Interesse ausländischer Investoren an Griechenland

5. September 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 1.049

Griechenland kehrt wieder auf die Karte ausländischer Investoren zurück, die speziell den Tourismus, die Immobilien und die Energievorkommen im Visier haben.

Wie gegenüber der „ItS“ (Samstagsausgabe der Imerisia) die Präsidenten sechs großer griechisch-ausländischer Handelskammern anführen, richten sich ihre meisten Blicke auf die Sektoren des Tourismus, der Immobilien, der Lebensmittel und der Kohlenwasserstoffe, während sich im Zentrum auch immer die Privatisierungen befinden.

Die Kammer-Präsidenten vertreten, Griechenland habe nach einem langen Zeitraum der Unsicherheit auf der Karte der ausländischen Investoren wieder Fuß gefasst, stellen jedoch klar, Griechenland müsse große Anstrengungen unternehmen um sie in das Land ziehen, angefangen von der Adoption eines stabilen Steuersystems und der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung.

Jedenfalls sind sich alle darin einig, dass die Anzahl der Ausländer, die in Griechenland investieren wollen werden, sich um so mehr vermehren wird, je mehr die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigt und die Gefahr des Bankrotts und eines Austritts aus der Eurozone sich entfernt.

Nikos Anastasopoulos, Präsident der griechisch-amerikanischen Kammer:
Die Reformen sind Voraussetzung für die Anziehung von Investoren

Der Sektor, an dem die Amerikaner besonderes Interesse für Investitionen zeigen, sind die Kohlenwasserstoffe bzw. Energievorkommen. Dies zeigte sich außerdem auch aus dem strategischen Einstieg des US-Hedgefonds Third Point bei der Energean Oil & Gas, aber auch aus den neuen Investitionen, die sie für Bohrungen nach Kohlenwasserstoffen im Seegebiet des Golfs vor Kavala mit dem Ziel planen, die Produktion bis Ende des Jahres auf 4.000 Barrels täglich zu verdoppeln. Natürlich könnten wir auch andere amerikanische Investitionen auf dem Erdölsektor haben, sofern sich die Prognosen über die Existenz nutzbarer Vorkommen bewahrheiten werden.

Der andere Sektor, auf den sich das Interesse der amerikanischen Investoren konzentriert, sind der Tourismus, aber auch die Immobilien. Bei den Immobilien wird das Interesse sogar um so mehr steigen, je lukrativer sich die Preise gestalten, und ich nehme an, dass wir diverse Fonds aus den USA zu Investitionen in Griechenland eilen sehen werden.

Die Tatsache, dass Griechenland der einzige Pol der Stabilität in der weitläufigeren Region ist, aber auch seine geopolitische und geostrategische Aufwertung mit dem Dreieck Griechenland – Israel – Zypern haben maßgeblich dazu beigetragen, wieder auf die Karte der Ausländer zu gelangen. Damit ihr Interesse jedoch Praxis wird und wir langfristig Investoren anziehen, was auch das Ziel der griechischen Regierung zu sein hat, müssen wir voranschreiten und die Reformen abgeschlossen werden – was die internationalen Investoren bei jedem Kontakt mit ihnen klarstellen – und ein unternehmerfreundliches Umfeld mit einem stabilen Steuerrahmen und einer zügigen Rechtsprechung schaffen.

Wir müssen den Umstand ausnutzen, dass es eine Kapitalwanderung von den aufsteigenden Wirtschaften nach Europa gibt und sich damit eine Gelegenheit bietet, einen Teil davon hierher zu lenken.

Christoforos Chatzopoulos, Präsident der griechisch-französischen Kammer:
Neustart der öffentlichen Projekte ist notwendig

Jedes Mal, wenn wir uns nach Paris begeben, stellen wir das intensive Interesse der Franzosen an Investitionen in unserem Land fest. Positiv hat auch die Botschaft gewirkt, die der Präsident Francois Hollande im Rahmen seines Besuchs in Athen an die französischen Unternehmer richtet, in Griechenland zu investieren.

Der Tourismus ist einer der Sektoren, der die französischen Investoren sehr interessiert. In Griechenland sind bereits große französische Hotelketten wie Sofitel und Novotel tätig und könnten ihre Präsenz ausweiten. Ihre Blicke richten sich aber auch auf die Konstruktionsbranche, und zwar hauptsächlich die großen Straßenbauprojekte, auf deren Wiederaufnahme sie warten. Interesse besteht ebenfalls an den Privatisierungen, mit Schwerpunkt auf dem Eisenbahnnetz und den Wasserversorgungsgesellschaften.

Ich nehme an, dass wir, wenn wir die öffentliche Verwaltung modernisieren, die Rechtsprechung beschleunigen und ein stabiles Steuersystem schaffen, dann signifikantes Kapital aus Frankreich – einem Land, zu dem wir diachronisch freundliche Beziehungen haben – anziehen können.

Einen „Dorn“ stellt ebenfalls der negative Verlauf der sich mit den Rhythmen eines Nullwachstums bewegenden französischen Wirtschaft in den letzten Jahren, aber auch die Tatsache dar, dass Frankreichs Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu ihren Konkurrenten eingebüßt hat, die ungeheure Gelder in ihre Modernisierung investierten.

Trotz allem nehme ich an, dass die Franzosen herbeieilen werden, wenn wir zeigen, dass wir Fortschritte machen und das Investitionsklima verbessern wollen. Es ist nicht zu vergessen, dass Frankreich speziell nach dem Beitritt unseres Landes zur Eurozone erhebliche Gelder in Handel, Banken, Bauwesen u. a. investiert hat.

Konstantinos Giannidis, Präsident der griechisch-chinesischen Kammer:
Interesse an der Verarbeitung chinesischer Produkte in Griechenland

Trotz der existierenden oder im Verlauf auftretenden Probleme interessieren die Chinesen sich weiterhin intensiv für Investitionen in Griechenland. Grundsätzlich sind sie an den Privatisierungen interessiert, mit Schwerpunkt bei den Häfen und dem Eisenbahnnetz. Abgesehen davon gibt es jedoch auch Anzeichen, dass sie verschiedene Projekte für Investitionen auf dem touristischen Sektor und bei Hotelkomplexen zu untersuchen beginnen, und ich schätze ein, dass die Dinge sich auch dort positiv entwickeln werden.

Ebenfalls besteht Interesse an der Weiterverarbeitung chinesischer Produkte in unserem Land, damit diese ein Zertifikat der Europäischen Union erhalten. Chinesische Gesellschaften – darunter auch die Cosco – suchen danach, Standpunkte zu schaffen, an denen sie entweder diverse Teile in Griechenland montieren oder sie hier verpacken werden. Gewisse Länder der Europäischen Union bieten Firmen aus Drittländern diese Möglichkeit, warum nicht auch wir? Derzeit gibt es noch nichts Konkretes, da noch der gesetzliche Rahmen und die bestehenden Perspektiven untersucht werden. Sofern jedoch andere Länder den Weg eröffnet haben, erachte ich, dass auch Griechenland folgen sollen.

Weiter interessieren die Chinesen sich für den Kauf von Immobilien, speziell nach der Verabschiedung des Gesetzes bezüglich der Erteilung einer fünfjährigen Aufenthaltserlaubnis, sofern der Wert der Immobilie 250.000 Euro übersteigt, aber auch für Exporte griechischer Produkte nach China, die auf dem chinesischen Markt Boden gewinnen.

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