2,25 Euro Stundenlohn in Griechenland

22. Oktober 2013 / Aufrufe: 4.512
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Infolge der in Griechenland von der Troika erzwungen arbeitsrechtlichen Liberalisierungen werden Arbeitnehmer für einen Stundenlohn von 2,25 Euro beschäftigt!

Wie auch aus dem Protestschreiben hervorgeht, das die Parteijugend der SYRIZA im Rahmen einer aktivistischen Aktion vor einem großen Ladengeschäft verteilte, hat sich in der Spielwaren-Ladenkette Jumbo ein … Arbeitsgeber-Getto gebildet.

Der Eigentümer und Direktor der Gesellschaf, Apostolos Vasakis, der es schafft, inmitten der Krise eins der gewinnbringendsten Unternehmen in Griechenland zu haben, setzte Arbeitsbedingungen durch, die an das … Mittelalter erinnern. Im Juni 2013 präsentierte er einen Umsatzrekord von über 500 Mio. Euro (!), was ihn jedoch natürlich nicht daran hindert, seine Beschäftigten einem Klima des Terrors zu unterwerfen und für die Löhne … Auswirkungen (sprich Kürzungen) herbeizuführen, die in den letzten Jahren bis zu 70% erreichten!

Halbtagsarbeit mit einem Monatslohn von 180 Euro

Informationen der Zeitung „Pontiki“ bestätigen, was in dem Protestschreiben der SYRIZA-Jugend geschrieben stand. Sich auf die mit dem Memorandum etablierten „Erleichterungen“ zur sogenannten Flexibilisierung (bis hin zur Eliminierung) der Arbeitsverhältnisse stützend stellt Apostolos Vasakis in seinem Unternehmen in Perioden mit erhöhtem Geschäftsbetrieb (wie im September, in dem das Schuljahr beginnt, aber auch während der Weihnachts- und Osterferien) Personen im Alter von unter 25 Jahren mit sogar auf nur einen (!) Monat befristeten Teilzeitarbeitsverträgen (4 Stunden täglich) und zu Bezügen von 180 Euro ein, also – wie eine einfache mathematische Rechnung ergibt – zu einem Stundenlohn von 2,25 Euro!

Rückfall in das Mittelalter

Und warum sollte Herr Vasakis es auch nicht tun? Wenn Griechenland einen Arbeitslosigkeitsrekord nach dem anderen aufstellt, ist es logisch, dass sich vor den Jumbo-Läden selbst für eine nur auf einen Monat befristete Einstellung Schlangen bilden.

Die Arbeitgeberseite des Unternehmens agiert in der Vorhut der Umsetzung der arbeitnehmerfeindlichen Gesetze und Hungerlöhne, da er den jungen Halbtagsbeschäftigten unter 200 Euro zahlt. Es erweist sich als ein Getto des Arbeitgeber-Terrors mit elenden Arbeitsbedingungen, die auf das Mittelalter und den Arbeitsdschungel der Memoranden verweisen. Das ist das Memorandum, das sind die Arbeitgeber des Memorandums„, betonte der organisatorische Sekretär des Verbands der Privatangestellten Griechenlands, Panagiotis Kyriakoulias, um anzufügen, dass diese Praxis der Arbeitgeberseite der größten Ladenkette in den letzten Jahren ein übliches Phänomen darstellt.

Es ist ein Bild, das wir auch von früher hatten. Und es verstärkt sich wegen der Arbeitslosigkeit und der Rezession. Ein Arbeitnehmer, der Hunger hat, wird sogar auch für 150 Euro, für ein Stück Brot arbeiten gehen und gegenüber jeder beliebigen Arbeitgeberwillkür den Mund halten„, ergänzte Panagiotis Kyriakoulias.

Infolge der Eliminierung des – leider in ein Arbeitgeberrecht umgewandelten – Arbeitsrechts durch die Memorandums-Regierung ist der Jumbo-Arbeitgeber übermütig geworden und wetteifert mit den anderen Handelsketten darum, wer die Löhne und Arbeitsrechte am meisten nach untern komprimiert, um ‚wettbewerbsfähiger‘ als die anderen zu werden. Diese Praxis von Seite der Regierung und der Arbeitgeber führt in unserem Land zu chinesischen Löhnen und Arbeitsverhältnissen wie im Kosovo„, erklärte der SYRIZA-Abgeordnete Dimitris Stratoulis.

„Quartalsarbeiter“ – von den Gewerkschaften im Stich gelassen

Abgesehen von der auf einen Monat befristeten saisonalen Beschäftigung zeigt die Arbeitgeberseite bei Jumbo eine Tendenz, Arbeitnehmer für vier Monate – ebenfalls für monatlich 180 Euro – einzustellen. Quellen der Zeitung „Pontiki“ berichten, „wer es wagt, den Mund aufzumachen, gegen eine Willkürlichkeit zu protestieren und mehr Geld zu verlangen, bekommt direkt und ohne informiert zu werden die … Tür gezeigt„. Also so etwas wie Rache-Kündigungen.

Außer den Rache-Kündigungen und … Hungerverträgen führen Informationen an, die Beschäftigten werden – speziell in den Stoßzeit-Monaten – gezwungen, sehr viel länger als in ihrem Vertrag vorgesehen an ihrem Arbeitsplatz zu verbleiben. Die Anweisung wird von dem Arbeitgeber erteilt, die Bereichsleiter führen sie aus und … den Arbeitnehmern bleibt nichts anderes übrig als zu gehorchen. Tun sie es nicht, gilt ihre Entlassung als gegeben.

Wie sich gezeigt hat, besteht in dem Spiel um den Gewinn keinerlei Platz für Sentimentalitäten. Die in dem Schreiben der SYRIZA-Jugend erfolgte Meldung, die Gesellschaft prozessiere gegen einen arbeitslosen Vater aus Volos, der für seine Kinder in einem Jumbo-Laden Filzstifte im Wert von … 12 Euro stahl, wurde durch die Reportage bestätigt.

Jedenfalls ist anzumerken wert, dass die gewerkschaftlichen Träger mit großer Verzögerung aktiv zu werden und die von der SYRIZA-Jugend erhobenen Vorwürfe zu untersuchen begannen, da bis zu dem Moment, in dem dieser Bericht verfasst wurde, kein einziger Träger der GSEE, ADEDY und des Verbands der Arbeitnehmer des privaten Sektors offiziell reagiert hatte. Wer wird wohl diesen Arbeitnehmern helfen, die nicht einmal einen Verband haben? Wenn es nicht die zuständigen Träger tun, wer dann?

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. KostasK
    22. Oktober 2013, 11:32 | #1

    Die Grossunternehmen und ~Banken sind überall gleich, wenn es darum geht mehr Kohle zu scheffeln. Egal ob sie Krupp, Goldman, Nestle oder Jumbo heissen. Den einzigen gravierenden Unterschied, den ich hier sehe ist, dass für die meisten Unternehmen Fremdarbeiter bluten müssen. Hier in Ellas ist es das eigene Volk, was besonders dämlich ist. Wen wundert da der Zuwachs bei XA? Das Verhalten des Apostolos Vasakis ist eine Schande dem eigenen Volk gegenüber. Boykottiert den Verein, der verkauft eh nur Phthalatbelasteten China Scheiss!
    Wer hat eigentlich das Memorandum unterschrieben? War es etwa ein griechischer Politiker der es nicht einmal gelesen hatte?

  2. almir
    22. Oktober 2013, 12:14 | #2

    der Stundenlohn ist ein Hohn. Aber trotzdem – alle Achtung vor den Beschäftigten. Die arbeiten wenigsten und sitzen nicht zu Hause und jammern.

  3. Deutscher
    22. Oktober 2013, 15:29 | #3

    Dimitris Stratoulis hat völlig recht. Da allerdings Griechenland sich entschlossen hat, am freien Spiel des Marktes und des Globalismus teilzunehmen, ist es auch gezwungen, sich and die Spielregeln zu halten. Griechenland muss billiger werden. Und wenn es noch billiger ist als die nordkoreanischen Zwangsarbeiter wird das Kapital voll Freude nach Griechenland kommen ODER es so machen wie in Deutschland einer weiland ab 1933 und sich von diesem Spiel zu verabschieden und autark zu werden. Einen 3. Weg gibt es nicht.

  4. Paulchen
    22. Oktober 2013, 17:18 | #4

    Deutscher :
    Dimitris Stratoulis hat völlig recht. … Einen 3. Weg gibt es nicht.

    Der dritte Weg heißt Solidarität. Wann kapieren die Arbeitnehmer und Arbeitslosen endlich, dass sie an einem Strang ziehen müssen. Aber wenn selbst die Gewerkschaften uneins und / oder korrupt sind, kann es nur abwärts gehen.

  5. Konstantinos
    22. Oktober 2013, 21:49 | #5

    Von Komotoni und Bereichen in Pelepones, weiss ich, dass die Menschen dort für ca. 10 Euro täglich 10 bis 12 Stunden arbeiten und es dann noch fraglich ist ob sie am Ende des Monats ihr Geld überhaupt bekommen.

    Es ist schon lange offensichtlich, dass Griechenland ein Billiglohn und Produktionsland werden soll, nur lag der Anfang dafür nicht bei der Troika sondern bei den griechischen Unternehmern selbst. Die Troika wollte anfangs nur die Bezüge der Beamten gekürzt sehen, da baten einige Unternehmer um einen Termin bei der Troika, als ob es eine Wirtschaftssitzung für Kaufleute wäre und baten um reduzierung der Löhne um Geschäftsfähig zu bleiben. Schon traurig wenn Griechen die eigenen Landsleute ausbeuten.

  6. Panhellene
    23. Oktober 2013, 08:59 | #6

    Eine Mitarbeiterin einer mittleren Supermarktkette hat mir „gebeichtet“, daß sie 200 € unter Mindestlohn ausgezahlt bekommt. Die Firma verlangt aber von ihr und anderen Mitarbeitern, daß sie den Empfang des gesetzlichen Lohns bestätigt. Sie wird also nicht nur ausgebeutet, sondern trägt unfreiwillig auch noch zur Steuerhinterziehung ihres Arbeitgebers bei. Diese Methode soll in Griechenland ziemlich verbreitet sein.

  1. 28. Oktober 2013, 00:06 | #1
  2. 7. März 2014, 00:06 | #2

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