Troika-Regierung in Griechenland ist am Ende

2. August 2013 / Aufrufe: 1.411

Laut der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission misstrauen die Bürger zu Recht der Troika, die in Griechenland praktisch die Regierung substituiert hat.

Die Bürger haben Recht, der Troika zu misstrauen„, da „radikale Entscheidungen wie die Entlassung zehntausender öffentlicher Bediensteter nicht hinter geschlossenen Türen getroffen werden können„, erklärt in einem Interview mit der griechischen Zeitung „Kathimerini tis Kyriakis“ die Vizepräsidentin der Kommission, Viviane Reding. Und es sind nicht nur die Beschlüsse über die Entlassungen, die hinter geschlossenen Türen gefasst werden …

Genau gesagt handelt es sich um (extern) gefasste Beschlüsse, welche die Regierung des Landes umsetzt und das Land in eine Schuldenkolonie und seine Bevölkerung in Auslandssklaven verwandelt.

Griechenland ist Europa-Meister bei der Arbeitslosigkeit

Lassen wir zu Beginn einen Blick auf den Arbeitsmarkt werfen (Daten aus der Zeitung Ethnos):

  • Für 300.000 Arbeitnehmer gilt nicht mehr der Achtstundentag
  • Mehr als 240.000 Arbeitnehmer unterschrieben 2012 persönliche Arbeitsverträge
  • Die Kürzungen der Bezüge erreichten im Durchschnitt 22,1%
  • Branchentarifverträge sind praktisch inexistent
  • 700.000 Arbeitnehmer werden mit weniger als 586 Euro pro Monat entlohnt

Die von den obigen Zahlen beschriebene „Landschaft“ wird ergänzt, wenn man das über 1,5 Mio. Personen zählende „Reserve-Heer“ der Arbeitslosen und die Tatsache berücksichtigt, dass Griechenland fortan europäischer Champion (auch) bei der Jugendarbeitslosigkeit ist.

Das Deckmäntelchen der Reformen

Im Namen der Modernisierung und der Reformen hat die Troika den Ausverkauf des öffentlichen und privaten Vermögens beschlossen, und die Athener Regierung versucht ihn zu realisieren:

  • Den OPAP (öffentlicher Träger für Lotterien und Wettspiele) haben sie bereits „verramscht“.
  • Sie haben eingeleitet, Häfen und Flughäfen zu verscherbeln.
  • Sie sind bereit, die Nationale Betriebsgesellschaft des Erdgassystems (DESFA) zu einem geringeren Preis zu verkaufen als nur ein einziges ihrer Vermögensteile (die Anlagen in Revythousa) wert ist.
  • Sie haben die öffentliche Elektrizitätsgesellschaft (DEI) gesplittet, um ihren Verkauf zu beschleunigen / erleichtern.
  • Sie öffnen den Weg für den Verkauf auch des Wassers, da die außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Athener Wasserwerke (EYDAP) die Satzung des börsennotierten Unternehmens änderte und damit die letzte formale „Hürde“ aufhob, die eine Mehrheitsbeteiligung des Staates an der Gesellschaft vorsah.
  • Laut der Sonntagsausgabe der Eleftherotypia wird unsere bisherige Modernisierung, welche die Troika plant und Samaras (Nea Dimokratia) und Venizelos (PASOK) umsetzen, mit neuen Krediten finanziert, die zu 98% umgehend in die Truhe unserer Zinswucher betreibenden Retter zurückfließen.

Anders gesagt kamen von den 236,8 Milliarden Euro der verzinsten „Hilfe“, die Griechenland mit den Memoranden und den Kreditverträgen erhielt, nur 2% in den öffentlichen Kassen an. Die übrigen Beträge flossen einfach nur über das Konto zur Bedienung der Verschuldung und landeten genau dort, wo sie als Buchungseintrag herkamen: In den Taschen der Zinswucherer.

Etwa so, mit einer solchen Dosis der Modernisierung von der Troika und derartig folgsamen Umsetzung durch Typen wie Samaras, Venizelos und Stournaras, schnellte laut den am Montag veröffentlichten Daten der Eurostat die öffentliche Verschuldung Griechenlands im ersten Quartal auf 160,5% des BIP hoch und „wuchs“ somit im Vergleich zum ersten Quartal 2012 um 24,1%.

Offensichtlich braucht man nicht Vizepräsident der Kommission wie Frau Viviane Reding zu sein, um festzustellen, dass die Troika „am Ende“ ist. Nur dass im vorliegenden Fall der Feststellung der Frau Reding etwas Wesentliches übergangen wird: Die Griechen haben keinerlei Troika gewählt. Diejenigen also, die „am Ende“ sind, sind jene, die uns regieren …

(Quelle: To Pontiki)

Relevanter Beitrag:

  1. Quotex
    3. August 2013, 03:04 | #1

    Sicher musste auch Samaras&CO versprechen Schaden vom Griechischen Volk abzuwenden und hat das Versprechen offensichtlich schon mehrfach gebrochen.Die Gelegenheit gegenzusteuern hatte er allemal,siehe http://lostineu.eu/deutsch-griechische-kraftprobe/
    Wenn die fragile Mehrheit von Samaras & Co futsch ist kann man nur hoffen das die Syriza das Ruder übernehmen kann.Tsipras kann vielleicht nicht zaubern aber es wird dann immerhin ein anderer Wind wehen der möglicherweise die Abwärtsspirale stoppt.

  2. Mark
    3. August 2013, 10:44 | #2

    Es ist mal wieder schön zu lesen wie die politische Linke in GR die Welt sieht.
    Ich bin stark dafür das GR endlich der weg frei gemacht wird um aus der EU und EURO-Raum austreten zu könnnen. Dann dürfen die Staatsgläubigen (Linke wie Rechte) mal sehen was in einem dysfunktionalem Staat so alles passiert wenn die die Klientel nicht mehr bezahlt werden kann.
    Leider wird dieses nicht passieren so daß man wohl noch einige Jahre diese Berichte und Analysen lesen muss die wenig Bezug zur wirtschaftlichen Realität haben, wie z.B. der Begriff „Zinswucherer“.
    Viele Euroländer müßen selbst höhere Zinsen zahlen als die Zinsen die sie GR dafür berechnen.

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