Erhöhung der Immobiliensteuern in Griechenland um 700 Prozent

27. Oktober 2013 / Aktualisiert: 25. Januar 2014 / Aufrufe: 10.961
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Die Besteuerung immobilen Vermögens in Griechenland ist innerhalb von fünf Jahren um fast das Siebenfache gestiegen.

Die bis neulich sicherste Zuflucht für Investitionen befindet sich fortan im Auge des (Steuer-) Orkans, wobei die Eigentümer jedes Jahr mehr Steuern zahlen. 2014 wird das griechische Finanzministerium zu Lasten der Steuerpflichtigen Immobiliensteuern in Höhe von 3,6 Mrd. Euro feststellen, während die Vermögensteuern 2009 bei 526 Mio. Euro lagen. Innerhalb von fünf Jahren stiegen die Steuern auf das Immobilienvermögen also um 684,4%.

Hinter der komplexen mathematischen Formel, mit der die neue „Einheitliche Immobiliensteuer“ in Griechenland berechnet werden wird, verstecken sich schier untragbare Belastungen unter anderem für Eigentümer von Grundstücken innerhalb des Bebauungsplans. Speziell für Grundstücke in den teuren Gebieten wird die zusätzliche Steuerlast sehr hoch sein.

Finanzministerium rechnet mit Steuerausfällen von 20%

Bezeichnend sind die Angaben des Finanzministeriums, welche die ungeheuren Belastungen der Immobilien in den letzten Jahren zeigen:

  • 2009 wurden 526 Mio. Euro entrichtet.
  • 2010 wurden 487 Mio. Euro entrichtet.
  • 2011 erreichten die Einnahmen 1,17 Mrd. Euro.
  • 2012 schossen die Einnahmen auf 2,75 Mrd. Euro empor.
  • 2013 werden Einnahmen von 2,75 Mrd. Euro erwartet.
  • Für 2014 wird erwartet, dass 2,9 Mrd. Euro in die Staatskasse fließen.

Es sei angemerkt, dass der Betrag, den die Immobilieneigentümer 2014 mit dem Inkrafttreten der Einheitlichen Immobiliensteuer zu entrichten aufgefordert werden sein, sich auf 3,6 Mrd. Euro beläuft. Es wird jedoch geschätzt, dass ungefähr 700 Mio. Euro von den Steuerpflichtigen wegen ihres Unvermögens zur Entrichtung der Steuer nicht gezahlt werden können – mit dem Ergebnis, dass von den festgestellten 3,6 Mrd. Euro nur ungefähr 2,9 Mrd. Euro in die staatlichen Kassen fließen werden.

Besteuerung aller Immobilien ohne jegliche Freibeträge

Die ab 2014 zur Anwendung kommende neue „Einheitliche Immobiliensteuer“ (EFA) wird laut dem Gesetz an Stelle der mittels der Stromrechnungen erhobenen Immobilien-Sonderabgabe (EETIDE bzw. nun EETA) und der bisherigen Immobilienvermögensteuer (FAP) treten. Praktisch wird damit eine Sondersteuer, die 2011 verhängt wurde um die „schwarzen Löcher“ des Haushaltsplans zu stopfen, nunmehr dauerhaft etabliert.

Die neue Steuer wird ab dem 01 Januar 2014 ohne jegliche Freibeträge auf ausnahmslos alle Gebäude, innerhalb eines Bebauungsplans befindliche Grundstücke und außerhalb von Bebauungsplänen gelegene Ländereien erhoben werden. Spezieller werden somit ab dem kommenden Jahr besteuert:

  • Wohnungen, Einfamilienhäuser, Ferienhäuser, Grundstücke, Gebäude von Manufakturbetrieben, gewerbliche genutzte Gebäude, jede Art fertig gestellter Gebäude ohne Stromversorgung, Rohbauten mit oder ohne Baustromversorgung.
  • Hauptberuflichen Landwirten gehörende kultivierte Felder und Baumkulturen, nebenberuflichen Landwirten gehörende kultivierbare Flächen, Landstücke, auf denen photovoltaische Anlagen installiert worden sind, Weideflächen, Forstflächen und sonstige Ländereien.
  • Parkplätze, offene Parterreflächen („Säulen-Parterre“), Abstellräume und sonstige Hilfsräume, Swimmingpools auf gemeinschaftlich genutzten Immobilienflächen.
  • Geflügel- und Hühnerfarmen, landwirtschaftliche Lagerräume, Viehställe (Pferche und Krale) sowie auch Gebäude, die von den Landwirten als Hilfsräume genutzt werden.

Alle, die eine Wohnung und ein Landstück besitzen, werden also ab 2014 aufgefordert sein, im Vergleich zu diesem Jahr (2013) erheblich höhere Steuern zu zahlen, weil Landstücke bisher nicht besteuert wurden. Die „Wette“ für das Finanzministerium besteht jedenfalls in der Besteuerung der Ländereien, da es schwierig ist, diese auf den Karten des Ministeriums zu finden sowie auch ihre speziellen Charakteristika zu bestimmen. Wahrscheinlich werden die Steuerpflichtigen zur Einreichung zusätzlicher Informationen aufgefordert werden, damit das Finanzministerium die Steuer berechnen kann.

Steuern werden auch all jene Eigentümer zu zahlen aufgefordert sein, deren Immobilien in den vergangenen Jahren leer standen, also keinen elektrischen Strom hatten und (auch) nicht vermietet waren. Bisher waren diese Immobilien zumindest von der Immobilien-Sonderabgabe befreit. 2014 werden die Eigentümer dagegen auch für leer stehende Wohnungen und Räumlichkeiten Steuern zahlen müssen.

(Quelle: Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. xenya
    27. Oktober 2013, 05:48 | #1

    Die Grundsteuer wird in Deutschland von den Mietern getragen! Ausserdem ist die Grundsteuer lange nicht so hoch, wie in Griechenland! Wie sollen Menschen ohne jegliche soziale Leistungen eines Staates, ohne Steuerfreibetraege sich dieses noch leisten koennen. Was in diesem Land abgeht, ist Diebstahl und Betrug an den eigenen Buerger.Ein „Hoch“ auf alle Reichen in Griechenland, von denen im Fernsehen nie berichtet wird!Kann man sich in solchen Zeiten auf seinem Thron noch wohlfuehlen, wenn seine eigenen Landsmaenner anfangen zu verhungern? Der Staat Griechenland sieht langsam so aus, als waere es ein zweites Uganda, und dass obwohl wir den EURO im Portemonnaie haben! Wie sieht der Plan aus, allerliebste Troika? Reiche noch reicher zu machen? Arme noch aermer?? Das hatten wir alles schon mal. Irgendwann kam der Bauernkrieg und irgendwann kommt solch einer auch wieder!
    Was macht Griechenland, wenn alle anfangen auszuwandern? Wer bezahlt dann noch euch Politiker? Solch einen Scheissstaat der immer wieder auf Nationalliebe predigt, sollte man in den Arsch treten!

  2. Imandra
    27. Oktober 2013, 07:50 | #2

    Diese Aktion wird einen wahren „Exodus“ zur Folge haben, kein Bauer kann das bezahlen, im Grunde ist es nichts anderes als eine grossangelegte Enteignung und Vertreibung der Bevölkerung, vermutlich um ungehindert an die reichen Bodenschätze zu gelangen.

  3. Fritz
    27. Oktober 2013, 22:05 | #3

    In Deutschland muss man in den meisten Städten noch Regensteuer (Niederschlagswassergebürhr genannt)bezahlen. Wetten das eine Luftsteuer kommen wird für jeden Kubikmeter jeden Hauses!
    Wer hätte jemals an eine Regensteuer gedacht?

  4. Max
    28. Oktober 2013, 12:51 | #4

    Abwarten. Kommt in Deutschland auch alles noch!

  5. Dr. Eva Spiess
    6. Februar 2014, 20:40 | #5

    Obwohl ich alle Steuern bis 2013 bezahlt, alles „legalisiert“ wurde und ich einen Käufer für mein Haus habe, ist es nicht möglich, einen Kaufvertrag zu machen, weil das Finanzamt seit 1.1.14 keine Richtlinien herausgibt, die bestimmen, welche Steuern gezahlt werden müssen!

    • Team
      6. Februar 2014, 21:58 | #6

      @Dr. Eva Spiess
      Konkret geht es um die neue „Mehrwert-Steuer“ (also die Besteuerung der Differenz zwischen Anschaffungs- / Erstellungspreis und Verkaufspreis), die anfänglich von den Notaren ermittelt, eingezogen und abgeführt werden sollte. Inzwischen wurde bekannt gegeben, dass nun doch die Finanzämter die Höhe der Steuer ermitteln, die dann beim Notar entrichtet und von diesem abgeführt wird.

  1. 31. Oktober 2013, 00:05 | #1
  2. 3. November 2013, 00:06 | #2
  3. 21. November 2013, 00:05 | #3

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