Dramatischer Anstieg der Armut in Griechenland

29. Oktober 2013 / Aktualisiert: 01. Dezember 2013 / Aufrufe: 4.881
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Die radikale Austerität in Griechenland führt zu einem dramatischen Anstieg der Armut und der Ausweitung der Ungleichheit zwischen Armen und Reichen.

Eine enorme Verschlechterung der Lebensbedingungen der Haushalte in Griechenland sowie ebenfalls auch eine ungleiche Verteilung der Lasten auf die Bevölkerung enthüllen aktuelle Daten einer 2012 bezüglich der Einkommen der Haushalte im Jahr 2011 durchgeführten Untersuchung für die Eurostat, die auch von der „Beobachtungsstelle für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen“ des Instituts für Arbeit (INE) der GSEE kommentiert werden.

Spezieller stieg gemäß dem Index der relativen Armut (der sich auf den Anteil der Bevölkerung mit einem verfügbaren Einkommen in Höhe von unter 60% des entsprechenden Durchschnittseinkommens des Landes bezieht) die relative Armut in Griechenland von 19,7% im Jahr 2008 auf 23,1% im Jahr 2011 an. Ebenfalls erreichte auf Basis der Untersuchung für das Jahr die Gefahr der Armut oder sozialen Ausgrenzung 34,6%, gegenüber 31% im Vorjahr.

Verarmung des gesellschaftlichen Mittelstands

Ergänzend ist anzumerken, dass der beachtliche Anstieg der relativen Armut trotz des (aus dem rapiden Rückgang des nationalen Durchschnittseinkommens resultierenden) signifikanten Absinkens der relativen Armutsgrenze verzeichnet wurde, die für einen Ein-Personen-Haushalt von 549 Euro im Jahr 2010 auf nur noch 476 Euro im Jahr 2011 fiel.

Wie das INE – GSEE berichtet, sind für die Verschlechterung der Lebensbedingungen jedoch auch die Einschätzungen aufzeigend, die sich auf den Armuts-Index beziehen, der erstellt wird, indem die Armutsgrenze unter Bedingungen realer Kaufkraft diachronisch konstant gehalten wird (auf Basis der Einkommen des Jahres 2007). Laut dem konkreten Index stieg in Griechenland die Armut von 20,1% im Jahr 2008 auf 35,8% im Jahr 2011 an. Von besonderem Interesse ist dabei die Tatsache, dass die Armut innerhalb nur eines Jahres – nämlich von 2010 bis 2011 – um 11 Prozentpunkte zunahm.

Ebenfalls nur innerhalb eines Jahres (von 2010 bis 2011) sank das verfügbare Monatseinkommen der im mittleren Bereich der Einkommensverteilung angesiedelten Personen von 915 Euro auf 793 Euro, welcher Rückgang laut dem INE – GSEE „die signifikante Schrumpfung bei den Einkommen der mittleren Schichten im Land“ enthüllt.

Der Anteil der relativen Armut der Arbeitnehmer stieg von 11,9% im Jahr 2010 auf 15,1% im Jahr 2011, während der Anteil der Haushalte, die wenigstens 3 von 9 Grundbedürfnissen nicht zu befriedigen vermögen, sich im Jahr 2012 auf 33,7% belief, gegenüber 21,8% im Jahr 2008. Der Gini-Index stieg derweilen von 0,335 im Jahr 2010 auf 0,343 im Jahr 2011, während in dem selben abgebildeten Zeitraum auch das Verhältnis des Einkommens 20% der reichsten Bevölkerung zu 20% der ärmeren einen Anstieg präsentierte.

Wie das INE – GSEE betont, „enthüllen die Daten der Untersuchung, dass die wirtschaftliche Krise, die Maßnahmen volkswirtschaftlicher Austerität und die Destabilisierung des Arbeitsmarkts die Lebensbedingungen der Bevölkerung in Griechenland nicht nur erheblich verschlechtert, sondern entgegen der Rhetorik der Regierung auch zu einer Ausweitung der Ungleichheiten geführt haben„.

Mit der Tatsache als gegeben, dass 2012 und 2013 die Auswirkungen des Memorandums und der radikalen Austeritäts-Politik der Troika auf die Einkommen der Haushalte sogar noch stärker waren, kommt das Institut abschließend zu der Einschätzung, dass „die heutigen Niveaus der Armut sehr viel höher liegen und die Lebensbedingungen der Haushalte erheblich schlimmer sind„.

(Quelle: Voria.gr)

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  1. Deutscher
    29. Oktober 2013, 11:11 | #1

    Tut mir leid liebe Griechen. Wird aber noch viel schlimmer kommen, wie wir aus Weimar wissen. Die Finanzkrake muss gefüttert werden mit den Vermögen, die die Griechen noch haben. Griechenland hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder unterzugehen oder der Finanzkrake und ihren Lakaien aus EU und IWF den Kampf zu erklären. Entweder mit den Kommunisten oder mit der goldenen Morgenröte. Der bisherige Weg führt in den Untergang.

  2. Skyjumper
    29. Oktober 2013, 11:35 | #2

    So sind sie, die Griechen. Alles wollen sie unbedingt zuerst haben. Erst die Demokratie, und nun auch noch die flächendeckende Armut.
    (Für diejenigen Leser, die es nicht von alleine erkennen: Dieser Ausdrucksstil nennt sich Zynismus.)

  1. 2. Dezember 2013, 00:06 | #1
  2. 16. Dezember 2013, 00:06 | #2
  3. 14. Januar 2014, 10:43 | #3

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