Griechenland: Unser Staat ist der Feind unseres Staates!

7. September 2013 / Aufrufe: 971

Als größter Feind des Staates in Griechenland erweist sich immer wieder der Staat selbst.

Der Punkt, wo es niemals eine Verbesserung geben kann, ist dort, wenn jemand niemals seine Fehler anerkennen will und alle Unglücke den anderen anlastet. Es kommt nicht von ungefähr, dass das Volk betont, „die Fehler werden zur Lehre„, nur scheinen wir es nur zu sagen und nicht zu adoptieren. Heute sind uns jeder und alles schuld. Von der Troika und dem IWF bis hin zum „rückläufigen Merkur“.

Die einzigen, die keine Schuld haben, sind wir. Und im Fall der heutigen Anmerkung ist der einzige, der nicht schuld ist, der Staat, also der koordinierte Staat und im weiteren Sinne unsere Vertreter in allen Machtpositionen, in die sie jedoch mit unseren Stimmen gelangten.

Was haben also diese unsere gewählten Vertreter getan? So unvereinbar es sich auch anhören mag: sie legalisierten – und tun es weiterhin – überall die Illegalität, entweder um Stimmen zu fangen oder Schmiergelder einzusacken.

Ohne Zwischenhandel kein Profit für Vermittler

Thema des Tages – auf der inländischen Bühne – ist das Schicksal unserer Rüstungsindustrie, die unter einem unheilbaren Defekt leidet, und zwar aus vielen Gründen, hauptsächlich jedoch, weil der Staat ihr keine Aufträge für seine Ausrüstung erteilt. Warum?

Lassen wir uns eine kleine – jedoch so charakteristische – Geschichte in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Erinnerung rufen. Die Polizei verlangte von der Regierung eine große Anzahl Waffen für die Polizisten. Die griechische Rüstungsindustrie unterbreitete ein Angebot zur Produktion einer konkreten Waffe, wozu sie – gegen Bezahlung – das Know-how von der deutschen Herstellerfirma erhielt. Was das Ergebnis war? Die exakt selben Waffen wurden bei den Deutschen gekauft, jeweils zu einem vielfachen Preis (ob es wegen dieses Themas wohl eine Untersuchung geben wird?).

Hier liegt das Geheimnis: Die Vermittler, in der Regel Medien-Moguls, hätten keinen wirtschaftlichen Profit gehabt, wenn die Waffen in Griechenland produziert worden wären (es sei in Erinnerung gerufen, wie es geschah, dass wir anstatt der F15, deren Kauf – unter Tsochatzopoulos – fast angekündigt worden war, schließlich die F16 kauften). Als Zwischenhändler – Lieferanten des selben Materials dagegen sind ihre Gewinne riesig, und mittels der geeigneten Schmiergelder an die geeigneten Leute erreichen sie per Überteuerung sogar schwindelerregende Höhen.

Ist es ein Zufall, dass wir nichts über die Eigentümer der Offshore-Gesellschaften erfahren? Und mit all diesem und anderen gelangten wir an dem Punkt an, dass die Uniformen unseres Militärs – nachdem die militärischen Manufakturen geschlossen wurden – nicht in Griechenland, sondern in der Türkei genäht werden. Und die Hüte in Rumänien. Man sagte uns, sie seien billiger. Mag sein. Aber das Geld wäre in Griechenland geblieben, und mittels des Multiplikators hätte der Staat speziell auch auf dem gesellschaftlichen Sektor profitiert. Kann ausgeschlossen werden, dass bei der ganzen Sache etwas nicht stimmt?

Zulagen für wenige anstatt Lohnerhöhungen für alle

Wer gewährte die Zulagen mit den – unglaublichen Benennungen an bestimmte Arbeitnehmerzweige (Zulage für Händewaschen, Aktenordnertragen, Motor-Vorwärmung und anderer Unsinn, zumindest hinsichtlich der Bezeichnung)? Es ist offensichtlich, dass gewisse Leute in den Ministerien sich amüsiert haben. Den Forderungen der Gewerkschaftler nachgebend, aber auch keine Gehaltserhöhungen bewilligen könnend, weil sich dann alle Arbeitnehmer erhoben und gleiche Behandlung gefordert hätten, gewährten sie großzügig Zulagen dieser Art. Und nicht nur das. Wurden nicht auch den Ärzten imaginäre Bereitschaften bezahlt, anstatt ihnen Gehaltserhöhungen zuzugestehen? Wurden bei den gemeinnützigen öffentlichen Unternehmen (DEKO) nicht Überstunden in einem Volumen bezahlt, das sogar auch die Höhe des Gehalts erreichte?

Wer kontrollierte – oder kontrolliert – beispielsweise Bedienstete, die ein, zwei Stunden am Arbeitsplatz verbleiben und sich dann unter dem Vorwand, bei irgendwelchen Bürgern eine Kontrolle zu machen, in ihre eigenen privaten Büros begeben? Ich habe Fakten über einen Fall, wo der Leiter einer Präfektur-Verwaltung von den Bediensteten das Selbstverständliche verlangte, nämlich die Dienststelle zu informieren, wohin sie gehen und was sie außerhalb ihres Dienstbüros tun, woraufhin diese auf die Barrikaden stiegen und der Präfekt sich auf ihre Seite schlug, in dem Sinn „hey, was willst Du denn jetzt und stocherst darin herum!„.

Es wird sich nichts ändern wenn wir uns nicht ändern

Ich schließe mit einem jüngst von Herrn Kyriakos Mitsotakis unterstrichenem Hinweis, dem ich voll zustimme: „Jede überflüssige Unterschrift, jede nicht wirklich nötige Genehmigung, jedes komplexe Verfahren kann auch ein potentieller Herd der Korruption sein.

Selbst wenn wir die gesamte Verschuldung auf magische Weise tilgen würden, werden wir in der selben Misere leben, wenn wir nicht den Staat, also uns selbst ändern.

(Quelle: Voria.gr)

  1. Rudi
    9. September 2013, 08:55 | #1

    Auch ich spüre, dass ein Ruck durch Griechenland geht. Anstatt immer nur: „Merkel, USA, CIA und Troika“ fasst man sich viel öfter an die eigene Nase. Das würde auch manchem Deutschen besser anstehen. Noch ist man dort im Wohlstand eingelullt und wird vor lauter Angst etwas zu verlieren, wieder konservativ wählen.
    Aber: Solange die G20 Staaten das Finanzsystem nicht an die Kandare bekommen, kommt der Kollaps unweigerlich, und zwar weltweit. Denn alle bisherigen Gipfel und besonders der letzte, brachten in dieser Richtung null, nichts, nada, tipota. Wie ein Kaninchen vor der Schlange, verharren die Industrienationen vor der Finanzlobby. Darum wird die beste Selbsteinsicht auch Griechenland erstmal nicht viel helfen. Schade!

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