigen Faellen in GR wohl kaum moeglich sein wird, wenn ich z.B. daran denke: http://www.griechenland-blog.gr/2013/09/griechenland-ich-kann-nicht-zahlen-nehmt-mein-haus/54436/
    Von daher wird es leider auch die voellig unangemessenen Pfaendungen geben, die Niemandem etwas nuetzen und die arme Bevoelkerung weiterhin rupfen werden, waehrend die Anwaelte und Aerzte etc. in London Wohnungen und Haueser von ihrem Schwarzgeld kaufen.

  6. Deutscher
    4. Oktober 2013, 23:10 | #6

    So weit so gut. Dumm nur, dass Immobilien wie das Wort schon sagt, immobil sind. Wenn nun der Grieche mit seiner Immobilie seine Steuerschuld tilgt, kann der Staat die Immobilie nur dann zu Geld machen, wenn der Staat diese verkaufen kann. Ansonsten ist es ein Wertgegenstand, mit dem der Staat nichts anfangen kann. Ausser er kann diese vermieten. Aber auch dann nur an einen Mieter, der solvent ist und auch bezahlen kann. Und da Griechenland ziemlich am Allerwertesten ist, gehen auch die solventen Mieter aus. Bald gibt es billige Staatsimmobilien für Europäer, weil der griechische Staat Euro braucht, um seine Ölrechnung zu bezahlen. Fraglich, ob die jemand kauft in einem solchen Staate.

  7. Yiaourti Yiaourtaki
    5. Oktober 2013, 00:29 | #7

    @Deutscher
    Ooch, das ist den 8000 Rentner von den britischen Inseln, die auf Zypern leben auch ziemlich egal, obwohl sie jederzeit damit rechnen müssen, daß Gerichte feststellen, daß ihnen Nordzypern diese Grundstücke und Häuser gar nicht hätte verkaufen dürfen.
    Bei dem ganzen Spiel geht es nur darum, daß die europäischen Lakaien, Parteifuzzis und EU-Funktionäre auf maximaler Ebene von Regierungsräten, sich alle ein kleines Häuschen auf den Inseln oder mit Seeblick auf’m Festland abgreifen wollen. Darum geht’s im Prinzip die ganze Zeit: Den ehemaligen „Gastarbeitern“, die mit zwei Jobs á 8 Stunden in Zentraleuropa geknechtet hatten und die Frechheit besaßen, sich vom dadurch Ersparten ein kleines Haus oder eine Eigentumswohnung, ein Ladenlokal oder eine Taverne zu leisten, alles wieder weg zu nehmen. Aber ehrlich gesagt, wenn die ND echt mit dem Gedanken im Bett war, mit einer X.A. „light“ zu kopulieren, weil ihnen wohl spätestens ab 1.1. die Felle davon schwimmen werden, wenn sie Hunderttausende aus IHREN Häusern raus knallen wollen. Deshalb werden sie sich auch weiterhin am Anfang Einzelne raus picken und fertig machen, um all die anderen einzuschüchtern. Also bleiben noch über zwei Monate sich zu organisieren, um es abzuwehren. Literarisch am coolsten wäre, wenn alle aus ihren Häusern Türme wie in der Mani bauen würden – aber dann müßten sie von außen mit Lebensmittel und was zum Heizen, Generatoren für Internet und Licht unterstützt werden und um es mal mit Rio Reiser zu sagen: „Ich glaube es wird passieren“.
    NO PASARAN!

  1. 27. Oktober 2013, 00:05 | #1
  2. 5. November 2013, 00:06 | #2

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