Photovoltaik-Blase in Griechenland platzt

6. September 2013 / Aktualisiert: 25. August 2015 / Aufrufe: 3.466

In Griechenland platzt nun auch die Blase der Photovoltaik, mit einem dramatischen Verlust an Arbeitsplätzen und dem Rückzug internationaler Firmen aus dem Land.

Im ersten Halbjahr 2013 gingen in Griechenland ein Drittel der Arbeitsplätze in der Photovoltaik-Branche verloren, und wenn die Situation sich weiterhin so fortsetzt, werden bis Ende des Jahres 2013 noch einmal eben so viele Arbeitsplätze verloren gehen. Dies betont der Griechische Verband der Photovoltaik-Firmen (HELAPCO) in einem Memorandum an den Premierminister und verlangt eine Änderung der Politik der Regierung für die Branche.

Wie angeführt wird, wurden in Griechenland allein 2013 rund 1,5 Mrd. Euro in Photovoltaik-Anlagen investiert. Insgesamt wurden in den letzten fünf Jahren und inmitten einer unerhörten Krise auf dem Bereich der Photovoltaik 4,5 Mrd. Euro investiert.

300.000 Menschen verdienen am PV-Markt

Die für diese Investitionen erforderlichen Studien, Konstruktionen, aber auch Produktion oder Lieferung der Ausrüstung erfolgten zu einem großen Teil von den Mitgliedsfirmen des Verbands. Insgesamt wurden 20.000 direkte und 30.000 indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Rechnet man auch die PV-Investoren (38.000 Haushaltsverbraucher und 14.000 Firmen, die all die Jahre in photovoltaische Parks investierten), ergibt sich, dass über 100.000 Haushalte bzw. entsprechend 300.000 Personen direkt oder indirekt von den Aktivitäten auf dem PV-Markt profitieren, indem sie einen Teil oder die Gesamtheit ihres Einkommens sicherstellen.

Wenigstens 40% der Materialien, Dienstleistungen und sich auf die Aufstellung der Photovoltaik-Anlagen beziehenden Ausrüstung haben einen inländischen Mehrwert, weil dieser in Griechenland generiert und von griechischen Arbeitnehmern erbracht wird. Fast 60 verschiedene Berufe und Branchen (Ingenieure, Techniker, Juristen, Anbieter von Finanzdiensten, Versicherungsgesellschaften, Beschäftigte in der Aluminiumindustrie, Produktion von Kabeln und Elektroausrüstung, Software-Firmen, Sicherheitsdienste usw.) sind direkt oder indirekt in Produktion und Handel von Ausrüstung, in Entwicklung, Finanzierung, Installation, Versicherung, Beaufsichtigung und Wartung der Projekte involviert.

Unternehmen und Fachkräfte wandern ab

Wie der Verband in seinem Memorandum erklärt, wird in den letzten Monaten – und obwohl inzwischen die Kosten der Solarstrom-Kilowattstunde mit denen der konventionellen Energie vergleichbar sind – die PV-Branche von einer Flut negativer Regelungen heimgesucht, die den Markt destabilisiert und zum Verlust tausender Arbeitsplätze geführt haben, während das Ministerium für Umwelt, Energie und Klimawandel (YPEKA) auf wachstumsfeindlichen einschränkenden Regelungen beharrt (wie beispielsweise der Aussetzung der Erteilung von Genehmigungen für neue Projekte, die dem Markt einen gewissen Atem einhauchen würden).

Weiter betont der Verband: „Viele internationale Firmen der Branche, die in den letzten Jahren erheblich in den griechischen Markt investiert hatten, bereiten sich sogar darauf vor, sich aus dem Land zurückzuziehen, da sie keinerlei unmittelbare Perspektive für einen Aufschwung und ein tragfähiges Wachstum sehen. Das selbe gilt auch für hunderte Ingenieure und Wissenschaftler, die inzwischen nach einer besseren Zukunft jenseits der Landesgrenzen suchen, da sie ihre Arbeit im Raum der Photovoltaik verloren haben. Aus den obigen Gründen hat die Branche eine Reihe von Maßnahmen für einen Neustart des PV-Marktes vorgeschlagen.

(Quelle: Eleftherotypia)

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  1. GR-Block
    6. September 2013, 12:21 | #1

    „Wenigstens 40% der Materialien, Dienstleistungen und sich auf die Aufstellung der Photovoltaik-Anlagen beziehenden Ausrüstung haben einen inländischen Mehrwert, weil dieser in Griechenland generiert und von griechischen Arbeitnehmern erbracht wird.“
    Wie werden denn die 40% ermittelt? Ist das vom Umsatz oder vom Gewinn? Bei aller Liebe zur Natur. PV ist ein durch und durch subventionierter Markt und sollte in der Krise schleunigst verlassen werden. D hatte es vorgemacht, indem es die Einspeisetarife frühzeitig reduzierte. Warum die Troika gleichzeitig „empfahl“, in GR daran länger festzuhalten und das Schlitzohr Rössler ergänzte, dass die griechischen Produktionskapazitäten NICHT ausgebaut, stattdessen in D gekauft werden sollten, ist unverständlich. Oder doch nicht?
    Insgesamt ist die Anzahl der Arbeitsplätze in der PV gegenüber den Investitionskosten eher gering. Es wird ja alles per Fließband und Roboter gefertigt. Die ganzen Zulieferer in die Rechnung miteinzubeziehen ist nur bedingt sinnvoll. Denn die würden auch für andere high tech Produkte zuarbeiten. Zum Beispiel solche, die in GR entwickelt werden, wo griechische Universitäten und Forschungsinstitutionen die Patente halten. Dann fließen nicht teure Lizenzgebühren aus dem Land.
    Außerdem ist es ein Fehler auf Technologien zu setzen, die wenige Arbeitskräfte aber hohe Automation brauchen. Damit verwirkt man den ökonomischen Vorteil eines Niedriglohnlandes. Dann kann die Produktion gleich in den reichen Staaten passieren. Hier ist das gute alte Windrad besser. Weil mechanisch, hat es viel mehr Wartung, also vor Ort Arbeit nötig.
    Aber am allerbesten unter den Erneuerbaren, ist die in GR seit fast 40 Jahren entwickelte Sonnenkollektor-Technologie. Unschlagbare Effizienzen bis 90%, günstige Herstellung, in jedem Kuhdorf fertigbar und in jedem Haushalt anwendbar. Das ist in der griechischen Volkswirtschaft eine feste Größe, eine Blase ist nicht möglich. Deshalb haben sich da in Zeiten des explodierenden Korruptionsimports (’90er) große EU Konzerne gleich drangehängt und in GR „investiert“ oder vielmehr in seine Amtsträger. Jetzt in der Krise muss man legale und illegale Tricks finden, um sie wieder aus dem Land zu komplimentieren. Dann kann diese Form Solarenergie gefördert und weiter ausgebaut werden. Denn noch hat nicht jeder so eine Anlage und die möglichen Anwendungen sind bei weitem nicht erforscht. Mit nur ein wenig staatlicher Förderung könnte man aber…

  2. Rafael
    12. September 2013, 10:44 | #2

    Volkswirtschaftlich am besten sind im Bereich Erneuerbare Energie Biomassekraftwerke, zum Beispiel Biogasanlagen. Im Idealfall werden Reststoffe des agro-food Bereichs wie Gülle, Mist und Lebensmittelabfälle (Schlachthäuser, Gemüseproduktion) in Energie umgewandelt. Die Erzeuger des Inputs kommen aus der näheren Umgebung der Anlage, sie erzielen Umsätze durch die Abgabe des Inputs oder vermeiden Entsorgungskosten. Biogasanlagen sind dezentral und es gibt (leider) keine große Lobby industrieller Anlagenhersteller. Das ist wohl der Grund warum diese Form der erneuerbaren Energie etwas stiefmütterlich in der politischen Diskussion behandelt wird. Und im Bereich der Herstellung dieser Anlagen ist die lokale Wertschöpfung durchaus hoch, da der Anteil Bau (für Fermenter, Gebäude, Verkabelung etc.) im Regelfall von „einheimischen“ Unternehmen übernommen wird. Auch in Griechenland ließe sich sowohl das Abfall- wie auch das Energieproblem wertschöpfend verbessern. Biokraftwerke sind eine gute Lösung.

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