Griechenland: Kellner mit Doktortitel gesucht

28. Oktober 2013 / Aufrufe: 2.114

Die Unverschämtheit der Arbeitgeber in Griechenland geht so weit, dass inzwischen sogar Kellner-Jobs Qualifikationen bis bis hin zum Doktortitel gefordert werden.

Für eine simple Anstellung als Verkäufer oder Kellner werden in Griechenland in der neuen Epoche des Memorandums und der Troika Qualifikationen gefordert, die bis zu einem postgradualen Studium oder sogar Doktortitel reichen.

Es handelt sich um unglaubliche Fälle absurder Anforderungen von Seite der privaten Arbeitgeber, der sich auf der Liste mit den obligatorischen Voraussetzungen darstellt, die von dem OAED ausgehängt wurde und sich auf einzelne Fälle in Elassona, Chania, Xanthi, Thessaloniki, Elevsina und Patras beziehen. Die Unternehmen des privaten Sektors, von denen die konkreten hohen Qualifikationen als Voraussetzung gestellt wurden, suchen nach … Verkäufern, Kellnern oder Bürokräften.

Fast 20% der Arbeitslosen haben ein Universitätsstudium abgeschlossen

Konkreter richten sich über den OAED mittels der „Zentren zur Förderung der Beschäftigung“ (KPA – das griechische Pendant der deutschen „Jobcenter“) diese Arbeitgeber an die bei dem Träger registrierten registrierten Arbeitslosen und suchen nach Personal für die angebotenen Arbeitsplätze. Bei den (von den Arbeitgebern selbst gestellten) angeführten Voraussetzungen wird ein postgradualer Studientitel für Einstellungen als Bürokraft von Firmen gefordert, die ein einschlägiges Gesuch bei den KPA im Elevsina, Thessaloniki, Toumpa, Chania und Patras eingereicht haben.

Zur selben Zeit gibt es auch ein Unternehmen, das mittels des KPA Elassona Kellner sucht und bei den gestellten Voraussetzungen verlangt, dass die Kandidaten Inhaber eines Doktortitels sind. Ebenfalls Arbeitnehmer mit Doktortitel wünscht ein Unternehmen einzustellen, das in der Region von Xanthi aktiv ist und nach Verkäufern für seine Läden sucht und sich aus diesem Grund auch an das lokale KPA des OAED wendete.

Noch beeindruckender ist natürlich die Tatsache, dass der OAED die konkreten Gesuche akzeptierte, aber auch, dass sie trotz der Absurdität der Anforderungen auf Anklang zu stoßen scheinen. Immerhin haben von der Summe der – gleich ob noch nach Arbeit suchenden oder nicht – 1.004.545 registrierten Arbeitslosen eine erhebliche Anzahl von 188.234 Personen einen universitären Studienabschluss inne. Fast ein Drittel von diesen wiederum hat einen postgradualen oder Doktortitel. Dies bedeutet, dass es eine signifikante Anzahl Arbeitsloser gibt, die über eine hohes Niveau der Qualifizierungsgrad verfügen und über den OAED erfolglos nach Arbeit suchen.

100.000 Bewerbungen für 10.000 Stellen „gemeinnütziger“ Arbeit

Der Anstieg der Arbeitslos und der Bedarf nach Arbeit ist dermaßen groß, dass die eingereichten Bewerbung die verfügbare Anzahl von Arbeitsplätzen oft um eine Vielfaches übersteigen. Ein charakteristisches Beispiel ist das Programm gemeinnütziger fünfmonatiger Beschäftigung, für das 10.000 Arbeitsplätze bei Gemeinden und Bezirksverwaltungen des ganzen Landes ausgeschrieben wurden.

Trotz der Tatsache, dass dieses Programm sich vorrangig an Arbeitslose mit niedrigem Bildungsniveau – also Kategorien mit gesetzlicher Pflichtbildung – richtet, gab es über 100.000 Bewerbungen. Hinzu kommt, dass eine erhebliche Anzahl Arbeitsloser (559.332) länger als 12 Monate ohne Arbeit ist, und so suchen sie nach Beschäftigung sogar auch in Tätigkeiten, die sehr weit unterhalb ihrer Qualifikationen liegen.

Ergänzend sei angemerkt, dass das – ausschließlich an registrierte Arbeitslose gerichtete – sogenannte „Programm gemeinnütziger Arbeit“ eine auf 5 Monate befristete Anstellung und Bezüge vorsieht, die für Personen ab 25 Jahren auf täglich 19,60 Euro und monatlich maximal 490 Euro festgesetzt sind, während für Personen unter 25 Jahren der Tageslohn auf 17,10 Euro bzw. der Monatslohn auf maximal 427 Euro begrenzt ist. Der OAED subventioniert diese Arbeitsplätze mittels der Übernahme der gesamten Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) in Höhe von bis zu 258 Euro (für Personen ab 15 Jahren) bzw. 225 Euro (für Personen unter 25 Jahren) pro Monat.

(Quelle: DimokratiaNews.gr)

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  1. EU-Bürger
    28. Oktober 2013, 08:38 | #1

    Unglaublich! Solche Verhältnisse gab es bisher nur in Deutschland unter Hartz4.

  2. Doktorandin
    28. Oktober 2013, 08:49 | #2

    Erstens wäre ich mit griechischen Universitätsabschlüssen vorsichtig, zweitens ist es auch in Deutschland ganz normal, dass Promovierte arbeitslos dastehen. Geistige Arbeit hat halt einen geringen gesellschaftlichen Wert. Und weil das so ist, bekommt auch in Deutschland ein frisch Promovierter zunächst mal kein Arbeitlosengeld, es sei denn er übernimmt irgendwelche Billigjobs, die seinem beruflichen Fortkommen mehr schaden als nützen und darauf hinauslaufen, dass sein Privatvermögen (wer legt nicht etwas zurück?) aufgezehrt wird. Kurz: Man steht dann als Hochqualifizierter schlechter da als irgendwelche Asylanten. Die Griechen mit Universitätsabschluss können sich diesbezüglich also beruhigen. Vielleicht ist es die Absicht der Eurokraten, dass wir in Billigstverhältnissen schuften müssen? Ich weiß es nicht.

  3. Panhellene
    28. Oktober 2013, 09:18 | #3

    Fast 20% der Arbeitslosen haben ein Universitätsstudium abgeschlossen …
    Dafür arbeiten viele ungebildete Deppen, die nicht mal einen PC einschalten können,
    beim Staat …

  4. Beobachter
    28. Oktober 2013, 13:47 | #4

    Nun, da wir im Kapitalismus leben und hier die Doktrin gilt, dass der Markt bekanntlich alles regelt, sollten wir uns doch alle an diese Doktrin halten und diese besagten “Unternehmen“ des privaten Sektors entsprechend boykottieren. Dann sind diese Unternehmen ruckzuck abgewickelt, verschwunden und wir können uns wieder dem Aufbau eines menschenwürdigen Arbeitsmarktes widmen, in dem qualifizierte Leute wie auch unqualifizierte aufgenommen und vernünftig entlohnt werden. Der Verbraucher und Konsument hat die Macht, den Ausbeutern ihre Grenzen aufzuzeigen. Der Verbraucher und nur der Verbraucher! Leider wird immer noch zuviel Vertrauen in alte korrupte politische Strukturen gelegt.
    Und ich betone hier nochmals: ich halte die Administration Samaras für absolut unfähig und antipatriotisch das Land in eine bessere Zukunft zu führen. Dazu ist sie zu sehr von “Heuschrecken“ aus der internat. Finanzbranche korrumpiert und letztlich nur darauf aus, Anlegerinteressen zu bedienen sowie das Volk – reich vs. arm, gebildet vs. ungebildet, Männer vs. Frauen, jung vs. alt, Ausländer vs. Inländer – gegeneinander auszuspielen. Mal sehen wie lange die Hellenen sich noch an der Nase herumführen lassen wollen?

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